Nach dem anfänglich starken Zuflug von Stängelschädlingen hielt sich der weitere Zuflug auch von Rapsglanzkäfern in Grenzen. Sollte in den kommenden Tagen noch nennenswerter Zuflug von Rapsglanzkäfern eintreten, ist bei der Mittelwahl zu unterscheiden: Wenn nur der Blütenstand des Haupttriebes nicht mehr von Blättern umhüllt ist, sind 0,2 l/ha Trebon Mittel der Wahl gegen Rapsglanzkäfer und Stängelschädlinge. Die Bekämpfungsschwelle liegt im Knospen-Stadium bei 4 Käfer je Haupttriebblütenstand.
Liegen bereits die Blütenstände der Seitenäste frei, hat das Acetamiprid (im Mospilan) eine längere Dauerwirkung gegen Rapsglanzkäfer und Rüsslerarten. Die länger anhaltende Wirkung des teilsystemischen Acetamiprid kommt für den Knospenschutz nicht zum Tragen, wenn der Wirkstoff auf die Blätter gespritzt wird und auf den Knospen nicht ankommt.
Im Knospenstadium (EC 51 bis 59) können 0,2 l/ha Mospilan gegen Rapsglanzkäfer gespritzt werden. Die Wirkung des Mospilan hält auf den getroffenen Knospen zwischen 8 und 10 Tagen an, auch gegen Kohlschotenrüssler. Nach 8 Tagen reicht auf größeren Schlägen meist eine Randbehandlung mit 0,2 l/ha Mavrik, um Schäden durch Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke zu vermeiden.
Bei massiven Stängelrissen kann die Mospilanspritzung mit 0,75 l/ha Tilmor kombiniert werden, insbesondere wenn auf älteren Blättern Blattphoma und Cylindrosporium zu erkennen sind.

Blütenspritzung gegen Sklerotinia
Mit dem Keimen der Apothezien von Sklerotinia ist zu rechnen, wenn Unkräuter (Klettenlabkraut oder Windenknöterich) in benachbarten Sommerungen auflaufen. Die bisherigen Niederschläge reichen auch in den Trockengebieten aus, um den Keimwasserbedarf der Sklerotien zu decken. Auch dort sind inzwischen mindestens 10 bis 15 mm Regen gefallen und der Boden gut durchfeuchtet (Voraussetzung mind. 5 cm tiefe Durchfeuchtung). Die Apothezien können also auflaufen.
Konnten Apothezien schon keimen, verhindern Tau und einzelne Regenschauer ein Vertrocknen. Vier bis fünf Tage nach dem Auflaufen sind die Apothezien sporulationsfähig.
Sklerotinia-Infektionen erfordern, dass Blütenstaub auf sporulationsfähige Apothezien fällt. Keimen die Pollen auf den Apothezien aus, wird dadurch zusammen mit Tau- bzw. Regentropfen die Sporulation ausgelöst.
Infolge des Frostes der vergangenen Woche werden viele Rapsbestände verzögert blühen. Die Rapsblüten sind zwar geöffnet, schütten aber keinen Pollen aus, solange der Raps nicht nach Raps riecht.
Nach der Vorlage von 100 g/ha Azoxystrobin kann der Mittelaufwand an Fungiziden zur Bekämpfung von Sklerotinia um 20 % reduziert werden.
Blütenspritzungen sollten mit wenigstens 200 l/ha, besser 250 l/ha Spritzbrühe durchgeführt werden.
10 bis 15 % AHL (in der Düngerbedarfsrechnung anrechnen) verzögern das Austrocken des Spritztropfens und verbessern das Eindringen des Wirkstoffes in die Epidermis. Die Zugabe eines Spriters (z.B. 0,2 l/ha Break thru oder Silwet Gold) ermöglicht einen gleichmäßigen Belag auf dem Stängel. Die Spritzung muss am Abend nach dem Bienenflug durchgeführt werden.
Bekämpfung von Blütenschädlingen im Raps
Der Zuflug vom Rapsglanzkäfer hält sich in diesem Jahr in Grenzen. Gravierenden Schaden können in der Blüte noch Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke anrichten.
