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Kohlhernie gefährdet den Rapsanbau

Juli 27, 2023 | Bodenbearbeitung, Grünes Info 2023, Kalkung, Raps, Rapskrankheiten, Sorten

Mit Kohlhernie befallene Schläge haben weiter zugenommen. Diese Krankheit tritt vor allem im Norden und Nordwesten, in Schleswig-Holstein, an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns, in den Staulagen der Mittelgebirge, aber auch in Südbayern auf, wo vor allem Senf als Zwischenfrucht vor Mais schon öfter angebaut wurde.

Wo bislang noch keine Kohlhernie aufgetreten ist, sollten folgende Grundregeln beim Anbau von Raps in der Fruchtfolge eingehalten werden, um Kohlhernie zu vermeiden:

  1. Einschleppung durch verdreckte Bearbeitungsgeräte vermeiden
  2. Drainagen müssen funktionsfähig bleiben, um Staunässe zu vermeiden
  3. pH-Wert in Ordnung halten
  4. Kohlensaure Kalke am besten schon zur Vorfrucht vor Raps einarbeiten
  5. Raps nur alle 4 bis 5 Jahre anbauen
  6. Ausfallraps zügig beseitigen, darf nicht länger als 10 bis 14 Tage stehen bleiben
  7. Keine Kreuzblütler (Unkräuter) in anderen Kulturen im Herbst aufkommen lassen
  8. Keine Kreuzblütler in Zwischenfrucht-Mischungen in Rapsfruchtfolgen
  9. Nematoden-resistenten Ölrettich erst säen, wenn der Boden kälter als 15 °C ist.

Wie wird Kohlhernie verbreitet?

Der Erreger der Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) fliegt nicht aus der Luft zu oder wird mit dem Saatgut verbreitet, sondern ist ein Bodenpilz, der mit Erdmaterial, das an Arbeitsgeräten anhaftet oder durch Pflanzgut(Steckrüben-Stecklinge) verbreitet wird. Auf bisher kohlherniefreien Flächen muss deshalb die Einschleppung durch verdreckte Arbeitsgeräte, Reifen und Schuhwerk verhindert werden.

Befallene (Teil-) Bereiche dürfen erst zuletzt geerntet oder bearbeitet werden. Danach müssen Geräte und Schlepperreifen, aber auch Gummistiefel gewaschen werden. Ein Eintrag des Erregers ist jedoch auch durch Bodenerosion, Kompost oder Pflanzkartoffeln möglich.

Konsequente Ackerhygienemaßnahmen verhindern die schnelle Ausbreitung der Kohlhernie im Schlag:

  • Einen wesentlichen Anteil an der Ackerhygiene hat die Beseitigung von Ausfallraps auf Befallsflächen durch Bearbeitungsmaßnahmen. Allein durch Glyphosat wird der Vermehrungszyklus der Kohlhernie nicht unterbrochen. Vielmehr müssen die Feinwurzeln durch Bearbeitung aus dem Bodenverband gelöst werden.

Raps nicht zu früh säen

Der Saattermin bzw. die Bodentemperaturen nach dem Auflaufen spielen für den Befall mit Kohlhernie eine entscheidende Rolle. Die Virulenz des Erregers nimmt bei Bodentemperaturen über 15 °C sprunghaft zu. Unter 13 °C ist praktisch nicht mit dem Auftreten von Kohlhernie zu rechnen. Die 15 °C-Grenze im Boden wird im Norden Deutschlands in der Regel ab dem 10. September, im Süden und Osten ab dem 15. September, im Westen ab dem 20. September unterschritten.

Am ungünstigsten im Hinblick auf den Befall mit Kohlhernie sind warme und feuchte Bedingungen zur Aussaat und inden ersten beiden Wochen nach dem Auflaufen zu beurteilen. Eine spätere Rapsaussaat in der ersten Septemberdekade ist verstärkt ins Kalkül zu ziehen

Niedrige pH-Werte fördern Kohlhernie

Bei niedrigen pH-Werten ohne freien Kalk im Boden bietet sich die Ausbringung von Kohlensaurem Kalk bereits imVorjahr an, so dass der Kalk im Anbaujahr des Rapses weitgehend verfügbar ist. Zusätzlich sollten 600 bis 800 kg/ha CaO als Branntkalk zur Rapssaat in den Saathorizont eingearbeitet werden. Das Calcium muss im Bodenwasser gelöst sein. Trockenheit schränkt die Wirkung von Calcium gegen Kohlhernie ein.

Versauernde Dünger wie SSA (Schwefelsaures Ammoniak) bewirken dagegen eine starke auerung um das Düngerkorn, so dass Kohlhernie punktuell trotz eines hohen pH-Wertes auftreten kann. SSA erst düngen, wenn die Bodentemperaturen unter 10 °C gesunken sind. Durch die DüV ist das kaum mehr möglich.

Als Alternative oder Ergänzung zum Kalk bietet sich Kalkstickstoff an, der in Streifendüngung mit 100 kg/ha und breitflächig unmittelbar vor der Saat mit 250 bis 300 kg/ha in den Boden eingebracht werden kann. Im Gegensatz zur Kalkung, die die Ausbreitung des Erregers hemmt, hat der Kalkstickstoff durch die Cyanamid-Phase eine direkte fungistatische Wirkung gegen Kohlhernie und trägt zur Dezimierung der Kohlhernie bei.

Verminderung des Kohlhernie-Befalles auf bereits verseuchten Flächen

  1. Resistente Sorten auf Befallsflächen anbauen, z.B. Creed auf schon länger verseuchten Flächen, Crocodile, Croozer, Cromat, LG Scorpion.
  2. Raps erst säen, wenn die Bodentemperaturen beim Auflaufen unter 13 °C liegen
  3. 600 bis 800 kg/ha CaO als Branntkalk mit der Saat einarbeiten.
  4. Alternativ: 250 kg/ha Kalkstickstoff mit der Saat einarbeiten (DüV beachten) bzw. 100 kg/ha Kalkstickstoff unter der Drillreihe düngen
  5. Zu Raps kein SSA unter Fuß düngen.

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.