Die Nässe der letzten Wochen hat vor allem im Nordwesten die Weizenbestellung verhindert. Auch im Süden bestehen kaum noch Chancen, dass Weizen nach spät geerntetem Mais oder späten Zuckerrüben noch gut in die Erde kommt.
Die Bestellung von Winterweizensorten erfordert, dass nach dem Anquellen des Saatgutes wenigstens 50 kühle Tage (tagsüber < 8 °C, aber > 0 °C) zusammenkommen, damit der Kältereiz (Vernalisation) gesichert ist, der für den Übergang in die generative Phase notwendig ist. Bei frühem Vegetationsbeginn, der z.B. im Rheinland schon Mitte Februar zu erwarten ist, müssen deshalb die meisten Winterweizen-Sorten bis Ende des Jahres gesät werden. Sorten mit geringem Vernalisationsanspruch (unter 30 Tagen, z.B. Ambello, Chevignon, Complice, Obiwan) können dort noch bis Mitte Januar bestellt werden, müssen aber aufgrund des schnellen Überganges dieser Sorten ins Schossen auf Endbestand (mit 450 – 650 Körner/m²) gesät werden, um die notwendige Korndichte sicherzustellen. Da lässt sich durch die Kombination der Aussaat mit dem Düngerstreuer und der Drillsaat bewerkstelligen.
Besteht noch die Hoffnung, dass Winterweizen vor Weihnachten gesät wird, kommen auch Sommerweizensorten mit geringem Vernalisationsanspruch und relativ guter Frosthärte in Betracht. Im Herbst und im Frühjahr gesät werden können, z.B.
- im Nordwesten eher spät reife Sorten: Broca (A), Servus (S), KWS Jordum (B)
- im Süden früher reife Sorten: Akvitan (A), Quintus (A), Patricia (B)
- im Osten: Lennox (A), Akvitan (A)
- nach Körnermais: Licamero (A), Quintus (A), KWS Jordum (B),
Eine Übersicht über die Sorteneigenschaften finden Sie im nächsten Info 23/2023.
Alternativen zu spätem Winterweizen
Was Sie anstelle des Winterweizens bestellen, hängt ab von
- den Vermarktungsmöglichkeiten,
- der Bodenstruktur,
- den Aussaatbedingungen im Frühjahr,
- der Frühjahrstrockenheit,
- den Abreifeverhältnissen und
- den Ansprüchen der Folgefrucht.







