Kartoffel Info
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Hohe Keimbereitschaft von Speise- und Veredlungskartoffeln
Viele Parteien werden mit Maleinsäure behandelt, dabei stellt sich jedoch immer die Frage des Behandlungserfolges. In diesem Jahr waren die Bedingungen sehr gut für eine effektive Aufnahmen der Maleinsäure. Hohe Luftfeuchtigkeit => geöffnete Wachsschicht.
Selbst wenn ausreichend Wirkstoff in die Knollen eingelagert wurde, darf nach dem Einsatz der Maleinsäure nur unwesentlich später begast werden, da sich die Wirkmechanismen grundlegend unterscheiden.
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Begasung und Backqualität
Bei der Produktion von Veredelungskartoffeln spielt der CO2-Gehalt eine große Rolle. Dieser muss durch ständigen Luftaustausch auf einem möglichst geringen Niveau gehalten werden.
Wer über ein CO2-Meßgerät verfügt, wird nach der Begasung einen schnellen Anstieg der CO2-Konzentration im Lager feststellen. Hier gilt es, den besten Kompromiss zwischen Wirkungssicherheit der Begasung und der Backfarbe des Produktes zu finden.
Aus diesem Grund müssen Sorten mit einer schlechten Backfarbe, welche für die Produktionsrichtung mit den höchsten Anforderungen (Chips) gelagert werden, bereits 24 h nach der Begasung belüftet werden. Sorten mit guten Backqualitäten, welche für die Pommes frites-Produktion gelagert werden, sollten erst nach 48 h belüftet werden.
Was beim Lagern in diesem Jahr besonders zu beachten ist!
Häufig findet man derzeit Braunfäule im Lager. Braunfäule wird durch P. Infestans, dem Erreger der Krautfäule, hervorgerufen. Wie der Name schon sagt, äußert sich die Braunfäule durch braune Flecken zwischen der Schale und dem Gefäßbündelring. Zunächst wird das Knolleninnere nicht befallen. Erst bei weiterem Fortschreiten der Fäulnis wird die gesamte Knolle befallen. Anders als bei der Fäulnis von unreifen Knollen, verbreitet sich die Braunfäule sehr rasant im Lager. Die Braunfäule verbreitet einen beißenden Geruch, ähnlich dem Ammoniak.
Die Fäulnis kann durch kühle Temperaturen und Trockenheit gestoppt werden, die Verbreitung des Erregers jedoch nicht. Das bedeutet, dass die Partie durch ein rasches Abkühlen zunächst gerettet werden kann.
Knappe Kaliumversorgung bewahrheitet sich in den Knollenproben
Die in den Blattanalysen gemessenen knappen Kaliumgehalte sind aktuell häufig auch in den Knollen zu finden. Die Kalium-Knollenkonzentration sollte bei mindestens 1,8 % TS liegen. Für eine gute Lagerqualität sollte der Wert bei 2 % oder darüber liegen. Werden diese Werte in der Knolle nicht erreicht, ist mit verstärkten Qualitätsproblemen zu rechnen. Die Beschädigungsempfindlichkeit der Knollen sowie die Neigung zu Schwarz-/Blaufleckigkeit sind erhöht. Die Backfarben im Verarbeitungsbereich sind schlechter, die Lagerverluste höher und die Fäulnisgefahr steigt. Diese Probleme werden verstärkt, wenn zu einer schwachen Kaliumversorgung eine hohe Stickstoffversorgung kommt. Die N-Konzentration in den Knollen sollte bei 1,2 %/TS oder darunter liegen. Häufig sind vor allem in kritischen Partien Konzentrationen von 1,4 %/TS oder höher zu messen.
Knollenanalysen von eingelagerten Kartoffeln geben einen Rückschluss darauf, wie die einzelnen Partien gelagert und im Anschluss vermarktet werden sollten.
Aktuelle Situation – Stärkegehalte differenzieren sehr stark
Viele Bestände mussten bis Mitte Juli mit wenigen Niederschlägen wachsen und haben in dieser Phase auch schon reichlich Stärke eingelagert. Früh (bis Mitte April) gepflanzte Partien hatten zu dieser Zeit schon Ertrag gebildet und waren physiologisch alt. Diese Bestände konnten von den Ende Juli einsetzenden Niederschlägen nicht mehr profitieren.
