Kartoffel Info
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Die Zikaden breiten sich aus!
Über die Ausbreitung der Zikade im Südwesten Deutschlands wurde in den letzten Jahren schon einige Male in diesem Schreiben berichtet. Die Situation hat sich in der vergangenen Saison zugespitzt. In großen Teilen Bayerns sind Zuckerrüben- und Kartoffelflächen betroffen. In Sachsen-Anhalt verbreitet sich die Zikade weiter und auch in NRW und Niedersachsen gab es die ersten offiziellen Nachweise.
Aufgrund der brisanten Lage wird in diesem Info noch einmal auf die Grundlage der Krankheit, deren Verbreitungswege und auf das Ausmaß der Schäden eingegangen. Aber auch ein Lösungsansatz aus den schon länger befallenen Gebieten soll eine Handlungsanleitung liefern.
Wer den Zikadenbefall in einzelnen Regionen noch als Marktvorteil der nördlich gelegenen Standorte ansieht, hat den Ernst der Lage noch nicht realisiert!
Geschichte der Erreger
Das Stolbur-Phytoplasma ist in osteuropäischen Ländern seit 1950 eine bekannte Kartoffelkrankheit. Diese schränkt den Verarbeitungskartoffelanbau in einigen Regionen Russlands und der Ukraine stark ein. Grund hierfür sind schlechte Backfarben aufgrund erhöhter Zuckergehalte. Das Stolbur-Phytoplasma setzt sich im Phloem der Pflanze fest und verstopft somit die Leitbahnen, in der Folge kommt es zu einer
Trotz hoher Temperatursumme geringes physiologisches Alter
Wenn man sich an die vergangene Saison zurückerinnert, war diese geprägt von Niederschlägen und einer gefühlt moderaten Temperatur ohne starke Temperaturspitzen. Trotzdem gilt das Jahr 2024 wieder einmal als wärmstes Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Überdurchschnittlich warm war das zeitige Frühjahr und einige Augusttage. Von Mai bis Juli herrschten dagegen eher durchschnittliche Temperaturen, viele Kartoffelbestände waren in der Phase der Jugendentwicklung.
Zudem waren in 2024 viele milde Nächte zu verzeichnen, was zu einer geringeren Tag-Nacht-Schwankung führte. Neben der absoluten Höhe der Temperatursumme beeinflusst auch die Schwankung der Temperatur das physiologische Alter der Kartoffeln. Daher haben die Partien dieses Jahr trotz hoher Temperatursumme ein geringes physiologisches Alter. Dennoch sind wir verglichen mit Kartoffelpartien von vor 5-6 Jahren auf einem hohen Niveau der Temperatur und die Keimhemmung darf nicht vernachlässigt werden.
Lagerprobleme in früh gerodeten Partien
Viele Partien wurden in diesem Jahr bereits Ende August und Anfang September gerodet. In dieser Phase war es häufig zu warm und Partien sind mit Knollentemperaturen von 20°C und mehr eingelagert worden. Durch die Wärme konnten sich Fäulniserreger rasant ausbreiten.
In diesen Partien findet man aktuell häufig Fusarium-Fäule. Die Wundheilung wurde nach der Einlagerung oftmals durch fehlende Feuchtigkeit verhindert. Durch die häufig zu feuchte Bodenbearbeitung im Frühjahr war eine beschädigungsarme Ernte unter den trockenen Bedingungen bis Mitte September nicht möglich. Die Beschädigung stellt eine Eintrittspforte dar, die von einer durch die Wundheilung geschaffenen „Ersatzschale“ eingeschränkt worden wäre.
Häufig sind die Symptome nicht klar einem Erreger zuzuordnen, da es sich um Mischinfektionen aus Fusarium, Braunfäule oder bakteriellen Erregern handelt. Die Fäulnis kann durch kühle Temperaturen und Trockenheit gestoppt werden, die Verbreitung des Erregers jedoch nicht.
