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Zuckerrüben – Rückblick 2023 – Der Anfang vom Ende?

Dez. 14, 2023 | Ernterückblick, Grünes Info 2023, Zikade, Zuckerrüben, Zuckerrübenkrankheiten, Zuckerrübenschädlinge

Ein aufregendes Zuckerrübenjahr geht zu Ende, das trotz der erfreulichen Marktsituation und vielfach auch Ernte zu sehr unterschiedlichen Reaktionen bei den Landwirten geführt haben dürfte. Während in vielen Regionen über die Erweiterung der Zuckerrübenflächen nachgedacht wird, denkt in den SBR- und Stolbur-Hotspot Gebieten ein großer Teil über den Ausstieg aus dem Rübenanbau nach.

Verspätete Aussaat

Die Zuckerrübenaussaat startete in vielen Regionen aufgrund der Nässe deutlich später als erwartet. Nur vereinzelt konnte in den begünstigten Gebieten, z.B. im Rheintal, bereits Ende Februar bzw. in den ersten Märztagen mit der Aussaat begonnen werden. Die trockenen Bedingungen ermöglichten dort eine Aussaat unter nahezu optimalen Bedingungen, was sich in den Trockenphasen im Mai und Juni als Vorteil erwies. Eine so frühe Aussaat ist in kühleren Ecken in Deutschland mit einem hohen Frostrisiko verbunden. Zudem waren die Böden verbreitet aufgrund der regelmäßigen Nachtfröste in dieser Zeit noch sehr kalt.

Ab dem 08. März verhinderten regelmäßige Regenfälle eine frühe Aussaat. Auf vielen Standorten konnte der Großteil der Rüben erst zwischen Gründonnerstag und Ostermontag gelegt werden. Die Kunst bestand darin, unter den oft noch feuchten Bedingungen durch möglichst wenig Bodenbearbeitung und mit leichtem Gerät ein feinkrümeliges Saatbeet zuschaffen. Gelang das nicht und wurde zu feucht gearbeitet, hatten die Rüben vor allem unter der Trockenheit im Mai und Juni zu kämpfen und schafften kaum den Reihenschluss.

Ein Problem: feuchter Boden und schwere Geräte

Auch die leichten Rübeneinzelkornsägeräte bewiesen unter den feuchten Bedingungen ihre Berechtigung. Bei den schweren Universaleinzelkorngeräten musste der Schardruck den feuchten Bodenverhältnissen entsprechend minimal eingestellt werden. Ansonsten beeinträchtigten Seitenwandverdichtungen im Säschlitz die Entwicklung der Rüben erheblich. Im Extremfall öffnete sich der Saatschlitz später und der Rübenkeimling hing wortwörtlich in der Luft. Auch 2023 war viel Fingerspitzengefühl für eine erfolgreiche Etablierung der Rüben notwendig. Fehler wirkten sich bei Trockenheit oder Übernässe eklatant negativ aus.

In den Mittelgebirgslagen zögerte sich die Aussaat teilweise bis Anfang Mai hinaus, was sich im Nachhinein nicht unbedingt als Nachteil herausstellte. Zwar hatten die Rüben mit der einsetzenden Trockenheit im Mai in der Jugendentwicklung zu kämpfen, im Gegensatz zu den früh bestellten Rüben konnten die späten Rüben mit dem Regen ab Ende Juli und imAugust aber direkt „loswachsen“, da sie zuvor aufgrund der verhaltenen Entwicklung und des dadurch geringeren Wasserverbrauchs weniger stark gestresst waren.

Zögerliche Jugendentwicklung

Auch die früher, um Ostern gesäten Rüben entwickelten sich aufgrund der nach wie vor kühlen Witterung nach der Aussaat sehr verhalten. Dadurch fielen einige Rübenschläge Schädlingen wie dem Drahtwurm zum Opfer. Ab Mitte Mai machte auch diesen Rüben, wie bereits erwähnt, die Trockenheit schwer zu schaffen. Wo im Juni der ersehnte Regen fiel, kam das notwendige Wasser aber noch rechtzeitig, sodass noch schöne Rübenkörper gebildet wurden.

