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Roggen-Aussaat 2023 und Ertragssicherung im Herbst

Sep. 7, 2023 | Grunddüngung, Grünes Info 2023, Qualität und Ertrag absichern, Saatstärken, Saatzeitpunkt, Trockenheit, Winterroggen

Sortenwahl

Die Einstufung der Roggensorten erfolge nach der BSL 2023 und Züchterangaben, ergänzt durch LSV– Ergebnisse und eigene Beobachtungen. Auf die Züchterbezeichnung vor dem Sortennamen verzichten wir bei Platzmangel.

Die Einstufung des Sortentyps erfolgte auf der Basis des Ertragsaufbaus. Die Variabilität im Ertragsaufbau ist bei den aktuellen Hybridroggensorten gering, so dass wir die Roggensorten in 2 Gruppen einstufen konnten: 

KD – KZÄ – Typen (z.B. KWS Tayo, SU Karlsson) können mit mittlerer Ährenzahl (meist 400 bis 450 Ähren je m²) über eine hohe Kornzahl je Ähre abhängig von der Befruchtung eine hohe Korndichte (zwischen 23.000 und 30.000 Körner je m²) produzieren. Das TKG liegt dann bei normaler Ausreife zwischen 36 und 45 g.

BD – (TKG -) Typen (z.B. KWS Eterno, SU Performer) benötigen für hohe Erträge höhere Ährenzahlen zwischen 450 und 550 (bis 600) Ähren je m².

Aussaatstärke differenzieren

Nachdem zu Roggen keine N-Düngung im Herbst mehr zulässig ist, sollte die Saatstärke zu den KD – KZÄ – Typen auf N-schwachen Böden etwas höher angesetzt werden, da die Ährenanlagen in den später angesetzten Seitentrieben schwächer ist und darunter die Kornzahl je Ähre geringer (s. Tabelle 153).

Anders ist auf besseren Böden mit höherem N-Pool bzw. auch nach Raps als Vorfrucht zu verfahren: Auf diesen Standorten reicht i.d.R. die N-Versorgung im Herbst, damit auch der 3. (und 4.) Nebentrieb ausreichend Körner ansetzen kann. Auf diesen Standorten sollten die Bestandesdichte-Typen etwas stärker ausgesät werden.

Einige Roggenbestände reagierten auf schwachen Standorten auf die späte Trinexapac-Kürzung in EC 37/39 mit einem deutlich verzögerten Ährenschieben und mit spätem Schieben der Staubbeutel. Darunter litt die Bekörnung. Auf schwachen Böden sind standfeste Sorten zu bevorzugen, um nicht zwingend im Fahnenblatt nachkürzen zu müssen. Die aktuell standfesteste, für den Bioanbau empfohlene Hybridsorte Durinos kann im Ertrag nicht mithalten, KWS Binnto und Piano werden nicht mehr vermehrt, sodass als aktuell standfesteste, ertragsstarke Sorte in erster Linie der SU Perspectiv (BLS-Note 3) in Betracht kommt. KWS Tayo und SU Karlsson sind etwas schwächer in der Standfestigkeit eingestuft, können aber mit geringem Aufwand ausreichend gut stabilisiert werden.

Ein wesentlicher Faktor für die Standfestigkeit ist nach der Sortenwahl und der zurückhaltenden N-Düngung die Saatstärke: Je größer der Standraum der Einzelpflanze, umso stärker ist der Halmgrund. Zur Festigkeit des Halmes trägt auch die Versorgung mit Kalium, Bor und Kupfer bei.

Ertragssicherung im Herbst

Auch Roggen reagiert stark auf die Grunddüngung mit Phosphor auf Standorten mit weniger als 4 mg P bzw. 10 mg P2O5- /Einheit. Durch 100 kg/ha TSP in den Saathorizont eingearbeitet, wurden im Schnitt 6 dt/ha, maximal bis zu 11 dt/ha mehr geerntet. Generell liegen Gülleschläge, selbst wenn im Herbst keine Gülle zu Roggen ausgebracht wurde bei angeglichener N-Düngung im Ertrag um 5,5 dt/ha über den Schlägen ohne organische Düngung.

Erreicht der Roggen bis Anfang November das 5-Blattstadium, sichert eine Blattdüngung die Entwicklung auf schwachen Standorten ab.

Wo hat der Roggen seine Vorteile?

Winterroggen ist auf Sandböden dem Weizen überlegen und kann auch auf trockenen, nicht unter Staunässe leidenden besseren Standorten mit dem Weizen konkurrieren, vor allem als Stoppelgetreide. Auf (stau-) nassen und vor allem in wintermilden Gebieten mit über längerer Zeit nassen Böden fällt Roggen in der Ertragsleistung, wie auch in diesem Jahr, deutlich ab.