Ganz anders sieht es bei späteren Beständen, die zur Monatswende April/Mai gepflanzt wurden, aus. Diese konnten die Niederschläge voll ausnutzen und haben aufgrund des Verdünnungseffektes im ersten Moment Trockensubstanz verloren.
Mit den anschließend guten Wachstumsbedingungen konnten gesunde Bestände wieder Stärke einlagern und effektiv zuwachsen. Das sind Bestände, die jetzt noch wachsen können und unter Umständen sogar gebremst werden müssen.
Eine komplett andere Situation war bei zuvor bereits fußkranken Beständen zu sehen.
Knappe K-Blattversorgung äußert sich in schwacher K-Knollenkonzentration
Während der Saison waren überregional schwache Kaliumkonzentrationen in den Blattproben festzustellen. Die empfohlenen Nachdüngungen haben gut angeschlagen und konnten die Konzentrationen im Blatt und in der Folge auch in der Knolle steigern. In vielen Partien ohne Nachdüngung sind aktuell oft schwache K-Konzentrationen < 1,8 % TS zu messen. Diese sind besonders kritisch zu sehen, wenn im Verhältnis die N-Konzentration zu hoch (> 1,4n% TS) ist.
Durch eine Knollenanalyse ab einer Woche nach der Sikkation kann dies analysiert werden und entsprechend mit der Rodung, Lagerung und Vermarktung darauf reagiert werden.
Neben Stickstoff und Kalium sind auch andere Nährstoffe, wie das Kupfer, Bor und Calcium, für die Gewebestabilität von Bedeutung. Eine Unterversorgung mit diesen Nährstoffen gilt es zu vermeiden.
Stolbur breitet sich überregional aus!
Stolbur ist seit dem Herbst 2022 ein bekanntes Problem im Südwesten Deutschlands. Seit der vergangenen Saison war es auch in vielen Regionen Bayerns zu finden. Mittlerweile gibt es auch Nachweise im Rheinland und in Niedersachsen. Das Problem ist somit in allen Regionen relevant und ernst zu nehmen.
Wir haben uns diesem Thema bereits in Versuchen im letzten Jahr gewidmet und gute Bekämpfungserfolge mit Insektizid-Mischungen festgestellt. In diesem Jahr laufen dazu weiterführende Versuche mit Spritzfolgen und verschiedenen Terminierungen.
Darüber hinaus haben wir die Pflanzenvitalität als Versuchsansatz mit integriert. Hintergrund hierzu sind Beobachtungen aus der Praxis. In den letzten Jahren sind sehr starke Unterschiede in Symptomausprägung und Krankheitsverlauf aufgefallen. Das Stolbur-Phytoplasma greift sehr komplex in den Stoffwechsel der Pflanze ein und beeinflusst diesen.
Kalium-Mangel – 2025 ein großes Problem
Der bereits im letzten Info beschriebene Kalium-Mangel ist dieses Jahr flächendeckend zu finden. Schwache Kaliumaufnahmen lassen sich dabei auch trotz (rechnerisch) ausreichend gedüngten Mengen feststellen. Dies hat mehrere Ursachen. Der häufig trockene Unterboden, die oft schwach ausgebildete Wurzel und – je nach Standort – hohe Calciumwerte blockieren die Kaliumaufnahmen. Nachdüngungen mit Kalium schlagen in diesem Jahr auch auf bereits vorher gut gedüngten Flächen gut an. Die Kaliumnachdüngung über den Boden kann noch durchgeführt werden, solange der Bestand aktiv wächst und weiße/junge Wurzeln hat. Dies kann bei spät gepflanzten Beständen auch noch bis in den August hinein sein.
Nach einer bereits erfolgten Kaliumdüngung kann mit einer Mindestmenge von 150 kg/ha Kornkali nachgedüngt werden.
Phosphor – Nachlieferungsprobleme unter trockenen Bedingungen
Die P-Versorgung in den Pflanzenanalysen zu Beginn der Saison war ausgesprochen hoch.
Dies zeigte sich auch an der schnellen Jugendentwicklung der gut versorgten Bestände. Mit einsetzender Trockenheit und steigenden Temperaturen fiel die P-Versorgung vieler Bestände schnell ab. Grund hierfür ist zum einen die geringe Beweglichkeit des Phosphats. Sobald die Wurzel unter trocken-heißen Bedingungen nicht mehr wächst, reduziert sie zuerst die Phosphor- und Zinkaufnahme. Zum anderen kommt unter konstant trockenen Bedingungen die mikrobielle Aktivität zum Erliegen. Ein großer Teil der P-Fraktion im Boden ist im Körperaufbau von Mikroorganismen gespeichert. Diese stellen die schnelle verfügbare P-Fraktion dar.