Das bedeutet, dass die Partie durch eine rasche Abkühlung zunächst gerettet werden kann. Da die Wundheilung
Abtrocknung im Lager kontrollieren
Die Abtrocknung der erntefrischen Knollen sollte innerhalb der ersten 24-48 Stunden erfolgen. Anhaftendes Wasser sollte abgelüftet werden, da sich sonst eine Vielzahl von Erregern ausbreiten können. Die Abtrocknung sollte jedoch genau auf den Punkt ausgerichtet werden, an dem die Knollen abgetrocknet sind, d.h. das anhaftende Wasser abgelüftet ist. Wird über diesen Punkt hinaus gelüftet, diffundiert Wasser aus dem Inneren der Knolle an die Oberfläche der Knolle und verdampft dort. Erhöhter Schwund ist dann die Folge, Knollen werden welk, verlieren an Turgeszenz und ihre Speise- und Pflanzgutqualität vermindert sich.
Neben dem anhaftenden Wasser stellen die Beimenge und die faulen Kartoffeln eine Feuchtigkeitsquelle dar. Die anhaftende Erde kann auf bindigem Boden einen nennenswerten Anteil an Wasser enthalten. Dies führt zu einer geringeren Austrocknung während der Lagerphase, erhöht aber auch das Fäulnisrisiko bei zu geringer Lüftungsrate.
Während der Verdunstung von Wasser auf der Knollenoberfläche, von faulen Knollen oder von der anhaftenden Erde, entsteht Kälte. Diese Verdunstungskälte kann in spät und kalt gerodeten Partien
Einarbeiten von Zwischenfrüchten
In einigen Regionen scheinen die Verhältnisse aktuell ideal, um Zwischenfrüchte einzuarbeiten. Doch der Schein trügt, wenn man sich die aktuellen Bodentemperaturen anschaut, die vielerorts noch über 10 °C liegen, auch wenn die Nachttemperaturen im tiefen einstelligen Bereich oder nahe dem Gefrierpunkt sind.
Um die Ziele des Zwischenfruchtanbaus vor Kartoffeln zu verfolgen, werden viele Zwischenfruchtbestände zu Kartoffeln verhältnismäßig spät gesät. Infolgedessen sind die Bestände jetzt noch sehr jung. Eine junge Zwischenfrucht enthält noch viel Zucker und leicht umsetzbare Stickstoffverbindungen.
Werden diese Zwischenfrüchte jetzt gemulcht oder in den noch relativ warmen Boden eingearbeitet, mineralisiert der darin enthaltene Stickstoff schnell durch. Bleibt die Witterung mild mit vereinzelten Niederschlägen, wird der gesamte in der Zwischenfrucht gespeicherte Stickstoff umgesetzt. Dieser kann durch Winterniederschläge ausgewaschen werden oder steht dem Kartoffelbestand früh in der Jugendentwicklung als Nitrat zur Verfügung und kann somit den Knollenansatz reduzieren.
Werden die nächsten Tage jedoch kälter und die Bodentemperatur sinkt nachhaltig unter 5°C, kommt die mikrobielle Aktivität im Boden zum Erliegen, somit findet auch
Lagerung – Was in diesem Jahr besonders zu beachten ist!
Die Bedingungen der vergangenen Wachstumsmonate waren nicht gerade positiv für den Lagerhalter. Durch die Feuchtigkeit kam es in allen Regionen zu einem Krautfäule-Befall. Dies kann zu einer Ausbreitung der Braunfäule führen.
Alle Lagerkrankheiten werden durch Beschädigungen während der Ernte und Einlagerung verbreitet. Aus diesem Grund muss besonders auf eine schonende Ernte geachtet werden. Die erste Maßnahme zur Reduktion von Beschädigungen ist eine ausreichend ausgereifte Schale.
