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Mais – Rückblick 2023 – Ein Jahr der Extreme

Dez. 19, 2023 | Beizung, Biogasmais, Ernterückblick, Grünes Info 2023, Körnermais, Saatzeitpunkt, Silomais, Sorten, Standortwahl

…Fortsetzung aus Info 23…

Risikomanagement Sorte

Die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren zeigen, wie wichtig die Anpassungsfähigkeit einer Maissorte an unterschiedlichste Umweltbedingungen ist.

Trockenheit, Hitze oder extreme Nässe konnte den Silomaissorten DKC 3218, DKC 3414, DKC 3418, DKC 4279, LG 31.245, LG 31.272, Greatful, Smartboxx, SY Liberty, SY Amfora, P 8317, P 8329, P 8888 und P 9610 auf den unterschiedlichsten Standorten weniger anhaben als anderen Sorten. Sie setzten sich nicht nur dieses Jahr in der Praxis durch, sondern überzeugten auch in den Jahren davor in Wertprüfungs- und LSV-Versuchen.

Um das Risiko im Silomaisanbau zu minimieren, bewiesen auch im Jahr 2023 kolbenbetonte Typen ihre Vorzüglichkeit. Gerade in Regionen mit angespanntem Wasserhaushalt während der Hauptwachstumsphase ist das Hauptaugenmerk auf eine sichere Einkörnung bei meist kürzerer Restpflanze zu legen. Der Kolben sichert nicht nur den GTM-Ertrag, sondern liefert auch den Stärkeertrag bzw. die Methanausbeute.

Kolbenbetonte Sorten wie DKC 3117, DKC 3414, DKC 3418, DKC 3327, DKC 3719, P 8317, P 8255, P 8834, P 9610, P 9944, SY Liberty, SY Amfora, SY Glorius, LG 31.219, LG 31.245, LG 32.257, KWS Benedictio, KWS Arturello, KWS Hypolito, Greatful und Smartboxx brachten unter diesen Bedingungen sehr gute Leistungen.

Das Sortenprofil dieser umwelt- und ertragsstabilen Sorten wird meist durch eine ausreichende bis sehr gute Jugendentwicklung abgerundet. Hierbei geht es in erster Linie um eine sichere Bestandesetablierung bis zum 6 bis 8 Blatt-Stadium. Schnelles Massenwachstum ist nur dann von Vorteil, wenn die Standfestigkeit (Green snapping, frühes Wurzellager) nicht darunter leidet.

Standfestigkeit bzw. Stängelbruchtoleranz

In einigen Regionen war aufgrund der Stürme hohe Standfestigkeit bzw. Stängelbruchtoleranz gefragt.

Einige massenwüchsige, restpflanzenbetonte Sorten mit schnellem Wachstum waren hiervon ganz besonders betroffen. In diesen Sorten hinkt die Bildung der stabilisierenden Gerüstsubstanz, bestehend aus Cellulose, Hemicellulose und Lignin, dem Längenwachstum hinterher. Zwischen „Greensnap“ (früher Stängelbruch) und der physiologischen Pflanzenentwicklung besteht eine enge Korrelation. Generell sind die Pflanzen kurz vor der Blüte am stärksten gefährdet. Stängelbruch unterhalb des Kolbens führt zu starken Mindererträgen.

Aus züchterischer Sicht wird auf Standorten mit vorkommendem Lager und Stängelbruch selektiert. Weiter werden auch Windmaschinen und Helikopter zur Phänotypisierung herangezogen. Die gewonnen Daten werden über Zuchtwert und genomischer Selektion auf allen Selektionsstufen verwendet.

Sorten mit sehr guter bis ausreichender Standfestigkeit:

Rancador, LG 31.224, LG 31.245, LG 31.272, LG 32.257, DKC 3218, DKC 3414, DKC 3327, P 7647, P 8255, P 8317, P 8888, P 9610, P 9944, P 9911, KWS Johaninio, KWS Bernadinio, KWS Editio, KWS Arturello, KWS Monumento, KWS Hypolito, Greatful, Smartboxx, SY Li- berty, SY Glorius und SY Solandri.