Die häufig schwache P-Versorgung kann mit einer P-Blattdüngung in Kombination mit der Fungizidmaßnahme ausgeglichen werden.
Einsatz von Maleinsäure
Maleinsäure hat, genauso wie cymonxanilhaltige Fungizide, einen negativen log Pow-Wert. Das heißt, die Wasserlöslichkeit ist deutlich höher als die Fettlöslichkeit. Dadurch, dass sich Maleinsäure und Cymoxanil nicht in Fett lösen, dringen diese auch nicht in eine intakte Wachsschicht ein. Erst mit nachfolgend hoher Luftfeuchtigkeit kann die Wachsschicht aufquellen und somit können diese nicht fettlöslichen Wirkstoffe aufgenommen werden. Applikationen auf eine starke Wachsschicht haben somit keine Wirkung, da der Wirkstoff nicht von der Pflanze aufgenommen werden kann.
Vor diesem Hintergrund sind die Anwendungsbedingungen der Hersteller nachvollziehbar: keine Anwendung über 25 °C, keine Bewässerung innerhalb der nächsten 12-24 h.
Der Zeitpunkt der Maleinsäuremaßnahme sollte gut geplant werden. Kommt es nach der vielerorts ausgeprägten Trockenheit und Hitze aktuell zu besseren Wachstumsbedingungen, müssen diese zuerst ausgenutzt werden.
Sikkation abhängig vom Stärkegehalt
In nahezu allen Blattnährstoffanalysen zeigen sich die Bestände in diesem Jahr gut bis zu stark mit Stickstoff versorgt. Vor allem für eine frühe Verwertung reduziert eine hohe N-Konzentration die Stärkeeinlagerung und verzögert somit die Abreife.
Die Stärkegehalte variieren sehr stark von der Bestandsentwicklung und dem Nachlieferungsvermögen. Deshalb sollte eine Stärkemessung unbedingt vor der geplanten Sikkation durchgeführt werden. Wurde mit der Stickstoffversorgung über das Ziel hinausgeschossen, sind die Bestände deshalb noch zu stark im Wuchs oder die Ansätze deshalb zu knapp. In diesen Fällen bietet es sich an, die Umverlagerung und die Stärkeeinlagerung zu beschleunigen. Erreicht werden kann dies durch einen höheren Auxinpegel in der Pflanze und der damit verbundenen Verlagerung von Assimilaten aus dem Blattapparat in die Knollen.
Aktuelle Situation – trockener Unterboden reduziert die Nährstoffverfügbarkeit
In den Analysen sind auch häufig Mikronähr-
stoffe knapp. Die Pflanzen sind schwach ver-
sorgt mit Bor, Kupfer, Zink und vereinzelt Man-
gan. Die fehlenden Nährstoffe können teilweise
durch eine gezielte Blattdüngung ergänzt wer-
den. Dazu muss jedoch bekannt sein, welcher
der Nährstoffe im Mangel ist. Daher ist eine ei-
gene Blattnährstoffanalyse unabdingbar. Damit
wird die Nährstoffeffizienz und in der Folge der
Ertrag aber vor allem die Knollenqualität abge-
sichert.
Zunehmender Phytophthora-Druck – Wirkungsdauer nicht überschätzen
Mit lokal intensiven Niederschlägen kann es auch in der aktuellen Phase noch zum Ausbruch einer Primärinfektion aus dem Pflanzgut kommen. Daher muss nach hohen Niederschlagsmengen (> 30 – 40 mm) und kurzzeitig zu nassen Bedingungen mit systemischen Produkten (Propamocarb/Cymoxanil) eine mögliche systemische Ausbreitung unterbunden werden.
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Alternaria-Bekämpfung nicht vernachlässigen
Mit steigenden Temperaturen und hoher Einstrahlung darf die Bekämpfung der Alternaria nicht außer Augen gelassen werden. Vor allem auf beschädigtem Gewebe, aufgrund von Nährstoffmangel, gestoppten KF-Infektionen oder auf vom Propamocarb oder Ranmann verbranntem Gewebe kann sich in der Folge Alternaria setzen.
