Ab Schossbeginn (Spross > 10 cm lang) können Azole als Wachstumsregler im Winterraps eingesetzt werden, um Lager zu vermeiden. Lagergefährdet sind vor allem dichte Bestände mit starkem Altrapsdurchwuchs und mehr als 50 Pflanzen je m², da die eng stehenden Rapspflanzen nur dünne Stängel ausbilden. Die Düngung nach DüV bewirkt eine Verminderung der Lageranfälligkeit des Rapses, die in der Vergangenheit teilweise durch überhöhte N-Düngung hervorgerufen wurde.
Durch den frühen Einsatz von Azolen als Wachstumsregler wird die apikale Dominanz des Haupttriebes gebrochen und dadurch die Entwicklung und der Schotenansatz der unteren Seitenäste gefördert. Durch die Stauchung des Haupttriebes werden tiefer insertierte Schoten besser belichtet. Dadurch erfolgt auch eine Synchronisierung der Blüte und der Abreife. Die Entwicklung der Seitenverzweigung und Ausbildung der Knospen wird durch den Einsatz von 75 g/ha Azoxystrobin (z.B. 0,6 l/ha Amistar Gold) zusätzlich unterstützt.
Der optimale Termin der Wachstumsregler-Spritzung richtet sich nach der Kürzung im Herbst und dem Entwicklungszustand des Rapsbestandes:
- In Rapsbeständen, die vor Winter 10 und mehr Blätter bildeten, erfolgt die Kürzung am besten, wenn der überwiegende Teil der Pflanzen eine Länge der Sprossachse von 10 – 15 cm erreicht hat. Nach einer intensiven Kürzung im Herbst sollte erst behandelt werden, wenn die Streckung sichtbar eingesetzt hat.
- In schwächer entwickelten Rapsbeständen ist eine frühe Wachstumsreglermaßnahme mit geringer Aufwandmenge schon bei einer Sprosslänge von 5 cm sinnvoll. Diese fördert die Verzweigung und wirkt gegen akuten Phoma- oder Cylindrosporiumbefall (siehe unten).
- Die Voraussetzungen für den Einsatz der Wachstumsregler sind gegeben, sobald tagsüber 8 °C überschritten werden, wobei die stärkste Wirkung bei Temperaturen über 15 °C mit viel Sonne erzielt wird. Nachts sollten wenigstens 4 °C herrschen. Bei Bedarf kann die Kürzung in Kombinationmit einem Insektizid gegen Rüsselkäfer erfolgen.
- Aktuell setzt die Streckung insbesondere in früh aufgelaufenen, frohwüchsigen Sorten bereits ein. In diesen Beständen ist ein Splitting der Wachstumsregler, z.B. in EC 31/32 und einer Nachlage in EC 53/55, angeraten.
- In sehr üppigen Beständen werden durch 0,3 bis 0,5 l/ha Moddus im Knospenstadium im Übermaß angelegte Knospen ausgegeizt. Dadurch wird die Bekörnung der verbleibenden Schoten verbessert.
Fungizide Wirkung von Wachstumsreglern im Raps
Die als Wachstumsregler eingesetzten Azole wirken auch gegen Phoma und Cylindrosporium. Bei erkennbarem starken Phomabefall auf den Blättern ist eine frühe Behandlung mit Azolen angebracht.
Blattphoma auf intakten grünen Blättern, die noch fest an der Sprossachse sitzen, kann Stängelphoma auslösen, wenn das Phoma-Myzel, ausgehend von den Befallsstellen systemisch durch den Blattstiel und durch die Leitbahnen in den Stängel hinein wächst. Das Myzelwachstum wird durch 160 g/ha Tebuconazol + 80 g/ha Prothioconazol gestoppt. Die Behandlung muss erfolgen, bevor das Myzel in den Stängel hineinwächst
Angehende Neuinfektionen mit Phoma lassen sich innerhalb der halben Inkubationszeit (6 Tage mit 12 °C) mit 175 g/ha Tebuconazol (0,7 l/ha Folicur) stoppen. Eine Neuinfektion ist wahrscheinlich, wenn auf abgefallenen Blättern alte Phoma-Infektionen zu finden sind. Waren im Februar immer wieder Niederschläge zu verzeichnen und wurden tagsüber Temperaturen von 10 °C überschritten, herrschten günstige Voraussetzungen für die Verbreitung von Phoma (und Cylindrosporium) durch den Wind.
Mit 150 g/ha Tebuconazol wird Cylindrosporium gestoppt, mit dessen Auftreten aktuell aufgrund der „Kühlschranktemperaturen“ zu rechnen ist. In den Sporenlager der Blätter bildet sich eine Sporensoße, die auf den Blattstielen in die Blattachseln hinein rinnt und dort die Seitentriebknospen in den Blattachseln nekrotisieren lässt.







