Verbreitet wurden in der obersten Bodenschicht bereits mehr als 8 °C gemessen (Quelle: DWD Agrarwetter Bodentemperaturen, s. Karte vom 21.02.2023). Zuflug des Großen Rapsstängelrüsslers mit einem Überschreiten der Schadschwelle wurde örtlich beobachtet, nachdem 3 Tage in Folge tagsüber um 15 °C herrschten und die Temperaturen in der Nacht nicht unter die Frostgrenze fielen.
Ab einer Bodentemperatur von 5 bis 7 °C im Oberboden (bis 5 cm Bodentiefe) setzt der Schlupf des Rapsstängelrüsslers ein. Nach dem Schlupf beginnt die Nahrungssuche und die Käfer wandern sehr schnell in die Rapsschläge ein. Anders als der Kohltriebrüssler hat der Rapsstängelrüssler den Reifefraß dann weitgehend abgeschlossen und legt kurz nach dem Zuflug seine Eier unterhalb des Vegetationspunktes des Rapses in den Spross ab. Der Saftstrom und damit auch der Auxin-Transport werden durch den Anstich und das Fressen gestört und der Trieb bleibt gestaucht. Später kommt es durch einseitigen Auxin-Transport zur typischen S-förmigen Verkrümmung der Triebe, die Stängel platzen auf. Die geplatzten Stängel bilden Eintrittspforten für Krankheiten.
Gelbschalen sollten in direkter Nachbarschaft zu letztjährigen Rapsschlägen stehen, um den Zuflug des Rapsstängelrüsslers zu verfolgen. Um die Einwanderung des Kohltriebrüsslers zu verfolgen, sollten die Gelbschalen auch in der Nähe von Hecken oder Waldrändern stehen, da der Kohltriebrüssler dort überwintert.
Rapsstängelrüssler oder Kohltriebrüssler
Hauptunterscheidungsmerkmal der Stängelschädlinge ist die Farbe der „Schuhe“. Diese sind beim Kohltriebrüssler rötlich braun und beim Stängelrüssler schwarz. Sind die Beine zusammengeklappt und liegen am Bauch an, lässt sich die Farbe der „Schuhe“ nur schwer erkennen. Der leicht rötliche Schimmerder Kohltriebrüssler zeichnet sich trotzdem ab. Ansonsten nehmen Sie die Käfer aus der Schale, lassen diese trocknen. Danach entfalten sich die Füße.
Warum diese Unterscheidung?
Rapsstängelrüssler haben den Reifungsfraß bereits durchgeführt und beginnen sofort nach dem Zuflug mit der Eiablage, während Kohltriebrüssler den Reifungsfraß (8 bis 12 Tage) erst noch durchführen müssen, also bleibt in diesem Fall noch Zeit, bevor die Behandlung erfolgen soll.
Die Bekämpfungsschwelle liegt bei 5 Rapsstängelrüsslern bis 15 Kohltriebrüsslern innerhalb von 3 Tagen in der Gelbschale.
Der Gefleckte Kohltriebrüssler fliegt meist nach dem Rapsstängelrüssler zu. Der etwas kleinere Kohltriebrüssler legt seine Eier nach dem Reifefraß von 8 bis 12 Tagen überwiegend in den Blattstängeln ab, von dort wandern die Larven in den Haupttrieb ein. Es kommt zum vorzeitigen Absterben der Blätter. Das kann der Raps verkraften, wenn keine Krankheiten über die Verletzung eindringen. Durch den Einsatz von Azolen als Wachstumsreglern mit Fungizidwirkung ist deshalb das Schadrisiko durch den Kohltriebrüssler zurückgegangen.
Eine Bekämpfung der Stängelschädlinge ist mit Pyrethroiden der Klasse II möglich, z.B. mit 75 ml/ha Karate Zeon oder 80 ml/ha Nexide bzw. anderen zugelassenen Pyrethroiden.
Karate Zeon kann in purem AHL ausgebracht werden. Dank der Formulierungen ist kein Ansäuern notwendig, wenn Bor zugesetzt wird.
Soll Bor (300 g/ha Bor) gemeinsam mit Pyrethroiden ausgebracht werden, muss die Spritzbrühe vorher durch Zitronensäure (100 g/100 l) angesäuert werden. Durch das Bor steigt der pH-Wert in der Spritzbrühe auf pH 8. Erfolgt keine pH-Wert-Absenkung, werden die Pyrethroide schneller abgebaut.

Reihenfolge beim Ansetzen der Spritzbrühe:
- erst Spritzbrühe mit Zitronensäure ansäuern,
- dann Pyrethroid in die Spritzbrühe,
- danach Azol als Wachstumsregler,
- zuletzt Bor
Bor-Spritzung im Raps
Bor muss frühzeitig gespritzt werden, insbesondere wenn bereits eine Verbräunung des Wurzelherzes zu erkennen ist. Nach der Applikation wird Bor über das Blatt aufgenommen. Durch das ablaufende Bor entlang der Blattstiele und des Sprosses gelangt der Nährstoff in den Boden nahe am Wurzelhals. Aus diesem Depot kann der Raps das Bor wieder über die Wurzel aufnehmen und in den Neuzuwachs transportieren. Pro 100 kg Rapsertrag sind im Herbst und Frühjahr in der Summe 10 g Bor angebracht.
Raps – Azol-Spritzung im Frühjahr
Azole (Wachstumsregler) sollten nicht gespritzt werden, wenn der Spross noch festsitzt. Phoma-Befall auf den älteren Blättern kann toleriert werden, weil diese in den kommenden Tagen absterben, bevor das Phoma-Myzel in den Stängel hineinwächst. Diese Blätter sollen durch frühe Fungizide nicht länger erhalten bleiben.
Positiv wirkt sich deshalb im Raps das Abbrennen älterer Blätter mit AHL aus. Phoma auf jüngeren, oberen Blättern erfordert dagegen eine frühzeitige Bekämpfung mit teilsystemisch wirkenden Azolen (z.B.Prothioconazol + Tebuconazol) innerhalb von 10 Tagen ab Vegetationsbeginn, um das Myzelwachstum zu unterbinden. Wenn Azole im Herbst gespritzt wurden, sollte mit der Azolspritzung gewartet werden, bis zu erkennen ist, dass sich der Spross streckt, also gut 10 cm lang ist. Werden Wachstumsregler gespritzt, bevor die Wirkstoffe der vorangegangenen Spritzung abgebaut sind, produziert der Raps zu viele Reiser bzw. wird im Extremfall zum „Blumenkohl“.






