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Welche Stickstoffform?

Feb. 9, 2023 | Grünes Info 2023, Stickstoffdüngung, Wetter und Entwicklung

Nach den Engpässen im vergangenen Jahr scheint die Versorgungslage mit Stickstoff nicht mehr so prekär zu sein.

Bei der Wahl der Stickstoffform sind folgende Gesichtspunkte zu berücksichtigen:

  • Bestandes- und Wurzelentwicklung,
  • Nitratgehalt im Wurzelraum,
  • Bindigkeit des Bodens,
  • Bodenfeuchtigkeit,
  • Temperaturverlauf im Frühjahr,
  • Bedarf an Schwefel, Kalk oder Phosphor bzw. Kalium.

Für bereits bestockte Getreide- oder Rapsbestände ab dem 10-Blattstadium spielt es fast keine Rolle, in welcher Form der Stickstoff vorliegt. Für Raps ab dem 10-Blattstadium sind nitrathaltige Dünger nicht zu empfehlen, da Nitrat verstärkt in die Blätter transportiert wird und aus diesen mit hohem Energieaufwand wieder ausgelagert werden muss. Durch das forcierte Blattwachstum werden die Blütenstände später geschoben. Die Konkurrenz zwischen Blatt- und Knospenentwicklung wird zu Lasten der späteren Schoten verstärkt.

Schwach entwickelte Rapsbestände mit weniger als 8 Blättern je Pflanze ausgangs Winter benötigen hingegen 15 bis 20 kg/ha Nitrat-Stickstoff, damit die Cytokinin-Produktion anspringt.

Eine Nitrat-Düngung ist deshalb nur dort notwendig, wo Nitrat nahezu vollständig aus dem Wurzelbereich ausgewaschen wurde.

Das ist i.d.R. in den Staulagen der Gebirge der Fall. Dort enthalten die oberen beiden Bodenschichten nur noch wenig Nitrat-Stickstoff. Vor allem auf Sandböden ist dort zu schwachen Rapsbeständen eine Startgabe mit ASS oder KAS + Kieserit angebracht.

Das gleiche gilt für Getreidestände, die noch nicht oder gerade erst angefangen haben zu bestocken.

Trockengebiete im Osten

In den ostdeutschen Börden, sind die Böden erst zu 60 bis 80 % mit Wasser gesättigt. Unterhalb von 60 cm sind die besseren Böden noch so trocken, dass noch keine Stickstoffverlagerung aus dem Krumenbereich eintrat. Zur Auffüllung des Bodenwasservorrates sind auf sorptionsstarken Böden noch 80 bis 100 mm notwendig. Auf diesen Böden sind die Nmin-Vorrräte unter Getreide bislang kaum niedriger als im Vorjahr. Unter Raps sind die Stickstoffvorräte der meisten Böden deutlich niedriger.

N-Auswaschung im Süden und Westen

In den bereits mit Wasser gefüllten Böden wurde Nitrat-Stickstoff aus der Krume ausgewaschen. Die NO3-Konzentration dürfte im Wurzelbereich zu Vegetationsbeginn unter 30 ppm liegen.

Liegt die Konzentration im Wurzelbereich unter 50 ppm NO3-Stickstoff, sind zum Starten der Winterkulturen 15 bis 30 kg/ha NO3-N angebracht, wenn

  • die Bestände noch nicht voll bestockt sind (Getreide) oder maximal 8 Blätter je Pflanze (Raps) vor Winter bilden konnten,
  • das Wachstum im Winter eingestellt wurde,
  • bei spätem Vegetationsbeginn,
  • die Frühjahrsdüngung erst im März ausgebracht werden kann.

Überwintert der Weizen im Ein-Blatt-Stadium, ist trotz geringer NO3-Konzentration eine NO3-Startgabe nicht zwingend notwendig, wenn im Samenkorn noch genug Reserven für einen zügigen Wachstumsbeginn vorhanden sind. Wurde aber das Saatgut zu tief (unter 4 cm) abgelegt, sodass die Vorräte im Samenkorn für das Auflaufen verbraucht wurden, ist auch in diesem Fall eine Startgabe mit NO3-Dünger sinnvoll.

In welcher Form wird Stickstoff durch die Pflanze aufgenommen?

Nitrat ist die Endstufe der N-Umwandlung im Boden und die N-Form, die im Boden am häufigsten vorkommt und deshalb auch am meisten aufgenommen wird. Nach Winter kann der Nitrat-Vorrat im Boden soweit abgesunken sein, dass aus dem Ammonium durch Nitrifizierung erst neues Nitrat gebildet werden muss, das von der Pflanze aufgenommen wird.

