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Proteingehalt und Backqualität durch Ährendüngung fördern

Die Begrenzung der N-Düngung durch die DüV macht sich erst im Proteingehalt und im Sedimentationswert bemerkbar, bevor der Ertrag reagiert. Durch die Ährendüngung mit Stickstoff lassen sich Eiweißgehalt und Sedimentationswert positiv beeinflussen. Der Ausnutzungsgrad ist im Vergleich zur Düngung über den Boden deutlich höher.

Eiweißgehalt im Korn und (Back-) Qualität werden in den ersten 20 Tagen nach Beginn der Kornbildung festgelegt und hängen im Wesentlichen von der N-Aufnahme aus dem Boden und der Umlagerung von Stickstoff bzw. löslichen Proteinbestandteilen aus den Blättern in das Korn ab. Dazu müssen auch genug Kohlenhydrat-Gerüste (Keto-Körper) und Enzyme für die Aminosäuren- und Proteinbildung bereitstehen.

Ertrag und Qualität hängen nicht nur von Stickstoff ab, sondern auch von der Versorgung mit Phosphor, Schwefel, Kalium, Magnesium und Spurenelementen.

Die Ursache für geringe Proteingehalte trotz hoher N-Zufuhr sind häufig im Mangel an Schwefel, auch Phosphor oder Kalium zu suchen. Fallen Eiweißgehalt und Sedimentationswert ab, kann auch Zinkmangel die Ursache sein, insbesondere dann, wenn auch die Fallzahl einbricht. Die Einschränkung der N-Zufuhr begrenzt zuerst den Proteingehalt, bevor sie ertragswirksam wird.

Durch die Flüssigdüngung mit Stickstoff auf dem Fahnenblatt und der Ähre können innerhalb der ersten 14 bis 18 Tage nach der Blüte Proteingehalt und Backqualität positiv beeinflusst werden. Dazu eignen sich aufgelöster Harnstoff, AHL oder Piasan S. Die Verwendung von reinem Harnstoff ohne Urease-Hemmer, der als Amid-Stickstoff sofort in Aminosäuren eingebaut wird, ist allerdings nicht mehr zulässig.

Ährendüngung mit AHL oder Piasan S

Die Ährendüngung mit AHL oder Piasan S (AHL + Schwefel) ist dagegen nach wie vor möglich. Der im AHL enthaltene NO3-Stickstoff muss allerdings in der Pflanze erst unter Energieaufwand in NH4-Stickstoff und dann in Amidstickstoff umgewandelt werden, bevor der Einbau in Aminosäuren und Proteine erfolgen kann. AHL (und Piasan S) wird aber bei geringer Luftfeuchte besser aufgenommen als Flüssigdünger mit aufgelöstem Harnstoff, da der Tropfen langsamer antrocknet. Damit wird der Nachteil gegenüber dem Harn- stoff ausgeglichen.Versuchsergebnissen in denen die Wirkung der Ährendüngung mit AHL besser war, lassen sich dadurch erklären.

Über Fahnenblatt und Ähre kann der Weizen bis zu 10 kg/ha Stickstoff (= 30 l AHL) aufnehmen, damit können maximal 60 kg/ha Rohprotein produziert werden, das sind 5 % mehr Eiweißmenge im Korn bzw. ein um 0,7 % höherer Eiweißgehalt. Mehr als 10 kg / ha N auf die Ähre auf einmal zu düngen, ist nicht sinnvoll. Dagegen wirkt sich eine Mehrfach-Ährendüngung im Abstand von 4 bis 5 Tagen positiv aus.

Im Schnitt stieg der Proteingehalt im Weizen in unseren Versuchen durch die einmalige Ähren-Düngung um 0,3 bis 0,7 %. Der Anstieg des Proteingehaltes war höher, wenn die Ährendüngung erst 10 bis 14 Tagenach der Blüte erfolgte. Eine frühere Düngung wirkte sich dagegen positiv auf den Ertrag aus. Durch den Verdünnungseffekt fiel der Anstieg des Eiweißgehaltes aber geringer aus.

Der Zusatz von 2 kg/ha Spritz-SSA (Pulver) sichert die Proteinbildung ab, ebenso die Zumischung von 2l/ha Wuxal P. Das Wuxal P stabilisiert zudem den pH der Spritzbrühe.

