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Getreide – Herbizide zur Herbstanwendung (Anwendungsbeispiele und Tabellen 2023)

Sep. 19, 2023 | Ackerfuchsschwanz, Gräserherbizide, Grünes Info 2023, Herbizide, Herbst, Weidelgras, Windhalm, Wintergetreide

Flufenacet (z.B. im Cadou, Fence, Sunfire, Vulkanus bzw. zusammen mit DFF im Herold, Battle Delta, Carpatus u.a.)

  • Zellteilungshemmer (Gruppe der Oxyacetamide) mit sehr geringem Resistenzrisiko
  • Wirkung ab Keimung, ab 2-Blattstadium der Ungräser nimmt die Wirkung ab
  • kein Filmbildner, Walzen nach der Spritzung möglich, Wirkungsverstärkung
  • sehr hoher Bodenfeuchtebedarf
  • Wirkungsminderung auf tonigen Böden mit geringer Ca-Sättigung (niedriger pH-Wert)
  • Prosulfocarb (Boxer) oder Pendimethalin (+ FFA im Malibu) verstärken die Wirkung
  • Mischung Herold + Boxer in bereits aufgelaufenen Beständen spätestens 10 Tage vor Frost (höhere Frostempfindlichkeit) spritzen, nicht in Wintergerste
  • Vorlage mit FFA im VA /NA (EC 10/11, AFU im 2- bis 3-Blattstadium) verstärkt die Wirkung der später gespritzten ACCase- und ALS-Hemmer
  • Kombination mit Pinoxaden/Clodinafop (Nikolausspritzung)

Pendimethalin (Stomp Aqua, Activus, mit FFA im Malibu)

  • Hemmung der Mikrotubuli-Organisation Zellteilung wird gestört
  • kein Resistenzrisiko (HRAC K1, WSSA 3)
  • hoher Bodenfeuchtebedarf, typisches „Schlechtwetterherbizid“, ideal bei Nebel
  • Bodenwirkung erfordert guten Bodenschluss, Aufnahme vorwiegend über (Keim-) Wurzel und Keimling, weniger über das Hypokotyl
  • bei sehr frühem Einsatz gute Saatgutabdeckung (Keimlingsschutz), deshalb auch Vorsicht mit dem Einwalzen oder Einstriegeln von Pendimethalin nach der Anwendung
  • schwache Wirkung gegen Ungräser
  • additive Wirkung mit (Chlor- und) Oxyacetamiden wie Flufenacet
  • verzögert Abbau von ALS-Hemmern im Ackerfuchsschwanz (z. B. Kombination Traxos + Stomp)
  • Blattwirkung gegen Dikotyle durch Störung der Energieübertragung bei der Photosynthese (ähnlich wie z. B.PPGO- Hemmer), setzt sonnige Witterung (6-8 Stunden Sonne) voraus
  • Einsatz bis Vegetationsende möglich
  • Abstandsauflagen beachten

Prosulfocarb (Boxer, Filon, mit DFF im Jura, mit DFF + Halauxifen im Compola )

  • Hemmung des Aufbaus langkettiger Fettsäuren (Wachsschicht), HRAC K3 (früher N), WSSA 15
  • Prosulfocarb hat kein Resistenzrisiko!
  • Erhöhung der Transpirationsrate, damit werden andere Wirkstoffe besser aufgenommen.
  • Prosulfocarb bis spätestens 2-Blattstadium spritzen, sonst steigt das Schadrisiko
  • In kontinental geprägten Lagen sollte im Oktober Prosulfocarb nur bis zum Auflaufen gespritzt werden, in maritimen Regionen ist die Spritzung im Oktober auch bis zum 2-Blattstadium möglich.
  • spätester Einsatz im Herbst: 3 Wochen vor Vegetationsschluss
  • Prosulfocarb in der Wintergerste aus Verträglichkeitsgründen nur im VA spritzen

Aclonifen (Mateno Duo) und Beflubutamid (Beflex)

  • Hemmung der Carotinoid-Synthese (Chlorotika Ausbleichen), HRAC F3/1 WSSA 13
  • schnelle Wirkung bei nachfolgend sonniger Witterung
  • Wirkung über Bodenfilm feinkrümeliger, ebener, abgesetzter, feuchter Boden
  • Walzen vor der Anwendung, nach der Spritzung wird Bodenfilm zerstört
  • Blattwirkung (früher NA) Windhalm, Trespe, Aclonifen auch gegen AFU
  • Wirkung am besten, wenn die Spritzung erfolgt, bevor die Chlorophyllbildung voll einsetzt
  • keine Spritzung vor und während einer Frostperiode, spätestens 2 Wochen vor Vegetationsende spritzen

Diflufenikan (DFF im Diflanil, sonst in Kombination mit Gräserherbiziden) oder

Picolinafen (PCL im Picona, Quirinus, Pontos)

  • Hemmung der Carotinoidsynthese
  • optimale Bodenfilmwirkung durch feinkrümelige, ebene, gut rückverfestigte Bodenoberfläche
  • geringes Schadrisiko durch Chlorotika (DFF, PCL) im Auflaufen des Getreides
  • Wirkung gegen dikotyle Unkräuter
  • bei weiter entwickeltem Getreide (ab 3- bis 4-Blattstadium, gilt auch für BFA und ACF):
  • herabgesetzte Winterhärte
  • höhere Anfälligkeit für M. nivale und Typhula
  • erhöhte Sensibilität für gräserwirksame Sulfonylharnstoffe
  • deshalb Aufwandmenge auf 60 g/ha bis maximal 80 g/ha DFF beschränken
  • Im NA ist gute Benetzung der Unkrautblätter erforderlich, deshalb feintropfig spritzen.
  • keine Spritzung unmittelbar vor (d.h. 1-2 Tage) und während einer Nachtfrostperiode

Chlortoluron (CTU im Lentipur, Toluron bzw. Carmina, Chromet, Trinity)

  • Harnstoffderivat, Hemmung der Photosynthese II (HRAC C2 / WSSA 5)
  • Wirkung erfordert Bodenfeuchte , Aufnahme über das Hypokotyl
  • Walzen vor oder nach der Saat, Wirkung gegen Windhalm, Rispenarten
  • unterstützt FFA-Wirkung gegen AFU, Gut wasserlöslich, deshalb Verlagerungsrisiko (Hang- und Dränauflagen)
  • Stärkere AFU-Wirkung durch Spritzfolge FFA (+ DFF, VA/NAK) und CTU (EC 12/13)
  • Wirkung lässt nach mehrmaliger Anwendung nach, Sortenanfälligkeit beachten (CTU-Liste)
  • Erhöhte Mehltauanfälligkeit des Getreides

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.