Der Wirkstoff Propyzamid im Kerb bzw. Milestone beeinflusst wie das Pendimethalin als Mikrotubuli-Hemmer die Zellentwicklung empfindlicher Pflanzen. Das Propyzamid ist in der HRAC-Gruppe 3, früher K1, eingestuft. Dadurch unterscheidet sich Propyzamid grundlegend von den vorwiegend im Getreide verwendeten ACCase-Hemmern (FOP-, DEN-, DIM-Mittel), ALS-Hemmern (Mesosulfuron, Pyroxsulam, Propoxycarbazone) oder Harnstoffderivaten (CTU, Metribuzin). Dadurch kann das Resistenzrisiko von Ungräsern umgangen werden.
Verhalten von Propyzamid im Boden
Das Propyzamid dringt maximal 2 cm tief in den Boden ein und wird hauptsächlich über die Wurzeln aufgenommen. Feuchtkalte Witterung ermöglicht die Aufnahme des Wirkstoffs, gleichzeitig ist der Abbau in den Gräsern verlangsamt. Daher ist eine Anwendung erst bei anhaltenden Bodentemperaturen unter 7 Grad Celsius ratsam (auch unter der Krume). Die Wirkung tritt nach einer Anwendung während der Vegetationsruhe erst ein, wenn die Gräser im Frühjahr wieder zu wachsen beginnen. Dadurch wird oftmals der Eindruck hervorgerufen, dass das Kerb nicht gewirkt hat.
Die Wirkungsbreite von Propyzamid erstreckt sich über Gräser, die nicht durch Rhizome austreiben, sowie flachkeimende dikotyle Unkräuter wie Vogelmiere und Ehrenpreis. Auch Ausfallgetreide wird erfasst, vorausgesetzt es ist nicht übermäßig stark bestockt und wurzelt nicht zu tief. Die Wirksamkeit nimmt generell gegenüber größeren Gräsern mit tiefer wachsenden Wurzeln ab.
Auf lehmig-tonigen oder humusreichen Böden, bei grober Bodenstruktur oder einem hohen Anteil an Ernterückständen auf der Bodenoberfläche ist es ratsam, auf feuchtem Boden oder im Regen zu spritzen. Dabei sollte auch nicht am Wasseraufwand (200 l/ha) gespart werden! Propyzamid-haltige Produkte können und sollten sogar auf nasse oder bereifte Blätter ausgebracht werden. Insbesondere bei intensiver Beschattung ist das zu empfehlen, damit die Spritzbrühe abtropfen und unter die Blätter gelangen kann.
Anwendung von Propyzamid
Wenn Ackerfuchsschwanz oder Weidelgräser das 4- bis 5-Blattstadium erreicht haben, aber Propyzamid aufgrund zu warmer Witterung noch nicht gespritzt werden kann, sollten 0,5 l Select 240 + 0,5 l/ha Radiamix gespritzt werden, um zu vermeiden, dass die Gräser zu tief wurzeln und durch das Propyzamid nicht vollständig erfasst werden.
Ist das Ausfallgetreide zum Zeitpunkt der Propyzamid-Spritzung schon sehr stark bestockt, ist die Kombination mit einem blattwirksamen FOP-Mittel (z.B. Agil S) angeraten. Zum Spritzzeitpunkt sollten wenigstens 8 °C herrschen.
Bei Temperaturen um 0 °C wird durch Zumischung von 10 % AHL oder 3 % Zucker das Einfrieren der Düsen vermieden.
Einsatzbedingungen für Propyzamid (Kerb flo, Milestone):
- Zielrichtung: Ackerfuchsschwanz, Trespen, Weidelgras, Ausfallgetreide, generell Gräser + Vogelmiere, Ehrenpreis,
- keine Wirkung gegen Quecken, die aus Rhizomen austreiben,
- Raps mit mindestens 6 voll entwickelten Laubblättern, Wurzelhals 5 bis 6 mm dick,
- zurückgehende Wachstumsrate, Tagesmaxima um 8 °C (Kerb flo, Milestone), Nachtfröste schaden nicht,
- keine Spritzung auf trockene, stark belaubte Bestände: Beschattung, zu geringe Bodenwirkung, Spritzung auf ausgetrockneten Böden nicht sinnvoll,
- Spritzbrühe sollte in üppigen Beständen ablaufen können oder kurz vor Regen spritzen, Spritzung auf bereifte Blätter ist möglich,
- Bei trockenen Blättern Additive nutzen, die das Ablaufen der Spritzbrühe unterstützen (z.B. 0,15 l/ha Break Thru),
- Ist die Bodenoberfläche mit viel Stroh bedeckt oder schirmt üppiger Raps den Boden ab, sollten Kerb oder Milestone auf Trespen- und Ackerfuchsschwanz-Standorten mit wenigstens 250 l/ha Wasser ausgebracht werden, um eine sichere Wirkung zu gewährleisten,
- Ungräser/Unkräuter müssen nicht direkt getroffen werden (Bodenwirkung),
- Bei starken Trespen-Problemen und gegen FOP-resistenten Ackerfuchsschwanz wirkt das Propyzamid sicher,
- Propyzamid-Spritzung spätestens bis Mitte Februar ausbringen, um Nachbauprobleme von Propyzamid auf das im Herbst nachfolgende Getreide zu vermeiden,
- Das reine Propyzamid (im Kerb flo oder Kohort) ist auch in Ackerbohnen zugelassen.
- Milestone (Kerb + Aminopyralid) kann nicht in Ackerbohnen gespritzt werden,
- Milestone (Propyzamid + Aminopyralid) sollte nur eingesetzt werden, wenn der Besatz mit Klatschmohn und Stiefmütterchen das Aminopyralid erfordert. Kamillen und Kornblumen lassen sich im Frühjahr mit Korvetto (Halauxifen + Lontrel) gut bekämpfen. In der Auswertung der Schlagkarteien der Beratungsbetriebe schnitten Rapsschläge, die mit Milestone behandelt worden waren, im Ertrag häufiger schlechter ab. Das wurde aber im Versuch nicht bestätigt,
- Milestone (500 g/l Propyzamid + 5,3 g/l Aminopyralid) kann mit besserer Wirkung gegen eine Reihe von dikotylen Unkräutern (Kamille, Klatschmohn, Kornblume, Stiefmütterchen) eingesetzt werden. Allerdings raten wir von der Milestone-Spritzung ab, wenn das Risiko besteht, dass der Raps noch umgebrochen werden muss, weil dann außer Mais keine andere Kultur ohne Schaden nachgebaut werden kann, insbesondere in den nächsten Jahren keine Leguminosen oder Kartoffeln anbauen.







