Mit Kohlhernie befallene Schläge haben weiter zugenommen. Diese Krankheit tritt vor allem im Norden und Nordwesten, in Schleswig-Holstein, an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns, in den Staulagen der Mittelgebirge, aber auch in Südbayern auf, wo vor allem Senf als Zwischenfrucht vor Mais schon öfter angebaut wurde.
Wo bislang noch keine Kohlhernie aufgetreten ist, sollten folgende Grundregeln beim Anbau von Raps in der Fruchtfolge eingehalten werden, um Kohlhernie zu vermeiden:
- Einschleppung durch verdreckte Bearbeitungsgeräte vermeiden
- Drainagen müssen funktionsfähig bleiben, um Staunässe zu vermeiden
- pH-Wert in Ordnung halten
- Kohlensaure Kalke am besten schon zur Vorfrucht vor Raps einarbeiten
- Raps nur alle 4 bis 5 Jahre anbauen
- Ausfallraps zügig beseitigen, darf nicht länger als 10 bis 14 Tage stehen bleiben
- Keine Kreuzblütler (Unkräuter) in anderen Kulturen im Herbst aufkommen lassen
- Keine Kreuzblütler in Zwischenfrucht-Mischungen in Rapsfruchtfolgen
- Nematoden-resistenten Ölrettich erst säen, wenn der Boden kälter als 15 °C ist.
Wie wird Kohlhernie verbreitet?
Der Erreger der Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) fliegt nicht aus der Luft zu oder wird mit dem Saatgut verbreitet, sondern ist ein Bodenpilz, der mit Erdmaterial, das an Arbeitsgeräten anhaftet oder durch Pflanzgut(Steckrüben-Stecklinge) verbreitet wird. Auf bisher kohlherniefreien Flächen muss deshalb die Einschleppung durch verdreckte Arbeitsgeräte, Reifen und Schuhwerk verhindert werden.
Befallene (Teil-) Bereiche dürfen erst zuletzt geerntet oder bearbeitet werden. Danach müssen Geräte und Schlepperreifen, aber auch Gummistiefel gewaschen werden. Ein Eintrag des Erregers ist jedoch auch durch Bodenerosion, Kompost oder Pflanzkartoffeln möglich.
Konsequente Ackerhygienemaßnahmen verhindern die schnelle Ausbreitung der Kohlhernie im Schlag:
- Einen wesentlichen Anteil an der Ackerhygiene hat die Beseitigung von Ausfallraps auf Befallsflächen durch Bearbeitungsmaßnahmen. Allein durch Glyphosat wird der Vermehrungszyklus der Kohlhernie nicht unterbrochen. Vielmehr müssen die Feinwurzeln durch Bearbeitung aus dem Bodenverband gelöst werden.
Raps nicht zu früh säen
Der Saattermin bzw. die Bodentemperaturen nach dem Auflaufen spielen für den Befall mit Kohlhernie eine entscheidende Rolle. Die Virulenz des Erregers nimmt bei Bodentemperaturen über 15 °C sprunghaft zu. Unter 13 °C ist praktisch nicht mit dem Auftreten von Kohlhernie zu rechnen. Die 15 °C-Grenze im Boden wird im Norden Deutschlands in der Regel ab dem 10. September, im Süden und Osten ab dem 15. September, im Westen ab dem 20. September unterschritten.
Am ungünstigsten im Hinblick auf den Befall mit Kohlhernie sind warme und feuchte Bedingungen zur Aussaat und inden ersten beiden Wochen nach dem Auflaufen zu beurteilen. Eine spätere Rapsaussaat in der ersten Septemberdekade ist verstärkt ins Kalkül zu ziehen
Niedrige pH-Werte fördern Kohlhernie
Bei niedrigen pH-Werten ohne freien Kalk im Boden bietet sich die Ausbringung von Kohlensaurem Kalk bereits imVorjahr an, so dass der Kalk im Anbaujahr des Rapses weitgehend verfügbar ist. Zusätzlich sollten 600 bis 800 kg/ha CaO als Branntkalk zur Rapssaat in den Saathorizont eingearbeitet werden. Das Calcium muss im Bodenwasser gelöst sein. Trockenheit schränkt die Wirkung von Calcium gegen Kohlhernie ein.
Versauernde Dünger wie SSA (Schwefelsaures Ammoniak) bewirken dagegen eine starke auerung um das Düngerkorn, so dass Kohlhernie punktuell trotz eines hohen pH-Wertes auftreten kann. SSA erst düngen, wenn die Bodentemperaturen unter 10 °C gesunken sind. Durch die DüV ist das kaum mehr möglich.
Als Alternative oder Ergänzung zum Kalk bietet sich Kalkstickstoff an, der in Streifendüngung mit 100 kg/ha und breitflächig unmittelbar vor der Saat mit 250 bis 300 kg/ha in den Boden eingebracht werden kann. Im Gegensatz zur Kalkung, die die Ausbreitung des Erregers hemmt, hat der Kalkstickstoff durch die Cyanamid-Phase eine direkte fungistatische Wirkung gegen Kohlhernie und trägt zur Dezimierung der Kohlhernie bei.
Verminderung des Kohlhernie-Befalles auf bereits verseuchten Flächen
- Resistente Sorten auf Befallsflächen anbauen, z.B. Creed auf schon länger verseuchten Flächen, Crocodile, Croozer, Cromat, LG Scorpion.
- Raps erst säen, wenn die Bodentemperaturen beim Auflaufen unter 13 °C liegen
- 600 bis 800 kg/ha CaO als Branntkalk mit der Saat einarbeiten.
- Alternativ: 250 kg/ha Kalkstickstoff mit der Saat einarbeiten (DüV beachten) bzw. 100 kg/ha Kalkstickstoff unter der Drillreihe düngen
- Zu Raps kein SSA unter Fuß düngen.






