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Weizen – Hohes Lagerrisiko

Mai 17, 2023 | Grünes Info 2023, Wachstumsregler, Wetter und Entwicklung, Winterweizen

In der Mehrzahl der Weizenbestände ist die „Große Periode“ der Ähre abgeschlossen. Eine eventuell notwendige Nachkürzung kann deshalb in diesen Tagen vorgenommen werden. Bei der Mittelwahl ist zu unterscheiden, ob

  • der Weizen eingekürzt werden soll. Das ist in den (dichten) Beständen der Fall, die im Fahnenblattstadium eine Höhe von 60 cm bis zur Ligula überschritten haben. Für die Einkürzung kommen Moddus, Fabulis, Medax Top oder Prodax in Betracht.
  • oder der Halm durch Ethephon gefestigt werden muss. Dafür stehen Cerone, Camposan oder Bogota zur Verfügung.

Mit sehr hohem Lagerrisiko ist zu rechnen

  • ab einer zu erwartenden Bestandesdichte (kräftige Triebe mit voll entwickelter Ähre) von
    • mehr als 480 Ähren/m² in lageranfälligen Sorten (BSL-Note 6 und höher)
    • mehr als 530 Ähren/m² bei Sorten mit stärkerer Lagerneigung (BSL-Note 5)
    • ab 580 Ähren/m² in weniger lageranfälligen Sorten (BSL-Note 4)
    • ab 600 Ähren/m² in standfesten Sorten (BSL-Note 3 und besser).
  • bei weichen Halmen:
    • Die Festigkeit eines Halmes lässt sich mit der Messerspitze testen: Wenn sich diese ganz leicht – wie durch Butter – durch den Halm stechen lässt, ist der Halm weich. Wenn die unteren drei Halmabschnitte weich sind, setzen Sie zur Nachkürzung Ethephon-Mittel ein.
  • bei zu langen unteren Internodien:
    • Sind im Fahnenblattstadium (Fahnenblatt voll aus dem Halm herausgeschoben) die ersten 3 bzw. 4 Internodien, wenn der Weizen den Bestockungsknoten hochgeschoben hat, trotz vorangegangener Kürzung zusammen länger als 30 cm, ist mit einer Gesamtlänge des Weizens von über 110 cm zu rechnen. Damit steigt das Lagerrisiko.

Für die Nachkürzung ab dem Fahnenblattstadium kommen in Frage

(jedes Mittel nur einmal je Kultur einsetzen, Prodax darf gesplittet werden):

  • Moddus (und andere Trinexapac-Mittel), wenn noch keine Vorlage mit Moddus erfolgt ist,
  • Prodax, wenn das Fahnenblattstadium (EC 39) vor dem 20. Mai eintritt,
  • Fabulis oder Medax Top (EC 39 bis 25. Mai),
  • Bogota / Ethephon (Cerone/Camposan) bei weichen Halmen und in späten Beständen (Fahnenblattstadium nach dem 25. Mai).
  • Die angeführten Aufwandmengen gelten bis zu einer Höhenlage von 200 m NN.
  • Darüber muss die Aufwandmenge um 20 % je 100 m reduziert werden.
  • Temperaturbereich: 18 bis 20 °C, über 20 °C Aufwandmengen um 25 % reduzieren.
  • Unter 15 °C geringe Ethephon-Wirkung. Spritzung bei mehr als 25 °C in die kühleren Abendstunden verlegen oder früh morgens durchführen.
  • Trinexapac und Prohexadion reagieren stark auf die UV-Strahlung. Bei intensiver Sonneneinstrahlung Aufwandmengen um 30 % reduzieren.
  • Wirkungsdauer: Die Wirkung von Moddus (0,2 l/ha) hält 8 bis 12 Tage an, 0,3 l/ha MedaxTop/ 0,4 Fabulis wirken 6 bis 8 Tage. Die Ethephon-Wirkung klingt nach 3 Tagen ab.
  • Vor allem Moddus und Medax Top verzögern mit höheren Aufwandmengen das Ährenschieben und die Umlagerung von Assimilaten in die Ähre. Im Extremfall bleiben die Ähren im Halmstecken.
  • Ethephon wirkt als Alterungshormon und beschleunigt Umlagerung und Abreife. Die beschleunigte Umlagerung wirkt sich in Jahren mit geringer Einstrahlung gegen Ende der Kornfüllung – unabhängig von der Beeinflussung der Lagerneigung – positiv auf die Ertragsleistung spätreifer Sorten aus.
  • Akuter Stress (Trockenheit, Hitze) wird vor allem durch Ethephon verschärft.
  • Azole wie Metconazol, Tebuconazol verstärken die Wirkung der Wachstumsregler (- 25 %).
  • Medax Top unbedingt zusammen mit SSA (Turbo) ausbringen. Auch die Moddus-Wirkung wird bei kalkhartem Wasser durch Zugabe von 1 kg SSA bzw. von 50 g Zitronensäure pro 100 l verstärkt.
  • Statt Moddus können auch andere Trinexapax-Mittel (unterschiedliche Zulassung beachten) eingesetzt werden.
  • Keine Nachkürzung in bereits gestressten Beständen bzw. bei angespanntem Wasserhaushalt (unter 35 % nFK), im Zweifel nur stark gefährdete Teilflächen behandeln.

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.