Reifen Bestände ungleichmäßig ab, findet man vereinzelt grüne Pflanzen. Genau diese sind die potentiellen Fäulnisherde. Wird mit der Ernte nicht gewartet bis die letzten Knollen schalenfest sind, hat man ein großes Problem. Vor allem dann, wenn bereits Erwinia oder Braunfäuleknollen vorhanden sind.
Die Ausprägung der Schale dauert zwischen 2 und 4 Wochen, unter feuchten Bedingungen mit weniger Temperatur dauert die Ausbildung der Schale länger. Die langsame Ausbildung der
Keimbereitschaft von Speise- und Veredlungskartoffeln
Die Bodentemperaturen im August und Anfang September lagen häufig über denen des Vorjahres. Trotzdem liegt die Temperatursumme in der Vegetation unter den Vorjahren, was zunächst eine ordentliche Keimruhe erwarten lässt. Zeitweise hohe Temperaturen im Damm und Trockenheit lassen die Knollen zügig altern.
Viele Parteien werden mit Maleinsäure behandelt, dabei stellt sich jedoch immer die Frage des Behandlungserfolges. In diesem Jahr waren die Bedingungen sehr gut für eine effektive Aufnahmen der Maleinsäure. Hohe Luftfeuchtigkeit => geöffnete Wachsschicht.
Selbst wenn ausreichend Wirkstoff in die Knollen eingelagert wurde, darf nach dem Einsatz der Maleinsäure nur unwesentlich später begast werden. Das sich die Wirkmechanismen Grundlegend unterscheiden.
Tabelle
Aktuelle Situation, den späten Zuwachs effektiv nutzen
Viele Bestände sind in diesem Jahr witterungsbedingt spät gepflanzt worden. Diese sind meist physiologisch noch sehr jung und müssen den September über noch wachsen. Damit dies möglich ist, müssen diese jedoch bis zur Reife gesund erhalten werden. Neben Phytophthora und Alternaria ist Sklerotinia in den meisten Beständen aktuell zu finden und reduziert häufig den Zuwachs.
Zudem lagern die Bestände mit zunehmend kürzer werdendem Tag weniger ein. In den spät gepflanzten Beständen sind die Unterwassergewichte problematisch. Häufig erreichen die späten Partien die für die Verarbeitung geforderten Qualitäten noch nicht. Daher müssen die Bestände anhand ihres Knollenansatzes und der Vitalität des Blattapparates beurteilt und entsprechend gefördert werden.
Ist der Bestand noch knackig grün und sehr vital, soll aber Ende des Monats (in 4 Wochen) in die Reife gehen, muss die Umverlagerung beschleunigt werden. Damit die Assimilate
Sikkation
In den letzten Jahren haben sich die Qualitätsanforderungen in der Kartoffelproduktion gewandelt. Die Knollen müssen stabiler, lagerfähiger und im Speisebereich optisch makellos sein. Dahingehend muss sich die Produktion umstellen und mit angepasster Bestandsführung zu den gesetzten Zielen kommen.
Warum brauchen wir eine Sikkation ?
Hauptargument aus der Vergangenheit war die Regulation der Größensortierung. Dieser Ansatz darf in Zukunft nicht mehr ausschlaggebend für die Sikkation sein. Wir müssen unseren Bestand führen und unsere Sorten kennen, müssen wissen wie die Sorte reagiert, wie die Sorte ansetzt und wie viel Stickstoff die Sorte produktiv umsetzen kann.
Ein weiterer Grund ist die Reifeförderung und somit das Erreichen einer schalenfesten Ware. Eine stabile Schale ist eine Grundvoraussetzung für die Lagerung oder die Vermarktung als Speisekartoffel. Denn nur eine schalenfeste Knolle lässt sich lagern, ist widerstandsfähig gegen Krankheitserreger und ist vor unnötigem Wasserverlust
Angepasste Produktionstechnik für den natürlichen reifenden Bestand
Wenn die Bestände regelmäßig zum Zeitpunkt der geplanten Sikkation satt grün im Wuchs stehen und noch keine Anzeichen der Reife haben, muss die Produktionstechnik im Kartoffelanbau ohnehin hinterfragt werden.
