
Ganz anders als in den Vorjahren dominiert im Frühjahr 2023 Nässe das Geschehen. Ab dieser Woche dürfte es den Vorhersagen zu Folge damit vorbei sein. In der Osterwoche sollen dann die Temperaturen nur langsam ansteigen. Damit ist mit einer zügigen Erwärmung der z. T. übernassen Böden erst einmal nicht zu rechnen. Sie sollten deshalb mit der Rübenaussaat noch warten, bis im Boden wenigstens 7 °C herrschen und nachfolgend die Temperaturen tagsüber auf mindestens 12 °C steigen, damit die Rüben zügig auflaufen können.
Vorauflaufspritzungen nur, wenn der Anschluss an das Kapillarwasser gewährleistet ist
Hundspetersilie, Windenknöterich oder Dreigeteilter Zweizahn lassen sich bei ausreichender Bodenfeuchte mit Quinmerac-Mitteln im Vorauflauf leichter bekämpfen als später im Nachauflauf. Voraussetzung ist die ausreichende Durchfeuchtung des Bodens mit Anschluss an das Kapillarwasser, das eine kontinuierliche Aufnahme der Wirkstoffe über Wurzel und Hypokotyl der Unkräuter gewährleistet. Nach der Saat bzw. vor der Spritzung müssen dazu wenigstens 4 mm Regen auf sandigen Böden und bis 7 mm auf tonigen Böden gefallen sein. Bodenherbizide können unmittelbar nach der Saat bis spätestens zum Auflaufen der Leitunkräuter gespritzt werden.
Sobald die Bodenoberfläche tiefer als 2 cm ausgetrocknet ist, ist der Anschluss der auf den Bodengespritzten Herbizide an die Kapillarität des Bodens nicht mehr gewährleistet. In diesem Fall muss auf die blattaktiven Herbizide zurückgegriffen werden.
Trockene Bodenoberfläche – Wirkungsweise von Herbiziden mit Blattwirkung
Metamitron
Der Wirkstoff Metamitron (z.B. 700 g/l im Goltix Gold) wirkt vorwiegend über den Boden, z.T. auch über das Blatt. Aufgrund der hohen Wasserlöslichkeit des Wirkstoffes reichen 60 % der nutzbaren Feldkapazität, wenn die Bodenoberfläche über Nacht noch dunkel wird, für eine Wirkung gegen flachkeimende Unkräuter (Kamille, Stiefmütterchen, Vogelmiere) sowie gegen Amarant, Melden und Weißen Gänsefuß. Die Behandlung muss im Keimen dieser Unkräuter erfolgen.
UV-Licht beschleunigt den Abbau von Metamitron (Halbwertszeit 11 d). Die Splittinganwendung mit reduzierten Aufwandmengen in kürzeren Abständen ist deshalb wirksamer als das Zusammenfassen von Spritzterminen mit hohen Aufwandmengen. Die Metamitron-Aufnahme aus dem Boden sowie die Verteilung in der Pflanze und damit die Wirkung gegen die Unkräuter werden durch Ethofumesat (EFS) verstärkt.
Mit 1200 – 1400 g/ha Metamitron und dem Zusatz von Öl wird auch keimender Raps erfasst. Bereits aufgelaufener Raps wird dadurch nicht sicher bekämpft. Läuft der Raps in mehreren Wellen auf, ist die Metamitron-Wirkung unzureichend.
Für die reine Blattwirkung reichen 350 g/ha Metamitron in Kombination mit einem Additiv wie Trend, Mero oder Karibu, um die Wirkung von Phenmedipham insbesondere gegen Melden und Weißen Gänsefuß, zusammen mit Triflusulfuron (Debut, Kaskad, Shiro) und Lenacil (Venzar) auch gegen Windenknöterich zu verstärken.
Aufwandmengen bei der Splitting-Anwendung von Metamitron
- 350 g/ha Metamitron Blattwirkung in Kombination mit PMP/DMP z.B. gegen Melden
- 500 g/ha Metamitron: Bodenwirkung gegen Amarant, Kamille, Stiefmütterchen
- 700 g/ha Metamitron: Melden, Gänsefuß, Nachtschatten, Taubnessel
- 1.200 g/ha Metamitron: + Access gegen Raps (Kreuzblütler) im Keimen
- 1.400 g/ha Metamitron: (bis 1.750 g) Versiegelung ab 6-Blattstadium der Rüben
Quinmerac
Quinmerac-haltige Mittel (Goltix Titan, Kezuro) wirken gegen Hundspetersilie, Gefleckten Schierling, Wiesenkerbel oder Wilde Möhre, die sonst nur durch hohe Debut-Mengen eventuell in Kombination mit Clopyralid (Lontrel, Vivendi) erfasst werden.
