Sortenwahl
Die Einstufung der Roggensorten erfolge nach der BSL 2023 und Züchterangaben, ergänzt durch LSV– Ergebnisse und eigene Beobachtungen. Auf die Züchterbezeichnung vor dem Sortennamen verzichten wir bei Platzmangel.
Die Einstufung des Sortentyps erfolgte auf der Basis des Ertragsaufbaus. Die Variabilität im Ertragsaufbau ist bei den aktuellen Hybridroggensorten gering, so dass wir die Roggensorten in 2 Gruppen einstufen konnten:
KD – KZÄ – Typen (z.B. KWS Tayo, SU Karlsson) können mit mittlerer Ährenzahl (meist 400 bis 450 Ähren je m²) über eine hohe Kornzahl je Ähre abhängig von der Befruchtung eine hohe Korndichte (zwischen 23.000 und 30.000 Körner je m²) produzieren. Das TKG liegt dann bei normaler Ausreife zwischen 36 und 45 g.
BD – (TKG -) Typen (z.B. KWS Eterno, SU Performer) benötigen für hohe Erträge höhere Ährenzahlen zwischen 450 und 550 (bis 600) Ähren je m².
Aussaatstärke differenzieren
Nachdem zu Roggen keine N-Düngung im Herbst mehr zulässig ist, sollte die Saatstärke zu den KD – KZÄ – Typen auf N-schwachen Böden etwas höher angesetzt werden, da die Ährenanlagen in den später angesetzten Seitentrieben schwächer ist und darunter die Kornzahl je Ähre geringer (s. Tabelle 153).
Anders ist auf besseren Böden mit höherem N-Pool bzw. auch nach Raps als Vorfrucht zu verfahren: Auf diesen Standorten reicht i.d.R. die N-Versorgung im Herbst, damit auch der 3. (und 4.) Nebentrieb ausreichend Körner ansetzen kann. Auf diesen Standorten sollten die Bestandesdichte-Typen etwas stärker ausgesät werden.
Einige Roggenbestände reagierten auf schwachen Standorten auf die späte Trinexapac-Kürzung in EC 37/39 mit einem deutlich verzögerten Ährenschieben und mit spätem Schieben der Staubbeutel. Darunter litt die Bekörnung. Auf schwachen Böden sind standfeste Sorten zu bevorzugen, um nicht zwingend im Fahnenblatt nachkürzen zu müssen. Die aktuell standfesteste, für den Bioanbau empfohlene Hybridsorte Durinos kann im Ertrag nicht mithalten, KWS Binnto und Piano werden nicht mehr vermehrt, sodass als aktuell standfesteste, ertragsstarke Sorte in erster Linie der SU Perspectiv (BLS-Note 3) in Betracht kommt. KWS Tayo und SU Karlsson sind etwas schwächer in der Standfestigkeit eingestuft, können aber mit geringem Aufwand ausreichend gut stabilisiert werden.
Ein wesentlicher Faktor für die Standfestigkeit ist nach der Sortenwahl und der zurückhaltenden N-Düngung die Saatstärke: Je größer der Standraum der Einzelpflanze, umso stärker ist der Halmgrund. Zur Festigkeit des Halmes trägt auch die Versorgung mit Kalium, Bor und Kupfer bei.

Ertragssicherung im Herbst
Auch Roggen reagiert stark auf die Grunddüngung mit Phosphor auf Standorten mit weniger als 4 mg P bzw. 10 mg P2O5- /Einheit. Durch 100 kg/ha TSP in den Saathorizont eingearbeitet, wurden im Schnitt 6 dt/ha, maximal bis zu 11 dt/ha mehr geerntet. Generell liegen Gülleschläge, selbst wenn im Herbst keine Gülle zu Roggen ausgebracht wurde bei angeglichener N-Düngung im Ertrag um 5,5 dt/ha über den Schlägen ohne organische Düngung.
Erreicht der Roggen bis Anfang November das 5-Blattstadium, sichert eine Blattdüngung die Entwicklung auf schwachen Standorten ab.

Wo hat der Roggen seine Vorteile?
Winterroggen ist auf Sandböden dem Weizen überlegen und kann auch auf trockenen, nicht unter Staunässe leidenden besseren Standorten mit dem Weizen konkurrieren, vor allem als Stoppelgetreide. Auf (stau-) nassen und vor allem in wintermilden Gebieten mit über längerer Zeit nassen Böden fällt Roggen in der Ertragsleistung, wie auch in diesem Jahr, deutlich ab.
Die aktuellen Hybridsorten sind standfester, auch weniger anfällig für Blattkrankheiten. In der Anfälligkeit für Mutterkorn gibt es deutliche Sortenunterschiede. Die KWS-Hybridsorten Serafino und vor allem der neue KWS Tutor können in dieser Hinsicht mit den besten Populationssorten mithalten. Die SU-Hybridsorten wurden durch das BSA als anfällig für Mutterkorn eingestuft. Der neu zugelassene SU Karlsson (Populationssorte) schneidet im Hinblick auf Mutterkorn besser ab. Durch die Zumischung von 10 % Populationsroggen mit höherer Pollenschüttung kann das Manko der anfälligeren Sorten großteils ausgeglichen werden.
