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Getreide – Verzwergungsvirosen – Risiko nicht außer Acht lassen

Sep. 27, 2023 | Blattläuse, Getreidekrankheiten, Getreideschädlinge, Grünes Info 2023, Herbst, Insektizide, Virosen, Wintergetreide

Im Ausfallgetreide und in Zwischenfrüchten mit Rauhafereinsaat bzw. Getreidedurchwuchs sind die ersten Anzeichen für Verzwergungsvirosen zu finden: Einzelpflanzen, die von der Spitze her zu vergilben beginnen oder sich rot verfärben, später gestaucht wirken und übermäßig stark bestocken. Die Blätter fühlen sich zwischen den Fingern wie ein Gummibaumblatt (= turgeszent) an. Infolge des Virusbefalls sind der Wassertransport und die Wasserabgabe gestört. Dadurch staut sich das Wasser in den Blättern.

Verzwergungsvirosen werden durch Insekten als Vektoren übertragen: das Gersten-Gelbverzwergungs-Virus (BYDV) vorwiegend durch die Haferblattlaus und die Große Getreideblattlaus, das Weizen-Verzwergungs-Virus (WDV) durch die Zwergzikade (Psammotettix alienus). An Art und Weise des Auftretens der Symptome im Feld lässt sich unterscheiden, welcher Überträger in Betracht kommt:

Das Blattlaus-Virus (Gerstenverzwergungsvirus) beginnt an Einzelpflanzen, die sich später zu Befallsnestern wie (kreis-) runde Elefantentritte ausweiten. Bei starkem Befall sieht das Feld aus, als wäre eine Elefantenherde („Elefantentritt“) durchgelaufen.

Beim Zikaden-Virus (Weizenverzwergungsvirus) beginnt der Befall oft ausgehend von der Fahrgasse, befallene Pflanzen stehen entlang einer Drillreihe und wechseln dann in eine andere Reihe („Rösselsprung“). Dichte Bestände werden weniger stark befallen als locker stehende Pflanzen.

Der Befall mit Verzwergungsvirosen bleibt nicht allein auf Gerste und Weizen beschränkt. Auch RoggenTriticale oder auch Grassamen-Vermehrungen werden damit befallen und geschädigt. Als Zwischenwirte gelten auch andere Gräser wie Quecken, Rispenarten, Trespen oder Weidelgras und andere.

Aktuelle Situation

Aktuell halten sich die Symptome im Ausfallgetreide noch in Grenzen. Bis Ende September dürfte sich das ändern. Ob sich später der Befall mit Verzwergungsvirosen in den Wintergetreidebeständen zu einer Kalamität aufschaukeln wird, hängt zum einen von der Zahl der Vektoren ab, zum anderen davon, wie stark die Beladung der Vektoren mit Virosen sein wird: Kontrolliert man das Ausfallgetreide, sind dort regional unterschiedlich von fast keine Blattlaus bis Blattläuse an jeder 5. Pflanze zu finden. Auch der Mais ist aktuell unterschiedlich stark mit Blattläusen befallen. Aufgrund der Feuchtigkeit ist aber mit einer hohen spätsommerlichen Vermehrung zu rechnen.

Wie viele Blattläuse das BYDV in sich tragen, lässt sich nur schwer abschätzen. Aufgrund der eher geringen Virusbelastung im Frühjahr dürfte aktuell die Virusbeladung der Blattläuse im Bereich des Grundrauschens, also unter 2 % liegen. Um einen Virus-Befall von 10 % im Getreide hervorzurufen, ist demnach bis zum 4-Blattstadium bei 200 Keimpflanzen je m² ein Besatz von 1000 Blattläusen je m² erforderlich.

Anders verhält es sich, wenn Blattläuse im Frühherbst im Ausfallgetreide oder in mit Getreide durchsetzter Zwischenfrucht sich mit dem Virus aufladen können. Insbesondere bei erkennbarem Befall im Ausfallgetreide oder in der Zwischenfrucht, wenn spätsommerliche Temperaturen im September und ein „Goldenen Oktober“ herrschen: Nicht mit Virus beladene Blattläuse suchen nach Untersuchungen von Prof. Carmen Büttner (Humboldt-Universität Berlin) bevorzugt mit Virus belastete Pflanzen auf, während virus-beladene Blattläuse gesunde Pflanzen lieber mögen. Das erklärt, warum die Virus-Beladung der Blattläuse in einem milden Herbst exponentiell zunimmt. Wenn 50 % der Blattläuse mit dem Virus belastet sind, reichen bereits 20 Blattläuse pro m², um eine gravierenden Virusbefall hervorzurufen.

Die Regenphase im Sommer hat die Zikaden-Population anscheinend dezimiert. Aktuell springen beim Gang über den Acker nur wenige Zikaden vor den Füßen weg. Vermehrtes Auftreten der Zikaden ist trotzdem in der Nähe von Wiesen, Streuobstanlagen, Windschutzstreifen oder Einzäunungen von Hallen oder Windrädern festzustellen. In Proben aus Süd-Brandenburg, entlang der Saale und aus dem Maintal (Unterfranken) und Itzgrund (Oberfranken) wurde das Weizenverzwergungsvirus nachgewiesen.

