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Weizen – Verzögerte Weizenbestellung, was jetzt berücksichtigen?

Okt. 24, 2023 | Beizung, Grünes Info 2023, Mikronährstoffe, Saatzeitpunkt, Sorten, Winterweizen

Die aktuellen Bodentemperaturen liegen zwischen 6 und 9 °C, im Rhein-Main-Gebiet noch um 11 °C und damit gegenüber dem Vorjahr um 2 °C niedriger. Unterhalb von 20 cm sind die Böden noch um 5 °C wärmer. Nordwestlich der Linie Trier – Wismar sind die Böden mit Ausnahme der Ostküste Schleswig-Holsteins und der Küste Mecklenburgs zum Großteil wassergesättigt. Auch südöstlich der Linie Ulm – Passau haben die Böden überwiegend genug Wasser. Im Bereich dazwischen ist es vom Rhein bis zur Oder bis auf Staulagen der Mittelgebirge immer noch zu trocken. Das könnte sich mit den angekündigten Niederschlägen ändern.

Deshalb ist auch mit einem stärkeren Anstieg der Bodentemperaturen nicht mehr zu rechnen, vielmehr steuern die Bodentemperaturen auf ein frühes Vegetationsende zu. Wird jetzt noch Getreide gesät, wird es voraussichtlich im 1-3-Blattstadium überwintern müssen.

Damit ist das Doppelringstadium des Weizens in diesen Beständen selbst im Rheinland nicht vor Mitte März zu erwarten und auf späten Standorten erst ab dem 25. März.

  • Ist das bereits gesäte Getreide auf tonigen, klutigen Böden noch nicht aufgelaufen, kann noch gewalzt werden, um den Feldaufgang und die Herbizidwirkung zu sichern. Bereits aufgelaufenes Getreide erst ab dem 3-Blattstadium walzen.
  • Wurden bereits Bodenherbizide gespritzt, kann auch nach der Anwendung von FFA, Pendimethalin, Prosulfocarb oder CTU gewalzt werden, nicht aber, wenn die Filmbildner DFF, Aclonifen oder Picolinafen gespritzt wurden, die auf der Bodenoberfläche einen Film bilden. Bei diesen Wirkstoffen bzw. bei Kombinationen ist das Walzen nur vor der Herbizidspritzung möglich.