Trotzdem trat auch in diesem Jahr wieder Mutterkorn auf, verstärkt auf Beregnungsflächen. Eine Beregnung in die Blüte sollte auf jeden Fall unterbleiben. Über die Jahre gesehen schiebt der Roggen ab dem 17.05. die Staubbeutel und blüht in Norddeutschland zwischen dem 19.05. und 27.05.. In dieser Zeit sollte keine Beregnung erfolgen.
Auch am Rand der Fahrgassen tritt Mutterkorn verstärkt an den Nachschossern auf. Deshalb von vornherein breitere Fahrgassen anlegen, vor allem wenn Gülle in den Bestand ausgebracht werden soll.
Das Risiko von Mutterkorn steigt, wenn auf die frisch geschobenen Staubbeutel bzw. in die Blüte gespritzt wird. Deshalb sollten Pflanzenschutz- und Blattdüngungsmaßnahmen auf die Ähre unmittelbar nach dem Ährenschieben erfolgen, aber bevor der Roggen die Staubbeutel schiebt, also vor dem 17. Mai.
Hybridsorten auch auf schwachen Standorten anbauen
Hybridsorten zeichnen sich durch eine stärkere vegetative Entwicklung mit besserer Wurzelleistung aus, dadurch können sie die Frühjahrstrockenheit besser überstehen als Populationssorten. Die aktuellen Hybriden waren den Populationssorten im Ertrag auch in diesem Jahr so weit überlegen, dass sich der Anbau der Hybriden auch auf Grenzstandorten trotz der hohen Saatgutkosten auszahlt.
Für die GPS-Nutzung kommen Triticale und Roggen in Betracht. In Trockenjahren und auf sandigen, trockenen Böden ist Winterroggen (KWS Progas) auch im Gesamtpflanzenertrag ertragsstärker und -stabiler. Auf Standorten mit starkem Ackerfuchsschwanz-Besatz kommt Winterroggen wegen der höheren Empfindlichkeit gegen Herbizide (FFA) weniger in Betracht, auch wenn der Roggen das höhere Verdrängungsvermögen gegen andere Gräser besitzt. In diesem Fall ist Wintertriticale (z.B. Tender) die bessere Wahl. Für eine mögliche Doppelnutzung (GPS, Körnernutzung) stehen vor allem die Roggensorte SU Performer und die Triticalesorte Ramdam zur Verfügung.
Auf schwachen Standorten nicht zu spät säen.
Je schwächer der Standort, umso entscheidender ist der Saattermin: Roggen muss auf Sandböden mit regelmäßiger Frühjahrstrockenheit so rechtzeitig bestellt werden, dass er vor Winter voll bestockt. Dazu braucht er wenigstens 55 Vegetationstage, muss also spätestens Ende September bis Anfang Oktober auflaufen, damit die Nebentriebe vor Winter noch Kronenwurzeln bilden können. Das gilt auch für Standorte mit frühem Vegetationsbeginn. Die im Frühjahr gebildeten Seitentriebe bilden keine Kronenwurzel und werden in der Frühjahrstrockenheit reduziert. Es hilft dann auch nichts, den Roggen dicker auszusäen, weil die Einzelpflanze nicht genug Standraum hat und der Wurzelraum eingeschränkt wird. Gleichzeitig nimmt das Lagerrisiko zu.
Auf Grenzstandorten sollten nicht mehr als 300 Ähren angepeilt werden, bei sehr früher Aussaat sind deshalb nicht mehr als 80 Keimpflanzen pro m² anzustreben. Um einen zu weiten Abstand zwischen benachbarten Pflanzen zu vermeiden, ist es angebracht, jede zweite Drillreihe zu schließen. Bei extrem geringen Saatstärken muss die Entwicklung der Einzelpflanze unterstützt werden.
Es bietet sich an, das Saatgut für schwache Standorte mit Nährstoffen zu beizen, z.B. mit 0,2 l/ha Wuxal Mobile, eventuell auch eine Drillreihendüngung mit 25 kg/ha MAP (= 2,6 kg/ha N) + 10 kg/ha Excello (Düngeverordnung beachten).
Vor allem FFA-haltige Herbizide setzen dem keimenden Roggen stärker zu als anderen Getreidearten. Deshalb darf der Roggen nicht zu flach abgelegt werden, wenn Gräser mit FFA bekämpft werden müssen. Auf humusarmen Sandböden mit geringer Sorptionsfähigkeit muss das Saatkorn mit 3 cm Boden bedeckt sein.
Das Schadrisiko durch das FFA ist geringer, wenn der Roggen frühzeitig gesät wird und die Spritzung nicht im Vorauflauf sondern erst nach dem Auflaufen ab EC 12 erfolg.






