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Gerste – Ramularia (Ramularia collo-cygni) – Hohes Befallsrisiko

Apr. 20, 2023 | Fungizide, Getreidekrankheiten, Grünes Info 2023, Wetter und Entwicklung, Wintergerste

Der Primärbefall mit Ramularia fand bereits im Herbst statt. Der Pilz wächst nach der Infektion aus dem Saatgut oder ausgehend von Ernterückständen aus dem Herbst, zunächst im Leitbahnsystem von Einzelpflanzen. Ab der 3. Aprildekade – durch Regen und nachfolgende hohe Strahlung angeregt –, schüttet der Pilz Sporen aus, die die umgebenden Blätter und Pflanzen infizieren.

Nach erfolgter Infektion entwickelt sich der Pilz erst symptomlos weiter. Temperaturen über 25 °C und hohe Strahlung nach einer weiteren Schlechtwetterphase, meist nach den Eisheiligen, veranlassen den Pilz, Rubelline zu produzieren. Das sind Phototoxine, die zur Zerstörung von Zellen führen. Die Pflanze versucht sich dagegen durch verstärkte Ethylenproduktion zu wehren, mit der Folge, dass das Blattgewebe innerhalb kürzester Zeit zerstört wird.

Die Bekämpfung muss erfolgen, wenn das vorletzte Blatt der Wintergerste (F-1) geschoben wurde, bevor sich das massenhaft gebildete Sporenmaterial darauf festsetzen kann (meist zu Beginn der 3. Aprildekade). Eine 2. Behandlung ist erforderlich, wenn die Eisheiligen mit Regen beendet werden und danach hohe Strahlung mit Temperaturen um 25 °C herrschen.

Ramularia trat zuletzt 2017 in der Gerste in ganz Deutschland in einem Ausmaß auf, das eine darauf abgestellte Fungizidstrategie erforderte. Die Ausbreitung des Pilzes wird begünstigt durch den aktuellen Witterungsverlauf mit dem Wechsel zwischen strahlungsarmer, kalter Witterung und kurzfristig intensiver Strahlung.

Ramularia hat eine Vielzahl an Wirtspflanzen: alle Getreidearten, außer Hafer, aber auch Mais, Ungräser wie Hühnerhirse, Trespen und Quecke. Angrenzend an Maisschlägen trat 2017 Ramularia verstärkt auf.

Der Erstbefall im Schlag geht von belastetem Saatgut, befallenen Ernterückständen oder benachbarten Wirtspflanzen aus.

Ramularia-Symptome

Blattflecken, die durch die Blattadern begrenzt werden und auf denen später ein weißer Pilzflaum zu erkennen ist, sind typisch für Ramularia. Innerhalb weniger Tage nekrotisieren die befallenen Blätter.

Aktuell steigt das Ramularia-Risiko

Das aktuell nass-kalte Wetter mit zwischenzeitlich sonnigen Abschnitten begünstigt die Ausbreitung von Ramularia. Eine Fungizidspritzung sollte gegen Ende der Schlechtwetter- bzw. zu Beginn der Schönwetterphase erfolgen. Spiroxamine in höheren Mengen gilt es zu vermeiden, um das Gewebe nicht anzugreifen. Auch Spritzungen mit aggressiv formulierten Wachstumsreglern sollten möglichst nicht am Morgen unmittelbar nach dem Tau erfolgen, sondern besser erst in den Nachmittagsstunden.

Bekämpfung von Ramularia

In Deutschland wurde zur Bekämpfung von Ramularia Folpan und Amistar Max mit dem Wirkstoff Folpet zugelassen. Folpan sollte immer zusammen mit einem anderen Mittel eingesetzt werden, dass entweder Prothioconazol oder Mefentrifluconazol enthält. Die Wirkung der Pyrazol-Carboxamide (Bixafen, Benzovindiflupyr = Solatenol, Fluxapyroxad) fällt aufgrund der Resistenzentwicklung bereits ab.

Mit höheren Aufwandmengen an Prothioconazol konnte Ramularia in den Vorjahren noch aufgehalten werden, wenn die Behandlung innerhalb von 3 bis 4 Tagen nach der Infektion erfolgte. Das Mefentrifluconazol (= Revysol im Revystar, Revytrex, Balaya) wirkt aufgrund der Formulierung kurativ etwas stärker. Die Wirkung hält zudem länger an. In unseren Versuchen hatte die Kombination von 50 % Mefentrifluconazol + 50 % Prothioconazol (Revytrex/Balaya + Ascra Xpro) eine stärkere Wirkung als die Einzelmittel (100 % Aufwand). Andere Azole haben keine Wirkung gegen Ramularia.

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.