Nach dem Wegfall der Neonicotinoid-Beizen müssen die Zuckerrüben vom Auflaufen an auf Blattlausbefall kontrolliert werden. Ab der kommenden Woche ist verstärkt mit der Schwarzen Bohnenlaus zu rechnen. Wirtschaftlicher Schaden kann durch die Saugtätigkeit sowie durch die Virusübertragung entstehen. Als Virusüberträger ist die Schwarze Bohnenlaus weniger gefährlich als die Grüne Pfirsichblattlaus, die über einen größeren Aktionsradius verfügt, und Viren effektiver übertragen kann. Bei der Schwarzen Bohnenlaus geht es in erster Linie darum, Saugschäden zu vermeiden, die naturgemäß an kleinen Pflanzen stärker sind.
Die Schwarze Bohnenlaus überwintert im Eistadium auf ihrem Winterwirt (Pfaffenhüttchen, Schneeball). Im Gegensatz zur Grünen Pfirsichblattlaus überwintern sie nur im Eistadium. Die Läuse müssen sich erst an Wirtspflanzen (z.B. Wildrüben) mit dem Vergilbungsvirus beladen. Diese können dann an die Nachkommen weitergegeben werden. Warmes, überwiegend trockenes Wetter begünstigt die Nahrungsaufnahme und führt zu einem raschen Anstieg der Population. Ab 10% mit Schwarzer Bohnenlaus befallener Pflanzen lohnt sich eine Insektizidbehandlung.
Indikatorpflanzen für einen Befall mit der Schwarzen Bohnenlaus im Bestand sind Disteln oder Melden. Kontrollieren Sie die Zuckerrüben an mehreren Stellen im Schlag auf Befall mit Blattläusen.
Die Grüne Pfirsichblattlaus sitzt dagegen versteckt in den Herzblättern des Rübenkopfes. Für die Grüne Pfirsichblattlaus, die als Hauptüberträger des Rübenvergilbungsvirus fungiert, werden Schadschwellen wie folgt angegeben:
Bekämpfungsschwelle Grüne Pfirsichblattlaus
- im 6-Blattstadium: jede 20. Rübenpflanze mit Läusen
- im 8-Blattstadium (vor Reihenschluss): jede 10. Rübenpflanze befallen
- im 12-Blattstadium (nach Reihenschluss): jede 2. Rübenpflanze befallen
- oder jede 5. Rübenpflanze mit Kolonien
Müssen nur Blattläuse bekämpft werden, bietet sich für die 1. Spritzung das Pirimicarb (Pirimor G mit Notfallzulassung in Zuckerrüben) an. Das Pirimor wirkt nur über eine kurze Dampfphase und ist nicht systemisch. Die Wirkung hält bestenfalls 2 Tage an. Der Einsatz erfolgt (ohne Partner) mit 300 g/ha. Der Zusatz von 10 l AHL je 100 l Wasser vermindert Dampfverluste. Warme Witterung verstärkt die Wirkung, die Aufwandmenge kann auf 200 g/ha Pirimor verringert werden, Zusatz von 5 bis 10 l/100 l AHL.
Auf Pyrethroide sollten Sie verzichten, wenn keine anderen Schädlinge bekämpft werden müssen, da Pyrethroide versteckt sitzende Läuse nicht erfassen, aber natürliche Gegenspieler der Blattläuse ausschalten. Die Grüne Pfirsichblattlaus reagiert sowieso kaum mehr auf Pyrethroide.
Die Blattlausbekämpfung sollte mit wenigstens 200 l/ha Wasser + 0,2 l/ha Break thru oder 0,12 l/ha Silwet (Spreitmittel) erfolgen, damit die Spritzbrühe bis zum Rübenkopf gelangen kann.
300 g/ha Pirimor + 5 l AHL je 100 l (unter 18 °C)
200 g/ha Pirimor + 10 l AHL je 100 l (über 23 °C)
Bei weiterem Blattlauszuflug und Überschreiten der Schadschwelle kommen in Betracht:
250 g/ha Mospilan (einmalige Anwendung, Notfallzulassung 2023)
0,25 l/haCarnadine (zweimalige Anwendung, Notfallzulassung 2023)
140 g/haTeppeki (wirkt nur gegen Blattläuse)

Erdfloh in Zuckerrüben
Im Leipziger Umland gefährden Erdflöhe die auflaufenden Rübenbestände. Bei Fraßspuren auf mehr als 20 % der Keimblätter oder, wenn mehr als 40 % der Rübenpflanzen im 2 bis 4- Blattstadium Fraßspuren aufweisen, ist die Bekämpfungsschwelle erreicht. Zur Bekämpfung des Erdflohs sind nur Pyrethroide (gegen beißende Insekten) zugelassen.







