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Winterweizen – Spätdüngung mit Stickstoff

Mai 17, 2023 | Grünes Info 2023, Qualität und Ertrag absichern, Sommer, Stickstoffdüngung, Wetter und Entwicklung, Winterweizen

Die Begrenzung der N-Düngung durch die DüV wirkt sich erst auf den Proteingehalt und den Sedimentationswert, also auf die Backqualität aus, bevor eine Ertragswirkung zu spüren ist. Der Umgang mit dem knappen N-Angebot erfordert, dass wir den Stickstoff dem Bedarf der Pflanzen anpassen. Eine temporäre Überversorgung mit einer erhöhten Zwischenlagerung von Stickstoff in vegetativen Pflanzenteilen (Blätter) ist unproduktiv, weil die Auslagerung von Stickstoff aus den Blättern mit einem höheren Aufwand an Energie betrieben werden muss. Deshalb ist die Aufteilung der N-Düngung nach wie vor sinnvoll.

Durch die Spätdüngung mit Stickstoff nehmen wir Einfluss auf die Ertragsbildung und Qualitätseigenschaften. Die Spätdüngung bewirkt aber auch einen „Priming-Effekt“ im Boden, der die N- Nachlieferung aus dem Boden in Gang hält. Die Spätdüngung zögert zudem den Wurzelabbau im Boden hinaus.

Die Ertragswirkung beruht auf der

  • Förderung der Blütenfertilität (= Bekörnung je Ährchen) und
  • des Kornwachstums (= Bildung von Speicherzellen im Korn).
  • eine frühzeitige Spätdüngung zögert den Wurzelabbau hinaus, der mit dem Ährenschieben einsetzt. Dazu muss die Versorgung mit Stickstoff ab dem Fahnenblatt-Stadium bis zur Blüte angehoben werden. Durch die frühe Spätdüngung steigt vor allem die Masse der zuerst gebildeten (Außen-) Körner. Da auch zusätzliche (Mittel-) Körner ausgebildet werden, kann trotz der N-Spätgabe das TKG geringer werden.

Die Wirkung der N-Spätdüngung auf die Qualität kommt zum Tragen, wenn die Bildung der Speicherzellen abgeschlossen ist und die Eiweißeinlagerung beginnt. Hohe Proteingehalte erfordern einen ausreichend hohen N-Vorrat im Pedunkel (= oberstes Halmstück), damit ausreichend Stickstoff in den ersten 14 Tagen nach der Befruchtung für den Keimling und die Eiweißeinlagerung in die Speicherzellen zur Verfügung steht. Eine hohe N-Versorgung in der späten Schossphase wirkt sich somit nicht nur auf die Ertragsleistung, sondern auch auf die Backqualität positiv aus.

In den ersten 30 Tagen nach der Befruchtung müssen täglich 5 bis 8 kg/ha N aus Blättern und Halmen in die Körner umgelagert bzw. aus dem Boden aufgenommen werden.

Die Mehrzahl unserer Böden ist nicht in der Lage, in der Phase der Kornbildung und Eiweißeinlagerung ausreichend Stickstoff für hohe Erträge mit hohen Eiweißgehalten zur Verfügung zu stellen. Dazu ist eine Stickstoff-Spätdüngung erforderlich, wenn nicht durch langjährige organische Düngung ein extrem hoher Stickstoffpool im Boden geschaffen wurde. Aber selbst in diesen Fällen wird meist pro Tag nicht genug Stickstoff mineralisiert, um den Stickstoffbedarf zu decken.

Wie hoch ist der N-Bedarf?

Bei 100 dt/ha Kornertrag und 13 % Eiweiß müssen innerhalb von etwa 30 Tagen nach der Blüte rund 190 kg N/ha ins Korn gepumpt werden. Ein vergleichbarer Bedarf ergibt sich bei 75 dt/ha und 15 % Eiweiß. Pro Tag müssen über 6 kg N/ha in das wachsende Korn transportiert werden.

Wieviel Stickstoff wird aus dem Bestand mobilisiert?

Ein gut geführter Bestand nimmt bis zur Blüte insgesamt etwa 140 bis 220 kg N/ha auf. Im Stroh und in den Spelzen verbleiben nach der Ernte 40 bis 70 kg/ha N, dazu noch zwischen 15 und 25 kg/ha N in den Wurzeln. Aus Blättern und Halmen werden somit zwischen 80 und 130 kg N/ha ins Korn umgelagert.

Der Boden muss demnach zwischen 60 und 100 kg N/ha in der Zeit zwischen Blüte und beginnender Teigreife nachliefern. Das sind pro Tag zwischen 2 und 3 kg/ha N. Selbst auf Böden mit hohem Nachlieferungspotential ist im Juni/Juli nicht mit diesen hohen Freisetzungsraten zu rechnen.