Was muss sich in der Produktionstechnik ändern?
Engere Pflanzabstände: Die Knollengröße darf zukünftig nicht mehr Grund der Sikkation sein. Dementsprechend muss die Knollendichte erhöht werden. Ein erster Ansatzpunkt dafür ist der Pflanzabstand. Je enger gepflanzt wird, desto mehr Tochterknollen stehen hinterher pro Quadratmeter (leider nicht immer linear).
Angepasste Pflanzgutgröße: Im Vergleich zu kleineren Sortierungen werden mit Fraktionen von 45/55 mm höhere Knollendichten erreicht. Somit sollten schwach ansetzende Sorten eher in einer größer gebrochenen Sortierung gepflanzt werden. Wenn dies betrieblich umsetzbar ist, können durchaus auch Parteien > 55 mm gepflanzt werden. In Bezug auf Knollenansatz und Triebkraft ist dies eine sehr gute Alternative.
Optimales physiologisches Alter/ optimale Nährstoffversorgung: Die
Krautfäuledruck in spät gepflanzten Beständen
Viele spät gepflanzte Bestände legen aktuell noch deutlich an Blattmasse zu und müssen deshalb im engen Abstand weiter geschützt werden. Hier gilt nach wie vor ein Behandlungsabstand von 4 Tagen, wenn zuvor schnelle Wirkstoffe (Cymoxanil) zum Einsatz kamen, und nach langsameren Wirkstoffen (Dimethomorph, Mandipropamid) von 6 bis 7 Tagen.
Nach einem schnellen Wirkstoff oder einer Stoppspritzung darf auch kein Zorvec solo zum Einsatz kommen. Anderenfalls kann trotz der Vorlage Phytophthora nicht verhindert werden.
In der Praxis waren die stärksten Infektionen zu beobachten, wenn Zorvec solo mit einem Abstand von mehr als 3 Tagen nach einem Infinito eingesetzt wurde.
Aber auch bei Beständen, die keinen Blattzuwachs mehr haben, muss aufgrund des anhaltend hohen Drucks bis zum Schluss teilsystemisch + sporenabtötend weiter behandelt werden.
Bestände bis zum Schluss gesund erhalten
Hauptthema des Jahres war und ist nach wie vor die Krautfäule. Auf gestoppten Phytophthora-Infektionen setzt sich als Folgeinfektion häufig Alternaria. Daher kommt der Alternaria-Prävention nach einer gestoppten Phytophthora-Infektion höchste Bedeutung zu. Daneben begrenzen diverse andere Krankheiten die Entwicklungszeit in späten Beständen. Bedingt durch die andauernde hohe Feuchtigkeit in den Beständen ist in diesem Jahr häufig Botrytis zu finden.
Botrytis
In dichten Beständen sind in den unteren Blattetagen häufiger Botrytis-Infektionen zu entdecken. Alternde, verletzte oder bereits abgestorbene Blätter werden dabei bevorzugt befallen. Durch den Lichtmangel im unteren Bereich reduziert sich der Chlorophyllgehalt der Blätter und dadurch werden diese anfälliger für eine Infektion. Auch nach einem Hagelschlag oder nach einem Sturm kommt es regelmäßig zu einem Befall.
Sporen der Botrytis überwintern auf Ernterückständen, oder bilden Sklerotien, welche unter feuchten Bedingungen auskeimen
Hohe Ansätze durch einen vitalen Blattapparat absichern
Überregional sind in den Beständen hohe bis sehr hohe Ansätze zu finden.
Bei der aktuellen Betrachtung von Kartoffelbeständen muss das Verhältnis von Knollenansatz zu Blattapparat und somit das Wachstumspotential des Bestandes abgeschätzt werden.