Zuckerzusatz zur Erhöhung des Proteingehaltes

Schränken Trockenheit oder geringe Strahlung die Assimilationsleistung ein, wird die Eiweißbildung durch zu wenig Ketogerüste (lösliche Kohlenhydrate) begrenzt. Wurden unter diesen Bedingungen 5 bis 10 % Zucker (0,5 bis 1 kg Zucker je kg N) in die Ähre gespritzt, stieg der Proteingehalt in Kombination mit der N-Ährendüngung um 0,5 bis 1,0 %, also stärker als nur mit AHL bzw. Harnstoff bzw. auch stärker als durch die Menge der N-Zufuhr zu erklären ist. Als Erklärung kommt in Betracht, dass durch die Zufuhr des Zuckers die im Blatt vorhandenen NPN-Verbindungen in Kornprotein eingebaut werden konnten.

Die Zuckerspritzung erhöhte aber auch die Anfälligkeit für (Braun-) Rost. Dieses Risiko lässt sich durch Zumischung von 75 g/ha Tebuconazol unterbinden, wenn keine Ährenbehandlung gegen Rost vorausging. Die Zuckerzumischung vermindert generell die Stressempfindlichkeit der Pflanze, auch das Ätzrisiko. Durch die Zucker-Stickstoff-Schwefel-Spritzung lässt sich zudem Trockenstress abbauen, wenn die ersten Blätter bereits zu rollen beginnen.

  • 10 kg/ha N als AHL oder Piasan S (dann kein SSA zusetzen)
  • +    2,0 kg/ha SSA oder 2,0 kg/ha Bittersalz (nicht in Kombination mit P-Blattdüngern verwenden)
  • +    5,0 kg/ha Zucker
  • +    2,0 l/ha P-Blattdünger (nicht in Kombination mit Bittersalz verwenden!)
  • +    0,5 l/ha Zn-Chelat* (45 g Zink als Chelat je nach Produktkonzentration)
  • +    75 g/ha Tebuconazol (ohne Ährenbehandlung)

*Zeichnen sich die Blattadern in deutlichen Streifen ab, ist Zinkmangel als Ursache zu vermuten. Zink wiederum ist notwendig für die Verknüpfung der Aminosäuren zu Proteinen. Im Verdachtsfall bietet sich Zugabe von Zink wie oben beschrieben an.

Die Mischung kann zusammen mit den Insektiziden Karate Zeon oder Teppeki ausgebracht werden. Von der Kombination mit EC-formulierten Insektiziden raten wir ab.

Zusatz von Additiven zu Blattdüngungsmaßnahmen

Als Zusatzmittel zu reinen Blattdüngermaßnahmen ist Designer, das zusammen mit dem AHL das Auskristallisieren der Nährstoffe auf dem Blatt reduziert, als am wirkungsvollsten zu beurteilen. Dadurch bleiben die Nährstoff im Spritzfilm länger in Lösung und werden von der Pflanze besser aufgenommen. Am stärksten ist dieser Effekt bei den Düngersalzen. Bei den Salzen (z.B. MnSO4, MgSO4, Na-Borate = Salze der Borsäure, Na-Molybdat, ZnSO4, Blattvolldünger wie Basfoliar) steht der Verdunstungsschutz durch das Designer im Vordergrund.

Die Aufnahme von Chelaten und Ligninsulfonaten wird dagegen durch Spreiter wie Break Thru/SilwetGold/Karibu besser unterstützt. Die stärkere Spreitwirkung ist für die wesentlich größeren Chelat- und Ligninsulfonat-Moleküle oder für das Borethanolamin von Vorteil.

Spurenelemente bzw. Blattdünger sollten möglichst bei geringem Sättigungsdefizit, also bei hoher Luftfeuchte gespritzt werden: Zum einen ist die Auskristallisationsrate geringer, was für die Salze von Vorteil ist. Zum anderen ist die Wachsschicht für größere Teilchen durchlässiger, was die Aufnahme der komplexbildenden Chelate (z.B. EDTA) und Ligninsulfonate begünstigt.

Nachteil der Ligninsulfonate gegenüber den wesentlich teureren Chelaten ist die versauernde Wirkung, die sich allerdings erst in hohen Mengen bemerkbar macht. In reinen „Düngercocktails“ entsteht daraus bei praxisüblichen Aufwandmengen kein gravierender Nachteil – außer in Mischungen mit Sulfonylharnstoffen, deren Löslichkeit durch den niedrigen pH herabgesetzt wird.

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.