Was ist bei der Weizenspätsaat zu beachten

  • Maisstroh und lange Stoppeln unbedingt mulchen, Wurzelballen erst mit der Scheibenegge zerkleinern, bevor das Stroh mit Grubber oder Pflug eingearbeitet wird. Auch in diesem Fall rückverfestigen! Körnermaisstroh erst mit dem Grubber auf halbe Tiefe einmischen, bevor auf volle Tiefe gegrubbert bzw. gepflügt wird.
  • Den durch die Rübenernte gelockerten Boden wieder rückverfestigen, um das Einschlämmen von Feinerde aus dem Bearbeitungshorizont und eine Sohlenverdichtung zu unterbinden. Das Saatbett nicht zu fein herrichten, um die Verschlämmung des Bodens zu vermeiden. Möglichst flach säen.
  • Für die Spätsaat kommen spät schossende Weizensorten in Betracht, die mehr Zeit zum Bestocken und für die Ährenanlage im Frühjahr haben. Einzelähren-Typen (z.B.: Opal, Informer, RGT Depot, SU Willem) bzw. Kompensationstypen mit hohem EÄE  (z.B.  Kamerad,  KWS  Donovan, Moschus, Ponticus, Spectral, SU Jonte) haben den Vorteil, dass sie eine geringere Bestandesdichte über die Kornzahl je Ähre und das TKG kompensieren können.
  • Großkörnige Sorten haben mehr Reserven im Saatkorn und entwickeln sich meist zügiger.
  • Um die Anfangsentwicklung der Winterweizenbestände zu sichern, sollte darauf geachtet werden, dass auf Standorten mit Mangel an Mangan und Kupfer und Saatgut unbekannter Herkunft mit Mn + Cu (Frosthärte) gebeizt wird (wenn möglich, keine fungizide Beize).
  • Läuft der Weizen vor Vegetationsschluss noch auf und überwintert im 1- (bis 2-) Blattstadium, ist eine Aussaat im Spätherbst noch möglich. Zu beachten ist aber, dass der Weizen im Herbst nicht mehr bestocken kann und die Saatstärke vor allem bei spätem Vegetationsbeginn im Frühjahr erhöht werden muss.
  • Der durchschnittliche Abstand zwischen den Körnern sollte nicht enger als 2 (- 3) cm betragen. Daraus resultiert eine maximale Aussaatstärke von 333 Körner/m² (6,6 m Drillreihen pro m² bei 15 cm Reihenabstand) bzw. 400 Körner/m² (8 m Drillreihen pro m² bei 12,5 cm Reihenabstand). In diesem Fall ist es auf Standorten mit spätem Vegetationsbeginn sinnvoll, um die Bestandesdichte abzusichern, vor der Saat ca. 100 bis 150 Körner je m² bzw. 50 mit 75 kg/ha Saatgut mit dem Düngerstreuer auszubringen und mit der Aussaat einzuarbeiten.
  • Herbizidmaßnahmen im Herbst stören die Entwicklung und sollten bei Spätsaaten ins Frühjahr geschoben werden. Damit ist auch ein uneingeschränkter Nachbau im Falle eines Umbruchs möglich. Auf Standorten mit massivem Gräserdruck nur 240 g/ha FFA unmittelbar nach der Saat spritzen.

Kann der Haupttrieb des Weizens bis Anfang April nicht wenigstens 6 Blätter bilden, ist es zu spät für die Weizenaussaat. Dann ist der Anbau von Wechselweizen oder von Sommerungen ins Auge zu fassen.

Weizen nach (Körner-) Mais

Ein Spezialfall ist der Weizen nach Körnermais. Um das Fusarien-Risiko zu verringern, sollten Sorten angebaut werden, die wenig anfällig für Ährenfusarien sind. Zum Beispiel Akteur (E), Moschus (E), Findus (A), LG Imposanto (A), Opal (E), Toras (A).

Weniger fusarienanfällig sind auch KWS Emerick (E), Asory (A), SU Selke (B) und Elixer (C).

Beizung Spätsaatweizen

  • Ist das Saatgut nicht mit Krankheiten belastet, kann ab Ende Oktober nach Zuckerrüben auf Standorten mit geringem Schneeschimmel-Befall auf eine Beizung verzichtet werden.
  • Beizung je 100 kg Saatgut gegen M. nivale + Fusarien (nach Körnermais dringend angeraten):
    • 200 ml Celest (5 g Fludioxonil) je 100 kg Saatgut,
    • 160 ml Toledo (6 g Fluoxastrobin + 6 g Prothioconazol)

Höhere Anteile an Tebuconazol in der Beize können zur Auflaufverzögerung führen.

Wer selbst beizen kann, sollte auf Standorten mit höherem Auswinterungsrisiko und/oder knapper P-Versorgung das Saatgut mit 100 ml Wuxal P (5 + 20 + 5) je 100 kg beizen. Das gilt auch für Standorte mit hohen pH-Werten (P- Festlegung).

Zudem bietet sich gerade für die Spätsaat die Beizung mit Spurenelementen an:

20 ml Cu-Chelat + 50 ml Mn-Chelat

Die Chelate und das Wuxal P können mit den Standard-Beizen + Wasser (auf 500 ml auffüllen) zusammen ausgebracht werden. Wenn das Saatgut unzureichend versorgt ist, startet die mit Phosphor und Spurenelementen gebeizte Saat im Frühjahr schneller und beginnt früher zu bestocken.

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.