Das warme Wetter der letzten beiden Wochen forcierte die Entwicklung der Zuckerrüben, sodass die Bestände verbreitet die Reihen geschlossen und das 10-Blattstadium erreicht haben oder dieses bald erreichen werden. In diesem Stadium ist die Blattdüngung zum Blatterhalt sinnvoll, vor allem, wenn die Nährstoffverfügbarkeit aufgrund von Trockenheit eingeschränkt war.
Ziel ist es, die ab dem 10-Blattstadium bis zum sekundären Dickenwachstum gebildeten Blätter bis zur Ernte zu erhalten, um möglichst hohe Zuckererträge zu realisieren. Mit den ersten 8 Blättern produzieren die Zuckerrüben in erster Linie die Assimilate für den Aufbau des Blattapparates und für die Wurzelbildung. Die ersten Blattpaare sterben infolge der Herbizidbelastung i.d.R. bald ab, nachdem das sekundäre Dickenwachstum des Rübenkörpers ab dem 10- Blattstadium einsetzt. Nährstoffe und Assimilate werden aus den absterbenden ersten 8 Blättern in die neu zuwachsenden Blätter verlagert.
Die Hauptlast der Assimilation und der Ertragsbildung tragen die folgenden 10 bis 12 Blätter, die ab dem 10- Blattstadium gebildet werden. Fallen diese Blätter durch Krankheiten, Trockenheit oder auch Nährstoffmangel vorzeitig aus, werden neue Blätter aus den im Rübenkörper eingelagerten Assimilaten gebildet. Vier neue Blätter können den Zuckergehalt von z.B. 18 % auf 16,8 % reduzieren. Deshalb sollen die Rüben ab dem 10-Blattstadiummit möglichst wenig Blattverlusten durchkommen.
Hohe Nettoassimilationsraten entscheiden über den Zuckerertrag. Diese werden erreicht
- mit einem BFI von 4,5 bis 5,5 (35 bis 45 t/ha Blattfrischmasse),
- mit hoher Chlorophylldichte,
- mit einem hohen Cytokininpegel,
- mit einem ausgeglichenem Enzymhaushalt.
Optimale Voraussetzungen bilden
- ausreichend hohe Strahlung,
- Tagestemperaturen zwischen 20 – 30 °C,
- niedrige Nachttemperaturen, also große Tag-/Nachtunterschiede, die eine hohe Netto-Assimilation ermöglichen.
Wenn die Tagestemperaturen um 20 °C und nachts unter 5 °C liegen, ist der Zuckerzuwachs höher als bei 30 °C am Tag und 15 °C in der Nacht. Das sind die Vorzüge eines späteren „Goldenen Oktobers“. Sehr warme Nächte führen zu einer stärkeren Respiration, sprich einer Veratmung von Zucker.
Die Assimilationsleistung der Blätter wird gefördert und erhalten durch
- ausreichende Versorgung mit Nährstoffen,
- den Greening-Effekt von Strobilurinen, der die vorzeitige Seneszenz der Blätter verhindert. In Kombination mit Kupfer-Mitteln wird zudem der Primärbefall mit Krankheiten (Cercospora, Ramularia) unterbunden. Der Greening-Effekt wirkt sich auch zusätzlich physiologisch positiv aus, auch wenn der Cercospora-Pilz bereits Resistenzen gegen Stobilurine entwickelt hat. Bei drohendem Cercospora-Befall ist die Zumischung eines Azols notwendig.
Am effektivsten ist die Spritzung im (10- bis) 12-Blattstadium der Zuckerrüben, weil dann die ersten 18 bis 20 Blätter bereits angelegt sind. Die fungizide Wirkung hält mit den angeführten Aufwandmengen zwei Wochen an.


Hinweis:
Phosphorhaltige Blattdünger nicht mit zweiwertigen Kationen wie Magnesium oder Mangan in Salzform mischen. Manganchelat kann mit phosphorhaltigen Blattdüngern wie Wuxal-P gemischt werden, wenn ein pH-Wert von 5,5 bis 7,0 in der Spritzbrühe eingehalten wird. Bei hohem pH-Wert des Spritzwassers oder wenn Bor zugemischt wird, ist es zweckmäßig, die Spritzbrühe vorher mit 150 g Zitronensäure je 100 l Wasser anzusäuern.



