Der Befall mit Sklerotinia trat in stärkerem Umfang auf, wo zu Beginn der Rapsblüten Regen fiel. Durch den verstärkten Anbau von Körnerleguminosen in der Rapsfruchtfolge nimmt das Sklerotinia-Risiko zu. Auch Sonnenblumen werden durch Sklerotinia befallen. Sonnenblumen und Soja haben deshalb in Rapsfruchtfolgen nichts zu suchen. Zwischen Raps und Sonnenblumen sollte ein Anbauabstand von wenigstens 4 Jahren eingehalten werden.
Achtung: Auch Unkräuter aus der Gruppe der Kreuz- und Korbblütler werden von Sklerotinia befallen und müssen deshalb konsequent bekämpft werden (Hirtentäschel, Rauke, Hellerkraut, Kamille u.a.).
Nach einem Kälteeinbruch im Oktober kann in einem milden Herbst Myzel aus den Sklerotien auskeimen und Wurzel- bzw. Wurzelhalsinfektionen mit Sklerotinia bereits im Herbst verursachen. Diese Infektionen sind durch die Blütenspritzung im Frühjahr nicht zu verhindern.
Unterscheidung Sklerotinia-Wurzelhalsinfektionen vom Phoma- oder Verticillium-Befall
Wenn sich Stoppeln mitsamt der Wurzel leicht aus dem Boden ziehen lassen, weil die Feinwurzeln abgefault und verschwärzt sind, ist Verticillium als Ursache zu sehen.
Reißen die Stoppeln am Wurzelhals ab, kommen Phoma oder Sklerotinia für die Vermorschung in Betracht. Wenn im Inneren des Wurzelhalses, teils auch an der Außenseite die schwarzen „Mäuseköttel“ zu finden sind, haben wir es mit Wurzelhalsinfektionen durch Sklerotinia zu tun.
Myzel-Infektionen werden durch Kalkstickstoff, der mit der Saat eingearbeitet wurde, weitgehend unterbunden. Die DüV veranlasst aber nicht wenige, die bislang Kalkstickstoff eingesetzt haben, davon Abstand zu nehmen. Abgesehen davon, dass dadurch die Schneckenproblematik in Waldschattenlagen einen neuen Stellenwert bekommen wird, rückt die Sklerotinia-Problematik im Herbst wieder stärker ins Visier.
Um das Schädigungsrisiko einzugrenzen, muss die Sklerotien-Dichte im Boden herabgesetzt werden. Das ist abgesehen vom Kalkstickstoff auch mit dem biologischen Fungizid Contans WG zu erreichen. Das Contans enthält den Bodenpilz Coniothyrium minitans, der neben den Sklerotien von Sklerotinia sclerotiorum auch andere Sklerotinia-Arten parasitiert.
Im Rapsanbau sind grundsätzlich zwei Verfahren für den Einsatz von Contans WG möglich:
• Ausbringung vor der Raps-Aussaat
• Ausbringung nach der Raps-Ernte
Als ausgesprochen effektiv hat sich die Stoppelbehandlung des Rapses in Jahren mit Starkbefall herausgestellt, da auf diese Weise ein hoher Prozentsatz der neu gebildeten Sklerotien direkt mit den Mykoparasiten in Kontakt gebracht wird und der Zeitraum für die Parasitierung und Zerstörung der Sklerotien bis zum nächsten Anbau einer anfälligen Kultur (Raps, Ackerbohne, Erbse, Sonnenblume u.a.) lang genug ist.
Alternativ zur Stoppelbehandlung kann Contans mit 2,0 kg/ha auch im Vorsaatverfahren vor der Rapsaussaat gespritzt und mit der Aussaat eingearbeitet werden. Die Einarbeitung soll nicht tiefer als 5 cm erfolgen. Die nachfolgend eingesetzten Rapsherbizide beeinträchtigen die Wirkung des Contans WG nicht.
