Regional sehr unterschiedlich kann man in diesem Jahr wieder einen massiven Zuflug des Rapserdflohs beobachten. Erste Rapsbestände sind bereits so stark geschädigt, dass sie umgebrochen werden müssen.
Anders als der Rapsglanzkäfer, der aus den Alt-Rapsschlägen Ende Juni aus den im Boden befindlichen Puppen schlüpft, wandert der Erdfloh nach einer kurzen Fraßzeit (an Altrapspflanzen) ins Sommerlager. Dabei bevorzugt der Rapserdfloh kühle, feuchte und schattige Plätze. Die Regenphase ab Ende Juli bis Mitte August war dafür nahezu ideal.
Nach der Sommerruhe, ab Ende August, wandert der Käfer aus dem Sommerquartier in die neu gesäten Rapsbestände. Nach einem Reifefraß von 10 bis 15 Tagen beginnen die Weibchen mit der Eiablage in der Nähe bzw. unter den jungen Rapspflanzen. Je nach Herbst- und Winterwitterung legen die weiblichen Erdflöhe bis ins Frühjahr Eier ab. Ein Erdflohweibchen kann bis zu 1000 Eier legen. Unter günstigen Bedingungen schlüpfen die ersten Larven bereits im Herbst und bohren sich in die Blattstiele der Pfanze ein.
Eiablage und Schlupf können somit von Herbst über Winter bis ins Frühjahr hinein stattfinden. Die letzten Larven wandern oft erst im Mai in den Stängel ein.
Beim Schaden des Erdflohs ist zwischen dem Blattfraßschaden des Käfers und dem der Larve im Stängel zu unterscheiden.
Ein kleiner Raps (Keimblatt bis 4-Blattstadium) kann durch den Reifefraß des Käfers so stark geschädigt werden, dass es zu Pflanzenausfällen kommt. Zusätzlich sind Fraßschäden auch Eintrittspforten für Krankheiten (z.B. Phoma).
Insbesondere der erst in der ersten September-Dekade gesäte Raps ist dieses Jahr gefährdet. Es hat den Anschein, dass die trocken-warme Witterung der letzten Wochen den Zuflug der Rapserdflöhe gefördert hat. Der größere Schaden geht oft von den Larven des Rapserdflohs aus. Diese bohren sich in die Stiele der Rapsblätter ein und fressen sich dann bis in den Stängel. Durch die Fraßschäden wird der Haupttrieb im Wuchs stark beeinträchtigt, zum Teil stirbt dieser auch ganz ab und es müssen sich neue Seitenverzweigungen bilden. Hinzu kommt, dass auf diese Weise geschwächte Pflanzen anfälliger für Krankheiten (Phoma, Cylindrosporium, Sklerotinia und Verticilium) sind. Die Schadschwelle liegt bei 3 Larven (schwache Rapsbestände) bis 5 Larven (normale und kräftige Pflanzen) je Pflanze.
Bis vor wenigen Jahren spielte der Rapserdfloh aufgrund der Beizung mit Neonicotinoiden keine große Rolle. Mit dem Wegfall dieser Wirkstoffe konnte der Rapserdfloh mit Pyrethroiden (bis zu 3 Behandlungen vor Winter) gestoppt werden.
Seit 1 bis 2 Jahren, kann man aber beobachten, dass die Pyrethroide eine immer schlechtere Wirkung gegen den Rapserdfloh haben. Vergleichbar mit dem Rapsglanzkäfer kann auch beim Erdfloh eine Zunahme der Resistenz gegen Pyrethroide beobachtet werden. Mittlerweile wurden in einigen Regionen (Nord-Osten Deutschlands) auch Käfer mit einer Target-Site Resistenz (zB. Super-kdr) gefunden. Bedeutet, jegliche Pyrethroide sind wirkungslos. Hinzu kommt, dass die Wirkung der Pyrethroide (insbesondere der günstigen EC- und SC-Formulierungen) in einer trockenen, heißen Phase sehr schnell nachlässt. Hier haben sich Maßnahmen mit verkapselten Pyhretroiden (CS-Formulierung) als deutlich sicherer in der Wirkung gezeigt. Alternativ kann 0,25 l/ha Sherpa Duo gegen schwerbekämpfbare Rapserdflöhe eingesetzt werden. Sherpa Duo enthält neben dem Pyrethroid Cypermethrin den Wirkstoff Piperonylbutoxid. Das Piperonylbutoxid hemmt den Abbau der Pyrethroide im Körper der Erdflöhe (Hemmung des Enzym Cytochrom P450) und verstärkt somit die Wirkung.
Auch in diesem Jahr hat der Wirkstoff Cyantraniliprole in Form von Exirel und Minecto Gold eine Notfallzulassung zur Bekämpfung des Rapserdflohs erhalten.
Das Cyantraniliprole gehört zur Gruppe der Diamide. Der Wirkstoff wird vor allem durch den Fraß aufgenommen und zum Teil auch über Kontakt. Nach der Aufnahme setzt sehr schnell ein Fraßstop ein. Der Wirkstoff wird teilsystemisch (xylemmobil) und translaminar als Depot in der Pflanze verteilt. Neben einem anderen Wirkmechanismus zeichnet sich der Wirkstoff durch eine deutlich längere Dauerwirkung aus.
Der Erdfloh kann ab EC 10 (bis EC 19) mit 0,4 l/ha Exirel (= 40 g/l Cyantraniliprol), oder ab EC 14 mit 187,5 g/ha Minecto Gold (= 75 g/l Cyantraniliprol) bekämpft werden.
Strategie Rapserdflohbekämpfung:
- Abhängig vom Befall (10 % Lochfraß, 50 Käfer in der Gelbschale in drei Wochen) sollte eine erste Bekämpfungsmaßnahme im Keimblatt bzw. beginnendem Laubblattstadium erfolgen. Dabei ist die Bekämpfung mit einem verkapselten Pyrethroid (z.B. Karate Zeon, Jaguar) oder Sherpa Duo zu empfehlen.
- Ist keine Wirkung zu beobachten, ist eine Nachbehandlung mit 0,4 l/ha Exirel ratsam.
- Im weiteren Verlauf der Herbstentwicklung (zweite Septemberhälfte bis Vegetationsende, spätestens jedoch Ende November) ist bei massivem Erdflohbefall der Einsatz von Minecto Gold zu empfehlen, sofern noch kein Exirel davor eingesetzt wurde (NG364), um die Dauerwirkung gegen eine weitere Zuwanderung der Larven zu verhindern bzw. reduzieren zu können.