Nicht nur die züchterische Selektion liefert einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung von (Wurzel-) Lager und Stängelbruch. Auch ackerbaulichen Maßnahmen kommen hier besondere Bedeutung zu:

Stabiles Fundament durch Wurzeltiefgang

Das Wurzellängenwachstum von Mais hängt stark vom Bodenwiderstand und vom Sauerstoff- bzw. Kohlendioxidgehalt im Boden ab. Gerade schadverdichtete Böden mit geringem Sauerstoffgehalt und hohem Gehalt an Kohlendioxid hemmen das Wurzelwachstum in tiefere Bodenschichten. Nicht nur Wasser- und Nährstoffaufnahme, auch die Verankerung im Boden leidet unter dem flach ausgebildeten tellerförmigen Wurzelwerk. Idealerweise ist die Bodenoberfläche für die oberirdischen Stützwurzelkränze ebenfalls gut zu durchdringen.

In Puncto Wurzelleistung spielt auch die Standraumverteilung eine entscheidende Rolle, da die bodennahen Blätter unterhalb des Kolbenblattes speziell die Wurzel mit Assimilaten versorgen. Bei optimaler Belichtungsqualität steigt deren Wurzellebensdauer. Neben der etablierten 75 cm-Reihe lassen auch 50er Reihen eine gute Belichtung bodennaher Blätter bei mehr Standraum in der Reihe zu. Die Maispflanze reagiert unter diesen Bedingungen mit einem größeren Stängeldurchmesser, was sich wiederum positiv auf die Bestandesarchitektur auswirkt.

Verhältnis von Stickstoff zu Kalium berücksichtigen

In Puncto Pflanzenernährung muss vor allem auf ein ausreichendes N / K-Verhältnis von mindestens 1 : 1,2 geachtet werden. Mais sollte ausschließlich in stabilisierter Ammoniumform gedüngt werden. Hohe Nitratschübe während der Streckungsphase verschlechtern die Zellstabilität und somit die Standfestigkeit.

Kalium übernimmt wichtige Funktionen im Kohlhydrathaushalt der Pflanze und ist wesentlich am Aufbau der Gerüstsubstanzen Cellulose, Hemicellulose und Lignin beteiligt. Die K-Entzugswerte für Körnermais plus Stroh liegen bei 30 kg K₂O (25 kg K) je 10 dt/ha Kornertrag. Bei Silomais werden 16 bis 18 kg K₂O (13 bis 15 kg K) je 10 dt GTM-Ertrag je ha angesetzt. Um die K-Versorgung auch bei Trockenheit sicherzustellen, sollten je Prozent Ton 1,25 bis 1,5 mg K₂O (1,0 – 1,3 mg K) im Boden vorliegen. Gute Bodenstruktur führt zu mehr Wurzelvolumen und verbessert somit die diffusionsabhängige Kaliumaufnahme. In diesem Zusammenhang hat auch das plazierte Kaliumdepot in tieferen Bodenschichten Vorteile, wenn später mit Trockenheit zu rechnen ist bzw. bei schlechter Grundver- sorgung mit Kalium.

Kupferversorgung auf diluvialen und humosen Böden beachten

Auch gut mit Kupfer versorgte Pflanzen zeigen eine bessere Lignifizierung. Gerade auf diluvialen und humosen Böden muss die Versorgung mit Kupfer sichergestellt werden. Böden mit bis 2 Prozent Humus sollten wenigstens 1 ppm Cu, Böden mit 4 Prozent Humus wenigstens 2 ppm Cu im Boden aufweisen.