Das Problem der (teil-)systemischen Wirkstoffe ist, dass sie nicht in verbranntes oder beschädigtes Gewebe gelangen. Setzt sich die Alternaria auf ein Blatt mit ausgetrockneter Krautfäule, kann sie trotz Spezialpräparat immer weiter sporulieren und beschädigte Stellen auch infizieren.
Die Wirkstoffe Fluxapyroxad und Fluopyram gehören wie auch das Boscalid zur Wirkstoffklasse der Carboxamide. Als (teil-)systemischer Wirkstoff liegt dessen Stärke vor allem in der Dauerwirkung. Da sich der Wirkstoff sehr langsam in der Pflanze verteilt, muss er früh in der Alternaria-Strategie eingesetzt werden.
Kartoffelkäfer-Bekämpfung
Neben den Pyrethroiden mit überwiegender Kontaktwirkung auf Kartoffelkäfer bleiben aus der Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide nur noch der Wirkstoff Acetamiprid im Mospilan oder Danjiri zur systemischen Bekämpfung von Kartoffelkäfern. Gleichzeitig werden mit der höheren Aufwandmenge von 250 g/ha auch Blattläuse miterfasst. Acetamiprid hat eine gute Dauerwirkung, aber einen schwachen Knock-Down Effekt. Daher sollte es nur zum Einsatz kommen, wenn Eigelege oder erste geschlüpfte Larven im L1- und L2-Stadium zu sehen sind.
Sind bereits größere Käfer im Bestand (L3- und L4-Stadium), reicht die Wirkung oft nicht mehr aus. Dann muss auf Coragen oder Benevia umgestellt werden. Diese Produkte bewirken einen schnelleren Fraß-Stopp, weisen aber eine geringere Dauerwirkung und keine Wirkung gegen Blattläuse auf.
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Trockenheit reduziert die Nährstoffverfügbarkeit
Aufgrund der reduzierten Niederschläge seit Jahresbeginn ist der Bodenwasservorrat deutschlandweit auf sehr niedrigem Niveau. Dies führte überregional zu guten Bedingungen für die Bodenbearbeitung und Auspflanzung. In der Jugendentwicklung kann eine anhaltende Trockenheit allerdings zur eingeschränkten Nährstoffverfügbarkeit führen.
Durch eine geringe Luftfeuchtigkeit und den häufigen Wind erhöht sich die Transpiration der jungen Stauden. In der Folge werden massenflussabhängige Nährstoffe wie Nitrat, Sulfat, Magnesium und Calcium zügig und auch unter trockenen Bedingungen noch sehr lange aufgenommen. Hingegen sind unter diesen Bedingungen vor allem die Nährstoffe im Mangel, zu denen die Wurzel aktiv hinwachsen muss. Hier kommen zuerst Phosphor, Zink und Kupfer in den Mangel.
Hohe Einstrahlung reduziert den Knollenansatz
Sehr stark abhängig von der Pflanzgutqualität ist die Stängelanzahl in diesem Jahr eher durchschnittlich bis knapp. Dies hat ein geringeres Ansatzpotential zur Folge. Auch die aktuell sehr strahlungsreiche Witterung führt zu einem reduzierten Knollenansatz pro Stängel. Viel Einstrahlung und Wärme fördern die Bildung der Cytokinine in der Pflanze. Die somit stärkere Zellteilung führt zu einem zügigen Blattaufbau und einer schnellen Jugendentwicklung. Da in der Kartoffel die Stolonen keine Wurzeln sind, sondern unterirdisch verdickte Sprosse, sind sie physiologisch dem Blattapprat gleichgestellt. Somit besteht eine Konkurrenz zwischen Blattaufbau und Knollenansatz.
→ Zügige und üppige Blattentwicklung hat häufig einen geringen Knollenansatz zur Folge.
Gegenspieler der Cytokinine in der Pflanze sind die Auxine. Diese werden im Blatt gebildet, anschließend abgeleitet und führen unterirdisch zu einem verstärkten Wurzelwachstum und höheren Knollenansatz.
Phytophthora-Druck auf geringem Niveau – Primärinfektionen nicht unterschätzen!
