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Mais – Rückblick 2023 – Ein Jahr der Extreme

Dez. 14, 2023 | Biogasmais, Bodenbearbeitung, Ernterückblick, Grünes Info 2023, Körnermais, Silomais, Sorten, Wetter und Entwicklung

Das zurückliegende Mais-Jahr 2023 war an Überraschungen kaum zu überbieten.

Nässe und Dauerregen machten die Aussaat zum Geduldsspiel. In vielen Regionen Deutschlands wurde der Mais sehr spät gesät. Aus Sorge, den Mais gar nicht mehr in die Erde zu bekommen bzw. aufgrund von begrenzten Gülle-Lagerkapazitäten wurde auch oft zu früh bestellt.

Starke Ertragseinbrüche verzeichneten deshalb Betriebe, die mit schwerem Gerät Gülle vor der Saat einarbeiteten.

Gerade das nasse Frühjahr zeigt uns die Bedeutung einer intakten Bodenstruktur. Die Bodenansprache mit Spaten ist dabei ein notwendiges Instrument, nicht nur im Frühjahr, um Verdichtungen und Klutenbildung zu vermeiden, aber auch um die Arbeitsschritte zu koordinieren. Aus technischer Sicht muss alles für eine möglichst bodenschonende Frühjahrsbestellung unternommen werden:

  • Möglichst geringen Kontaktflächendruck durch geringe Radlasten und möglichst breiter Aufstandsflächen an sämtlichen Zugmaschinen,
  • Anzahl der Überfahrten minimieren,
  • Nach der Grundbodenbearbeitung vor allem gepflügter Flächen ausreichend rückverfestigen, auch um die Tragfähigkeit zu verbessern,
  • Gülleausbringung optimieren z. B.:
    • Verschlauchung,
    • mehr Flexibilität durch höhere Lagerkapazitäten und größere Schlagkraftbei der Gülleausbringung,
    • definierte Fahrgassen und Spuren,
  • Schlepperspuren auf der Saatreihe vermeiden,
  • Hohe Schardrücke unter feuchten Saatbedingungen minimieren.

Auch die Stabilität des Bodens gegenüber Verdichtungen muss gefördert werden. In diesem Zusammenhang spielen Menge, aber auch die Qualität an Humus (Ernterückstände, Fruchtfolge, organische Düngung, Zwischenfruchtanbau) sowie eine ausreichende Kalkversorgung der Böden eine herausragende Rolle (Sättigung der Austauscher mit 70 – 80 % Ca, abhängig vom Tongehalt). 

Wer schmiert, verliert!

Boden- aber auch Seitenwandverdichtungen in der Saatrille führten nicht nur zu verzögertem Auflaufen bis hin zu Fehlstellen, auch die Wurzelentwicklung litt darunter.

Horizontal wachsende Primärwurzeln lassen Strukturprobleme bereits zum Feldaufgang erkennen. Mit dem schlechten Wurzelwachstum kommt dann ein Teufelskreis in Gang: schlechte Wurzel – kein Wachstum – noch schlechtere Wurzeln. Deshalb sollten im 1- bis 3- Blattstadium nicht nur Feldaufgang und Unkräuter bonitiert werden. Auch die frühe Wurzelentwicklung ist ein wichtiger Aspekt der Erfolgskontrolle.

Auf schweren, tonigen Böden waren regelmäßig offene Schlitze mit zu flacher Saatgutablage zu beobachten oder, dass sich die Saatschlitze spätestens mit der einsetzenden Trockenheit öffneten. Teilweise fielen die jungen Maispflanzen aufgrund der zu flachen Wurzelentwicklung einfach um (siehe Abbildungen 16 und 17).

Auch im weiteren Wachstumsverlauf fielen gerade Maisbestände mit anfangs schwacher Wurzelausbildung durch späteren Fritfliegenbefall, Maisbeulenbrand und frühes Wurzellager auf.

Abbildung 16: Seitenwandverdichtungen mit horizontalem Wachstum
Abbildung 17: Frühes Wurzellager/ Umfallersyndrom

Inhomogene, lückige Bestände ….

Die hohen Niederschlagsmengen von über 200 mm im April und Mai führten in einigen Regionen Südwestdeutschlands zu einer verspäteten Aussaat bis Ende Mai. Die nachfolgende Hitze und Trockenheit zum Zeitpunkt der Jugendentwicklung und Schossphase weckten schlechte Erinnerungen an das Extremjahr 2013. In diesem Wachstumsabschnitt offenbarten sich sämtliche produktionstechnischen Fehler durch inhomogene, zum Teil sehr lückige Bestände mit verhaltenem Längenwachstum.