Blieben größere Regenmengen im Juni aus, wurde es im Boden so trocken, dass die Rüben nicht mehr in der Lage waren, Boden zu verdrängen und in die Tiefe zu wachsen. Stattdessen drückte es den Rübenkörper förmlich aus dem Boden nach oben heraus. Je schlechter die Bodenstruktur, umso häufiger war dies zu beobachten. Auf tonigen Böden (über 25 % T) trat dieses Phänomen selbst bei guter Bodenstruktur auf.

Problematische Unkrautbekämpfung

Die sehr unterschiedlichen Wetterbedingungen im Vegetationsverlauf der Rübe machten sich auch im Unkrautmanagement bemerkbar. Die zu Beginn feuchten Bedingungen ließen bodenaktive Herbizidmaßnahmen zu, wodurch preiswerte Strategien gefahren werden konnten. Die danach einsetzende Trockenheit schränkte die Wirkung der Versiegelungsmaßnahmen stark ein. Später aufgelaufene Unkräuter mussten mit scharfen, blattaktiven Maßnahmen bekämpft werden. Dennoch waren die Bestände bei einer angepassten Herbizidstrategie zu diesem Zeitpunkt unkrautfrei. Gelang den Rüben aber der Reihenschluss bis Ende Juni nicht, was vor allem in den SBR Hotspot Regionen der Fall war, trat durch den Regen im Juli und August teilweise massive Spätverunkrautung auf. Die bodenaktiven Wirkstoffe waren zu dieser Zeit längst abgebaut und die Unkräuter hatten in den lichten Rübenbeständen ausreichend Sonnenlicht zum Keimen. Bei hohem Samenvorrat im Boden traten massiv Weißer Gänsefuß, Melden, Gänsedistel, Windenknöterich oder Hirsen auf, die dann nicht mehr bekämpft werden konnten.

Rübenmotten

Auch 2023 traten in den Trockengebieten im Osten und im Süden Deutschlands regional unterschiedlich Rübenmotten auf. Ab Mitte Juni setzte unter den trockenen und heißen Bedingungen der Rübenmotten-Zuflug ein. Zum Teil wurden 50 Rübenmotten und mehr innerhalb von einer Woche in den Pheromon-Fallen gefangen. Wir empfehlen unseren Beratungskunden im nächsten Jahr Pheromon-Fallen aufzustellen, um im Notfall mit Insektiziden gezielt auf einen Zuflug reagieren zu können.

In der Slowakei erfolgt eine Bekämpfung der Rübenmotte mit Insektiziden, wenn mehr als 10 Motten in der Falle gefangen werden. Die Behandlung mit Pyrethroiden soll vor der Eiablage, also spätestens eine Woche nach Beginn des Zufluges erfolgen. Verkapselte Pyrethroide wie das Karate Zeon (Zulassung gegen beißende und saugende Insekten in Zuckerrüben) haben eine längere Dauerwirkung als nicht verkapselte kostengünstigere Pyrethroide.

Eine deutlich bessere Dauerwirkung gegen Rübenmotten hat der Wirkstoff Chlorantraniliprole (im Coragen), der in diesem Sommer eine Notfallzulassung für zwei Behandlungen gegen Rübenmotten erhalten hatte. Mit Chlorantraniliprole kann auch zwei Wochen nach Beginn des Zufluges noch mit einer guten Wirkung gerechnet werden. Es bleibt zu hoffen, dass Coragen auch 2024 zugelassen sein wird.

Dauerregen in und nach der Eiablage hilft den Befall einzudämmen, da die Eier abgewaschen werden. Zudem profitieren geschädigte Rüben von einem regenreichen Sommer wie dieses Jahr im August. Wir sollten deshalb das Schadpotential der Rübenmotten auch nach diesem Jahr nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wäre der Sommer ähnlich trocken geblieben wie im Vorjahr, wäre der Schaden deutlich größer ausgefallen. Potential an Rübenmotten war definitiv genug vorhanden.

