Das zurückliegende Mais-Jahr 2023 war an Überraschungen kaum zu überbieten.
Nässe und Dauerregen machten die Aussaat zum Geduldsspiel. In vielen Regionen Deutschlands wurde der Mais sehr spät gesät. Aus Sorge, den Mais gar nicht mehr in die Erde zu bekommen bzw. aufgrund von begrenzten Gülle-Lagerkapazitäten wurde auch oft zu früh bestellt.
Starke Ertragseinbrüche verzeichneten deshalb Betriebe, die mit schwerem Gerät Gülle vor der Saat einarbeiteten.
Gerade das nasse Frühjahr zeigt uns die Bedeutung einer intakten Bodenstruktur. Die Bodenansprache mit Spaten ist dabei ein notwendiges Instrument, nicht nur im Frühjahr, um Verdichtungen und Klutenbildung zu vermeiden, aber auch um die Arbeitsschritte zu koordinieren. Aus technischer Sicht muss alles für eine möglichst bodenschonende Frühjahrsbestellung unternommen werden:
- Möglichst geringen Kontaktflächendruck durch geringe Radlasten und möglichst breiter Aufstandsflächen an sämtlichen Zugmaschinen,
- Anzahl der Überfahrten minimieren,
- Nach der Grundbodenbearbeitung vor allem gepflügter Flächen ausreichend rückverfestigen, auch um die Tragfähigkeit zu verbessern,
- Gülleausbringung optimieren z. B.:
- Verschlauchung,
- mehr Flexibilität durch höhere Lagerkapazitäten und größere Schlagkraftbei der Gülleausbringung,
- definierte Fahrgassen und Spuren,
- Schlepperspuren auf der Saatreihe vermeiden,
- Hohe Schardrücke unter feuchten Saatbedingungen minimieren.
Auch die Stabilität des Bodens gegenüber Verdichtungen muss gefördert werden. In diesem Zusammenhang spielen Menge, aber auch die Qualität an Humus (Ernterückstände, Fruchtfolge, organische Düngung, Zwischenfruchtanbau) sowie eine ausreichende Kalkversorgung der Böden eine herausragende Rolle (Sättigung der Austauscher mit 70 – 80 % Ca, abhängig vom Tongehalt).
Wer schmiert, verliert!
Boden- aber auch Seitenwandverdichtungen in der Saatrille führten nicht nur zu verzögertem Auflaufen bis hin zu Fehlstellen, auch die Wurzelentwicklung litt darunter.
Horizontal wachsende Primärwurzeln lassen Strukturprobleme bereits zum Feldaufgang erkennen. Mit dem schlechten Wurzelwachstum kommt dann ein Teufelskreis in Gang: schlechte Wurzel – kein Wachstum – noch schlechtere Wurzeln. Deshalb sollten im 1- bis 3- Blattstadium nicht nur Feldaufgang und Unkräuter bonitiert werden. Auch die frühe Wurzelentwicklung ist ein wichtiger Aspekt der Erfolgskontrolle.
Auf schweren, tonigen Böden waren regelmäßig offene Schlitze mit zu flacher Saatgutablage zu beobachten oder, dass sich die Saatschlitze spätestens mit der einsetzenden Trockenheit öffneten. Teilweise fielen die jungen Maispflanzen aufgrund der zu flachen Wurzelentwicklung einfach um (siehe Abbildungen 16 und 17).
Auch im weiteren Wachstumsverlauf fielen gerade Maisbestände mit anfangs schwacher Wurzelausbildung durch späteren Fritfliegenbefall, Maisbeulenbrand und frühes Wurzellager auf.


Inhomogene, lückige Bestände ….
Die hohen Niederschlagsmengen von über 200 mm im April und Mai führten in einigen Regionen Südwestdeutschlands zu einer verspäteten Aussaat bis Ende Mai. Die nachfolgende Hitze und Trockenheit zum Zeitpunkt der Jugendentwicklung und Schossphase weckten schlechte Erinnerungen an das Extremjahr 2013. In diesem Wachstumsabschnitt offenbarten sich sämtliche produktionstechnischen Fehler durch inhomogene, zum Teil sehr lückige Bestände mit verhaltenem Längenwachstum.
