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Wintergerste – Beschreibung zwei- und mehrzeiliger Sorten

Aug. 31, 2023 | Grünes Info 2023, Herbst, Sorten, Standortwahl, Wintergerste

Kurzbeschreibung zweizeiliger Wintergerstensorten 2023/24

Die neuen zweizeiligen Wintergerstensorten lassen einen deutlichen Ertragssprung gegenüber älteren Sorten erkennen. Trotzdem finden ältere Sorten immer noch ihre Liebhaber. Sandra, California und KWS Somerset sind nach Bordeaux die vermehrungsstärksten zweizeiligen Wintergerstensorten. Alle aufgeführten zweizeiligen Sorten sind resistent gegen GMV Typ 1.

Unter den Neuzulassungen heben sich die nachfolgenden Sorten in den Landessortenversuchen heraus.

Almut (SZ Bauer)

  • schnitt bei extensiver Bestandesführung im Südwesten durchweg besser ab
  • früher schossende, mittelfrühe Sorte mit hoher Ährenzahl und hohem TKG
  • standfest, geringe Neigung zum Halm- und Ährenknicken
  • wenig anfällig für Mehltau, Netzflecken und Rhynchosporium
  • aber anfälliger für Zwergrost und vor allem Ramularia

Arthene (SZB Polska, IG)

  • auch Arthene eignet sich für eine extensive Bestandesführung
  • normal schossende, späte Sorte mit hoher Ährenzahl und sehr hohem TKG
  • sehr standfest, ausgesprochen strohstabil, kann ohne Wachstumsregler auskommen
  • sehr anfällig für Mehltau, auch für Ramularia
  • weniger anfällig für Netzflecken, Rhynchosporium und Zwergrost

Bordeaux (Ackermann)

  • Standardsorte für Standorte mit ausreichender Wasserversorgung, weniger für Trockengebiet
  • schneidet vor allem auf schweren Böden im Norden überdurchschnittlich gut ab
  • mittelspät schossender, mittelspäter Bestandestyp mit gutem TKG
  • standfest, sehr gute Strohstabilität
  • weniger anfällig für Netzflecken
  • erfordert intensive Fungizidstrategie, bei starkem Druck auch im Herbst
  • anfälliger für Ramularia und Typhula

Goldmarie (SZ Bauer)

  • 2023 ertragsstarke zweizeilige Sorte
  • schneidet auf schwächeren Böden überdurchschnittlich gut ab
  • früher schossender, mittelspäter Bestandestyp mit hohem TKG
  • Manko: Lageranfälligkeit (Gülle), aber gute Halmstabilität
  • wenig anfällig für Blattkrankheiten
  • aber anfälliger für Ramularia (Doppelbehandlung erforderlich)
  • könnte Standardsorte für „Rote Gebiete“ werden

KWS Tardis

  • Schnitt im Süden, im Südwesten und in der Mitte (Hessen, Rheinland-Pfalz) überdurchschnittlich ab, auch auf schwächeren Standorten,
  • normal schossende, mittelspäte Sorte mit längerer Ähre und hohem TKG
  • standfest, strohstabil
  • anfälliger für Blattkrankheiten, vor allem für Mehltau
  • weniger anfällig für Rhynchosporium, aber anfälliger für Ramularia

SU Laubella (Nordsaat)

  • im Norden und Osten besser als im Süden,
  • auf Sandböden besser als auf Marsch oder Lehmböden
  • früh schossender, mittelfrüh reifer Bestandestyp mit hohem TKG
  • standfest, muss wegen geringerer Strohstabilität frühzeitig geerntet werden
  • weniger anfällig für Mehltau, Rhynchosporium und Zwergrost
  • anfälliger für Netzflecken und Ramularia

Weiterhin im Anbau

Sandra, California, KWS Moselle, SU Vireni

Braugerste:

KWS Faro (mehrzeilig), KWS Donau, KWS Somerset 

Kurzbeschreibung mehrzeiliger Wintergerstensorten 

2023/24 Esprit DSV

  • Standardsorte, aktuell noch ertragssicherste Sorte mit stabil hohem HLG
  • normal schossender, später reifer EÄ-Typ mit hoher KZÄ
  • etwas geringere Erträge, wenn kühle und feuchte Witterung + hohes N-Niveau die Kornanlage hinaus zögerte, Folge geringeres HLG
  • Lageranfälligkeit erfordert zweimalige Kürzung, geringere Neigung zum Ährenknicken
  • resistent gegen GMV Typ1
  • weniger anfällig für Mehltau, Rhynchosporium, Ramularia
  • anfälliger für Zwergrost, für mittlere bis späte Saattermine

Julia DSV

  • 2023 ertragsstärkste, auch ertragsstabile Sorten mit hohem HLG
  • früh schossender, mittelfrüh reifer EÄ-Typ mit hoher KZÄ
  • hohe Erträge in Hochertragsgebieten, aber auch auf Trockenstandorten
  • reagiert etwas empfindlicher auf Nässe im Herbst/Winter.
  • standfest, Vorsicht mit später Kürzung
  • resistent gegen GMV Typ 1 + Typ 2
  • weniger anfällig für Mehltau, Netzflecken, Ramularia
  • für frühe bis späte Saattermine