Der Infektionsdruck hält sich aufgrund der trockenen und strahlungsreichen Bedingungen in allen Regionen in Grenzen. Die überwiegend guten Bedingungen zur Bodenbearbeitung und Pflanzung reduzieren zudem das Risiko einer Primärinfektion. Dennoch darf dieses Risiko nicht ganz ausgeschlossen werden. In den vergangenen Jahren gab es häufig auch später in der Saison durch verstärkte Niederschläge im Juli eine systemische Infektion aus der Mutterknolle. Dieses Risiko haben alle Pflanzgutpartien aus der vergangenen Saison mit überregional hohem Phytophthora-Druck. Bei einer Infektion über den Boden wächst der Pilz systemisch im Stängel nach oben. Um diese Infektion zu stoppen, sind in jedem Fall systemische oder zumindest teilsystemische Wirkstoffe notwendig.
→ Beschreibung der Wirkstoffe siehe K-Info 04/2025
Der Fungizid Spritzstart kann entweder beim Berühren in der eigenen Reihe mit 1 l/ha Vojager erfolgen oder bei geringem Infektionsdruck kurz vor Reihenschluss, dann aber in Kombination mit dem schnellen Curzate 60 WG.
Entgiftung von Herbizidschäden
In dieser Saison sieht man häufig Herbizidschäden durch die bekannten Wirkstoffe Clomazone oder Aclonifen, bedingt durch die kühlen Nachttemperaturen und den oftmals verspäteten Anwendungstermin.
Der Wirkungsschwerpunkt der Kartoffelherbizide liegt im Vorauflauf und im Keimblattstadium der Unkräuter. So zeigten spätere Anwendungen oft geringere Wirkungsgrade oder den Schaden an der Kartoffel, bspw. durch ein zu dicht am Auflaufen eingesetztes Bandur.
Die zur Kartoffel ausgebrachten Herbizide müssen auch von der Kartoffel selbst abgebaut und in Ihrem Stoffwechsel entgiftet werden. Neben den dazu erforderlichen Enzymen, die zum Großteil aus Kupfer und Eisen bestehen, ist zur Entgiftung auch Wärme notwendig. Daher zeichnen Nachauflaufanwendungen, aber auch Nachwirkungen von Vorauflaufanwendung unter kühlen Bedingungen deutlich.
Zusätzlich sollte Phosphor für den zügigen Blattaufbau eingesetzt werden.
Geringer Krautfäuledruck in Frühkartoffeln, Primärinfektionen nicht unterschätzen!
Das aktuelle Frühjahr unterscheidet sich grundlegend von den beiden Vorjahren. Durch das trockene Frühjahr konnte in vielen Regionen zeitig unter guten Bedingungen gepflanzt werden. Die Niederschläge der vergangenen Wochen führten jedoch nirgends zu übernassen Bedingungen. Auch die Luftfeuchtigkeit liegt auf niedrigem Niveau. Entsprechend hält sich der Krautfäuledruck in Grenzen.
In den frühen Regionen sind nur vereinzelt Krautfäulesymptome an den prädestinierten Stellen zu finden. Das Auftreten einer Primärinfektion hängt häufig auch mit der Bodenstruktur zusammen. So tritt die Infektion immer zuerst in Bereichen schlechter Struktur und damit in den feuchteren Bereichen auf. Interessanterweise sind Bio-Bestände in den Frühregionen immer weniger von Phythophthora befallen als konventionelle Bestände. Dies hängt mit der früheren Abnahme der Abdeckung aufgrund der mechanischen Unkrautbekämpfung, aber auch mit der Bearbeitung im Bestand zusammen.
Erste Infektionen entstehen überwiegend durch infiziertes Pflanzgut oder durch zugeflogene Sporen, von infizierten Knollen bspw. aus Abfallhaufen oder von Durchwuchskartoffeln.
Zikaden – Bekämpfungsstrategie
Wie bereits im Info 12/24 ausführlich erklärt, braucht es zur Bekämpfung der Zikaden im Kartoffelanbau eine integrierte Strategie aus mehreren Bausteinen. Ein Baustein darin ist aktuell der Einsatz von Insektiziden zur direkten Bekämpfung der Zikaden.
Mit der aktuellen Notfallzulassung besteht die Möglichkeit, die Insektizide mit der Indikation gegen die Schilfglasflügelzikade einzusetzen.
Dazu müssen jedoch einige Punkte beachtet werden.