Nitrat ist im Bodenwasser leichtlöslich und wird als Anion im Boden nicht an Austauscher fixiert. Deshalb wird es durch Massenfluss proportional zur Verdunstung durch die Pflanze aufgenommen, selbst wenn diese nicht aktiv wächst. Aufgrund der geringen Bindung an die Bodenpartikel bleibt das Nitrat im Boden auch bei geringer Bodenfeuchte gut beweglich. Niederschläge auf nassen Boden können zur Auswaschung führen.

Nitrat wirkt stimulierend auf Cytokinine und damit auch auf Bestockung, Ährchenanlage und später auf die Speicherzellendifferenzierung im Korn. Deshalb ist Nitrat-Stickstoff die bevorzugte N-Form bei spätem Wachstumsbeginn und Trockenheit, aber auch bei schwacher Wurzelbildung im verdichteten Boden.

Eine zu hohe Nitratversorgung verstärkt die Wasseraufnahme und führt

  • zu langen Zellen mit dünnen Zellwänden,
  • zu übermäßiger Bestockung, sofern diese nicht durch Trockenheit begrenzt wird,
  • zu intensivem Blattwachstum mit großen, vor allem langen Blättern,
  • erhöht die Frostanfälligkeit und
  • verzögert die Auslagerung von Assimilaten aus Blättern in die Speicherorgane.

Ammonium entsteht durch Ammonifikation organischer N-Verbindungen (u.a. Harnstoff). Es ist wasserlöslich, wird aber als Kation durch die nach außen negativ geladene Oberfläche von Austauschern (Tonminerale, Humus) gebunden. Dadurch ist die Beweglichkeit des Ammoniums im Boden eingeschränkt. Im feuchten Boden gelangt Ammonium durch Diffusion zur Pflanzenwurzel und wird durch diese aktiv aufgenommen. Die Pflanze nimmt Ammonium nach Bedarf aus dem feuchten Boden auf.

Auf trockene Bodenoberfläche ausgebracht, bleibt das Ammonium auf tonhaltigen Böden an den Austauschern kleben und steht der Pflanze nicht zur Verfügung, solange der Boden nicht durchfeuchtet ist. Deshalb müssen Ammonium-Dünger bei bevorstehender Trockenheit entweder frühzeitig auf feuchten Boden gestreut oder direkt in den Boden injiziert werden.

Der Einbau von Ammonium in Aminosäuren und in Eiweiß erfolgt bereits in der Wurzel bzw. im unteren Sprossbereich und beansprucht weniger Energie als der Einbau von Nitrat, das in der Pflanze erst reduziert werden muss. Das Ammonium wird von der Pflanze bei ausreichender Bodenfeuchte gut aufgenommen.

Harnstoff ist ein organisches Molekül, wie Zucker. Harnstoff ist sehr gut wasserlöslich und wird nicht an Bodenpartikel fixiert. Harnstoff wird in den Boden eingewaschen und bleibt in Lösung, solange er nicht in Ammonium umgewandelt wird. Harnstoff wird über die Wurzel aufgenommen und dort bereits in Aminosäuren eingebaut, die in die wachsenden Organe der Pflanze transportiert werden. Das ist auch noch möglich, wenn die oberste Bodenschicht schon ausgetrocknet ist, aber der Harnstoff tiefer eingewaschen wurde.

Harnstoff hat keine stimulierende Wirkung auf die Cytokinine. Damit wirkt er auch nicht stimulierend auf Bestockung und Ährendifferenzierung. Das ist in üppig entwickelten Beständen ein Vorteil. Schwächer entwickelte Bestände brauchen aber die Cytokinin-Wirkung, damit sie bestocken und Ährchen differenzieren können.

N-Form zu Getreide und Winterraps?

Wintergerste reagiert schon bei pH-Werten unter 6,5 empfindlich auf SSA. Ursache ist, dass mehr Aluminium in Lösung geht, auf das die Gerstenwurzel empfindlich reagiert. Zudem behindert das Sulfat im SSA die Molybdän-Aufnahme. Molybdän ist notwendig für die Bildung der Nitratreduktase. Aus diesem Grund ist es angebracht, nach einer SSA-Düngung bei pH-Werten unter 6,5 mit der ersten Pflanzenschutzmaßnahme 10 g/ha Molybdän bzw. 50 g/ha Na-Molybdat mitzuspritzen.

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.