Sind im Verhältnis zum Blattapparat viele Knollen angelegt und neigt die Sorte eher zu einer vorzeitigen Abreife bevor das Ertragspotential ausgeschöpft ist, müssen alle Maßnahmen ergriffen werden, um den Bestand möglichst lange am wachsen zu halten.
Mit einer Nachdüngung auch späte Bestände schneller machen
Durch die Nachdüngung der Nährstoffe über den Boden wird die Wurzel dazu angeregt, neue Verzweigungen zu bilden. In den frisch gebildeten Wurzelspitzen entstehen Cytokinine, die von der Wurzel aus ins Blatt transportiert werden. Dort bewirken sie neuen Blattzuwachs....
Nährstoffanalyse als Hilfsmittel zur Kontrolle
Mit einer Blattnährstoffanalyse ab dem Stadium des Reihenschluss kann die Düngestrategie überprüft und hinterfragt werden.
In den meisten Fällen war die Stickstoffkonzentration in der Blattmasse ausreichend. Die Höhe der Stickstoffkonzentration in der Blattmasse muss immer im Verhältnis zur Kaliumversorgung gesehen werden. Dabei sollte Kalium 20 % über der Stickstoffkonzentration liegen.
Um ein Feedback des Ernährungszustand des Kartoffelbestandes zu bekommen, bietet sich auch zur fortgeschrittenen Entwicklung eine Blattnährstoffanalyse an. Daraus lässt sich ablesen, wie der eingesetzte Dünger in der Staude angekommen ist bzw. welche Punkte für das kommende Jahr verändert werden müssen.
Außerdem kann aktuell in wüchsigen Beständen durch Blattdüngungsmaßnahmen noch Einfluss genommen werden.
Warum werden viele Beständen aktuell hell?
Aktuell fallen viele Bestände auf, die in den oberen Blattetagen hell werden. Dies ist aber kein Stickstoffmangel,
Einsatz von Maleinsäuren
Auch die Maleinsäure hat wie die cymoxanilhaltigen Fungizide einen negativen log-Pow-Wert, heißt die Wasserlöslichkeit ist deutlich höher als die Fettlöslichkeit. Dadurch, dass sich diese Wirkstoffe nicht in Fett lösen, dringen diese auch nicht in eine intakte Wachsschicht ein.
Erst mit nachfolgend hoher Luftfeuchtigkeit kann die Wachsschicht aufquellen und somit können diese nicht fettlöslichen Wirkstoffe aufgenommen werden. Somit haben Applikationen auf eine starke Wachsschicht keine Wirkungsgrade, da der Wirkstoff auf der Wachsschicht bleibt und durch einen nachfolgenden Niederschlag abgewaschen werden kann.
Vor diesem Hintergrund sind die Anwendungsbedingungen der Hersteller nachvollziehbar: keine Anwendung über 25 °C, keine Bewässerung innerhalb der nächsten 12-24 h.
Die eingeschränkte Zellteilung durch die Maleinsäure hat nicht nur einen möglichen Minderertrag zur Folge. Durch die eingeschränkte Zellzahl können die angelegten Zellen auch soweit gestreckt werden, dass diese
Sikkation
Sikkation abhängig vom Stärkegehalt
Aufgrund der bedeckten Witterung ist der Stärkegehalt aktuell häufig gering. Allerdings variiert er abhängig von der Bestandsentwicklung und dem Nachlieferungsvermögen stark. Deshalb sollte eine Stärkemessung unbedingt vor der geplanten Sikkation durchgeführt werden.
Wurde mit der Stickstoffversorgung über das Ziel hinausgeschossen, sind die Bestände deshalb noch zu stark im Wuchs oder sind die Ansätze deshalb zu knapp, kann die Umverlagerung und somit die Stärkeeinlagerung beschleunigt werden. Damit die Assimilate aus dem Blattapparat in die Knollen verlagert werden, müssen in der Pflanze Auxine gefördert werden. Die Bildung von Auxinen im Blattapparat wird durch die Nährstoffe Bor und Zink gefördert.