…. trotzdem hohe Silomaiserträge

Vorangetrieben durch warme Temperaturen sowie sehr lange Sonnenscheindauer im Juni und Juli war die Blüte trotz später Saat in vielen Regionen fast normal. Spätestens zur Blüte fielen 2023 auch noch rechtzeitige Niederschläge. Der warme August und vor allem der warme, sonnige September ermöglichten sehr gute Erträge an Gesamttrockenmasse, bei ansprechender Futterqualität, die durch eine gute Kolbenleistung bei meist kurzer Restpflanze zustande kamen.

Die sehr guten Silomaiserträge in NRW, Niedersachsen, nördliches Sachsen-Anhalt sowie weiten Teilen Brandenburgs waren die Folge der guten Wasserversorgung in den Monaten Juni und Juli.

Deutschlandweit lag der GTM-Ertrag unter dem Hochertragsjahr 2021, aber deutlich über dem letzten Anbaujahr 2022. Der sehr hohe Kolbenanteil zusammen mit sehr hohen Stärkegehalten durch optimale Kolbenausreife ermöglichten gute Stärkeerträge.

Auch Biogasmais überzeugte demzufolge durch hohe Gasausbeuten mit besten Gaserträgen, die nicht selten das sehr gute Jahr 2021 überflügelten.

Jedoch darf der erfreuliche Ausgang nicht über Fehler und Schwachstellen im diesjährigen Maisjahr hinwegtäuschen. Weniger Regen während der Hauptwachstumsphase bis kurz nach der Blüte hätte in den Beständen mit schlechter Bodenstruktur nach ungünstiger Aussaatkatastrophale Erträge nach sich gezogen. Wo der Regen ausblieb oder zu spät fiel, waren die Erträge miserabel.

Mais lebt von einer guten Bodenstruktur

Nimmt man das Anbauverfahren der Betriebe unter die Lupe, die 2023 trotz schwieriger Voraussetzungen homogene Bestände von Beginn an etablieren konnten, sind folgende Maßnahmen ganz besonders hervorzuheben:

  • Ausreichender Wurzelraum und vertikale Porenkontinuität,
  • Hauptfruchtmäßiger Zwischenfruchtanbau mit guter Rückverfestigung,
  • Saatbettbereitung im Folgejahr mit ausreichender Zeit zur Stabilisierung des Bodengefüges,
  • Bodenbearbeitung und Überfahrten auf das Notwendigste minimiert,
  • Zur Aussaat konnte sich das Saatbett weiter „nachstrukturieren“ – mind. 1 Tag zwischen Aussaat und nächstem stärkeren Regen oder gleich Spätsaat,
  • Gülleausbringung wurde auf 4- bis 8 Blatt -Stadium verschoben.

Diese Bestände zeichneten sich bereits vor der Maisaussaat durch eine sehr gute Bodenstruktur ohne Verdichtungen aus. Vor allem die Lebendverbauung der Bodenpartikel durch die Wurzeln der Zwischenfrüchte sorgte trotz hoher Regenmengen im Frühjahr für ein günstiges Porenverhältnis mit guter Luft- und Wasserführung. Auf diesen Böden wurde aufgrund der schwierigen Wetterlage nur noch eine einmalig flache Saatbettbereitung vorgenommen. Zwischen Saatbettbereitung und der sich anschließenden Aussaat bis zum nächsten größeren Regen blieb ausreichend Zeit für die stabile, räumliche Ausrichtung der Bodenteilchen.

Bodenbearbeitung und Aussaat, die unmittelbar vor Regen durchgeführt wurden, erwiesen sich als katastrophal für Feldaufgang und Bestandsetablierung, weil der Boden nicht ausreichend Zeit hatte sich zu strukturieren. Vor diesem Hintergrund führten die Spätsaaten Ende Mai oft zu besseren Erträge.

Sortenwahl

Um das Anbaurisiko weiter zu minimieren, muss außer auf produktionstechnische Maßnahmenauch auf Sorten geachtet werden, die einen sicheren Auflauf und eine gute Bestandesetablierung auch unter kühlen Bedingungen garantieren.

Zu den Sorten mit gutem Auflaufverhalten gehören:

SY Liberty, KWS Johaninio, LG 31212,  KWS Bernadinio, KWS Monumento, Chelsey, DKC 3327, DKC 3414, DKC 3418, DKC 3438, LG 31.245, LG 31.271, LG 31.272, P 8329,   P 8834, P 9911, P 0725

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.