Die aktuellen Hybridsorten sind standfester, auch weniger anfällig für Blattkrankheiten. In der Anfälligkeit für Mutterkorn gibt es deutliche Sortenunterschiede. Die KWS-Hybridsorten Serafino und vor allem der neue KWS Tutor können in dieser Hinsicht mit den besten Populationssorten mithalten. Die SU-Hybridsorten wurden durch das BSA als anfällig für Mutterkorn eingestuft. Der neu zugelassene SU Karlsson (Populationssorte) schneidet im Hinblick auf Mutterkorn besser ab. Durch die Zumischung von 10 % Populationsroggen mit höherer Pollenschüttung kann das Manko der anfälligeren Sorten großteils ausgeglichen werden.

Trotzdem trat auch in diesem Jahr wieder Mutterkorn auf, verstärkt auf Beregnungsflächen. Eine Beregnung in die Blüte sollte auf jeden Fall unterbleiben. Über die Jahre gesehen schiebt der Roggen ab dem 17.05. die Staubbeutel und blüht in Norddeutschland zwischen dem 19.05. und 27.05.. In dieser Zeit sollte keine Beregnung erfolgen.

Auch am Rand der Fahrgassen tritt Mutterkorn verstärkt an den Nachschossern auf. Deshalb von vornherein breitere Fahrgassen anlegen, vor allem wenn Gülle in den Bestand ausgebracht werden soll.

Das Risiko von Mutterkorn steigt, wenn auf die frisch geschobenen Staubbeutel bzw. in die Blüte gespritzt wird. Deshalb sollten Pflanzenschutz- und Blattdüngungsmaßnahmen auf die Ähre unmittelbar nach dem Ährenschieben erfolgen, aber bevor der Roggen die Staubbeutel schiebt, also vor dem 17. Mai.

Hybridsorten auch auf schwachen Standorten anbauen

Hybridsorten zeichnen sich durch eine stärkere vegetative Entwicklung mit besserer Wurzelleistung aus, dadurch können sie die Frühjahrstrockenheit besser überstehen als Populationssorten. Die aktuellen Hybriden waren den Populationssorten im Ertrag auch in diesem Jahr so weit überlegen, dass sich der Anbau der Hybriden auch auf Grenzstandorten trotz der hohen Saatgutkosten auszahlt.

Für die GPS-Nutzung kommen Triticale und Roggen in Betracht. In Trockenjahren und auf sandigen, trockenen Böden ist Winterroggen (KWS Progas) auch im Gesamtpflanzenertrag ertragsstärker und -stabiler. Auf Standorten mit starkem Ackerfuchsschwanz-Besatz kommt Winterroggen wegen der höheren Empfindlichkeit gegen Herbizide (FFA) weniger in Betracht, auch wenn der Roggen das höhere Verdrängungsvermögen gegen andere Gräser besitzt. In diesem Fall ist Wintertriticale (z.B. Tender) die bessere Wahl. Für eine mögliche Doppelnutzung (GPS, Körnernutzung) stehen vor allem die Roggensorte SU Performer und die Triticalesorte Ramdam zur Verfügung.

Auf schwachen Standorten nicht zu spät säen.

Je schwächer der Standort, umso entscheidender ist der Saattermin: Roggen muss auf Sandböden mit regelmäßiger Frühjahrstrockenheit so rechtzeitig bestellt werden, dass er vor Winter voll bestockt. Dazu braucht er wenigstens 55 Vegetationstage, muss also spätestens Ende September bis Anfang Oktober auflaufen, damit die Nebentriebe vor Winter noch Kronenwurzeln bilden können. Das gilt auch für Standorte mit frühem Vegetationsbeginn. Die im Frühjahr gebildeten Seitentriebe bilden keine Kronenwurzel und werden in der Frühjahrstrockenheit reduziert. Es hilft dann auch nichts, den Roggen dicker auszusäen, weil die Einzelpflanze nicht genug Standraum hat und der Wurzelraum eingeschränkt wird. Gleichzeitig nimmt das Lagerrisiko zu.

Auf Grenzstandorten sollten nicht mehr als 300 Ähren angepeilt werden, bei sehr früher Aussaat sind deshalb nicht mehr als 80 Keimpflanzen pro m² anzustreben. Um einen zu weiten Abstand zwischen benachbarten Pflanzen zu vermeiden, ist es angebracht, jede zweite Drillreihe zu schließen. Bei extrem geringen Saatstärken muss die Entwicklung der Einzelpflanze unterstützt werden.

Es bietet sich an, das Saatgut für schwache Standorte mit Nährstoffen zu beizen, z.B. mit 0,2 l/ha Wuxal Mobile, eventuell auch eine Drillreihendüngung mit 25 kg/ha MAP (= 2,6 kg/ha N) + 10 kg/ha Excello (Düngeverordnung beachten).

Vor allem FFA-haltige Herbizide setzen dem keimenden Roggen stärker zu als anderen Getreidearten. Deshalb darf der Roggen nicht zu flach abgelegt werden, wenn Gräser mit FFA bekämpft werden müssen. Auf humusarmen Sandböden mit geringer Sorptionsfähigkeit muss das Saatkorn mit 3 cm Boden bedeckt sein.

Das Schadrisiko durch das FFA ist geringer, wenn der Roggen frühzeitig gesät wird und die Spritzung nicht im Vorauflauf sondern erst nach dem Auflaufen ab EC 12 erfolg.

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.