Kohlschotenrüssler (Ceutorhynchus assimilis) überwintern als Käfer in Hecken und Waldrändern unter der Streuschicht in einer Tiefe von 0,5 bis 5 cm. Nach dem Übergang in den Langtag (Ende März/Anfang April) wird der Käfer ab 12 °C im Boden aktiv. Über 26 °C wird die Aktivität der Schotenrüssler durch eine Art Wärmestarre eingeschränkt.
Mit dem Zuflug und dem Reifefraß der Kohlschotenrüssler ist ab der Osterwoche mit Beginn der Rapsblüte zu rechnen.
Der direkte Fraßschaden durch den grau behaarten Kohlschotenrüssler ist gering. Der Hauptschaden wird angerichtet, wenn Nässe durch die Ausbohrlöcher eindringt und zu Sekundärinfektionen bzw. Auswuchs führt. Zudem bewirken die Löcher, dass die Schoten infolge der unterschiedlichen Spannung vor der Ernte aufplatzen und Samen verlieren.
Die Einbohrlöcher des Kohlschotenrüsslers nutzt die Kohlschotenmücke (Dasineura brassicae) zur Eiablage. Die Kohlschotenmücke besitzt keinen Rüssel und kann ihre Eier nur in frisch gebildete Schoten mit schwach ausgebildeter Naht oder durch die Bohrlöcher des Schotenrüsslers ablegen.
Ab 13 °C Bodentemperatur schlüpft die Kohlschotenmücke aus vor- aber auch vorvorjährigen Rapsschlägen. Sie fliegt ab Blühbeginn in den Winterraps. Der Zuflug erreicht meist erst nach dem Abfallen der ersten Blütenblätter den Höhepunkt. Die Mücke ist ein schlechter Flieger mit einem geringen Flugradius von weniger als 25 m. Sie ist ein ortstreuer Schädling, der vorwiegend mit dem Wind weiterverbreitet wird und auf diese Weise wenige hundert Meter Entfernung zurücklegen kann. Deshalb ist der Befall meist auf den Schlagrand konzentriert.
Das Weibchen legt bis zu 60 Eier in kleineren Gruppen in die Schoten ab. Die Larven saugen an der Innenwand der Schoten und Samen. Dadurch beginnen die Schoten zu vergilben, schwellen an und verkümmern. Später reifen sie vorzeitig ab und platzen auf, dadurch fallen die restlichen Samen aus. Ertragsverluste bis zu 30 Prozent sind dadurch möglich.
Die Kohlschotenmücke kann bis zu drei Generationen im Jahr bilden, davon nur eine im Winterraps. Auf diese Weise ist eine hohe Besatzdichte möglich, auch wenn im Raps kaum Befall festzustellen war.
Die Befallsabschätzung ist deshalb schwierig. Gelbschalen sind während der Blüte für die Kohlschotenmücke nicht attraktiv. In gefährdeten Lagen ist meist eine Randbehandlung angebracht, wenn auf benachbarten Schlägen in Vorjahren Befall mit Kohlschotenmücken aufgetreten ist. Auf Schlägen mit früherem Befall durch Kohlschotenmücken ist eine Insektizidspritzung in der Blüte mit dazu zugelassenen Insektiziden nicht zu vermeiden.
Insektizide in der Rapsblüte
Wenn irgendwie möglich, sollte auf den Einsatz von Insektiziden in der Rapsblüte verzichtet werden. Ist dieser nicht zu umgehen, raten wir dringend, die Behandlung erst in den frühen Abendstunden vorzunehmen, wenn keine Bienen mehr fliegen. Dann sind auch die Verluste in der Fahrgasse geringer.
Vorbeugende Maßnahmen gegen Schadinsekten im Raps
- größeren Abstand (über 1 km) zu vorjährigen Rapsschlägen einhalten.
- Ausfallraps zügig bekämpfen
- Wunschgedanken:
- natürliche Gegenspieler fördern, z.B. durch pfluglose Bestellung
- vielfältige Saumstruktur schaffen.