Einlagerung von Stickstoff ins Korn erfordert Sonne

Wird zu Beginn des Kornwachstums bis zwei Wochen nach der Blüte nicht genug Stickstoff ins wachsende Korn transportiert, leidet der Einzelährenertrag: Bereits befruchtete Kornanlagen werden nicht ausgebildet, das TKG ist begrenzt. Je mehr Stickstoff dagegen in der dritten bis vierten Woche nach der Blüte ins Korn gelangt, um so mehr Eiweiß wird gebildet. Dabei ist allerdings auch ausreichend Sonne notwendig, sowie genug Schwefel und andere Nährstoffe, damit der Stickstoff in Eiweiß eingebaut werden kann. Bei hoher Sonneneinstrahlung wird zudem mehr Stickstoff aus Blättern und Halm ins Korn umverlagert als bei bedecktem, sonnenscheinarmem Wetter.

Nimmt der Weizen vor der Blüte aber zu viel Stickstoff auf, der nicht sofort in Eiweiß eingebaut werden kann, wird die Kornbildung verzögert. Eine überhöhte N-Versorgung vor und zur Blüte wirkt sich bei nachfolgender Hitze und unzureichender Wasserversorgung, aber auch bei verzögerter Abreife durch nasskaltes Wetter, nachteilig aus.

Eine überzogene Vorhaltestrategie bei der Stickstoff-Spätdüngung verbietet sich deshalb nicht nur durch die DüV, aus Kostengründen und wegen der Gefahr der späteren N-Auswaschung, sondern wegen möglicher Ertrags- und Qualitätseinbußen. Das Risiko ist um so höher, je geringer die Sonneneinstrahlung in dieser Zeit ist, weil dann nicht genug Kohlenhydrate für die Proteinbildung zur Verfügung stehen.

Wird spät noch viel (Nitrat-) Stickstoff gedüngt oder viel Stickstoff aus dem Boden freigesetzt, verzögert sich die Auslagerung von Stickstoff aus Blättern und Stängeln mit der Folge, dass die Ähre abreift, während das Stroh noch grün bleibt. Die Verzögerung der natürlichen Abreife wird durch den Einsatz von Fungiziden mit Seneszenz verzögernder Wirkung (Strobilurine, Carboxamide) verstärkt und geht zu Lasten der Kornbildung und der Eiweißeinlagerung ins Korn.

Versorgung mit Schwefel und Spurenelementen muss gewährleistet sein

Für den Einbau von Stickstoff in Amide und Eiweiß sind Enzyme verantwortlich. Deren wesentlicher Bestandteil besteht aus Spurenelementen. Dazu gehören beispielsweise Molybdän, Kupfer, Zink, aber auch Mangan und Magnesium.

Zudem müssen genug Schwefel und Phosphor als Bestandteile von Eiweiß zur Verfügung stehen. Reicht die Versorgung mit einem dieser Elemente nicht aus, wird die Eiweißbildung begrenzt. Das wirkt sich um so ungünstiger aus, je mehr Stickstoff angeboten wird.

Auch wenn nicht genug Kohlenhydrate zur Verfügung stehen, kann der Stickstoff nicht in Proteine eingebaut werden. Deshalb spielt die Versorgung mit Kalium und Bor sowie Mangan eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Qualität des Weizens.

Vorzeitig abstürzende Fallzahlen bei hoher N-Versorgung stehen oft im Zusammenhang mit knapper Kali- und Schwefelversorgung.

Stimmt die Wasserversorgung?

Damit die Spätdüngung noch voll umgesetzt werden kann, muss ausreichend Wasser im Boden für die Pflanze verfügbar sein. Das sind zum Zeitpunkt des Ährenschiebens auf sandig-lehmigen Böden wenigstens 70 l/m², auf tonigen Böden wenigstens 80 – 100 l/m². Oder es muss sicher sein, dass während der Kornbildung und -füllung (Juni bis Anfang Juli) wenigstens 50 bis 70 mm Regen fallen. Ist das nicht gewährleistet, schlägt sich die Spätgabe nicht mehr im Ertrag, höchstens noch im Eiweißgehalt nieder und kann sogar ertragsmindernd wirken.

Auf eine Spätgabe mit Stickstoff sollte man in stark ausgedünnten Beständen verzichten, wenn die Böden bereits stärker ausgetrocknet sind. Mit späteren Niederschlägen wird auch der Weizen zwiewüchsig, es werden Nachschosser gebildet. Die bringen keinen Ertrag und gehen zu Lasten der kräftigen Ähren. Immerhin kosten 30 % Nachschosser 10 % Ertrag.

Wann muss die Spätgabe wirken?

