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Raps – Blütenspritzung gegen Sklerotinia ist in diesem Jahr angebracht

Apr. 20, 2023 | Frühjahr, Fungizide, Grünes Info 2023, Raps, Rapskrankheiten, Rapsschädlinge

Wurde in den letzten 10 Jahren wenigstens dreimal Raps bzw. Raps und Leguminosen bzw. Kartoffeln oder gar Sonnenblumen auf demselben Feld angebaut, dürfte in diesem Jahr eine Blütenspritzung gegen Sklerotinia im Raps angebracht sein.

Mit dem Keimen der Apothezien von Sklerotinia ist zu rechnen, wenn tiefer keimende Unkräuter (Klettenlabkraut oder Windenknöterich) auflaufen können. Diese Zeigerpflanzen dienen als Indikatoren für die Keimbedingungen. Die bisherigen Niederschläge reichen selbst in den Trockengebieten aus, um den Keimwasserbedarf der Sklerotien zu decken. Dazu muss der Boden etwa 5 cm tief durchfeuchtet sein. 4 bis 5 Tage nach dem Auflaufen sind die Apothezien sporulationsfähig.

Sklerotinia-Infektionen erfordern, dass Blütenstaub auf sporulationsfähige Apothezien fällt. Keimen die Pollen auf den Apothezien aus, wird dadurch zusammen mit Tau- bzw. Regentropfen die Sporulation ausgelöst.

Infolge der Kälte der vergangenen Woche beginnen die Rapsbestände verzögert zu blühen. Die Rapsblüten sind zwar geöffnet, schütten aber keinen Pollen, solange der Raps nicht nach Raps riecht bzw. die Hosen beim Durchgehen nicht gelb werden. Die Blüte wird sich in diesem Jahr aufgrund der nass-kalten Witterung länger hinziehen als in den letzten Jahren.

Aufgrund des deshalb zu erwartenden langen Infektionszeitraums ist auf Standorten mit hoher Sklerotinia-Belastung ein Splitting der Blütenspritzung (zu Blühbeginn, sobald der Raps Pollen bildet, + zur Hauptblüte, wenn die ersten Blütenblätter fallen) angebracht.

Kann nur eine einmalige Blütenbehandlung durchgeführt werden, richtet sich die Mittelwahl nach dem Zeitpunkt der Blütenspritzung: Erfolgt die Blütenspritzung vor der möglichen Infektion, sind Mittel mit längerer Dauerwirkung zu bevorzugen. Kann erst gespritzt werden, nachdem eine Infektion erfolgt ist, ist es sinnvoller Mittel mit besserer Stoppleistung (wenigstens 3 bis 4 Tage) einzusetzen.

Mehr als 75 g/ha Tebuconazol oder 30 g/ha Metconazol verkürzen die Schoten und bewirken damit eine Verminderung des TKG. Deshalb ist von der Verwendung dieser Wirkstoffe mit höherer Aufwandmenge Abstand zu nehmen.

Rapsfungizide zur Blütenspritzung unterscheiden sich in der Stopp- und Dauerwirkung:

Triazolhaltige Mittel (Wirkstoffe: Difenoconazol, Metconazol, Tebuconazol und Prothioconazol) können mit 60 % der zulässigen Aufwandmenge einen angehenden Sklerotinia-Befall bis 4 Tage (d) nach der Infektion (n. I.) stoppen, haben aber nur eine begrenzte Dauerwirkung von 8 bis 10 Tagen (Prothioconazol bis 14 d), da die Azole akropetal (in Richtung Blattspitze) verlagert werden.

Die Stoppwirkung der Carboxamide (Boscalid, Fluoypyram, Isofetamid) beträgt 1 bis 2 Tage, die Dauerwirkung je nach Aufwandmenge bis zu 18 Tage. Am längsten (bis zu 24 Tage) hält die Wirkung der Strobilurine (Azoxystrobin, Dimoxystrobin, Mandestrobin, Pyraclostrobin) an, deren Stoppwirkung allerdings gering ist. Aufgrund der geringen Kurativ-Leistung sollten Carboxamid und Strobilurine mit Azolen zusammen ausgebracht werden.

Wann sollte die Blütenspritzung erfolgen?

Die Blütenspritzung sollte erfolgen, bevor die ersten Blütenblätter fallen, um ein Abschirmen der Seitensprossachseln durch Blütenblätter ohne Wirkstoffbelag zu vermeiden. Notwendig sind bei einmaliger Blütenspritzung 200 l/ha, besser 250 l/ha Spritzbrühe. 5 bis 10 % AHL (in der Düngerbedarfsrechnung anrechnen) verzögern das Austrocken des Spritztropfens und verbessern das Eindringen des Wirkstoffes in die Epidermis. Spritemittel (z.B. 0,12 l/ha Break thru oder 0,2 l/ha Silwet Gold) sorgen für einen gleichmäßigen Belag auf dem Stängel. Spritzung am Abend nach Bienenflug durchführen!