Bor und Calcium haben wichtige Aufgaben am strukturellen Zellwandaufbau. Im schwach sauren Bodenmilieu sind Bor-Werte unter 0,3 ppm als kritisch zu sehen. Bei Boden pH-Werten > 7 sollten 0,8 ppm angestrebt werden. Bor-Gaben über die UFD (z.B, mit Excello) sichern die Versorgung mit Bor ab. Daneben ist durch die tiefere platzierte Düngung eine bessere Versorgung über die Wurzel auch für die junge Organe sichergestellt.

Maiskopfbrand in Norddeutschland

Maiskopfbrand wird durch den Pilz Sphacelotheca reiliana verbreitet. Neben Mais kann der Pilz auch andere C4-Pflanzen wie Sorghum und Sudangras befallen. Maiskopfbrand überdauert durch Teliosporen im Boden. Als Übertragungswege sind Wind, Überschwemmungen, Maschinen und Erntereste bekannt. Auch die Verbreitung mit Gülle und Saatgut wird derzeit diskutiert.

Befallen wird der Mais während der Keimung bis zur Bestandesetablierung im 6 bis 8 Blattstadium. Trockene Bedingungen sowie eine verzögerte Jugendentwicklung begünstigen den Befall. Der Brand-Pilz wächst systemisch in der Pflanze und befällt Kolben und Fahne. Anstelle von Körnern bildet die kranke Pflanze ein grau-pulvriges Sporenlager. Auch die Fahne kann mit Sporenmasse überzogen werden.

Bei einer Befallshäufigkeit von 50 % geht man von einem Ertragsrückgang von ca. 25 % aus. Viel schwerer wiegt aber die zurückgehende Futteraufnahme durch abnehmende Schmackhaftigkeit je nach Befallsgrad. Laut Literaturangaben sind keine schädlichen Mykotoxine von Maiskopfbrand bekannt.

Maiskopfbrand gilt als Fruchtfolgekrankheit. Die bodenbürtigen Teliosporen sind nach 3 Jahren Anbaupause weitgehend abgebaut. Sorten mit schnellem Auflauf und guter Jugendentwicklung scheinen weniger anfällig zu sein. Außerdem sollte die gesamte Erntetechnik nach dem Einsatz auf befallenen Flächen gewaschen werden.

Wirksamste Maßnahme neben der Sortenwahl bildet die Beizung mit Vibrance.

Nach Züchterangaben sind folgende Sorten weniger empfindlich für Maiskopfbrand:

SY Liberty, SY Invictus, SY Bradford, KWS Nevo, KWS Emporio, KWS Arturello, LG 31.245, LG 30.258.

Körnermais 2023

In den klassischen Körnermaisregionen Süddeutschlands begünstigte der Witterungsverlauf auf jeden Fall die Dent-Typen. Die späten Reifegruppen waren den frühen Sorten ertraglich meist überlegen, wenn die Abreife zum Standort und Saattermin passte. Voraussetzung für die Ausnutzung der nahezu optimalen Abreifebedingungen (warm, hohe Strahlung, große Tag- Nacht-Schwankungen der Temperaturen, sehr gute Wasserversorgung) waren ein leistungsfähiges Wurzelsystem mit langer Kornfüllungsphase, dank guter Bodenstruktur, sowie ausreichende Toleranz gegen Stängelfäule.

Mais braucht drei Dinge: Bodenstruktur, Bodenstruktur und nochmals Bodenstruktur

Gerade die Trockenjahre 2018, 2019 und 2021 ließen die Ansprüche der Maispflanze an Bodenstruktur und Intensität der Bodenbearbeitung in den Hintergrund treten.

Der Schlüssel für hohe und stabile Maiserträge liegt in der Bodenvorbereitung ab der Ernte der Vorfrucht bis zur Maisaussaat. Neben dem ausreichenden Feinerde-Anteil im Saatbett entscheidet die Durchwurzelbarkeit über den weiteren Wachstumsverlauf. Ist der Boden nicht im Stande in der Krume bis zum Frühjahr genügend Feinerde für ein leistungsfähiges, tiefreichendes Wurzelsystem zu bilden, müssen beide Faktoren durch eine intensive, krumentiefe Bodenbearbeitung sowie durch Anbau von Zwischenfrüchten geschaffen werden, nur dann ist ein optimaler Luft-Wasserhaushalt gewährleistet.