Einsatz bei Flugbeginn
Die Nymphen der Schilfglasflügelzikaden schlüpfen aus dem Rüben-/Kartoffelweizen auf warmen Standorten im Südwesten ab Ende Mai. Der Hauptzuflug findet dann temperaturabhängig statt. Dies war in den letzten Jahren Mitte bis Ende Juni der Fall.
Die adulten Zikaden sind mit dem Erreger Arsenophonus schon beim Schlüpfen beladen, somit muss die Bekämpfung erfolgen, wenn die ersten Tiere fliegen.
Dazu muss zwingend der Flug bonitiert werden.
Unkrautbekämpfung unter trockenen Bedingungen
Die vergangenen beiden Jahre waren im Frühjahr häufig zu nass, sodass sich die Pflanzung sogar bis in den Juni hineinzog. Vorteil der Niederschläge im Frühjahr war die dadurch gute Herbizidwirkung. In dieser Saison finden wir jedoch deutschlandweit eine komplett andere Ausgangssituation. Die ausgeprägte Trockenheit der letzten Wochen und die geringe Niederschlagswahrscheinlichkeit der nächsten Tage machen die Herbizidanwendung in diesem Jahr zur Herausforderung.
Nach den diversen Problemen der letzten Jahre mit Nässe, Qualitätsproblemen, schlechten Backfarben, Fäulnis und diversen Krankheiten sollte man meinen, dass die Unkrautbekämpfung in Kartoffeln nicht unser größtes Problem ist. Wenn dann jedoch die Bedingungen zur Herbizidanwendung nicht passen, Unkräuter durchgehen und im Nachauflauf nachbehandelt werden müssen, wird schnell wieder die Bedeutung der Herbizid-Vorauflaufbehandlung deutlich.
Hirsenbekämpfung
Alles kein Problem, würde man meinen! Denn in breitblättrigen Kulturen zugelassene FOP-/DIM-Mittel sind auch in der Kartoffel im NA zugelassen. Jedoch greifen alle diese Gräsermittel die Wachsschicht der Kartoffel mehr oder weniger stark an. Am wenigsten dabei u.E. das Focus Ultra, was sich dann mit den Erfahrungen in den Rüben deckt.
Die Kartoffel ist aber äußerst empfindlich, was eine Beeinträchtigung der Wachsschichtfunktion betrifft, v.a. bei Trockenheit und/oder hohen Temperaturen. Nicht selten hat es den Anschein, dass nach FOP-/DIM-Einsätzen hinterher Alternaria schneller und früher kommt.
Deshalb raten wir bei der Hirse nach Möglichkeit zum Cato-Einsatz. Cato wird bei hohen Temperaturen (nachts > 10 °C, tags > 20 °C) von der Kartoffel sehr schnell abgebaut und ist, bei diesen Bedingungen eingesetzt, recht verträglich.
Allerdings sollte die Bekämpfung bis zum 5-Blattstadium der Hirse (1. Nebentrieb kommt) abgeschlossen sein.
Beispiele für Herbizidanwendungen im Vorauflauf der Kartoffeln
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Stickstoff als Ursache vieler Qualitätsprobleme
Nach der vergangenen Saison sind viel Partien negativ aufgefallen. Speisekartoffeln haben vermehrt Probleme mit Druckstellen, Beschädigungen oder Fäulnis. In der Verarbeitungsware sind schlechte Backfarben aktuell überregional ein großes Problem.
Häufig liegt die Ursache an einer überhöhten N-Konzentration in den Knollen. Ausreichende Feuchtigkeit in der gesamten Saison führten zu idealen Mineralisationsbedingungen. Durch die häufig bedeckte Witterung wurde zudem der N-Abbau in der Pflanze reduziert. Die daraus resultierende hohe N-Konzentration fällt aktuell in sehr vielen Knollennährstoffanalysen auf.
Daher gilt es, die N-Kalkulation zu Kartoffel genauer zu betrachten und die Nachlieferungen des Bodens besser mit einzubeziehen.
Wie viel Stickstoff braucht die Kartoffel?
Der Stickstoffbedarf der Kartoffel richtet sich nach dem Entzug durch die Knollen und dem Bedarf für die Ausbildung des Blattapparates. Dabei liegt der N-Entzug eines durchschnittlichen Kartoffelkrauts einer Speisekartoffel bei etwa 100 kg/N ha, für Verarbeitungskartoffeln bei 120 kg/N ha.