Bekämpfung von Blütenschädlingen im Raps

Der Zuflug vom Rapsglanzkäfer hielt und hält sich in diesem Jahr in Grenzen. Wenn diese Woche nach Tagestemperaturen über 17 °C kein nennenswerter Zuflug erfolgen sollte, ist das Risiko durch den Rapsglanzkäfer nur noch gering.

Gravierenden Schaden können in der Blüte noch Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke anrichten.

Kohlschotenrüssler (Ceutorhynchus assimilis) überwintern als Käfer in Hecken und Waldrändern unter der Streuschicht in einer Tiefe von 0,5 bis 5 cm. Nach dem Übergang in den Langtag (Ende März/Anfang April) wird der Käfer ab 12 °C im Boden aktiv. Das war bislang noch nicht der Fall. Über 26 °C wird die Aktivität der Schotenrüssler durch eine Art Wärmestarre eingeschränkt.

Mit dem Zuflug und dem Reifefraß der Kohlschotenrüssler ist, wenn überhaupt, erst in der letzten Aprilwoche zu rechnen.

Der direkte Fraßschaden durch den grau behaarten Kohlschotenrüssler ist gering. Der Hauptschaden wird angerichtet, wenn Nässe durch die Ausbohrlöcher in die Schoten eindringt und zu Sekundärinfektionen bzw. Auswuchs führt. Zudem verringern die Löcher die Platzfestigkeit der Schoten.

Die Kohlschotenmücke (Dasineura brassicae) besitzt keinen Rüssel und kann ihre Eier nur in frisch gebildete Schoten mit schwach ausgebildeter Naht oder in die Bohrlöcher des Schotenrüsslers ablegen.

Ab 13 °C Bodentemperatur schlüpft die Kohlschotenmücke aus vor- und vorvorjährigen Rapsschlägen. Ab Blühbeginn fliegt sie in den Winterraps. Der Zuflug erreicht meist erst nach dem Abfallen der ersten Blütenblätter den Höhepunkt. Die Mücke ist ein schlechter Flieger mit einem geringen Flugradius von weniger als 25 m. Sie ist ein ortstreuer Schädling, der mit dem Wind nur wenige hundert Meter weiterverbreitet wird. Deshalb bleibt der Befall meist auf den Schlagrand konzentriert.

Das Weibchen legt bis zu 60 Eier in kleineren Gruppen ab. Die Larven saugen an der Innenwand der Schoten und Samen. Dadurch beginnen die Schoten zu vergilben, schwellen an und verkümmern. Später reifen sie vorzeitig ab und platzen auf, dadurch fallen die restlichen Samen aus. Ertragsverluste bis zu 30 Prozent sind möglich.

Die Kohlschotenmücke kann bis zu drei Generationen im Jahr bilden, davon aber nur eine im Winterraps. Auf diese Weise ist eine hohe Besatzdichte möglich, auch wenn im Raps kaum Befall festzustellen war.

Die Befallsabschätzung ist deshalb schwierig. Gelbschalen sind während der Blüte für die Kohlschotenmücke nicht attraktiv. Deshalb ist in gefährdeten Lagen meist eine Randbehandlung in Kombination mit der Blütenspritzung angebracht, wenn auf benachbarten Schlägen in Vorjahren Befall mit Kohlschotenmücken aufgetreten ist. Auf Schlägen mit früherem Befall durch Kohlschotenmücken ist eine Insektizidspritzung in der Blüte mit dazu zugelassenen Insektiziden nicht zu vermeiden.

Insektizide in der Rapsblüte

Wenn irgendwie möglich, sollte auf den Einsatz von Insektiziden in der Rapsblüte verzichtet werden. Ist dieser nicht zu umgehen, raten wir dringend, die Behandlung erst in den frühen Abendstunden vorzunehmen, wenn keine Bienen mehr fliegen. Dann sind auch die Verluste in der Fahrgasse, die beim Durchfahren entstehen, geringer.

Schotenschädlinge sind in weiten Teilen Deutschlands resistent gegenüber Pyrethroiden, bes. der Klasse II. Wenn überhaupt kommt als Wirkstoff nur Mavrik Vita in Frage.

Vorbeugende Maßnahmen gegen Schadinsekten im Raps

  • größeren Abstand (über 1 km) zu vorjährigen Rapsschlägen einhalten.
  • Ausfallraps zügig bekämpfen
  • Wunschgedanken:
    • natürliche Gegenspieler fördern,
    • vielfältige Saumstruktur schaffen.

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.