Auf top Aussaat und Auflauf achten!

Die meisten zahnmaisbetonten Sorten reagieren auf einen zögerlichen Feldaufgang empfindlicher als Hartmais-betonte Typen. Diese Genetik stellt nicht nur höchste Ansprüche an das Saatbett, sondern erfordern einen schnellen, homogenen Feldaufgang. Zudem reagieren sie in der frühen Jugend positiv auf intensive Einstrahlung und hohe Temperaturen nach einem zügigen, homogenen Feldaufgang.

Deshalb war die Entscheidung „Saatbett geht vor Saatzeit“ immer richtig. Säen nach Kalender führte nicht selten zu vorzeitigem Umbruch bzw. zu sehr verzetteltem Auflauf und stärkeren Ertragsrückgängen.

Sortenwahl

Gerade in den klassischen Körnermaisregionen in Süddeutschland (Rheingraben, Südbayern) haben nach früher Aussaat unter nasskalten Bedingungen und der sich anschließenden Trockenheit Sorten mit guter Bestandesetablierung und Jugendentwicklung überzeugt, z.B.:

P 8902, P 8834, P 9610, P 9944, P 9975, P 0710, DKC 3719, DKC 4320, DKC 5092, KWS Arturello, KWS Hypolito und KWS Intelligens.

Insektizide Beizung hatte Vorteile

Auch die hohe Beizausstattung mit Korit plus Force sicherte vor allem unter nasskalten Bedingungen die Etablierung der Maisbestände in den frühen Entwicklungsstadien. Beizversuche bestätigten auch die Ertragsvorteile. In diesem Zusammenhang kann auch die Beizung mit Lumiposa gegen Fritfliege und Drahtwurm weiterhelfen. Die Wahl der Beize muss vor dem Hintergrund nicht vorhersehbarer Wetterereignisse in der Auflaufphase bis zum 4 Blatt-Stadium als Zusatzversicherung gesehen werden. Alles, was einen homogenen, zügigen Feldaufgang absichert, Beizung mit Insektiziden, Fungiziden, Nährstoffen (Zn), dürfte sich auf Dauer lohnen.

Körnermaissorten für den Nordwesten

Bewiesen im Süden vor allem späte Dent-Typen mit ausgeprägtem Stay green Verhalten ihre Vorzüglichkeit, waren in den Körnermaisregionen im Nordwesten meist frühe bis mittelfrühe Zwischentypen oder flintbetonte Sorten im Vorteil. Sorten mit guter Jugendentwicklung und einer mittelfrühen Blüte brachten bei zügiger Korneinlagerung meist gute Erträge mit nicht zu hohen Kornfeuchten.

Sorten wie Amavit, KWS Emporio, LG 31.238, KWS Kidemos, P 8816 und die neuere Sorte LG 32.257 waren unter diesen Bedingungen ausgesprochen umweltstabil.

Der neu zugelassene KWS Nevo erreichte in diesen Regionen sehr gute Erträge und hatte aufgrund seiner sehr frühe Körnerreife (K180) auch die höchsten TS-Gehalte im Korn. Der hartmais-ähnliche Typ hat aber Schwächen in der Stängelfäule und muss deshalb rechtzeitig geerntet werden. KWS Nevo bietet sich für Betriebe im Nord-Westen an, die einen sehr frühen, kompakten Körnermais mit anschließend noch möglicher Weizenaussaat suchen.

Körnermais in Ostdeutschland

In den ostdeutschen Körnermaislagen sind die reinen Dent-Typen den Zwischentypen bei sicherer Ausreife meist überlegen.