Wie vorgehen?

  1. Kontrolle des benachbarten Ausfallgetreides, von Zwischenfrüchten mit Getreidedurchwuchs, Grasland und Böschungen auf Pflanzen mit Blattlaus- und Virusbefall.
  2. Kontrolle benachbarter Maisbestände auf Blattlausbefall, verstärkter Zuflug ist zu erwarten, wenn der Mais gehäckselt oder gedroschen wird.
  3. Regelmäßige Kontrolle des aufgelaufenen Getreides auf Befall mit Blattläusen. Blattläuse lassen sich am einfachsten erkennen, wenn man durch die Blätter gegen die Sonne schaut. Dann heben sich die Blattläuse als dunkle Punkte ab.
  4. Bekämpfung der Blattläuse mit Pyrethroiden (4 Tage Wirkungsdauer), wenn im September mehr als jede 10. Pflanze mit Blattläusen besiedelt ist, ab Anfang Oktober jede 20. Pflanze. Bei anhaltendem Zuflug kann ab dem 4-Blattstadium das systemisch wirkende Flonicamid (Teppeki) mit längerer Wirkungsdauer gespritzt werden.
  5. Auf Zikaden muss verstärkt innerhalb der ersten 200 m entlang einer Infektionsquelle geachtet werden. Weiter weg wird das Befallsrisiko geringer. Zur Bekämpfung von Zikaden ist kein Insektizid zugelassen. Auch mit der Blattlausspritzung werden Zikaden nur unzureichend erfasst.

Was kann man sonst noch machen?

  • Ausfallgetreide frühzeitig bekämpfen
  • Keine Gräser, vor allem kein Hafer in Zwischenfrüchten
  • Gewannbildung, um viele Nachbarn zu vermeiden
  • Später säen, aber mit dem wärmeren Herbst treten auch Blattläuse und Zikaden später auf
  • Lückige Bestände vermeiden
  • Inzwischen gibt es gegen Verzwergungsvirus resistente Wintergerstensorten, die ohne Befall ein durchschnittliches Ertragsniveau erreichen, z.B. SU Virtuosa, KWS Exquis, Integral, Sensation.

Gerstenmosaikvirus (BYMV)

Gelbe Flecken im Schlag, die vielleicht Zimmergröße haben und in Bearbeitungsrichtung verlaufen, sind Hinweise auf einen Befall des Gelbmosaik-Virus. Der Verdacht auf Nässe- oder Strukturschäden und N-Schäden liegt zunächst nahe, zumal die Symptome dadurch verstärkt werden. Die Pflanzen in diesen Flecken bleiben aber auch später kleiner, mit kurzen Blättern und zeigen eine Notbestockung, wie sie auch beim Gelbverzwergungsvirus beobachtet wird.

Im Gegensatz zum Gelbverzwergungsvirus, bei dem untere Blätter, die nicht von Blattläusen angestochen wurden, grün bleiben können, beginnt die Vergilbung immer an den älteren Blättern. Hält man die aufhellenden Blätter gegen das Licht, so sind in den Blattadern helle Strichel zu erkennen. Die hellen Strichel werden auf absterbenden Blättern zu schwarzbraunen kleinen Flecken.

Die in Deutschland zugelassenen Wintergerstensorten sind mit Ausnahme der zweizeiligen Newton resistent gegen den BYMV-Typ 1. Nässe und Kälte haben das Auftreten des Gerstenmosaikvirus (BYMV-Typ 2) in der Wintergerste verstärkt.

Die Mosaik-Viren gelangen durch den Pilz Polymyxa graminis in die Wurzel. Dieser wird ausgehend von einem Befallsherd, z.B. am Schlepperrad anhaftende Erde, durch Bodenbearbeitung im Schlag verteilt. Die Fernübertragung erfolgt durch Staubpartikel mit dem Pilz.

Auf einer Reihe von Standorten trat auch der BYMV-Typ 2 bereits latent auf, ohne dass die gelben Flecken augenscheinlich wurden. Die Gerste ist in der Lage bei schnell ansteigenden Temperaturen den Virus „abzuschütteln“. Erst das nass-kalte Frühjahr ließ erkennen, dass Typ 2 doch stärker verbreitet ist. Auf Standorten, auf denen die Gerste sich in diesem Frühjahr schwer tat wieder durchzugrünen, sollten gegen beide Typen resistente Wintergerstensorten bevorzugt werden.

Gegen beide Virus-Typen ist eine Reihe von Sorten resistent, z.B. Avantasia, Julia, KWS Memphis, SU Ellen, SU Hetti, SU Midnight oder die zweizeiligen Sorten Aretha, Caribic oder Valerie.

Um einem häufigen Irrtum zu begegnen: Gegen das gelbmosaikvirusresistente Sorten werden genauso vom Gelbverzwergungsvirus, welches durch Blattläuse übertragen wird, befallen, wie nicht BaYMV-resistente Sorten. Gegen die Übertragung des Gelbverzwergungsvirus helfen nur resistente Sorten (z.B. Paradies, Sensation, KWS Exquis, Integral, LG Caiman), eine Beizung (aktuell nicht zulässig) oder die Spritzung mit Insektiziden gegen die Vektoren.

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.