Cercospora

Der Cercospora-Druck nimmt in vielen Regionen immer mehr zu. Fehler bei der Fungizidstrategie führten teilweise zum Komplettverlust der Blätter. Wir empfehlen deshalb in Cercospora-Befallslagen die Cercospora-Anfälligkeit bei der Sortenwahl konsequent zu berücksichtigen. Dennoch auch als weniger anfällig eingestufte Sorten erfordern ein zielgerichtetes Fungizid- Management. Achten Sie auch verstärkt auf Mehltau und Rübenrost.

Im Elsass hat sich neben den Kupferspritzungen, die zu einem wichtigen Resistenzbaustein geworden sind, auch der Einsatz von Netzschwefel zusammen mit der ersten Fungizidmaßnahme bewährt. Durch den konsequenten Einsatz von Netzschwefel konnte laut Landwirten aus dieser Region der Cercospora-Ausgangsdruck über die Jahre reduziert werden.

Je nach Region mussten in diesem Jahr unterschiedliche Strategien gewählt werden. Während in den Gebieten mit intensiven Gewitterregen im Juni schon früh der Ausgangsdruck mit potenten Fungiziden gering gehalten werden musste, waren in den trockenen Regionen zu diesem Zeitpunkt nur Blattdüngungsmaßnahmen notwendig. Teilweise konnte bis in die erste Augustdekade mit der ersten Fungizidmaßnahme gewartet werden.

In den letzten beiden Jahren wurde deutlich, dass milde September und Oktober mit ausreichend Feuchtigkeit auch spät noch zu einer massenhaften Verbreitung von Cercospora mit teils verheerenden Blattverlusten führen können. Deshalb ist in einigen Regionen bei Rüben, die für die Spätrodung geplant sind, je nach Befallsverlauf auch noch zwischen dem 15. und 25. September eine Fungizidspritzung mit starken Mitteln wie Propulse oder Diadem angebracht. Eher kann in Trockenphasen im Sommer auf einen Fungizidtermin verzichtet werden, um die Gesamtanzahl der Maßnahmen zu begrenzen. Dieses Vorgehen erfordert aber eine intensive Beobachtung der Rübenbestände und der Witterung.

SBR (Syndrome Basses Richesses) und Stolbur

Die bisher beschriebenen Herausforderungen werden zur Bagatelle, wenn man sich den katastrophalen Auswirkungen von SBR und Stolbur bewusst wird. In Hotspot Regionen im Südwesten, in denen SBR und Stolbur kombiniert auftraten, wurden verbreitet nur zwischen 15und 20 t/ha Rüben geerntet. Dort blieb das Wachstum der Rüben trotz des Regens im Juli und August stehen, teilweise wurde nie ein vollständiger Reihenschluss erreicht. Außerdem begannen die Rüben im Sommer trotz augenscheinlich ausreichender Wasserversorgung zu schlafen.

SBR tolerante Sorten wie Fitis, Kakadu, Chevrolet, Hibou und Josephina KWS waren in den letzten Jahren ein wichtiger Baustein, um vernünftige Zuckergehalte zu erzielen. Auch Lunella KWS besitzt eine erkennbare SBR-Toleranz, welche bei Starkbefall aber weniger ausgeprägt ist. Vielversprechend schien im letzten Jahr die neue Sorte Brabanter, die zudem ein höheres Ertragspotential im Vergleich zu Fitis oder Kakadu hatte. Leider konnte Brabanter die guten Ergebnisse dieses Jahr nicht bestätigen.

Denn die SBR-Toleranz greift bei allen verfügbaren Sorten nicht ausreichend, wenn neben SBR auch noch Stolbur auftritt. Das Wachstum der Rüben wird bei einer Doppelinfektion so stark negativ beeinflusst, dass die Zuckererträge sehr gering ausfallen, obwohl in diesen Regionen meist noch Zuckergehalte um 17 % gemessen wurden. Trat SBR allein auf und herrschten gute Wachstumsbedingungen, konnten auch dieses Jahr noch hohe Erträge mit dann aber geringen Zuckergehalten (unter 14 %) erzielt werden.