Sorten wie P 7818, P 8436, P 8834, DKC 3888, DKC 3719 und KWS Gustavius untermauern das in der Praxis wie in den Versuchen. Der neue KWS Arturello passt nach bisherigen Erfahrungen ebenfalls sehr gut in das Sortenprofil der erst genannten Sorten.

Unter den Zwischentypen erreichten DKC 2990, DKC 3414, Greatful und LG 32.257 gute Ergebnisse über verschiedene Umwelten und Jahre in Ost-Deutschland.

In der Praxis verlangen Trockenheit, Hitze, Starkniederschläge aber auch Kälte und Stürme den zugelassenen Sorten immer mehr ab. Deshalb wird es in Zukunft auch wichtiger, nicht nur auf den letzten Prozentpunkt Ertrag im Versuchsjahr zu achten.

Sortenkandidaten mit hoher Ertragsstabilität über verschiedenste Umwelten mit ausgewogenen agronomischen Eigenschaften sind gefragter denn je. Diese Sorten besitzen meist auch ein sehr hohes Maß an kompensatorischem Wachstum innerhalb ihrer Ertragsstruktur.

Für die Ertragssicherheit in der Praxis relevante Eigenschaften von Körnermais

  • Hohe Ertrags- und Umweltstabilität
  • Hitze und Trockentoleranz (ASI) gepaart mit ausreichender Kältetoleranz zur Jugend
  • Sichere Standfestigkeit und Schutz vor Stängelbruch bis zum letzten Erntetermin
  • Hohe Toleranz gegen Stängelfäule und Rhizoctonia
  • Hohe Toleranz gegen Blattkrankheiten.
  • Frühzeitige Lieschenöffnung und Lieschenreife
  • Sichere und gute Einkörnung
  • Niedrige DON-/ZEA-Werte durch geringen Kolbenfusariumbefall
  • Hohe Wasserabgaberate gegen Ende der Abreife
  • Geringer Energieaufwand beim Trocknen
  • Gute Druschfähigkeit

Neue Maissorten im Vergleich

Vor allem P 8834 (K250) kommt diesem Körnermaisidiotyp im mittelfrühen Bereich am nächsten. Die Sorte überzeugt mit sehr hohen Erträgen bei sehr guter Umweltstabilität. Daneben verfügt sie über eine gute Stängel- und Blattgesundheit bei guter Standfestigkeit und sehr guter Stängelbruchtoleranz. Aufgrund der flexiblen Kolbenstruktur und des hohen TKG bietet die Sorte auch mehr Spielraum in puncto Saatstärke. P 8834 ist im 250er Bereich eine Kompensationssorte mit dem höchsten Ertragspotenzial für den Südosten Deutschlands. Das sehr schnelle Dry down bei niedrigen Trocknungskosten rundet das positive Profil ab.

DKC 3888 (K250) ist ein kompakter, dentbetonter Körnermais. Die Sorte bewies eine sehr hohe Stressstabilität in Süd-Ost-Deutschland. DKC 3888 hat eine gute Standfestigkeit. Die verhaltene Jugendentwicklung setzt beste Saatbettbedingungen bei optimalem Aussaattermin voraus. Innerhalb einer betrieblichen Sortenstrategie mit früh- und spätblühenden Sorten (Zeitpunkt Tro- ckenstress) punktet DKC 3888 als Spätblüher mit gutem Stay green und mittlerem bis gutem TKG. Tendenziell verhält er sich in seiner Kolbeneigenschaft eher flexibel und verfügt aufgrund des guten TKG über ein hohes Kompensationsvermögen. Nasskalte Jahre wie 2021 mag die eher kontinental geprägte Sorte nicht, was vor allem im TKG und Feuchtegehalt zu merken ist. Auf Stängelfäule muss geachtet werden.