Maßnahme zur Förderung der Stärkeeinlagerung
5 l/ha Bor + 0,5 l/ha Zinkchelat
Eine weitere Möglichkeit, die Umverlagerung der Stauden zu fördern, ist der Einsatz
Aktuelle Situation – Überregionale Ausbreitung der Krautfäule
Deutlich verspätet sind nun die meisten Kartoffeln in Deutschland im Boden. Auch die Krautfäule hat mittlerweile alle Regionen erreicht, in den meisten Fällen ausgehend von einer Primärinfektion aus dem Pflanzgut. Mittlerweile hat aber auch der Anteil der Sekundärinfektionen durch sporulierende Bestände zugenommen. In einigen Regionen haben selbst Ausfallkartoffeln im Mais oder in der Zuckerrübe sporulierende Infektionen.
Der Spritzstart in spät gepflanzten Beständen muss in Abhängigkeit der lokalen Infektionsbedingungen gesetzt werden (siehe Info 05/24). Bei hohem Infektionsdruck in der Region im Zweifel auch schon in Beständen, welche sich in der Reihe noch nicht berühren. (10-15 cm Wuchshöhe).
Sitzt der Spritzstart, stellt der Abstand zu den Anschlussbehandlungen die kritische Phase dar. Im wachsenden Bestand wird in 4 Tagen ein neues Fiederblatt gebildet.
2024 – Ideales Kartoffelwetter?
Das Wetter der letzten Wochen mit häufigen Niederschlägen führte zu einer oftmals rasanten Entwicklung der Bestände, sodass wie beschrieben die Krautfäule-Bekämpfung in diesem Jahr oberste Priorität hat. Die strahlungsarme Witterung führt zudem zu einem hohen Ansatz in allen Partien. Allerdings führt die geringe Einstrahlung auch zu einer reduzierten Zellteilung, sowohl im Blattapparat als auch in den angelegten Knollen. In der Blattmasse führt diese reduzierte Zellteilung zu weniger, dafür sehr lang gestreckten Zellen, diese wiederum sind durch ihre dünne Zellwand anfälliger für beispielsweise Phytophthora-Sporen.
Zellen können sich nur bis zu einem gewissen Maß strecken. Somit führt eine geringe Anzahl an Zellen in den Knollen häufig zu Wachstumsrissen. Dies fällt aktuell bei einigen Partien Frühkartoffeln auf.
Um in der Pflanze die Zellteilung anzuregen, müssen Cytokinine gefördert werden.
Bekämpfung der drei wichtigsten Unkräuter in Kartoffel
1. Windenknöterich
Im NA reagiert der Windenknöterich auf Metribuzin dann empfindlich, wenn Additive zugemischt werden, beispielsweise die Kombination im Arcade. Hier unterstützt das Prosulfocarb die Aufnahme des Metribuzin. Nur ist in vielen Fällen die Menge an Prosulfocarb hoch, dadurch leidet die Verträglichkeit. Im Idealfall wird die Metribuzinmenge im Arcade durch Sencor ergänzt. 0,5 – 1 l/ha Arcade + 0,2 kg/ha Sencor
Eine NA-Behandlung mit Proman wäre auch sehr effektiv und verträglich, dafür besteht aber keine Zulassung.
Schwarzer Nachtschatten
Bei Restbesatz im NA zeigt nur die Kombination hoher Sencor-Mengen (z.B. 0,5 kg/ha) + Additiv ausreichende Wirkung.
Herbizid – Nachauflaufbehandlung
Auf Böden mit eingeschränkter Bodenherbizidwirkung (humose oder tonige Standorte) und bei einer unzureichenden VA-Wirkung durch zu trockene Bedingungen müssen NA-Behandlungen in Betracht gezogen werden. Genereller Nachteil der NA-Anwendung ist der Wirkungsschwerpunkt der zur Verfügung stehenden Produkte. Rimsulfuron eignet sich für Unkräuter, die im 2. Laubblattstadium sind. Metribuzin erfasst vor allem Unkräuter im Keimblattstadium. Bei größeren Unkräutern müssen die Aufwandmengen erhöht werden, dies geht allerdings unweigerlich zu Lasten der Verträglichkeit.
