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Raps – Bestände auf Erdflohbefall kontrollieren

Sep. 19, 2023 | Grünes Info 2023, Herbst, Insektizide, Raps, Rapsschädlinge

Regional sehr unterschiedlich kann man in diesem Jahr wieder einen massiven Zuflug des Rapserdflohs beobachten. Erste Rapsbestände sind bereits so stark geschädigt, dass sie umgebrochen werden müssen.

Anders als der Rapsglanzkäfer, der aus den Alt-Rapsschlägen Ende Juni aus den im Boden befindlichen Puppen schlüpft, wandert der Erdfloh nach einer kurzen Fraßzeit (an Altrapspflanzen) ins Sommerlager. Dabei bevorzugt der Rapserdfloh kühle, feuchte und schattige Plätze. Die Regenphase ab Ende Juli bis Mitte August war dafür nahezu ideal.

Nach der Sommerruhe, ab Ende August, wandert der Käfer aus dem Sommerquartier in die neu gesäten Rapsbestände. Nach einem Reifefraß von 10 bis 15 Tagen beginnen die Weibchen mit der Eiablage in der Nähe bzw. unter den jungen Rapspflanzen. Je nach Herbst- und Winterwitterung legen die weiblichen Erdflöhe bis ins Frühjahr Eier ab. Ein Erdflohweibchen kann bis zu 1000 Eier legen. Unter günstigen Bedingungen schlüpfen die ersten Larven bereits im Herbst und bohren sich in die Blattstiele der Pfanze ein.

Eiablage und Schlupf können somit von Herbst über Winter bis ins Frühjahr hinein stattfinden. Die letzten Larven wandern oft erst im Mai in den Stängel ein.

Beim Schaden des Erdflohs ist zwischen dem Blattfraßschaden des Käfers und dem der Larve im Stängel zu unterscheiden.

Ein kleiner Raps (Keimblatt bis 4-Blattstadium) kann durch den Reifefraß des Käfers so stark geschädigt werden, dass es zu Pflanzenausfällen kommt. Zusätzlich sind Fraßschäden auch Eintrittspforten für Krankheiten (z.B. Phoma).

Insbesondere der erst in der ersten September-Dekade gesäte Raps ist dieses Jahr gefährdet. Es hat den Anschein, dass die trocken-warme Witterung der letzten Wochen den Zuflug der Rapserdflöhe gefördert hat. Der größere Schaden geht oft von den Larven des Rapserdflohs aus. Diese bohren sich in die Stiele der Rapsblätter ein und fressen sich dann bis in den Stängel. Durch die Fraßschäden wird der Haupttrieb im Wuchs stark beeinträchtigt, zum Teil stirbt dieser auch ganz ab und es müssen sich neue Seitenverzweigungen bilden. Hinzu kommt, dass auf diese Weise geschwächte Pflanzen anfälliger für Krankheiten (Phoma, Cylindrosporium, Sklerotinia und Verticilium) sind. Die Schadschwelle liegt bei 3 Larven (schwache Rapsbestände) bis 5 Larven (normale und kräftige Pflanzen) je Pflanze.

Bis vor wenigen Jahren spielte der Rapserdfloh aufgrund der Beizung mit Neonicotinoiden keine große Rolle. Mit dem Wegfall dieser Wirkstoffe konnte der Rapserdfloh mit Pyrethroiden (bis zu 3 Behandlungen vor Winter) gestoppt werden.

Seit 1 bis 2 Jahren, kann man aber beobachten, dass die Pyrethroide eine immer schlechtere Wirkung gegen den Rapserdfloh haben. Vergleichbar mit dem Rapsglanzkäfer kann auch beim Erdfloh eine Zunahme der Resistenz gegen Pyrethroide beobachtet werden. Mittlerweile wurden in einigen Regionen (Nord-Osten Deutschlands) auch Käfer mit einer Target-Site Resistenz (zB. Super-kdr) gefunden. Bedeutet, jegliche Pyrethroide sind wirkungslos. Hinzu kommt, dass die Wirkung der Pyrethroide (insbesondere der günstigen EC- und SC-Formulierungen) in einer trockenen, heißen Phase sehr schnell nachlässt. Hier haben sich Maßnahmen mit verkapselten Pyhretroiden (CS-Formulierung) als deutlich sicherer in der Wirkung gezeigt. Alternativ kann 0,25 l/ha Sherpa Duo gegen schwerbekämpfbare Rapserdflöhe eingesetzt werden. Sherpa Duo enthält neben dem Pyrethroid Cypermethrin den Wirkstoff Piperonylbutoxid. Das Piperonylbutoxid hemmt den Abbau der Pyrethroide im Körper der Erdflöhe (Hemmung des Enzym Cytochrom P450) und verstärkt somit die Wirkung.

Auch in diesem Jahr hat der Wirkstoff Cyantraniliprole in Form von Exirel und Minecto Gold eine Notfallzulassung zur Bekämpfung des Rapserdflohs erhalten.

Das Cyantraniliprole gehört zur Gruppe der Diamide. Der Wirkstoff wird vor allem durch den Fraß aufgenommen und zum Teil auch über Kontakt. Nach der Aufnahme setzt sehr schnell ein Fraßstop ein. Der Wirkstoff wird teilsystemisch (xylemmobil) und translaminar als Depot in der Pflanze verteilt. Neben einem anderen Wirkmechanismus zeichnet sich der Wirkstoff durch eine deutlich längere Dauerwirkung aus.

Der Erdfloh kann ab EC 10 (bis EC 19) mit 0,4 l/ha Exirel (= 40 g/l Cyantraniliprol), oder ab EC 14 mit 187,5 g/ha Minecto Gold (= 75 g/l Cyantraniliprol) bekämpft werden.

Strategie Rapserdflohbekämpfung:

  • Abhängig vom Befall (10 % Lochfraß, 50 Käfer in der Gelbschale in drei Wochen) sollte eine erste Bekämpfungsmaßnahme im Keimblatt bzw. beginnendem Laubblattstadium erfolgen. Dabei ist die Bekämpfung mit einem verkapselten Pyrethroid (z.B. Karate Zeon, Jaguar) oder Sherpa Duo zu empfehlen.
  • Ist keine Wirkung zu beobachten, ist eine Nachbehandlung mit 0,4 l/ha Exirel ratsam.
  • Im weiteren Verlauf der Herbstentwicklung (zweite Septemberhälfte bis Vegetationsende, spätestens jedoch Ende November) ist bei massivem Erdflohbefall der Einsatz von Minecto Gold zu empfehlen, sofern noch kein Exirel davor eingesetzt wurde (NG364), um die Dauerwirkung gegen eine weitere Zuwanderung der Larven zu verhindern bzw. reduzieren zu können.
Abbildung 10: Massiver Erdflohbefall auf dem Keimblatt und später Larven-Befall im Blattstiel.

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.