Wenn es um die Ertragsleistung geht, muss der Stickstoff ab Fahnenblattstadium bis Beginn der Blüte wirken. Dann wird der Keimling gebildet und die Speicherzellen im Korn werden angelegt. Für die Eiweißeinlagerung (Qualität) muss der Stickstoff in den ersten 14 Tagen nach der Blüte voll zur Wirkung kommen. Der Düngungstermin richtet sich nach den Feuchtigkeitsverhältnissen des Standortes und nach der Einschätzung der aktuellen N-Versorgung des Bestandes.

Bei unsicheren Niederschlägen ist die Spätgabe bis zum Fahnenblattstadium (EC 37) angebracht, um eine sichere Wirkung zu gewährleisten. Die Spätgabe kann auf Trockenstandorten noch früher in EC 32 fallen, eventuell noch vorhandene Bodenfeuchte zu nutzen.

Terminierung der Spätdüngung

Grundsätzlich kann die Spätdüngung mit jeder Stickstoffform erfolgen. Wird Stickstoff in Form von Ammonium und Harnstoff aufgenommen, hat das den Vorteil, das für deren Einbau in Eiweiß weniger Energie benötigt wird als für Nitrat.

Andererseits stimuliert Nitrat Cytokinine, die für die Zellteilung, also auch für die Endospermbildung (Speicherzellen) verantwortlich sind.

Die Ammonifizierung des mit Ureasehemmer stabilisiertem Harnstoff erfolgt bei 15 °C innerhalb von 14 Tagen, die Nitrifizierung ist dann nach weiteren 4 bis 6 Tagen abgeschlossen. Deshalb muss Piagran Pro etwa zweieinhalb bis 3 Wochen früher gedüngt werden als KAS.

Setzt die Endospermbildung also in einem frühen Weizen nach der Blüte um den 24. Mai ein, hätte Piagran Pro ab dem 06. Mai ausgebracht werden müssen. Ist erst ab dem 6. Juni im späten Weizen mit der Bildung von Speicherzellen zu rechnen, muss die Piagran Pro-Düngung bis zum 20. Mai erfolgen.

Wann sind NO3-Dünger angebracht?

Auf Standorten mit gesicherter Wasserversorgung sollten Sie Spätgaben mit mehr als 80 kg/ha N aufteilen, auch wenn Piagran Pro geplant ist. Die Teilgaben fallen dann in einem kurzen Abstand in EC 32/37 und in EC 49/51. Für die 2. Teilgabe sind dann nitrathaltige N-Dünger (KAS, ASS) zu bevorzugen. Auch auf Böden mit nicht optimalen pH-Werten sind nitrathaltige Stickstoffdünger effektiver.

Auf weniger sorptionsstarken Böden sollte man eine Überkonzentration an NO3-Stickstoff vermeiden. Auf diesen Standorten ist die Spätgabe mit Piagran Pro oder Piamon S in EC 37/39 von Vorteil.

Spätdüngung im Weizen – in diesem Jahr noch notwendig?

Bislang ist die N-Nachlieferung aus dem Boden aufgrund der kühlen Witterung noch kaum in Gang gekommen. Das dürfte sich in den nächsten 14 Tagen auch nur wenig ändern, wenn man der Wetterprognose Glauben schenken darf, da die Tagestemperaturen nur wenig über 17 °C hinaus ansteigen sollen. In diesem Fall ist es sinnvoll, die Spätgabe vorzuziehen und zu splitten, um auf eine später einsetzende hohe Nachlieferung reagieren zu können.

Zustand der N-Versorgung ermitteln

Mit dem N-Tester können Sie die aktuelle N-Versorgung, genauer über das Blattgrün die Chlorophylldichte, bestimmen. Diese kann je nach Sorte, Tageszeit, N-Form oder aber auch bei unzureichender Versorgung mit anderen Nährstoffen schwanken. Aber auch der N-Tester gibt keine Auskunft darüber, wie viel Stickstoff noch aus dem Boden freigesetzt wird.

Für praktische Belange genügt es, die Versorgung der Bestände anhand des Blattvergleiches durchzuführen.

Stickstoff wird in der Pflanze aus den älteren Blättern in die Ähre umverlagert. Dadurch hellen die unteren Blätter auf, wenn die N-Aufnahme aus dem Boden den Bedarf nicht decken kann. Pro Blattetage sind zwischen 20 und 30 kg/ha N enthalten. Das entspricht der N-Aufnahme in 8 bis 10 Tagen.