Im frühen Bereich ist der Doppelnutzungssorte DKC 2990 (K220) als sehr spät blühende Sorte hervorzuheben. Ähnlich wie DKC 3888 bietet sie Betrieben mit Trockenheit zur Blüte mehr Flexibilität im frühen Bereich. Die großrahmige Sorte hat eine gute Bestandesetablierung in der frühen Jugend bei sehr guter Standfestigkeit. Der hartmaisähnliche Typ verhält sich in der Kornzahl je Reihe eher flexibel bei sehr hohem TKG. Auf Kolbenfusarium muss geachtet werden.

Im mittelfrühen Bereich überzeugt KWS Gustavius (K230) vor allem in den süddeutschen Körnermaisregionen. Standfestigkeit und Stängelfäule sind sehr gut. Gerade in nasskalten Jahren wie 2021 kommt ihm sein Wuchsverhalten entgegen. KWS Gustavius erreicht bei eher später Blüte im 230er Bereich ein gutes TKG. Der Dent-Typ darf nicht zu dünn gestellt werden, da seine Kolbeneigenschaften mehr zum Fix-Typ neigen.

Auch der sehr frühe Zahnmais P 7818 (K230) erreicht in der Praxis sehr gute Ergebnisse. Der kompakte Typ hat eine ausgezeichnete Trockentoleranz bei ansprechender Jugendentwicklung. Auch das Resistenzpaket gegen Stängel- und Blattkrankheiten ist ausgewogen. Die Sorte verfügt über ein sehr gutes Dry down bei guter Kolben-Fusarium-Resistenz. P 7818 eignet sich vor allem für mittelfrühe Lagen in Süddeutschland (z.B. Tertiäre Hügelland, körnermaisfähige Lagen im Jura).

P 8436 (K240) ist eine Sorte mit sehr hohem Ertragspotenzial im mittelfrühen Bereich. Trotz eher verhaltener Jugend erreicht er eine sehr gute Bestandesetablierung. Der kompakte Körnermaistyp überzeugt in puncto Standfestigkeit und Trockentoleranz bei guter Resistenz gegenüber Stängel- und Blattkrankheiten. Der für seine FAO-Einstufung eher spät blühende Mais ist ein Kompensationstyp mit einer hohen Saatstärken-Elastizität. P 8436 überzeugt im Dry Down und in seinen Trocknungseigenschaften.

In dem 240er Bereich ist auch KWS Arturello in der Summe seiner Eigenschaften eine sehr interessante Neuzulassung. Der Zahnmais hat eine sehr gute Kältetoleranz bei bester Standfestigkeit. Auch die Toleranz für Stängelfäule und Blattkrankheiten ist tadellos. Die Sorte verfügt über ein sehr hohes TKG bei guter Kolbenleistung. Auch im Dry down überzeugten erste Praxis-Erfahrungen mit KWS Arturello. Die Sorte passt in Süddeutschland als Körnermais für alle mittelfrühen Lagen. KWS Arturello kommt in den Gunstlagen Norddeutschlands als Qualitätssilomais mit Option auf Körnermaisnutzung in Betracht.

P 8902 ist ein reiner 260er Körnermais mit sehr guter Kältetoleranz. Gerade unter nasskalten Bedingungen in der frühen Jugendentwicklung und im weiteren Vegetationsverlauf spielt die Sorte ihre Ertragsvorteile aus. P 8902 hat auch aufgrund seiner robusten Wurzel eine ausreichende Standfestigkeitbei guter Stängelbruchtoleranz. P 8902 kann gut kompensieren, darf aber trotzdem nicht zu dünn stehen, da er eher zum Fix-Kolben neigt. P 8902 verfügt über eine gute Blattdürreresistenz bei maximal durchschnittlicher Stängelfäule-Toleranz. Die Sorte erreichte sehr gute Ergebnisse in den diesjährigen EU- Prüfungen.

