Im Herbst und Winter fielen auf den meisten Standorten in Deutschland mehr Niederschläge als der Boden in den oberen 100 cm speichern kann. Sandige Böden wurden zwei- bis dreimal durchgespült. Ausnahmen gibt es im mittleren und südlichen Sachsen-Anhalt und angrenzenden Gebieten, wo Lössböden mit 200 mm nFK bis maximal 80 cm Tiefe voll durchfeuchtet sind. Dazu kommen die Niederschläge im März.
Die Nmin-Vorräte liegen deshalb auf den meisten Standorten niedriger als in den Vorjahren. Auf durchlässigen Böden wurden oft weniger als 10 kg/ha N im gesamten Wurzelraum gemessen. In einigen Proben wurden aber auch höhere Nmin-Werte (20 bis 30 kg/ha N) in der Krume gemessen, während die zweite und meist auch die dritte Schicht deutlich niedrigere Gehalte hatte. Das lässt auf eine N-Freisetzung im Zeitraum Ende Dezember bis Anfang Januar schließen, infolge der in dieser Zeit örtlich über 10 °C angestiegenen Bodentemperaturen.
Die Vegetation kommt derzeit nur langsam in Gang, damit auch die N-Freisetzung aus dem Boden. Übernässe im Krumenbereich verhindert eine schnelle Mobilisierung, vor allem solange die Bodentemperaturen unter 10 °C liegen. Das dürfte der Wettervorhersage zu Folge selbst in den begünstigten Lagen (Rheinland, Rhein-Main-Gebiet, Flusstäler, geschützte Bördelagen) erst ab der 3. Aprildekade der Fall sein, in weniger begünstigten Lagen erst Mitte Mai nach den Eisheiligen.
Da die Nmin-Vorräte geringer sind und die N-Mineralisation voraussichtlich um 2 bis 3 Wochen später einsetzen wird, müssen Startgabe + Ertragsdüngung (N1 + N2) bei vergleichbarer Bestandesentwicklung und gleichhoher Ertragserwartung um 20 bis 30 kg/ha N höher ausfallen als in den Vorjahren. Dafür muss die Spätdüngung reduziert werden, um den durch die DüV gesteckten Rahmen nicht zu überziehen.
Für die Berechnung der Startgabe wurden die Bestandesentwicklung, der Zielbestand (Ährenzahl), die Nmin-Vorräte in der Krume und die voraussichtliche N-Freisetzung bei Vegetationsbeginn vor dem Schossen der Bestände berücksichtigt. Eine frühe N-Mineralisation ist nicht eingetreten, deshalb kann die Ertragsdüngung, wenn Sie sich an die Empfehlungen gehalten haben, mit einem Zuschlag von 20 kg/ha N um eine Woche vorgezogen werden.
Bei der Ertragsdüngung (2. N-Gabe) berücksichtigen wir den Nmin-Vorrat bis 60 cm und die voraussichtliche N-Nachlieferung bis zum Fahnenblattstadium.
Für die 3. N-Gabe (Spätdüngung) wird der (verfügbare) Nmin-Vorrat unterhalb von 60 cm und die späte N-Freisetzung berücksichtigt. Die durch die DüV festgelegten Grenzen müssen eingehalten werden.
Ertragsdüngung und Spätgabe können mit stabilisierten N-Düngern in einer Gabe ausgebracht werden, wenn kein Wert auf den Proteingehalt gelegt wird, also zu Wintergerste, Roggen, Triticale oder Futterweizen (C-Weizen).
Auf Böden mit hohem Nachlieferungspotential raten wir aber zur Vorsicht bei Düngergaben über 70 kg/ha N, weil die N-Stabilisatoren (Urease-Hemmer, Nitrifiaktions-Hemmer) bei Bodentemperaturen über 10 °C schneller abgebaut werden und dann der Düngerstickstoff gleichzeitig mit dem Bodenstickstoff zum Wirken kommt.
Wintergerste – Zeitpunkt für die 2. N-Gabe zum Schossen
Verhalten mit maximal 50 (Sandböden) bis 70 (schwere Böden) kg/ha N (inkl. Nmin) zum Starten gedüngte Wintergerstenbestände sollten nachgedüngt werden,
- sobald die Gerste im Düngerfenster bzw. im übersäten Bereich erkennbar aufhellt,
- wenn der 2. Knoten sich vom 1. Knoten löst (EC 31) bzw.
