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N-Freisetzung im Frühjahr 2023

Apr. 13, 2023 | Bodenproben/analysen, Frühjahr, Grünes Info 2023, Nässe, Stickstoffdüngung

Im Herbst und Winter fielen auf den meisten Standorten in Deutschland mehr Niederschläge als der Boden in den oberen 100 cm speichern kann. Sandige Böden wurden zwei- bis dreimal durchgespült. Ausnahmen gibt es im mittleren und südlichen Sachsen-Anhalt und angrenzenden Gebieten, wo Lössböden mit 200 mm nFK bis maximal 80 cm Tiefe voll durchfeuchtet sind. Dazu kommen die Niederschläge im März.

Die Nmin-Vorräte liegen deshalb auf den meisten Standorten niedriger als in den Vorjahren. Auf durchlässigen Böden wurden oft weniger als 10 kg/ha N im gesamten Wurzelraum gemessen. In einigen Proben wurden aber auch höhere Nmin-Werte (20 bis 30 kg/ha N) in der Krume gemessen, während die zweite und meist auch die dritte Schicht deutlich niedrigere Gehalte hatte. Das lässt auf eine N-Freisetzung im Zeitraum Ende Dezember bis Anfang Januar schließen, infolge der in dieser Zeit örtlich über 10 °C angestiegenen Bodentemperaturen.

Die Vegetation kommt derzeit nur langsam in Gang, damit auch die N-Freisetzung aus dem Boden. Übernässe im Krumenbereich verhindert eine schnelle Mobilisierung, vor allem solange die Bodentemperaturen unter 10 °C liegen. Das dürfte der Wettervorhersage zu Folge selbst in den begünstigten Lagen (Rheinland, Rhein-Main-Gebiet, Flusstäler, geschützte Bördelagen) erst ab der 3. Aprildekade der Fall sein, in weniger begünstigten Lagen erst Mitte Mai nach den Eisheiligen.

Da die Nmin-Vorräte geringer sind und die N-Mineralisation voraussichtlich um 2 bis 3 Wochen später einsetzen wird, müssen Startgabe + Ertragsdüngung (N1 + N2) bei vergleichbarer Bestandesentwicklung und gleichhoher Ertragserwartung um 20 bis 30 kg/ha N höher ausfallen als in den Vorjahren. Dafür muss die Spätdüngung reduziert werden, um den durch die DüV gesteckten Rahmen nicht zu überziehen.

Für die Berechnung der Startgabe wurden die Bestandesentwicklung, der Zielbestand (Ährenzahl), die Nmin-Vorräte in der Krume und die voraussichtliche N-Freisetzung bei Vegetationsbeginn vor dem Schossen der Bestände berücksichtigt. Eine frühe N-Mineralisation ist nicht eingetreten, deshalb kann die Ertragsdüngung, wenn Sie sich an die Empfehlungen gehalten haben, mit einem Zuschlag von 20 kg/ha N um eine Woche vorgezogen werden.

Bei der Ertragsdüngung (2. N-Gabe) berücksichtigen wir den Nmin-Vorrat bis 60 cm und die voraussichtliche N-Nachlieferung bis zum Fahnenblattstadium.

Für die 3. N-Gabe (Spätdüngung) wird der (verfügbare) Nmin-Vorrat unterhalb von 60 cm und die späte N-Freisetzung berücksichtigt. Die durch die DüV festgelegten Grenzen müssen eingehalten werden.

Ertragsdüngung und Spätgabe können mit stabilisierten N-Düngern in einer Gabe ausgebracht werden, wenn kein Wert auf den Proteingehalt gelegt wird, also zu Wintergerste, Roggen, Triticale oder Futterweizen (C-Weizen).

Auf Böden mit hohem Nachlieferungspotential raten wir aber zur Vorsicht bei Düngergaben über 70 kg/ha N, weil die N-Stabilisatoren (Urease-Hemmer, Nitrifiaktions-Hemmer) bei Bodentemperaturen über 10 °C schneller abgebaut werden und dann der Düngerstickstoff gleichzeitig mit dem Bodenstickstoff zum Wirken kommt.