Hoffen auf die Züchtung

Langfristig wird die Problematik nur durch Züchtung zu lösen sein. Das wird nach Züchterangaben noch mindestens fünf Jahre dauern. Sorten, die aktuell in den Sortenversuchen vitaler erscheinen, müssen diesen augenscheinlichen Vorteil erst im großflächigen Anbau beweisen. Es ist denkbar, dass einzelne Sorten in den Sortenversuchen weniger attraktiv für die Zikaden sind, bei großflächigem Anbau aber genau wie andere Sorten von den Zikaden angeflogen werden. Bis tolerante Sorten vorhanden sind, müssen wir deshalb alle pflanzenbaulich möglichen Maßnahmen ergreifen, um den Befallsdruck zu reduzieren. Hierfür muss man sich zunächst mit den Krankheiten selbst und deren Überträgern (Zikaden) genauer beschäftigen.

Wir haben bereits in einem früheren Info (20/2023) über SBR und Stolbur berichtet, hierzu noch einmal wichtige Informationen zur Biologie.

SBR – Kurzinformation

Die SBR-Krankheit wird durch die Proteobakterien Candidatus Arsenophonusphytopathogenicus und Stolbur durch Candidatus Phytoplasma solani hervorgerufen. Letzteres spielte in der Vergangenheit in der Zuckerrübe nur eine untergeordnete Rolle. Die Übertragung erfolgt durch Schilf-Glasflügelzikaden (auch Winden-Glasflügelzikaden) als Vektoren. Die Krankheit verursacht schon seit einigen Jahren im Südwesten und Osten Deutschlands größere Probleme. SBR ist an vergilbten Blättern mit eingeschnürten und gelblich bzw. bräunlich verfärbten Leitbündeln zu erkennen. Um bis zu 5 % niedrigere Zuckergehalte (Basses Richesses) und um bis zu 25 % geringere Erträge sind die Folge von SBR (Gatineau et al. 2002; Métey et al. 2007a; Bressan et al. 2008).

Der Vektor sticht in die Leitbahnen an der Blattmittelrippe und vermutlich auch in die Unterseite der Blattstiele der Rüben ein und überträgt auf diese Weise das Bakterium. Die Bekämpfung ist aufgrund der langen Zuflugphase von Juni bis August und der unter- und oberirdischen, hemi-metabolen (unvollständigen) Entwicklung mit Insektiziden nur schwer möglich. Insektizide Beizen hätten vermutlich einen größeren Bekämpfungserfolg. Dazu fehlen aktuell zugelassene Beizmittel. 

Vermehrung der Zikaden

Nach dem Zuflug und der Paarung legt das Zikaden-Weibchen ihre Eier neben den Rüben ab. Aus den Eiern schlüpfen ab September die Nymphen (Junglarven). Die Nymphen sind in der Lage SBR zu übertragen. Aus den Nymphen bilden sich im nächsten Jahr die adulten Zikaden, die bereits mit dem Erreger infiziert, wieder in die neuen Rübenbestände einfliegen (Behrmann, 2023).

Die Bodenbearbeitung nach der Rübenernte hat geringen Einfluss auf die Anzahl der adulten Zikaden im Folgejahr. Lediglich in zwei von sieben Versuchen wurde mit dem Pflug der Ausflug signifikant reduziert (Pfitzer et al., 2022).

Anders sieht es beim Vergleich der Folgekulturen aus. Winterweizen nach Zuckerrüben bietet die besten Überlebenschancen für die Zikaden. Sommergerste scheint offensichtlich weniger attraktiv für die Zikaden zu sein, sodass die Anzahl der adulten ausfliegenden Zikaden in der Sommergerste auf gut die Hälfte im Vergleich zu Winterweizen als Vorfrucht reduziert wird. Die effektivste Folgekultur zur Reduktion der Zikaden ist Mais, da in diesem Fall der Boden am längsten unbewachsen ist und den Zikaden die Nahrungsgrundlage entzogen wird (Pfitzer et al., 2022). Aber auch Rübenreste dienen den Zikaden als Nahrung.

