Aktuell liegen die Bodentemperaturen in 5 cm Tiefe zwischen 17 und 24 °C. Das könnte sich mit der Wetterumstellung in dieser Woche ändern. Solange noch Bodentemperaturen über 12 bis 15 °C herrschen, ist im warmen, trockenen Boden die Gefahr der Infektion der Wurzeln mit Gaeumannomyces graminis (Erreger der Schwarzbeinigkeit) und der Halmbasis mit Rhizoctonia graminis besonders hoch.
Bei früher Saat ist zudem auch das Risiko der Übertragung von Verzwergungs-Virosen hoch.
Die Böden sind im Norden und Westen zu 60 bis 90 % mit Wasser gesättigt. Im (Nord-) Osten und in den Trockengebieten im Südwesten und in Unterfranken allerdings nur zu 40 bis 50 %. Auf den Standorten im Norden und in den Höhenlagen sollten deshalb gute Bestellbedingungen im September genutzt werden, um das Getreide im Oktober nicht in den Boden hineinschmieren zu müssen. Sobald die Bodentemperaturen die 15 °C-Grenze unterschritten haben, sollte dort Getreide gesät werden.
Vorfrüchte für den frühgesäten Weizen
Aufgrund des Krankheitsrisikos scheidet Weizen als Vorfrucht vor frühem Weizen aus.
Sehr gut eignet sich Hafer vor einer Weizenfrühsaat. Hafer gibt über die Wurzeln Cumarin und Skopoletin ab. Beide Wirkstoffe wirken fungistatisch und hemmen die Ausbreitung des Erregers der Schwarzbeinigkeit. Zudem vermindert das Skopoletin auch die Aufnahme von Stickstoff. Dadurch überwächst sich der Weizen weniger stark.
Aus phytosanitären Überlegungen kommt als Vorfrucht in jedem Fall auch Raps in Betracht. Durch die DüV steht nach Raps auch nicht mehr so viel Stickstoff zur Verfügung, dass die Gefahr des Überwachsens des Weizens zu hoch wird. Das ist auch nach Sojabohnen nicht der Fall, welche deutlich weniger Stickstoff hinterlassen als Ackerbohnen oder Erbsen.
Letztere sind weniger für die Weizenfrühsaat geeignet. Weizen kann auch nach früh gehäckseltem Mais wie auch nach Sommergerste früh gesät werden.
Wann kommt eine sehr frühe Weizenaussaat nicht in Betracht?
- wintermilde Standorte mit meist spät (nach dem 01.12.) einsetzender Vegetationsruhe,
- hohes Kahlfrostrisiko,
- massiver Queckenbesatz (Belastung mit Gaeumannomyces),
- häufiger als 3 Jahre Getreide in den letzten 5 Jahren,
- starke Ackerfuchsschwanz- und Weidelgras-Belastung,
- regelmäßiges Auftreten des Weizenverzwergungsvirus (WDV, Zikaden),
- zu hohe pH-Werte (begünstigen den Befall mit Schwarzbeinigkeit),
- hoher N-Pool im Boden.
Maßnahmen zur Risikominderung in der Weizen-Frühsaat – Sortenwahl
Läuft der Weizen vor dem Ende des Langtages (vor dem 20.09.) auf, sind spätschossende Korndichtetypen mit hohem Tageslängenanspruch zu bevorzugen. Zugleich sollten die Sorten winterhart, wenig anfällig für Halmbasiskrankheiten, Mehltau und Braunrost und möglichst wenig lageranfällig sein, z. B. Boss, Cayenne, LG Initial, Sinatra, SU Selke.
In klimatisch begünstigten Regionen ist auch die Aussaat bis zum 25.09. noch zu früh. Auf kühleren Standorten kommen für die Aussaat nach dem 20. September vor allem Sorten in Betracht, die im Frühjahr frühzeitig schossen und deshalb kaum mehr bestocken bzw. rechtzeitig Nebentriebe reduzieren, um auf diese Weise zu dicke Bestände zu vermeiden. Das sind früh schossende Sorten mit geringem Tageslängen- und Vernalisations-Anspruch, die deshalb auch nicht zu dicht werden. Auch diese Sorten sollten weniger auswinterungs- und lagergefährdet und weniger anfällig für Halmbasis- und frühe Blattkrankheiten sein, z.B. Absolut, Campesino, SU Aventinus.
Beizung mit Silthiofam (Latitude XL) und Vibrance Trio gegen Halmbasiskrankheiten
Um die Belastung mit Schwarzbeinigkeit zu verringern, ist eine wenigstens 2-jährige Anbaupause von Getreide notwendig. Schwarzbeinigkeit kann, wie in diesem Jahr, selbst nach Blattfrüchten auftreten. Bei sehr früher Aussaat des Weizens ist die Beizung mit Silthiofam (Latitude XL) angebracht, insbesondere wenn in den vorangegangenen fünf Jahren wenigstens dreimal Getreide (außer Hafer und Mais) angebaut wurde. Mit Vibrance Trio kann der Weizen gegen Septoria, Rhizoctonia graminis (Spitzer Augenfleck) und Fusarien gebeizt werden. Zusammen mit einer guten Sortenresistenz gegen Pseudocercosporella wird damit ein umfassender Schutz gegen Halmbasiskrankheiten erreicht, der bislang nicht möglich war.
Intensive Rückverfestigung des Bodens und Mangan-Blattdüngung gegen Auswinterung
Eine intensive Rückverfestigung des Bodens ist dringend angebracht, wenn das Getreide früh gesät wird. Lockerer Boden vermindert die Feinwurzelbildung genauso wie dichtlagernder Boden. Zudem wird Mangan im lockeren Boden festgelegt. Mangan ist Bestandteil der Auxin-Oxidase, das Auxine zerlegt.
Manganmangel führt deshalb zum stärkeren Vergeilen der Triebe und wirkt sich nachteilig auf die Trieb- und Ährenbildung aus. Dadurch steigt auch das Auswinterungsrisiko. Dieses wird durch eine Mangan-Blattdüngung (2 bis 3 kg/ha Mn-Sulfat) ab dem 5-Blattstadium verringert.






