In der Mehrzahl der Weizenbestände ist die „Große Periode“ der Ähre abgeschlossen. Eine eventuell notwendige Nachkürzung kann deshalb in diesen Tagen vorgenommen werden. Bei der Mittelwahl ist zu unterscheiden, ob
- der Weizen eingekürzt werden soll. Das ist in den (dichten) Beständen der Fall, die im Fahnenblattstadium eine Höhe von 60 cm bis zur Ligula überschritten haben. Für die Einkürzung kommen Moddus, Fabulis, Medax Top oder Prodax in Betracht.
- oder der Halm durch Ethephon gefestigt werden muss. Dafür stehen Cerone, Camposan oder Bogota zur Verfügung.
Mit sehr hohem Lagerrisiko ist zu rechnen
- ab einer zu erwartenden Bestandesdichte (kräftige Triebe mit voll entwickelter Ähre) von
- mehr als 480 Ähren/m² in lageranfälligen Sorten (BSL-Note 6 und höher)
- mehr als 530 Ähren/m² bei Sorten mit stärkerer Lagerneigung (BSL-Note 5)
- ab 580 Ähren/m² in weniger lageranfälligen Sorten (BSL-Note 4)
- ab 600 Ähren/m² in standfesten Sorten (BSL-Note 3 und besser).
- bei weichen Halmen:
- Die Festigkeit eines Halmes lässt sich mit der Messerspitze testen: Wenn sich diese ganz leicht – wie durch Butter – durch den Halm stechen lässt, ist der Halm weich. Wenn die unteren drei Halmabschnitte weich sind, setzen Sie zur Nachkürzung Ethephon-Mittel ein.
- bei zu langen unteren Internodien:
- Sind im Fahnenblattstadium (Fahnenblatt voll aus dem Halm herausgeschoben) die ersten 3 bzw. 4 Internodien, wenn der Weizen den Bestockungsknoten hochgeschoben hat, trotz vorangegangener Kürzung zusammen länger als 30 cm, ist mit einer Gesamtlänge des Weizens von über 110 cm zu rechnen. Damit steigt das Lagerrisiko.
Für die Nachkürzung ab dem Fahnenblattstadium kommen in Frage
(jedes Mittel nur einmal je Kultur einsetzen, Prodax darf gesplittet werden):
- Moddus (und andere Trinexapac-Mittel), wenn noch keine Vorlage mit Moddus erfolgt ist,
- Prodax, wenn das Fahnenblattstadium (EC 39) vor dem 20. Mai eintritt,
- Fabulis oder Medax Top (EC 39 bis 25. Mai),
- Bogota / Ethephon (Cerone/Camposan) bei weichen Halmen und in späten Beständen (Fahnenblattstadium nach dem 25. Mai).

- Die angeführten Aufwandmengen gelten bis zu einer Höhenlage von 200 m NN.
- Darüber muss die Aufwandmenge um 20 % je 100 m reduziert werden.
- Temperaturbereich: 18 bis 20 °C, über 20 °C Aufwandmengen um 25 % reduzieren.
- Unter 15 °C geringe Ethephon-Wirkung. Spritzung bei mehr als 25 °C in die kühleren Abendstunden verlegen oder früh morgens durchführen.
- Trinexapac und Prohexadion reagieren stark auf die UV-Strahlung. Bei intensiver Sonneneinstrahlung Aufwandmengen um 30 % reduzieren.
- Wirkungsdauer: Die Wirkung von Moddus (0,2 l/ha) hält 8 bis 12 Tage an, 0,3 l/ha MedaxTop/ 0,4 Fabulis wirken 6 bis 8 Tage. Die Ethephon-Wirkung klingt nach 3 Tagen ab.
- Vor allem Moddus und Medax Top verzögern mit höheren Aufwandmengen das Ährenschieben und die Umlagerung von Assimilaten in die Ähre. Im Extremfall bleiben die Ähren im Halmstecken.
- Ethephon wirkt als Alterungshormon und beschleunigt Umlagerung und Abreife. Die beschleunigte Umlagerung wirkt sich in Jahren mit geringer Einstrahlung gegen Ende der Kornfüllung – unabhängig von der Beeinflussung der Lagerneigung – positiv auf die Ertragsleistung spätreifer Sorten aus.
- Akuter Stress (Trockenheit, Hitze) wird vor allem durch Ethephon verschärft.
- Azole wie Metconazol, Tebuconazol verstärken die Wirkung der Wachstumsregler (- 25 %).
- Medax Top unbedingt zusammen mit SSA (Turbo) ausbringen. Auch die Moddus-Wirkung wird bei kalkhartem Wasser durch Zugabe von 1 kg SSA bzw. von 50 g Zitronensäure pro 100 l verstärkt.
- Statt Moddus können auch andere Trinexapax-Mittel (unterschiedliche Zulassung beachten) eingesetzt werden.
- Keine Nachkürzung in bereits gestressten Beständen bzw. bei angespanntem Wasserhaushalt (unter 35 % nFK), im Zweifel nur stark gefährdete Teilflächen behandeln.