Bei der reinen NA-Splitting-Strategie gilt Folgendes:
Die 1. Spritzung muss Cato enthalten, wenn Windenknöterich und Klettenlabkraut vorhanden sind.
Die Spritzungen mit Cato erfolgen am besten bei sonnigem und warmen (nachts > 10 °C) Wetter.
Übersicht Fungizide 2024
Tabelle
Kartoffelkäfer-Bekämpfung
Trotz einer teilweise guten Frosteinwirkung im vergangenen Winter sind häufig noch Ausfallkartoffeln zu finden. Diese stellen eine Nahrungsgrundlage für die Kartoffelkäfer dar.
Neben den Pyrethroiden mit überwiegender Kontaktwirkung auf Kartoffelkäfer bleiben aus der Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide nur noch der Wirkstoff Acetamiprid im Mospilan oder Danjiri zur systemischen Bekämpfung von Kartoffelkäfern. Gleichzeitig werden mit der höheren Aufwandmenge von 250 g/ha auch Blattläuse miterfasst. Acetamiprid hat eine gute Dauerwirkung, aber einen schwachen Knock-Down-Effekt. Daher sollte es nur zum Einsatz kommen, wenn Eigelege oder erste geschlüpfte Larven im L1 und L2 Stadium zu sehen sind. Sind bereits größere Käfer im Bestand (L3 und L4 Stadium), reicht die Wirkung oft nicht mehr aus.
Aktuelle Situation – Niederschläge begünstigen Primärinfektion aus dem Pflanzgut
Durch die flächendeckenden Niederschläge der letzten Woche steigt das Risiko für das Erstauftreten von Phytophthora aus der Mutterknolle. Je bindiger der Boden ist, und je länger der Boden mit Wasser übersättigt war, desto höher ist das Risiko einer Primärinfektion. Durch die dann entlassenen Zoosporen, kann der Bestand flächig infiziert werden. Dies geschieht weitgehend unabhängig von Temperatur und Blattnässe. Daher müssen Flächen, auf denen Wasser stand schon kurz nach Feldaufgang (10 cm Wuchshöhe) behandelt werden. Bei einer Primärinfektion aus dem Pflanzgut wächst der Pilz systemisch im Stängel von der Mutterknolle nach oben. Daher ist es wichtig, die Wirkstoffe an den Stängelgrund zu bringen. Die systemischen Wirkstoffe Propamocarb und Cymoxanil verteilen sich sehr zügig nach oben, daher kann es schnell zu einer Verarmung an Wirkstoff am Stängelgrund kommen.
Schwierige Struktur fördert Erwinia
In diesem Jahr gepflanzte Frühkartoffeln sind nicht immer unter idealen Strukturverhältnissen in den Boden gekommen. Dies führte oft zu einer verdichteten Schicht durch das Pflanzschar und somit unter dem Knollennest. In Kombination mit den intensiven Niederschlägen der vergangenen Tage kann es in diesem Bereich längere Zeit zu Übernässe kommen. Vor allem anfällige Sorten, wie beispielsweise Annabelle, bekommen unter diesen Bedingungen Probleme mit Erwinia. Selbst eine anfällige Sorte kann sich davor mit einer stabilen Schale schützen.
Neben Calcium und Bor, welches in der Regel über Excello gedüngt wurde, spielt dabei Kupfer eine wesentliche Rolle bei der Ausbildung einer stabilen Schale. Zur Schalenstabilität kann mit Kupferchelat in anfälligen Sorten gearbeitet werden
→ 1 l/ha Kupferchelat in Annabelle