  • Dünne Bestände haben in EC 37/39 weniger als 400 auf sandigen Böden, auf besseren Standorten weniger als 500 kräftige Halme je m² und nur wenig unterständige Triebe ohne Ährenanlage.
  • Sind in diesen Beständen die vier oberen Blätter eines Halmes gleich grün, dann ist die Pflanze noch gut mit Stickstoff versorgt.
  • Wird das vierte Blatt (von oben gezählt) gegenüber dem dritten Blatt bereits deutlich heller, ist dies ein Indiz für eine nachlassende Stickstoff-Nachlieferung, außer: Trockenheit oder Blattnekrosen führen zum Absterben des Blattes.
  • Beginnt bereits das dritte gegenüber dem zweiten Blatt aufzuhellen, wird die Stickstoffversorgung knapp: Der Bestand beginnt zu hungern, das Ertragsniveau wird schon eingeschränkt.
  • Ein guter Bestand hat in EC 37/39 auf schwächeren Böden über 500 kräftige Triebe, auf besseren Böden über 600 kräftige Triebe. Unterständige Triebe sind noch vorhanden.
  • Vier gleich grüne Blätter bedeuten in diesen Beständen: Die Pflanzen sind noch reichlich mit Stickstoff versorgt.
  • Hellt das vierte gegenüber dem dritten Blatt auf, sind die Pflanzen noch gut versorgt.
  • Sofort, eventuell auch über das Blatt, muss gedüngt werden, wenn das dritte gegenüber dem zweiten Blatt aufhellt. N-Menge erhöhen. Mit Ertragseinbußen ist zu rechnen.
  • Ein zu dichter, überzogener Bestand hat in EC 37/39 mehr als 600 bzw. auf besseren Böden mehr als 700 kräftige Triebe je m² und eine Vielzahl noch nicht reduzierter unterständiger Triebe.
  • Vier gleich grüne Blätter bedeuten in diesem Fall, dass der Bestand heillos mit Stickstoff überzogen ist.
  • Hellt das vierte gegenüber dem dritten Blatt auf, ist der Bestand immer noch reichlich mit Stickstoff versorgt. Das Aufhellen bzw. Vergilben ist i.d.R. eine Reaktion auf den Lichtmangel im Bestand.
  • Wenn allerdings das dritte gegenüber dem zweiten Blatt heller wird, lässt offensichtlich die N-Nachlieferung nach.

Wenn Sie die Bestandesdichte an 5 repräsentativen Stellen im Schlag auszählen, sollten Sie den höchsten und den niedrigsten Wert streichen und aus den restlichen 3 Werten den Mittelwert bilden. Das Ergebnis ist die mittlere Ährenzahl je m².

Puhlen Sie dann Ähren aus und zählen die gut ausgebildeten, grünen Ährchen (= Spindelstufen) links und rechts der Spindel. Das sind die fertilen Ährchen, in denen Körner gebildet werden. Die weißen, rudimentären Ährchen an der Basis bleiben steril. Sie werden meist zwischen 16 und 21 fertile Ährchen (grüne Spindelstufen) zählen. Die fertilen Ährchenbilden in den beiden Außenblüten immer ein Korn, die Ährchen in der Mitte der Ähre bei ausreichender Wasserversorgung auch Mittelkörner. Den Mittelwert der Spindelstufen multiplizieren Sie deshalb mit dem Faktor 2,0 bis 2,5 (Körner je Ährchen), damit erhalten Sie die voraussichtliche Kornzahl je Ähre.

Beispiel: 18 fertile Ährchen x 2,2 = 40 Körner je Ähre

Wenn Sie jetzt die Ährenzahl (560 Ähren je m²) mit der Kornzahl je Ähre (40 Körner je Ähre) multiplizieren, erhalten Sie die Anzahl der Körner pro m², in unserem Beispiel

560 Ähren/m² x 40 Körner/Ähre = 22.400 Körner je m².

Die Kornzahl je m² multiplizieren Sie mit dem TKG, das der Weizen auf Ihrem Standort sicher erreichen kann (40 bis 55 g). Wenn Sie das TKG nicht kennen, nehmen Sie das TKG des Saatgutes her. Das Ergebnis teilen Sie durch 10.000, dann erhalten den erreichbaren Ertrag (dt/ha).

Beispiel:   22.400 Körner je m² x 40 g TKG / 10.000 = 89,6 dt/ha

22.400 Körner je m² x 52 g TKG / 10.000 = 116,5 dt/ha

Diesen Ertrag nehmen Sie für die Berechnung des N-Düngerbedarfes. Tatsächlich werden Sie aber ca. 20 % weniger ernten, weil die Auswirkungen von Lücken im Bestand, Fahrgassen, Vorgewände, Waldschatten etc. abgezogen werden müssen.

Welche Kornerträge sind noch zu erreichen?

Nachdem fast überall in der „Großen Periode“ ausreichend Wasser zur Verfügung stand, kann der Weizen über die Bekörnung der Ährchen mehr Körner je Ähre (Faktor 2,5) und damit höhere Korndichten produzieren. Je nach Abreifebedingungen sind dann auch mit dünnen Beständen noch hohe Erträge möglich.

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.