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Raps – Hinweise zur Kerbspritzung

Okt. 24, 2023 | Ackerfuchsschwanz, Gräserherbizide, Grünes Info 2023, Herbizide, Herbst, Raps, Trespe, Weidelgras, Winter

Der Wirkstoff Propyzamid im Kerb bzw. Milestone beeinflusst wie das Pendimethalin als Mikrotubuli-Hemmer die Zellentwicklung empfindlicher Pflanzen. Das Propyzamid ist in der HRAC-Gruppe 3, früher K1, eingestuft. Dadurch unterscheidet sich Propyzamid grundlegend von den vorwiegend im Getreide verwendeten ACCase-Hemmern (FOP-, DEN-, DIM-Mittel), ALS-Hemmern (Mesosulfuron, Pyroxsulam, Propoxycarbazone) oder Harnstoffderivaten (CTU, Metribuzin). Dadurch kann das Resistenzrisiko von Ungräsern umgangen werden.

Verhalten von Propyzamid im Boden

Das Propyzamid dringt maximal 2 cm tief in den Boden ein und wird hauptsächlich über die Wurzeln aufgenommen. Feuchtkalte Witterung ermöglicht die Aufnahme des Wirkstoffs, gleichzeitig ist der Abbau in den Gräsern verlangsamt. Daher ist eine Anwendung erst bei anhaltenden Bodentemperaturen unter 7 Grad Celsius ratsam (auch unter der Krume). Die Wirkung tritt nach einer Anwendung während der Vegetationsruhe erst ein, wenn die Gräser im Frühjahr wieder zu wachsen beginnen. Dadurch wird oftmals der Eindruck hervorgerufen, dass das Kerb nicht gewirkt hat.

Die Wirkungsbreite von Propyzamid erstreckt sich über Gräser, die nicht durch Rhizome austreiben, sowie flachkeimende dikotyle Unkräuter wie Vogelmiere und Ehrenpreis. Auch Ausfallgetreide wird erfasst, vorausgesetzt es ist nicht übermäßig stark bestockt und wurzelt nicht zu tief. Die Wirksamkeit nimmt generell gegenüber größeren Gräsern mit tiefer wachsenden Wurzeln ab.

Auf lehmig-tonigen oder humusreichen Böden, bei grober Bodenstruktur oder einem hohen Anteil an Ernterückständen auf der Bodenoberfläche ist es ratsam, auf feuchtem Boden oder im Regen zu spritzen. Dabei sollte auch nicht am Wasseraufwand (200 l/ha) gespart werden! Propyzamid-haltige Produkte können und sollten sogar auf nasse oder bereifte Blätter ausgebracht werden. Insbesondere bei intensiver Beschattung ist das zu empfehlen, damit die Spritzbrühe abtropfen und unter die Blätter gelangen kann.

Anwendung von Propyzamid

Wenn Ackerfuchsschwanz oder Weidelgräser das 4- bis 5-Blattstadium erreicht haben, aber Propyzamid aufgrund zu warmer Witterung noch nicht gespritzt werden kann, sollten 0,5 l Select 240 + 0,5 l/ha Radiamix gespritzt werden, um zu vermeiden, dass die Gräser zu tief wurzeln und durch das Propyzamid nicht vollständig erfasst werden.

Ist das Ausfallgetreide zum Zeitpunkt der Propyzamid-Spritzung schon sehr stark bestockt, ist die Kombination mit einem blattwirksamen FOP-Mittel (z.B. Agil S) angeraten. Zum Spritzzeitpunkt sollten wenigstens 8 °C herrschen.

Bei Temperaturen um 0 °C wird durch Zumischung von 10 % AHL oder 3 % Zucker das Einfrieren der Düsen vermieden.

Einsatzbedingungen für Propyzamid (Kerb flo, Milestone):

  • Zielrichtung: Ackerfuchsschwanz, Trespen, Weidelgras, Ausfallgetreide, generell Gräser + Vogelmiere, Ehrenpreis,
  • keine Wirkung gegen Quecken, die aus Rhizomen austreiben,
  • Raps mit mindestens 6 voll entwickelten Laubblättern, Wurzelhals 5 bis 6 mm dick,
  • zurückgehende Wachstumsrate, Tagesmaxima um 8 °C (Kerb flo, Milestone), Nachtfröste schaden nicht,
  • keine Spritzung auf trockene, stark belaubte Bestände: Beschattung, zu geringe Bodenwirkung, Spritzung auf ausgetrockneten Böden nicht sinnvoll,
  • Spritzbrühe sollte in üppigen Beständen ablaufen können oder kurz vor Regen spritzen, Spritzung auf bereifte Blätter ist möglich,
  • Bei trockenen Blättern Additive nutzen, die das Ablaufen der Spritzbrühe unterstützen (z.B. 0,15 l/ha Break Thru),
  • Ist die Bodenoberfläche mit viel Stroh bedeckt oder schirmt üppiger Raps den Boden ab, sollten Kerb oder Milestone auf Trespen- und Ackerfuchsschwanz-Standorten mit wenigstens 250 l/ha Wasser ausgebracht werden, um eine sichere Wirkung zu gewährleisten,
  • Ungräser/Unkräuter müssen nicht direkt getroffen werden (Bodenwirkung),
  • Bei starken Trespen-Problemen und gegen FOP-resistenten Ackerfuchsschwanz wirkt das Propyzamid sicher,
  • Propyzamid-Spritzung spätestens bis Mitte Februar ausbringen, um Nachbauprobleme von Propyzamid auf das im Herbst nachfolgende Getreide zu vermeiden,
  • Das reine Propyzamid (im Kerb flo oder Kohort) ist auch in Ackerbohnen zugelassen.
  • Milestone (Kerb + Aminopyralid) kann nicht in Ackerbohnen gespritzt werden,
  • Milestone (Propyzamid + Aminopyralid) sollte nur eingesetzt werden, wenn der Besatz mit Klatschmohn und Stiefmütterchen das Aminopyralid erfordert. Kamillen und Kornblumen lassen sich im Frühjahr mit Korvetto (Halauxifen + Lontrel) gut bekämpfen. In der Auswertung der Schlagkarteien der Beratungsbetriebe schnitten Rapsschläge, die mit Milestone behandelt worden waren, im Ertrag häufiger schlechter ab. Das wurde aber im Versuch nicht bestätigt,
  • Milestone (500 g/l Propyzamid + 5,3 g/l Aminopyralid) kann mit besserer Wirkung gegen eine Reihe von dikotylen Unkräutern (Kamille, Klatschmohn, Kornblume, Stiefmütterchen) eingesetzt werden. Allerdings raten wir von der Milestone-Spritzung ab, wenn das Risiko besteht, dass der Raps noch umgebrochen werden muss, weil dann außer Mais keine andere Kultur ohne Schaden nachgebaut werden kann, insbesondere in den nächsten Jahren keine Leguminosen oder Kartoffeln anbauen.

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.