Vorgehensweise für die Contans-Anwendung auf die Rapsstoppel
Stängel spleißen, um Sklerotien freizulegen
Die Sklerotien in den Stängeln sollten durch die Zerkleinerung des Stängels freigelegt werden. Dazu eignen sich am besten Mulchgeräte oder Messerwalzen. Striegel und Walzen sind zwar auch möglich, aber in dieser Hinsicht weniger effektiv.
Beseitigung von Stroh und Kaffhaufen mit dem Striegel
Stroh- und Kaffhaufen durch lagernde Rapspflanzen oder Störungen während des Druschvorganges mit dem Striegel oder einem mehrbalkiger Grubber auseinanderziehen und gleichmäßig verteilen. Maßnahmen (mehrmals) wiederholen, auch um Altrapsbesatz zu vermeiden.
Ausbringung von Contans WG
Außer in Jahren mit Starkbefall (wie 2016) reichen 1 kg/ha Contans WG in 200 l/ha Wasser. Als Trägerstoff wird im Contans Glucose verwendet. Warmes Wasser verbessert das Auflösen des Präparates in der Spritzbrühe. Wassertemperaturen von 30 °C dürfen jedoch nicht überschritten werden.
Um das Absetzen des Contans im Spritzfass zu vermeiden, muss das Rührwerk während der Ausbringung eingeschaltet bleiben. Die Anwendung auf staubtrockenen Boden ist zu vermeiden. Spritzungen während eines leichten Nieselregens sind möglich und sogar zu empfehlen.
Zur Ausbringung von AHL, Kalkstickstoff oder Gülle sollte ein Abstand von 14 Tagen eingehalten werden. Die Kombination mit glyphosathaltigen Produkten ist aufgrund der erforderlichen sofortigen Einarbeitung des Contans nicht sinnvoll.
Einarbeitung
Die unmittelbare Einarbeitung (direkt hinter der Spritze) ist zweckmäßig und sichert die Wirkung des Contans ab. Die Einarbeitungstiefe soll auch in diesem Fall 5 cm nicht überschreiten, um eine hohe Sporen-Konzentration in der oberen Bodenschicht zu gewährleisten und keine Rapssamen zu vergraben.
Wegen der begrenzten Überlebensfähigkeit der Pilzsporen muss Contans WG zügig ausgebracht werden. Kurzzeitige Lagerung in dunklen, kühlen und trockenen Räumen ist möglich. Bei Temperaturen unter 4 °C beträgt die mögliche Lagerdauer von Contans WG etwa ein halbes Jahr, bei Temperaturen von 20 °C und darüber maximal noch 2 Wochen. Von einer „Überlagerung“ ist abzusehen. Die Kosten des Präparates belaufen sich auf 35 €/kg.
Die Anwendung von Contans WG vermindert die Sklerotien-Dichte im Boden um 70 bis 90 %, entbindet jedoch nicht vom Einsatz eines potenten Blütenfungizids im Raps, wenn günstige Bedingungen für den Ascosporen-Flug vorherrschen. Bereits 2 Apothezien, die aus den Sklerotien auskeimen, reichen aus, um den Raps auf einer Fläche von etwa 10 m² mit Ascosporen zu verseuchen.
Für die Myzelinfektion im Herbst ist eine höhere Sklerotien-Dichte notwendig. Das aus einem Sklerotium auskeimende Myzel breitet sich etwa im Umkreis von 5 bis 10 cm um das Sklerotium aus und kann zwischen 2 und 4 benachbarte Rapspflanzen besiedeln.
Das Contans WG hat eine Lieferzeit von 3 bis 5 Tagen. Laut Hersteller steht ausreichend Contans WG zur Verfügung. Bei großer Nachfrage kann jedoch nicht kurzfristig nachproduziert werden. Bei einem vorgesehenen Einsatz ist deshalb eine rechtzeitige Bestellung angeraten.






