Die regional sehr unterschiedlichen Bedingungen für den Rübenanbau erfordern auch eine angepasste Sortenwahl. Vor allem auf Standorten mit Besonderheiten wie Nematoden- Rhizoctonia- oder SBR/Stolbur-Befall muss der Sortenwahl vermehrt Bedeutung geschenkt werden. In der Tabelle werden aktuelle Sorten für die besonderen Gegebenheiten eingestuft. Neue Sorten wurden in den Wertprüfungen wenigstens drei Jahre getestet. Diese müssen ihr Potential in der Praxis aber erst noch beweisen.
Die nematodentoleranten Sorten BTS 5715, Lunella KWS und Caprianna KWS erwiesen sich in den letzten drei Jahren auch auf nematodenfreien Standorten als sehr gut. Bei starkem Cercosporabefall erfordern diese Sorten aber eine intensive Fungizidstrategie. Die Sorte Blandina KWS schnitt in der Cercospora-Toleranz unter den Nematoden-Sorten am besten ab.
Sind Nematoden auf Ihrem Standort kein Problem, ist aber eine hohe Blattgesundheit gegen Cercospora erforderlich, sind Sie mit Sorten wie BTS 2030 und Ludovica KWS gut aufgestellt.
In den SBR-Problemgebieten muss die Sortenwahl konsequent auf diesen Krankheitskomplex ausgerichtet werden. Die SBR-Spezialsorten Fitis und Kakadu schnitten in den letzten Jahren am besten ab. Obwohl beide Sorten in diesem Jahr augenscheinlich schwächelten, wenn SBR mit Stolbur gemeinsam auftraten, bestätigten sie die Leistung der letzten Jahre auch in diesem Jahr mit hohen Relativerträgen. Dennoch reicht die geringere Anfälligkeit dieser Sorten nicht aus, um SBR und Stolbur vollständig in den Griff zu bekommen.
Auch Josephina KWS, Chevrolet und Kauz erzielten verhältnismäßig gute Ergebnisse. Die Sorte Brabanter, die letztes Jahr noch vielversprechend aussah, fiel durch das vermehrte Auftreten von Stolbur dagegen deutlich ab. In den Befallsrandlagen konnten mit Hibou und Lunella KWS noch hohe Erträge erzielt werden. Kauz ist ebenfalls eher für die Befallsrandlagen geeignet, da sie außer Lunella KWS zu den wenigen SBR-toleranten Sorten gehört, die auch ohne SBR-Befall im bereinigten Zuckerertrag mit an der Spitze liegt. Leider ist Kauz nicht Nematoden-tolerant.
Mittlerweile sind auch Spezialsorten mit Virus- Toleranz wie ST Yellowstone oder Maruscha KWS auf dem Markt.
Bei starkem Ditylenchusbefall kommen die Sorten Kakadu, Lomosa und Josephina KWS in Betracht.
Conviso Smart Rüben
Conviso Smart Rüben vertragen ALS-Hemmer wie Foramsulfuron und Thiencarbazone (Wirkstoffe aus MaisTer Power). Für die Conviso-Rüben wird das Conviso One (50 g/l Foramsulfuron; 30 g/l Thiencarbazone) vermarktet.
Conviso Smart Rüben sind eine Option, wenn Problemunkräuter wie Wildrüben, Hundspetersilie, Samtpappel, Ambrosia, Bingelkraut, Knöterich und Stechapfel mit Standardmaßnahmen anders nicht mehr in den Griff zu bekommen sind. Eine weitere Berechtigung hat Conviso Smart in trockenen Regionen, in denen die klassischen Herbizidmaßnahmen häufig nicht sicher wirken.
Wer in den Anbau von Conviso Smart Rüben einsteigen möchte, gleichzeitig aber auch konventionelle Sorten anbaut, muss beide Zuchtrichtungen streng trennen. Bei der Aussaat darf es zu keiner Vermischung des Saatgutes kommen bzw. müssen die Säkästen komplett entleert sein, bevor Sie Conviso-Smart Saatgut einfüllen. Konventionelle Rüben vertragen das Conviso One Herbizid nicht und würden durch das Conviso absterben. Auch nach der Herbizidanwendung muss die Spritze gründlich gereinigt werden, wenn Sie nach einer Conviso One-Spritzung konventionelle Rüben behandeln möchten.
Einen entscheidenden Vorteil haben Conviso Rüben beim „Spotspraying“ (punktuelle Bekämpfung auftretender Unkräuter). Durch den Einsatz der ALS-Hemmer verschiebt sich die Herbizidbehandlung in den Nachauflauf, weshalb nur direkt auf die Unkräuter gespritzt werden kann. Unter diesen Umständen sind Herbizid-Einsparungen von bis zu 70 % möglich. Ein weiterer Vorteil ist, dass mit ein bis zwei Herbizidmaßnahmen recht einfach auch relativ große Unkräuter sicher bekämpft werden.
Man muss sich allerdings auch dessen bewusst sein, dass mit Conviso-Rüben gegen ALS-Hemmer resistente Arten in die Fruchtfolge gelangen, die als Durchwuchsrüben schwer zu bekämpfen sein werden. Auf Standorten mit ALS-resistentem Ackerfuchsschwanz ist das System nicht zu empfehlen.
Conviso Smart-Sorten
Conviso Rüben haben genetisch noch nicht das Ertragspotenzial ihrer „konventionellen“ Geschwister erreicht. Deshalb werden sie in der nachfolgenden Tabelle im Vergleich zu den konventionellen Sorten als ertragsschwach eingestuft. Man muss dazu aber wissen, dass in den Sortenversuchen auch die Conviso Smart Rüben mit klassischen Herbizidstrategien behandelt werden und Phytotox infolge von Herbizidstress durchaus zu Ertragseinbußen führen kann. Aus diesem Grund sehen wir den Ertragsnachteil in der Praxis weniger problematisch. Nach Rückmeldung unserer Beratungsbetriebe lagen die Conviso Smart Rüben bei der Spätrodung mit den konventionellen Sorten ertraglich oft gleich auf, in der Frührodung nur geringfügig darunter.
Bei starkem Cercospora-Druck stehen im konventionellen Sortiment gesündere Sorten zur Verfügung.
In den SBR-Befallsregionen raten wir von Conviso Smart-Rüben ab, da die aktuell verfügbaren Sorten mit starken Ertrags- und Zuckergehaltsdepressionen auf SBR und Stolbur reagieren.
Die Einstufung der drei verfügbaren Conviso-Sorten können Sie der nachfolgenden Tabelle entnehmen.









