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Weizen – Frühsaat – Bodentemperaturen und Frucht sind entscheidend

Sep. 19, 2023 | Beizung, Blattdüngung, Getreidekrankheiten, Grünes Info 2023, Herbst, Saatzeitpunkt, Standortwahl, Winterweizen

Aktuell liegen die Bodentemperaturen in 5 cm Tiefe zwischen 17 und 24 °C. Das könnte sich mit der Wetterumstellung in dieser Woche ändern. Solange noch Bodentemperaturen über 12 bis 15 °C herrschen, ist im warmen, trockenen Boden die Gefahr der Infektion der Wurzeln mit Gaeumannomyces graminis (Erreger der Schwarzbeinigkeit) und der Halmbasis mit Rhizoctonia graminis besonders hoch.

Bei früher Saat ist zudem auch das Risiko der Übertragung von Verzwergungs-Virosen hoch.

Die Böden sind im Norden und Westen zu 60 bis 90 % mit Wasser gesättigt. Im (Nord-) Osten und in den Trockengebieten im Südwesten und in Unterfranken allerdings nur zu 40 bis 50 %. Auf den Standorten im Norden und in den Höhenlagen sollten deshalb gute Bestellbedingungen im September genutzt werden, um das Getreide im Oktober nicht in den Boden hineinschmieren zu müssen. Sobald die Bodentemperaturen die 15 °C-Grenze unterschritten haben, sollte dort Getreide gesät werden.

Vorfrüchte für den frühgesäten Weizen

Aufgrund des Krankheitsrisikos scheidet Weizen als Vorfrucht vor frühem Weizen aus.

Sehr gut eignet sich Hafer vor einer Weizenfrühsaat. Hafer gibt über die Wurzeln Cumarin und Skopoletin ab. Beide Wirkstoffe wirken fungistatisch und hemmen die Ausbreitung des Erregers der Schwarzbeinigkeit. Zudem vermindert das Skopoletin auch die Aufnahme von Stickstoff. Dadurch überwächst sich der Weizen weniger stark.

Aus phytosanitären Überlegungen kommt als Vorfrucht in jedem Fall auch Raps in Betracht. Durch die DüV steht nach Raps auch nicht mehr so viel Stickstoff zur Verfügung, dass die Gefahr des Überwachsens des Weizens zu hoch wird. Das ist auch nach Sojabohnen nicht der Fall, welche deutlich weniger Stickstoff hinterlassen als Ackerbohnen oder Erbsen.

Letztere sind weniger für die Weizenfrühsaat geeignet. Weizen kann auch nach früh gehäckseltem Mais wie auch nach Sommergerste früh gesät werden.

Wann kommt eine sehr frühe Weizenaussaat nicht in Betracht?

  • wintermilde Standorte mit meist spät (nach dem 01.12.) einsetzender Vegetationsruhe,
  • hohes Kahlfrostrisiko,
  • massiver Queckenbesatz (Belastung mit Gaeumannomyces),
  • häufiger als 3 Jahre Getreide in den letzten 5 Jahren,
  • starke Ackerfuchsschwanz- und Weidelgras-Belastung,
  • regelmäßiges Auftreten des Weizenverzwergungsvirus (WDV, Zikaden),
  • zu hohe pH-Werte (begünstigen den Befall mit Schwarzbeinigkeit),
  • hoher N-Pool im Boden.

Maßnahmen zur Risikominderung in der Weizen-Frühsaat – Sortenwahl

Läuft der Weizen vor dem Ende des Langtages (vor dem 20.09.) auf, sind spätschossende Korndichtetypen mit hohem Tageslängenanspruch zu bevorzugen. Zugleich sollten die Sorten winterhart, wenig anfällig für Halmbasiskrankheiten, Mehltau und Braunrost und möglichst wenig lageranfällig sein, z. B. Boss, Cayenne, LG Initial, Sinatra, SU Selke.

In klimatisch begünstigten Regionen ist auch die Aussaat bis zum 25.09. noch zu früh. Auf kühleren Standorten kommen für die Aussaat nach dem 20. September vor allem Sorten in Betracht, die im Frühjahr frühzeitig schossen und deshalb kaum mehr bestocken bzw. rechtzeitig Nebentriebe reduzieren, um auf diese Weise zu dicke Bestände zu vermeiden. Das sind früh schossende Sorten mit geringem Tageslängen- und Vernalisations-Anspruch, die deshalb auch nicht zu dicht werden. Auch diese Sorten sollten weniger auswinterungs- und lagergefährdet und weniger anfällig für Halmbasis- und frühe Blattkrankheiten sein, z.B. Absolut, Campesino, SU Aventinus.

Beizung mit Silthiofam (Latitude XL) und Vibrance Trio gegen Halmbasiskrankheiten

Um die Belastung mit Schwarzbeinigkeit zu verringern, ist eine wenigstens 2-jährige Anbaupause von Getreide notwendig. Schwarzbeinigkeit kann, wie in diesem Jahr, selbst nach Blattfrüchten auftreten. Bei sehr früher Aussaat des Weizens ist die Beizung mit Silthiofam (Latitude XL) angebracht, insbesondere wenn in den vorangegangenen fünf Jahren wenigstens dreimal Getreide (außer Hafer und Mais) angebaut wurde. Mit Vibrance Trio kann der Weizen gegen Septoria, Rhizoctonia graminis (Spitzer Augenfleck) und Fusarien gebeizt werden. Zusammen mit einer guten Sortenresistenz gegen Pseudocercosporella wird damit ein umfassender Schutz gegen Halmbasiskrankheiten erreicht, der bislang nicht möglich war.

Intensive Rückverfestigung des Bodens und Mangan-Blattdüngung gegen Auswinterung

Eine intensive Rückverfestigung des Bodens ist dringend angebracht, wenn das Getreide früh gesät wird. Lockerer Boden vermindert die Feinwurzelbildung genauso wie dichtlagernder Boden. Zudem wird Mangan im lockeren Boden festgelegt. Mangan ist Bestandteil der Auxin-Oxidase, das Auxine zerlegt.

Manganmangel  führt deshalb zum stärkeren Vergeilen der Triebe und wirkt sich nachteilig auf die Trieb- und Ährenbildung aus. Dadurch steigt auch das Auswinterungsrisiko. Dieses wird durch eine Mangan-Blattdüngung (2 bis 3 kg/ha Mn-Sulfat) ab dem 5-Blattstadium verringert.

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.