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Raps – Stängelrüssler kontrollieren – weitere Maßnahmen zur Ertragssicherung

Feb. 28, 2023 | Blattdüngung, Frühjahr, Grünes Info 2023, Insektizide, Mikronährstoffe, Raps, Rapsschädlinge

Verbreitet wurden in der obersten Bodenschicht bereits mehr als 8 °C gemessen (Quelle: DWD Agrarwetter Bodentemperaturen, s. Karte vom 21.02.2023). Zuflug des Großen Rapsstängelrüsslers mit einem Überschreiten der Schadschwelle wurde örtlich beobachtet, nachdem 3 Tage in Folge tagsüber um 15 °C herrschten und die Temperaturen in der Nacht nicht unter die Frostgrenze fielen.

Ab einer Bodentemperatur von 5 bis 7 °C im Oberboden (bis 5 cm Bodentiefe) setzt der Schlupf des Rapsstängelrüsslers ein. Nach dem Schlupf beginnt die Nahrungssuche und die Käfer wandern sehr schnell in die Rapsschläge ein. Anders als der Kohltriebrüssler hat der Rapsstängelrüssler den Reifefraß dann weitgehend abgeschlossen und legt kurz nach dem Zuflug seine Eier unterhalb des Vegetationspunktes des Rapses in den Spross ab. Der Saftstrom und damit auch der Auxin-Transport werden durch den Anstich und das Fressen gestört und der Trieb bleibt gestaucht. Später kommt es durch einseitigen Auxin-Transport zur typischen S-förmigen Verkrümmung der Triebe, die Stängel platzen auf. Die geplatzten Stängel bilden Eintrittspforten für Krankheiten.

Gelbschalen sollten in direkter Nachbarschaft zu letztjährigen Rapsschlägen stehen, um den Zuflug des Rapsstängelrüsslers zu verfolgen. Um die Einwanderung des Kohltriebrüsslers zu verfolgen, sollten die Gelbschalen auch in der Nähe von Hecken oder Waldrändern stehen, da der Kohltriebrüssler dort überwintert.

Rapsstängelrüssler oder Kohltriebrüssler

Hauptunterscheidungsmerkmal der Stängelschädlinge ist die Farbe der „Schuhe“. Diese sind beim Kohltriebrüssler rötlich braun und beim Stängelrüssler schwarz. Sind die Beine zusammengeklappt und liegen am Bauch an, lässt sich die Farbe der „Schuhe“ nur schwer erkennen. Der leicht rötliche Schimmerder Kohltriebrüssler zeichnet sich trotzdem ab. Ansonsten nehmen Sie die Käfer aus der Schale, lassen diese trocknen. Danach entfalten sich die Füße.

Warum diese Unterscheidung?

Rapsstängelrüssler haben den Reifungsfraß bereits durchgeführt und beginnen sofort nach dem Zuflug mit der Eiablage, während Kohltriebrüssler den Reifungsfraß (8 bis 12 Tage) erst noch durchführen müssen, also bleibt in diesem Fall noch Zeit, bevor die Behandlung erfolgen soll.

Die Bekämpfungsschwelle liegt bei 5 Rapsstängelrüsslern bis 15 Kohltriebrüsslern innerhalb von 3 Tagen in der Gelbschale.

Der Gefleckte Kohltriebrüssler fliegt meist nach dem Rapsstängelrüssler zu. Der etwas kleinere Kohltriebrüssler legt seine Eier nach dem Reifefraß von 8 bis 12 Tagen überwiegend in den Blattstängeln ab, von dort wandern die Larven in den Haupttrieb ein. Es kommt zum vorzeitigen Absterben der Blätter. Das kann der Raps verkraften, wenn keine Krankheiten über die Verletzung eindringen. Durch den Einsatz von Azolen als Wachstumsreglern mit Fungizidwirkung ist deshalb das Schadrisiko durch den Kohltriebrüssler zurückgegangen.

Eine Bekämpfung der Stängelschädlinge ist mit Pyrethroiden der Klasse II möglich, z.B. mit 75 ml/ha Karate Zeon oder 80 ml/ha Nexide bzw. anderen zugelassenen Pyrethroiden.

Karate Zeon kann in purem AHL ausgebracht werden. Dank der Formulierungen ist kein Ansäuern notwendig, wenn Bor zugesetzt wird.

Soll Bor (300 g/ha Bor) gemeinsam mit Pyrethroiden ausgebracht werden, muss die Spritzbrühe vorher durch Zitronensäure (100 g/100 l) angesäuert werden. Durch das Bor steigt der pH-Wert in der Spritzbrühe auf pH 8. Erfolgt keine pH-Wert-Absenkung, werden die Pyrethroide schneller abgebaut.

Reihenfolge beim Ansetzen der Spritzbrühe:

  • erst Spritzbrühe mit Zitronensäure ansäuern,
  • dann Pyrethroid in die Spritzbrühe,
  • danach Azol als Wachstumsregler,
  • zuletzt Bor

Bor-Spritzung im Raps

Bor muss frühzeitig gespritzt werden, insbesondere wenn bereits eine Verbräunung des Wurzelherzes zu erkennen ist. Nach der Applikation wird Bor über das Blatt aufgenommen. Durch das ablaufende Bor entlang der Blattstiele und des Sprosses gelangt der Nährstoff in den Boden nahe am Wurzelhals. Aus diesem Depot kann der Raps das Bor wieder über die Wurzel aufnehmen und in den Neuzuwachs transportieren. Pro 100 kg Rapsertrag sind im Herbst und Frühjahr in der Summe 10 g Bor angebracht.

Raps – Azol-Spritzung im Frühjahr

Azole (Wachstumsregler) sollten nicht gespritzt werden, wenn der Spross noch festsitzt. Phoma-Befall auf den älteren Blättern kann toleriert werden, weil diese in den kommenden Tagen absterben, bevor das Phoma-Myzel in den Stängel hineinwächst. Diese Blätter sollen durch frühe Fungizide nicht länger erhalten bleiben.

Positiv wirkt sich deshalb im Raps das Abbrennen älterer Blätter mit AHL aus. Phoma auf jüngeren, oberen Blättern erfordert dagegen eine frühzeitige Bekämpfung mit teilsystemisch wirkenden Azolen (z.B.Prothioconazol + Tebuconazol) innerhalb von 10 Tagen ab Vegetationsbeginn, um das Myzelwachstum zu unterbinden. Wenn Azole im Herbst gespritzt wurden, sollte mit der Azolspritzung gewartet werden, bis zu erkennen ist, dass sich der Spross streckt, also gut 10 cm lang ist. Werden Wachstumsregler gespritzt, bevor die Wirkstoffe der vorangegangenen Spritzung abgebaut sind, produziert der Raps zu viele Reiser bzw. wird im Extremfall zum „Blumenkohl“.

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.