2022 wurde im Rheintal verstärkt sowohl das Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus und Candidatus Phytoplasma solani in Rüben nachgewiesen. Also eine Mischinfektion aus SBR und Stolbur, das in der Kartoffel unter anderem zu Gummiknollen führt. Auch Zuckerrüben, die SBR und Stolbur aufweisen, haben einen gummiartigen Rübenkörper.Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Schilf-Glasflügelzikade Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus und Candidatus Phytoplasma solani in sich tragen und übertragen kann.

Von 2020 auf 2021 wurde wahrscheinlich aus diesem Grund eine deutliche Zunahme auch von Stolbur in Zuckerrüben festgestellt. Das gleichzeitige Auftreten beider Erreger führt zu einer Verstärkung von SBR (Behrmann, 2023). Die Winden-Glasflügelzikade gilt auch als Vektor für Stolbur, sie spielt beim aktuellen Befallsgeschehen aber wohl eine untergeordnete Bedeutung. Geklärt werden muss, ob noch weitere Vektoren für die Übertragung in Betracht kommen.

In Serbien wurde Stolbur auch im Mais nachgewiesen. Der Mais reagierte mit stark reduziertem Wachstum und einer geringen Kornbildung. Die Pflanzen waren zudem rötlich verfärbt.

Leimtafeln zur Überwachung des Zufluges

Solange keine toleranten bzw. resistenten Sorten zur Verfügung stehen, müssen wir versuchen die Vektoren, Schilf-Glasflügelzikade und Winden-Glasflügelzikade, direkt zu bekämpfen.Dazu muss der Zuflug mit Leimtafeln überwacht werden, um sehr früh reagieren zu können. Ist die Infektion erst einmal gesetzt, ist eine Bekämpfung nicht mehr möglich. Wir werden im Frühjahr verschiedene Insektizid-Anwendungen testen, um Ihnen möglichst schnell und zielgerichtet Informationen zur Verfügung stellen zu können. Die Unterblattspritzung mit Dropleg-Düsen scheint dabei wirksamer zu sein, um auch versteckt sitzende Zikaden zu treffen. Rüben, die vor der Besiedelung mit Zikaden durch Auslegen von Flies geschützt werden konnten, entwickelten sich normal und brachten dieses Jahr auch in den Befallsregionen hohe Zuckererträge. Dennoch stellt das Abdecken mit Flies auf Dauer keine praktikable Lösung dar.

Auffällig war, dass vitale Rüben auf Böden mit guter Struktur und guter Nährstoffversorgung mit SBR- und Stolbur-Infektionen besser fertig wurden. Auch wenn dies vor der Krankheit nicht schützt, rechtfertigen die deutlichen Ertragsunterschiede am Ende eine an den Standort angepasste Bodenbearbeitung und adäquate Nährstoffversorgung mit Phosphor, Kalium, Kalzium und Magnesium.

Auch Blattdüngungsmaßnahmen mit Phosphor, Magnesium, Mangan, Calcium und Bor helfenden Rüben besser mit den Wachstumseinschränkungen durch SBR und Stolbur zurecht zu kommen. In Versuchen der Südzucker hatte außerdem die Schwefelspritzung gemeinsam mit der ersten Fungizidmaßnahme einen reduzierenden Effekt auf die Anzahl der Zikaden.

Letztendlich müssen wir jeden möglichen Stress, den wir pflanzenbaulich beeinflussen können,von den Zuckerrüben fernhalten. Dazu gehört auch die gezielte Bekämpfung anderer Schädlinge wie z.B. von Rübenerdfloh, Läusen oder Rübenmotten.

Beunruhigend ist weiter, dass SBR mittlerweile in allen Zuckerfabriken Süddeutschlands nachgewiesen wird, auch Mischinfektionen mit Stolbur sind sehr oft vertreten. Auch entlang der Elbe und Saale wurden Infektionen mit SBR und Stolbur beobachtet. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die Folgen von SBR und Stolbur auch in anderen Regionen stärker durchschlagen.

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.