- spätestens, wenn die Ähre eine Länge von 10 mm erreicht hat. Das dürfte in den frühen Gerstenbeständen im Rheinland ab dem 06.04., im Nordosten bzw. in Mittelgebirgslagen ab 13.04. der Fall sein.
Fielen zum Starten mehr als 60 kg/ha N inkl. Nmin in der Krume auf Böden mit weniger als 10 % Ton bzw. 90 kg/ha N minus Nmin (Krume) auf Böden mit mehr als 25 % Ton, wird die Gerste im Überlappungsbereich nicht vor EC 32 (Rheinland 13.04., im Norden ab dem 17.04.) aufhellen.
Spätestens ab EC 32 müssen aber auch diese Bestände nachgedüngt werden. In diesem Fall können die zweite und dritte N-Gabe auch in nicht stabilisierter Form (als KAS, ASS oder AHL) zusammengefasst werden.
Berücksichtigung der N-Form:
Erfolgt die Düngung mit stabilisierten Düngern, kann die Ertragsdüngung und Spätgabe zur Gerste zusammengefasst werden. Sind z.B. 70 kg/ha N in EC 31 (um den 12. April) und weitere 40 kg/ha N in EC 39 (Anfang Mai) in Form von KAS oder AHL vorgesehen, können 100 kg/ha N als Piagran Pro 10 bis 14 Tage vorher in EC 30 gedüngt werden. Allerdings gibt es dann keine Möglichkeit mehr zum Nachjustieren.
Winterroggen – 2. und 3. Gabe zusammenfassen
Die Roggenbestände sind auch nach verhaltener Startgabe in aller Regel üppig entwickelt. Die Anschlussdüngung kann mit Alzon neo-N ab EC 29/30, mit Piagran Pro ab EC 30/31 auf Böden bis 50 BP und eher geringem Nachlieferungspotential in einer Gabe erfolgen. Auf Böden mit hoher N-Freisetzung (humose Böden, Güllestandorte) sollten zu Roggen nicht mehr als 60 kg/ha N in einer Gabe gedüngt werden.
Die Roggenstrategie kann auch in Triticale gefahren werden. Ertrags- und Spätdüngung werden um 20 kg/ha N höher gesetzt.
Winterweizen – N-Düngung aufteilen, um den Proteingehalt abzusichern.
Beim Weizen müssen wir unterscheiden:
Zu Backweizen ist zur Absicherung des Proteingehaltes eine Spätdüngung von 30 bis 40 kg/ha N in EC 39, nach einer erhöhten Ertragsdüngung mit stabilisierten N-Düngern angebracht.
Zu C-Weizen (Futterweizen) kann dagegen die gesamte, noch notwendige N-Düngung mit stabilisierten Düngern in einer Gabe ausgebracht werden.
Der Düngungszeitpunkt orientiert sich an der Entwicklung der Bestände und an der N-Umsetzung der Dünger:
In schwach bestockten Beständen mit aktuell weniger als 600 kräftigen Trieben je m² (mindestens 4 Blätter) muss der Dünger in EC 27/29, also umgehend ausgebracht werden. Um die Bestandesdichte abzusichern, können 30 kg N als KAS oder AHL über das Blatt gedüngt werden, die innerhalb von wenigen Tagen zur Wirkung kommen.
In ausreichend stark bestockten Beständen mit derzeit immer noch 800 bis 1000 kräftigen Trieben je m² soll die Düngerwirkung einsetzen, sobald die Ähre etwa 1 cm lang ist, das dürfte ab dem 05. bis 15. April der Fall sein. Alzon neo-N oder Piagran Pro können deshalb zeitnah gedüngt werden, bevor das Spitzenährchen erreicht ist. Das gilt vor allem für frühe Sorten wie Chevignon, Comlice, Kashmir oder Rubisco.
In üppig entwickelten Beständen (über 1000 kräftige Triebe je m² mit hohem Anteil an schwachen Trieben) sollte die Düngerwirkung zur Großen Periode (EC 32/37) einsetzen. KAS kann dann in der letzten Aprildekade (EC 32/33, ab 20.04.) gedüngt werden, wenn die Bestände nicht vorher zeichnen. Piagran Pro ab etwa 10.04. (EC 31/32) und Alzon neo-N ab Anfang April (EC 30/31).