Quinmerac wirkt über Boden und Blatt. Eine sichere Bodenwirkung erfordert eine kontinuierliche Wirkstoffaufnahme. Diese ist nicht mehr gewährleistet, wenn also die Bodenoberfläche 2 cm tief abgetrocknet und der Kontakt zum Kapillarwasser unterbunden ist.
Vorlage von 80 (- 100) g Quinmerac gegen Hundspetersilie
Die Bodenwirkung von Quinmerac ist im trockenem Boden unsicher: In diesem Fall ist es besser, auf die Vorlage von Quinmerac-haltigen Mitteln zu verzichten und 20 g Debut (Triflusulfuron) zu spritzen, sobald die erste Hundspetersilie aufläuft.
Wenn die Bodenoberfläche so weit abgetrocknet ist, dass der Boden durch das Ankratzen mit der Schuhspitze nicht mehr dunkel wird, ist eine sichere Wirkung der Herbizide über den Boden nicht gewährleistet. Im Zweifel steigen Sie dann auf reine NA -Spritzfolgen um.
Im Nachauflauf Triflusulfuron (Debut).
Das Triflusulfuron wirkt am besten gegen kleine Unkräuter im Keimblattstadium. Weiter entwickelte Unkräuter erfordern deutlich höhere Aufwandmengen. Metamitron vermindert in höheren Mengen (über 350 g) die Wirkung von Triflusulfuron.
Die Zumischung von 0,05 l/ha Venzar (= 25 g/ha Lenacil, entspricht dem Lenacil-Anteil in 1,0 l Betanal Maxxpro), verstärkt die Wirkung des Triflusulfuron gegen Raps, Bingelkraut und Windenknöterich.
Aufwandmengen Triflusulfuron
- 12 – 15 g/ha Debut*: Kamille, Raps im Keimblatt (+ 0,05 l/ha Venzar)
- 15 – 20 g/ha Debut*: Raps im Keimblatt, aufgelaufenes Bingelkraut, Hundspetersilie im KB, Vogelknöterich im KB
- 20 – 25 g/ha Debut*: Raps im 2-LB, kleines Klettenlabkraut, Bingelkraut im Laubblatt
- 25 – 30 g/ha Debut*: Raps im 4-LB, Klettenlabkraut, Hundspetersilie, Zweizahn, Vogelknöterich
Die Wirkung von Triflusulfuron (*Debut oder anderes Triflusulfuron-Mittel) gegen große Unkräuter kann durch ein Splitting innerhalb von 7 Tagen verbessert werden.
Phenmedipham (PMP) – das Rübenherbizid für den Nachauflauf
Zuckerrüben können das Phenmedipham über Nacht abbauen. Deshalb ist der Wirkstoff in den Zuckerrüben selbst mit hohen Aufwandmengen hochverträglich. Dadurch können die Aufwandmengen an die Entwicklung der Unkräuter angepasst werden, ohne die Rüben zu belasten. Hohe Strahlung verstärkt die Wirkung des PMP. Die Wirkung des PMP wird durch Ethofumesat (EFS) verstärkt. Ebenso unterstützt hohe Strahlung die Wirkung des PMP.
- 200 g/ha PMP: Melden, Gänsefuß im Keimen
- 250 g/ha PMP: größere Melde (+ 350 g/ha Metemitron) + 75 g/ha EFS
- 350 g/ha PMP: (bis 400 g/ha ) → Windenknöterich + 75 g/ha EFS
Dimethenamid (Spectrum)
wird in erster Linie gegen Hirsen und jährige Rispe in der NAK3 bzw. NAV eingesetzt, hat aber auch eine Wirkung gegen dikotyle Unkräuter, vor allem gegen Kamille, Ehrenpreis, Erdrauch, Klatschmohn, Storchschnabel, Hundspetersilie und Vergissmeinnicht.
Das Splitting ist verträglicher und wirksamer als die volle Menge auf einmal zu spritzen. Dimethenamid sollte erst ab dem 6-Blattstadium der Rüben eingesetzt werden. Früher eingesetzt, kann es zu stärkeren Herbizidstress der Rüben kommen, vor allem wenn es an die Wurzel gewaschen wird. Dimethenamid mit maximal 20 g Debut/Kaskad/Shiro bzw. mit höchstens 100 g Ethofumesat zusammen ausbringen.








