Die Bonitur von Rapsstängeln und Stoppeln ergibt Aufschluss über mögliche Ursachen geringer Rapserträge. Dadurch lassen sich nach der Rapsernte Fehler im Rapsanbau erkennen.
Folgende Unterscheidungskriterien können dafür herangezogen werden:
- Grüne Stoppeln weisen auf eine gesunde Abreife hin. Aber Achtung! Grüne Stoppeln bei totreifen Körnern sind ein Hinweis, dass der Raps zu gut mit Stickstoff versorgt war und die Assimilate nicht vollständig in die Schoten umgelagert wurden.
- Grüne Stängel mit schwarzgrauem Fraßkot sind entweder auf Befall mit Stängelrüssler (S-förmiger Stängel) oder Kohltriebrüssler (gerader Stängel) zurückzuführen.
- Braune Stängel mit weißem Mark sind kein Hinweis auf eine krankhafte Abreife, vielmehr verliefen Samen- und Stängelreife synchron. Hinweis auf eine ausgeglichene N-Versorgung.
- Braune Stängel mit bräunlichem oder schwarzem Mark entstanden in Folge eines späten Phomabefalls. Phoma drang durch Bohrlöcher von Schädlingen (Erdfloh) oder durch Frostrisse in die Stängel ein.
- Weiße Stängel geben Hinweise auf eine krankhafte Abreife:
- Weiße Stängel mit schmutzig schwarzem Mark sind ein Indiz für Wurzelhalsbefall mit Phoma. Dieser kann bereits nach dem Auflaufen des Rapses aufgetreten sein. Wenn Sie den Stängel aus dem Boden ziehen wollen, bricht dieser oberhalb der Bodenoberfläche ab.
- Der Verdacht auf Verticilium liegt nahe bei weißen oder braunen Stoppeln mit schmutzig grau-schwarzem Mark, die sich leicht aus dem Boden ziehen lassen. In diesem Fall wurden die Seitenwurzeln durch die Krankheit zerstört, außerdem ist die Wurzelrinde verschwärzt, was durch Aufschneiden überprüft werden kann.
- Befinden sich im Stängel und Wurzelhals bis zu 2 cm große Sklerotien (die Sklerotien ähneln optisch Mäusekot), handelt es sich um Sklerotinia.
Bei starkem Sklerotinia- oder Verticilliumbefall ist die Aufzeichnung in der Schlagkartei angebracht, um mit der Fruchtfolge auf das Problem reagieren zu können. In diesem Jahr sind Sklerotinia und Verticillium aufgrund der langen, regional nassen Blüte vermehrt zu finden. Rapsstängelrüssler und Kohltriebrüssler haben dort Schäden verursacht, wo in der warmen Phase Ende Februar ein massenhafter Zuflug erfolgte und keine Bekämpfung gegen diese Schädlinge stattfand.
Bei stärkerer Sklerotinia-Belastung sollte die Bodenentseuchung durch Contans WG in Betracht gezogen werden, insbesondere wenn in der Fruchtfolge in den letzten Jahren verstärkt auch Leguminosen (Ackerbohnen, Erbsen, Soja) angebaut wurden.