SU Midnight (Saaten-Union)

  • 2023 schwankende Erträge, oft wegen zu später 1. Fungizidspritzung
  • früh schossender, mittelfrüh reifer Kompensationstyp
  • reagierte empfindlich auf späten, zu hohen Wachstumsregler-Einsatz
  • standfest, meist reicht eine Kürzung (EC 32/37)
  • leichte Neigung zum Ährenknicken
  • resistent gegen GMV Typ 1 + Typ 2, wenig Mehltau anfällig
  • für frühe bis mittlere Saattermine

Avantasia (Hauptsaaten)

  • trocken- und nässetolerante Sorte für Sandböden, aber auch für tonige Böden
  • früh schossender, mittelfrüh reifer EÄ-Typ mit hoher KZÄ
  • auch auf Hochertragsstandorten etwas über dem Ertragsdurchschnitt
  • standfest, neigt aber zum Halm- und Ährenknicken
  • resistent gegen GMV Typ 1 + Typ 2
  • weniger anfällig für Mehltau
  • anfälliger für Blattkrankheiten
  • insbesondere anfällig für Ramularia (keine Empfehlung für den Süden) und Zwergrost
  • wegen Krankheitsanfälligkeit nicht zu früh säen

Carioca (Hauptsaaten)

  • trocken- und hitzetolerante Sorte
  • früh schossend, mittelfrüh reifer Einzelährentyp mit hoher Kornzahl je Ähre
  • noch wenig Ertragsdaten
  • standfest, neigt wenig zum Halm- und Ährenknicken
  • resistent gegen GMV Typ1, wenig anfällig für Mehltau, Rhynchosporium, Zwergrost
  • anfälliger für Netzflecken und Ramularia
  • für frühe + mittlere Saattermine

Winnie (Limagrain)

  • ertragsstark auf feuchteren Standorten im Nordwesten + Mittelgebirgslage
  • spät schossend, spät reifer EÄ-Typ mit hohem TKG
  • weniger geeignet für Trockenstandorte
  • ausreichend standfest, resistent gegen GMV Typ 1
  • weniger anfällig für Mehltau, Ramularia und vor allem Zwergrost
  • anfälliger für Rhynchosporium
  • nicht zu früh und nicht zu dick säen,

SU Hetti (Saaten-Union)

  • auf Sandböden vor allem im Nordwesten an der Spitze
  • normal schossender, mitttelfrüh reifer Kompensationstyp
  • Sorte für Güllestandorte
  • sehr standfest, sehr gute Halmstabilität, geringe Neigung zum Ährenknicken
  • resistent gegen GMV Typ 1 + Typ 2
  • anfälliger für Blattkrankheiten und Ramularia
  • weniger anfällig für Mehltau

Ältere Sorten, die immer noch mithalten können:

  • Lomerit (Sandstandort im Trockengebiet)
  • KWS Higgins (Allround-Sorte)
  • SU Jule (standfeste Allround-Sorte)
  • Teuto (Trockenstandorte, wenig anfällig für Ramularia, stabiles HLG)

Sorten mit BaYDV-Resistenz

Nach dem Wegfall der Insektizid-Beizen und der verstärkt auftretenden Resistenz von Blattläusen gegen Pyrethroide erfahren Sorten mit Resistenzen gegen das Gersten-Verzwergungs-Virus (BaYDV) steigende Beachtung. In diesem Jahr schnitten die Sorten mit ByYDY-Resistenz auf dem Niveau normaler mehrzeiliger Wintergerstensorten ab. Um mehr Erfahrung zu sammeln, empfehlen wir diese Sorten insbesondere in den Tallagen und im Weinbauklima Süd-, West- und Ostdeutschlands sowie an der Elbe in Tschechien zu testen.

  • Integral (mittelfrüher Kompensationstyp, weniger anfällig für Ramularia, GMV Typ 1-tolerant)
  • KWS Exquis (mittelfrüher BD-Typ, lageranfällig, weniger anfällig gegen Netzflecken, Ramularia, GMV Typ 1-tolerant)
  • Nonvira (früher EÄ-Typ, lageranfällig, blattgesund, GMV Typ 1-tolerant)
  • SU Virtuosa (früh schossender, mittelfrüher EÄ-Typ, lageranfällig, anfällig für Blattkrankheiten außer Mehltau und Rhynchosporium, GMV Typ 1-tolerant)
  • Sensation (früher KOMP-Typ mittlere Standfestigkeit, GMV Typ 1-2-tolerant)

Hybridgersten für die Spätsaat nach (Körner-) Mais:

  • SY Galileoo (ertragsstabil, mittelfrüher Kompensations-Typ, lageranfällig, Ährenknicken)
  • SY Dakoota (weniger ertragsstabil als Galileoo, aber standfester, mittelfrüher EÄ -Typ

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.