Die Böden sind mit Ausnahme der Bördestandorte im Osten inzwischen bis unter die Krume durchnässt. Auf den weniger wasserhaltefähigen Böden im Nordwesten beginnen die Drainagen zu laufen. Dadurch erfordert die Bodenbearbeitung zu Raps viel Fingerspitzengefühl.
Wenn die Böden im vorigen September nicht zu früh angefasst wurden, ist die Bodenstruktur unterhalb der Krume weitgehend intakt, so dass eine intensive tiefe Lockerung nicht notwendig zu sein scheint. Am besten ist es, wenn abgeerntete, idealerweise einmal gestriegelte Böden ohne tiefe Spuren liegen bleiben. Direkt vor der Aussaat kann der Boden nur so tief bearbeitet werden, dass im Saathorizont genug Feinerde vorliegt.
Mit einer tiefen Bearbeitung wird unter der Bearbeitungsgrenze nur ein Verdichtungshorizont geschaffen, den die Pfahlwurzel des Raps durchstoßen muss.
Die Strohmassen erfordern eventuell, dass etwas tiefer gearbeitet werden muss: Pro 10 dt/ha Strohmenge müssen 1,5 – 2 cm Einarbeitungstiefe kalkuliert werden, um das Stroh und die Stoppeln so tief einzumischen, dass es zu keinen Auflaufproblemen kommt. Es spricht nichts dagegen, diese Einmischung in einem Arbeitsgang durchzuführen, wenn die Zeit knapp wird.
Voraussetzung sind möglichst kurze Stoppeln (max. 10 cm, besser 5 bis 7 cm), kurze Strohhäcksel (max. 5 cm) und gute Verteilung der Spreu. Langes Stroh und Stoppeln schwimmen durch die Bearbeitung obenauf und liegen im späteren Saathorizont.
Dieser Effekt wird durch mehrmalige Bearbeitung noch verstärkt, vor allem auf schluffig-sandigen Böden. Bei starkem Lager des Getreides mit langen Stoppeln ist eine Pflugfurche oft unumgänglich.
Wenn die Ernte noch ansteht und der Boden übernass ist, gilt: Je tiefer gedroschen bzw. kürzer gehäckselt wird, umso besser lässt sich das Stroh auf die gewünschte Bearbeitungstiefe einmischen, umso flacher kann gearbeitet bzw. gelockert werden und umso besser wirkt auch die Rückverfestigung im Saathorizont:
Auf vernässten Böden mit noch intakter Struktur sollte man hinterfragen, ob der aktuelle Bodenzustand durch schwere Güllefässer unbedingt kaputt gemacht werden soll, oder ob die Gülle nicht anderweitig weniger schädlich ausgebracht werden kann.
Wo Mähdrescher und Abfuhrfahrzeuge Spuren hinterlassen haben, muss die Bearbeitungstiefe etwa das Doppelte der Spurtiefe betragen, um Nachteile für die Wurzelbildung des Rapses auch in einem nassen Herbst auszuschließen. Die Frage ist, ob der Boden flächendeckend so tief bearbeitet werden muss oder ob es nicht sinnvoller ist mit einem schmalen Gerät nur die Spuren zu unterfahren und die Bearbeitungstiefe zu variieren.
Es ist zu hoffen, dass sich der Feuchtezustand der Krume bis zur Rapsbestellung soweit gebessert hat, dass keine Gewaltaktionen anstehen.
Für die Beurteilung, ob die Bodenstruktur trotz intensiver Niederschläge noch intakt ist, heben Sie den Boden mit einem Spaten auf 20-25 cm aus und lassen Sie die ausgegrabene Erde 3-4 Stunden in der Sonne liegen. Ist ein schnelles Ab- und auch Durchtrocknen des Erdhaufens festzustellen, dann wird es keine Probleme mit der Krümelfähigkeit geben, auch wenn Sie feucht bearbeiten (müssen).
Trocknet der ausgehobene Erdhaufen kaum bzw. nur an der Oberfläche ab bzw. lassen sich nach 4-5 Stunden noch stabile Knödel oder Würste formen, die nicht zerfallen oder zumindest aufreißen, dann wird es schwieriger, den für das Auflaufen des Rapses notwendigen hohen Feinerdeanteil zu erreichen. Also noch Zeit lassen.
Dann müssen die notwendigen Zeiträume, in denen die Nachbearbeitung durchgeführt wird, nach den Bearbeitungsgängen eingehalten werden. Erfolgt die Nachbearbeitung zu früh, krümelt der feuchte Boden schlecht und lässt sich nicht zerkleinern, erfolgt sie zu spät, trocknen die feuchten Kluten oberflächlich u.U. so stark an, dass sie ebenfalls nicht mehr krümeln und später auch nicht mehr durchwurzelbar sind. Folge: Der Raps bleibt dann im 4- bis 6-Blatt-Stadium trotz guter Nährstoffversorgung stehen.
Ansprüche des Winterraps an die Bestellung
- Als Pfahlwurzler braucht Raps eine ungestörte Bodenstruktur in der Krume für den Wurzeltiefgang. Verdichtungen lassen die Pfahlwurzel um die Ecke wachsen und kosten unnötig Energie. Außerdem entstehen durch die Biegungen Spannungen im Rindengewebe, die dieses leichter einreißen lassen. In diesen Rissen setzen sich Krankheiten wie Phoma oder Verticillium leichter fest.
- Der feine Rapssamen benötigt Feinerde, um genügend Bodenkontakt zu haben und auch im scheinbar trockenen Boden keimen zu können. Etwa 50 % der Krümel im Saathorizont sollten dem Durchmesser des Samenkorns entsprechen.
- Flache Saatbettbereitung: Das feine Rapssaatgut sollte für einen sicheren Feldaufgang, ohne dass es nach der Saat regnet, in den restfeuchten Boden gedrückt werden, aber mit nicht mehr als 1,5 bis 3 cm Boden bedeckt sein, um ein langes Hypokotyl zu vermeiden. Der „lange Kragen“ wird nach dem Auflaufen durch Wind hin und her gedreht. Dadurch schürft die Epidermis auf. Die Folge ist dann häufig Wurzelhalsphoma.
- Eine gute Rückverfestigung ist das A und O um den Boden-Samenkontakt sicherzustellen, Diese erfolgt durch Andruckrollen oder Walze nach der Saat. Aber Vorsicht auf schluffigen Böden. Die gleichmäßigsten Feldaufgänge werden mit Einzelkornaggregaten erreicht. Ziel: Vertikale Homogenität!
- Die Rapspflanzen brauchen einen Abstand in der Reihe von 10 – 15 cm. Stehen die Pflanzen zu eng, leidet die Leistungsfähigkeit der Einzelpflanze und das Auswinterungs- und Lagerrisiko steigt. Stehen die Pflanzen zu weit, reifen sie ungleichmäßig ab, bilden ein geringeres TKG und haben geringere Ölgehalte. Ziel sind 6 – 8 Rapspflanzen pro Meter Drillreihe. Ziel: Horizontale Homogenität