Im Reifebereich 260 stand mit DKC 3719 ebenfalls eine interessante Sorte im zweiten EU-Prüfungsjahr 2023. DKC 3719 erreichte in beiden Jahren sehr gute Erträge bei ebenfalls sehr guten Korn-TS-Gehalten. Auch in puncto Agronomie zeichnet sich die Sorte durch eine gute Standfestigkeit bei guten Resistenzeigenschaften aus. Gerade unter schwierigen Bedingungen spielt DKC 3719 seine Stärken aus. DKC 3719 ist als Doppelnutzungssorte für ostdeutsche Bördelagen sehr gut geeignet. Der dentbetonte Typ erreicht ein mittleres TKG und benötigt aufgrund seiner eher verhaltenen Jugend gute Aussaatbedingungen.

P 9255 (K270) ist ein mittelspäter Körnermais mit sehr hohem Ertragspotenzial, dank einer sehr hoher Kolbenertragsleistung durch eine hohe Reihenzahl je Kolben (18 Reihen) und sehr gutem TKG. Aufgrund seiner ausgeprägten Hitze- und Trockentoleranz ist P 9255 nicht nur in den sehr späten Gunstlagen des Rheingrabens, als frühräumende Sorte eine neue Option, sondern auch für die mittelspäten Körnermaislagen Süddeutschlands eine Bereicherung. P 9255 verfügt über eine gute Standfestigkeit sowie Stängel- bruchtoleranz. Auch die Resistenzausstattung gegenüber allen wichtigen Maiskrankheiten ist hervorragend.

P 9610 ist in seinem Reifebereich K280 eher als spät einzustufen. Die Sorte verfügt über eine gute Umweltstabilität, hat aber unter top Bedingungen ein sehr hohes Ertragspotenzial als Körnermais. Aus agronomischer Sicht punktet die Sorte mit guter Standfestigkeit bei guter Stängel-, Kolben und Blatttoleranz. P 9610 ist als Kompensationstyp mit flexibler Kolbenstruktur bei gutem TKG zu sehen.

DKC 4320 (K280) besticht als reiner Zahnmais mit sehr hohen Erträgen auf allen Standorten. Der mittelspäte Körnermais verfügt über eine sehr gute Jugendentwicklung. DKC 4320 blüht für einen 280er Mais relativ früh. Der Kolben weist hohe Reihenzahlen je Kolben mit einem sehr guten TKG auf. DKC 4320 zeigt keine Schwächen in puncto Standfestigkeit und Stängelbruch. Außerdem ist die Sorte sehr gesund inklusive Kolbenfusarium.

P 9944 (K300) ist eine späte Doppelnutzungssorte mit sehr hohem Ertragspotenzial als Körnermais. Seine exzellente Trocken- und Hitzetoleranz mit gutem Stay green Verhalten sowie zügiger Blüte verleihen der Sorte ein ausgesprochen stabiles Umweltverhalten. Zudem zeigt die Sorte auch unter kühlen Bedingungen eine ausreichende Kältetoleranz in diesem späten Reifesortiment. P 9944 liefert eine sehr gute Kolbenleistung über eine sehr hohe Reihenzahl pro Kolben (18 bis 20) sowie hohen Kornzahlen pro Reihe (30 bis 36 Körner je Reihe). Dabei reagiert er auf unterschiedliche Saatstärken sehr flexibel. Sein sehr gutes Dry down bei bester Gesundheit runden das positive Profil dieser Top-Sorte ab.

DKC 5092 (K310) ist eine kompakter Körnermais für die Gunstlagen im Rheingraben. Die Sorte verfügt über eine ausgesprochen gute Trocken- und Hitzetoleranz. Ihre eher verhaltene Jugendentwicklung setzt eine top Aussaat voraus. Die Sorte ist äußerst standfest bei guten Toleranzen gegenüber allen wichtigen Krankheiten. Innerhalb seiner Ertragsstruktur erreicht die Sorte sehr hohe Reihenzahlen pro Kolben (18 bis 20) bei sehr gutem TKG.

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.