…. trotzdem hohe Silomaiserträge
Vorangetrieben durch warme Temperaturen sowie sehr lange Sonnenscheindauer im Juni und Juli war die Blüte trotz später Saat in vielen Regionen fast normal. Spätestens zur Blüte fielen 2023 auch noch rechtzeitige Niederschläge. Der warme August und vor allem der warme, sonnige September ermöglichten sehr gute Erträge an Gesamttrockenmasse, bei ansprechender Futterqualität, die durch eine gute Kolbenleistung bei meist kurzer Restpflanze zustande kamen.
Die sehr guten Silomaiserträge in NRW, Niedersachsen, nördliches Sachsen-Anhalt sowie weiten Teilen Brandenburgs waren die Folge der guten Wasserversorgung in den Monaten Juni und Juli.
Deutschlandweit lag der GTM-Ertrag unter dem Hochertragsjahr 2021, aber deutlich über dem letzten Anbaujahr 2022. Der sehr hohe Kolbenanteil zusammen mit sehr hohen Stärkegehalten durch optimale Kolbenausreife ermöglichten gute Stärkeerträge.
Auch Biogasmais überzeugte demzufolge durch hohe Gasausbeuten mit besten Gaserträgen, die nicht selten das sehr gute Jahr 2021 überflügelten.
Jedoch darf der erfreuliche Ausgang nicht über Fehler und Schwachstellen im diesjährigen Maisjahr hinwegtäuschen. Weniger Regen während der Hauptwachstumsphase bis kurz nach der Blüte hätte in den Beständen mit schlechter Bodenstruktur nach ungünstiger Aussaatkatastrophale Erträge nach sich gezogen. Wo der Regen ausblieb oder zu spät fiel, waren die Erträge miserabel.
Mais lebt von einer guten Bodenstruktur
Nimmt man das Anbauverfahren der Betriebe unter die Lupe, die 2023 trotz schwieriger Voraussetzungen homogene Bestände von Beginn an etablieren konnten, sind folgende Maßnahmen ganz besonders hervorzuheben:
- Ausreichender Wurzelraum und vertikale Porenkontinuität,
- Hauptfruchtmäßiger Zwischenfruchtanbau mit guter Rückverfestigung,
- Saatbettbereitung im Folgejahr mit ausreichender Zeit zur Stabilisierung des Bodengefüges,
- Bodenbearbeitung und Überfahrten auf das Notwendigste minimiert,
- Zur Aussaat konnte sich das Saatbett weiter „nachstrukturieren“ – mind. 1 Tag zwischen Aussaat und nächstem stärkeren Regen oder gleich Spätsaat,
- Gülleausbringung wurde auf 4- bis 8 Blatt -Stadium verschoben.
Diese Bestände zeichneten sich bereits vor der Maisaussaat durch eine sehr gute Bodenstruktur ohne Verdichtungen aus. Vor allem die Lebendverbauung der Bodenpartikel durch die Wurzeln der Zwischenfrüchte sorgte trotz hoher Regenmengen im Frühjahr für ein günstiges Porenverhältnis mit guter Luft- und Wasserführung. Auf diesen Böden wurde aufgrund der schwierigen Wetterlage nur noch eine einmalig flache Saatbettbereitung vorgenommen. Zwischen Saatbettbereitung und der sich anschließenden Aussaat bis zum nächsten größeren Regen blieb ausreichend Zeit für die stabile, räumliche Ausrichtung der Bodenteilchen.
Bodenbearbeitung und Aussaat, die unmittelbar vor Regen durchgeführt wurden, erwiesen sich als katastrophal für Feldaufgang und Bestandsetablierung, weil der Boden nicht ausreichend Zeit hatte sich zu strukturieren. Vor diesem Hintergrund führten die Spätsaaten Ende Mai oft zu besseren Erträge.
Sortenwahl
Um das Anbaurisiko weiter zu minimieren, muss außer auf produktionstechnische Maßnahmenauch auf Sorten geachtet werden, die einen sicheren Auflauf und eine gute Bestandesetablierung auch unter kühlen Bedingungen garantieren.
Zu den Sorten mit gutem Auflaufverhalten gehören:
SY Liberty, KWS Johaninio, LG 31212, KWS Bernadinio, KWS Monumento, Chelsey, DKC 3327, DKC 3414, DKC 3418, DKC 3438, LG 31.245, LG 31.271, LG 31.272, P 8329, P 8834, P 9911, P 0725