Wintergerste – Zeitpunkt für die 2. N-Gabe zum Schossen

Verhalten mit maximal 50 (Sandböden) bis 70 (schwere Böden) kg/ha N (inkl. Nmin) zum Starten gedüngte Wintergerstenbestände sollten nachgedüngt werden,

  • sobald die Gerste im Düngerfenster bzw. im übersäten Bereich erkennbar aufhellt,
  • wenn der 2. Knoten sich vom 1. Knoten löst (EC 31) bzw.
  • spätestens, wenn die Ähre eine Länge von 10 mm erreicht hat. Das dürfte in den frühen Gerstenbeständen im Rheinland ab dem 06.04., im Nordosten bzw. in Mittelgebirgslagen ab 13.04. der Fall sein.

Fielen zum Starten mehr als 60 kg/ha N inkl. Nmin in der Krume auf Böden mit weniger als 10 % Ton bzw. 90 kg/ha N minus Nmin (Krume) auf Böden mit mehr als 25 % Ton, wird die Gerste im Überlappungsbereich nicht vor EC 32 (Rheinland 13.04., im Norden ab dem 17.04.) aufhellen.

Spätestens ab EC 32 müssen aber auch diese Bestände nachgedüngt werden. In diesem Fall können die zweite und dritte N-Gabe auch in nicht stabilisierter Form (als KAS, ASS oder AHL) zusammengefasst werden.

Berücksichtigung der N-Form:

Erfolgt die Düngung mit stabilisierten Düngern, kann die Ertragsdüngung und Spätgabe zur Gerste zusammengefasst werden. Sind z.B. 70 kg/ha N in EC 31 (um den 12. April) und weitere 40 kg/ha N in EC 39 (Anfang Mai) in Form von KAS oder AHL vorgesehen, können 100 kg/ha N als Piagran Pro 10 bis 14 Tage vorher in EC 30 gedüngt werden. Allerdings gibt es dann keine Möglichkeit mehr zum Nachjustieren.

Winterroggen – 2. und 3. Gabe zusammenfassen

Die Roggenbestände sind auch nach verhaltener Startgabe in aller Regel üppig entwickelt. Die Anschlussdüngung kann mit Alzon neo-N ab EC 29/30, mit Piagran Pro ab EC 30/31 auf Böden bis 50 BP und eher geringem Nachlieferungspotential in einer Gabe erfolgen. Auf Böden mit hoher N-Freisetzung (humose Böden, Güllestandorte) sollten zu Roggen nicht mehr als 60 kg/ha N in einer Gabe gedüngt werden.

Die Roggenstrategie kann auch in Triticale gefahren werden. Ertrags- und Spätdüngung werden um 20 kg/ha N höher gesetzt.

Winterweizen – N-Düngung aufteilen, um den Proteingehalt abzusichern.

Beim Weizen müssen wir unterscheiden:

Zu Backweizen ist zur Absicherung des Proteingehaltes eine Spätdüngung von 30 bis 40 kg/ha N in EC 39, nach einer erhöhten Ertragsdüngung mit stabilisierten N-Düngern angebracht.

Zu C-Weizen (Futterweizen) kann dagegen die gesamte, noch notwendige N-Düngung mit stabilisierten Düngern in einer Gabe ausgebracht werden.

Der Düngungszeitpunkt orientiert sich an der Entwicklung der Bestände und an der N-Umsetzung der Dünger:

In schwach bestockten Beständen mit aktuell weniger als 600 kräftigen Trieben je m² (mindestens 4 Blätter) muss der Dünger in EC 27/29, also umgehend ausgebracht werden. Um die Bestandesdichte abzusichern, können 30 kg N als KAS oder AHL über das Blatt gedüngt werden, die innerhalb von wenigen Tagen zur Wirkung kommen.

In ausreichend stark bestockten Beständen mit derzeit immer noch 800 bis 1000 kräftigen Trieben je m² soll die Düngerwirkung einsetzen, sobald die Ähre etwa 1 cm lang ist, das dürfte ab dem 05. bis 15. April der Fall sein. Alzon neo-N oder Piagran Pro können deshalb zeitnah gedüngt werden, bevor das Spitzenährchen erreicht ist. Das gilt vor allem für frühe Sorten wie Chevignon, Comlice, Kashmir oder Rubisco.

In üppig entwickelten Beständen (über 1000 kräftige Triebe je m² mit hohem Anteil an schwachen Trieben) sollte die Düngerwirkung zur Großen Periode (EC 32/37) einsetzen. KAS kann dann in der letzten Aprildekade (EC 32/33, ab 20.04.) gedüngt werden, wenn die Bestände nicht vorher zeichnen. Piagran Pro ab etwa 10.04. (EC 31/32) und Alzon neo-N ab Anfang April (EC 30/31).

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.