Kohlhernie („Klumpfuß-Krankheit“) wird durch den bodenbürtigen Einzeller Plasmodiophora brassicae ausgelöst. Die Dauersporen im Boden keimen angeregt durch Wurzelausscheidungen im Bodenwasser aus und setzen begeißelte Zoosporen frei, die erst die Wurzelhaare und später die Wurzelrinde befallen.
Nach 180 bis 240 °C-Tagen sind an den Wurzeln erste stecknadelgroße Ausstülpungen zu erkennen. Die später gallenförmigen Wucherungen (Tumore), die einen Durchmesser von einem bis mehreren Zentimeter erreichen können, sind symptomatisch für das Schadbild des Erregers, der deshalb auch als „Klumpfußkrankheit“ bezeichnet wird. In den Gallen werden Millionen von Dauersporen gebildet, die der Überdauerung im Boden dienen.
Durch die Tumorbildung wird die Wasser- und Nährstoffversorgung beeinträchtigt oder ganz unterbunden. Besonders drastisch wirkt sich die Krankheit auf die Rapspflanze aus, wenn die Pfahlwurzeln befallen werden.
Kohlhernie bewirkt erste Welke-Erscheinungen der Rapspflanze schon im Herbst, obwohl die Wasserversorgung sichergestellt ist. Der Befall äußerst sich oft zuerst an nassen Stellen im Schlag (z.B. in Lunken), wo sich der Erreger durch die begeißelten Zoosporen schneller fortbewegen kann.
In verseuchten Böden geht die Anzahl der Dauersporen pro Gramm (!) Boden nicht selten in die Millionen. Die Halbwertszeit dieser Sporen im Boden beträgt 4 Jahre. Dauersporen können ohne Wirtspflanzen länger als 15 Jahre im Boden überdauern. Eine Vermehrung des Erregers ist aber nur an den Wurzeln empfänglicher Wirtspflanzen möglich. Dazu zählen vor allem Kruziferen wie Raps und Kohlgewächse.
Befallsdichte und -intensität werden maßgeblich von den Umweltbedingungen mitbestimmt. Sowohl die Infektion der Wurzelhaare als auch die spätere Symptomausprägung sind temperaturabhängig und erfordern hohe Bodenfeuchte. Temperaturen über 15 °C mit hoher Bodenfeuchte (über 70 % Feldkapazität) bieten optimale Voraussetzungen für den Befall mit diesem Erreger.
Der Ertragsausfall durch Kohlhernie hängt von der Befallshäufigkeit, d.h. wie viele Pflanzen befallen sind, und von der Befallsstärke ab. Im Mittel liegen die Ertragseinbußen zwischen 40 und 70 % bis hin zu Totalausfällen.
Die Kohlhernie wurde nach dem Krieg mit Steckrübensämlingen eingeschleppt und wird im Schlag und von Schlag zu Schlag durch die Bodenbearbeitung verbreitet. Deshalb sollten mit Kohlhernie belastete Schlagbereiche zuletzt bearbeitet werden und die Geräte nach der Bearbeitung und Bestellung von Befallsflächen gründlich gewaschen werden.
Beschränkte sich der Befall mit Kohlhernie früher oft auf Norddeutschland (Schleswig-Holstein, MV), finden wirdiese Krankheit heute auch im Osten und Süden, verstärkt auf Standorten mit pH- Problemen.
Durch den Anbau Kohlhernie-resistenter Sorten, z.B. Crocodile, Croozer, Cromat, LG Scorpion hat die Krankheit an Schrecken verloren. Die Resistenz beruht auf der sogenannten Mendel- Resistenz, die auf fast allen Standorten wirkt. Es ist aber nicht auszuschließen, dass diese durchbrochen wird. Die Sorte Creed erfasst ein erweitertes Spektrum an Kohlhernie-Rassen. Trotzdem sollten alle Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden, um die Ausbreitung von Kohlhernie zu unterbinden.







