Der Primärbefall mit Ramularia fand bereits im Herbst statt. Der Pilz wächst nach der Infektion aus dem Saatgut oder ausgehend von Ernterückständen aus dem Herbst, zunächst im Leitbahnsystem von Einzelpflanzen. Ab der 3. Aprildekade – durch Regen und nachfolgende hohe Strahlung angeregt –, schüttet der Pilz Sporen aus, die die umgebenden Blätter und Pflanzen infizieren.
Nach erfolgter Infektion entwickelt sich der Pilz erst symptomlos weiter. Temperaturen über 25 °C und hohe Strahlung nach einer weiteren Schlechtwetterphase, meist nach den Eisheiligen, veranlassen den Pilz, Rubelline zu produzieren. Das sind Phototoxine, die zur Zerstörung von Zellen führen. Die Pflanze versucht sich dagegen durch verstärkte Ethylenproduktion zu wehren, mit der Folge, dass das Blattgewebe innerhalb kürzester Zeit zerstört wird.
Die Bekämpfung muss erfolgen, wenn das vorletzte Blatt der Wintergerste (F-1) geschoben wurde, bevor sich das massenhaft gebildete Sporenmaterial darauf festsetzen kann (meist zu Beginn der 3. Aprildekade). Eine 2. Behandlung ist erforderlich, wenn die Eisheiligen mit Regen beendet werden und danach hohe Strahlung mit Temperaturen um 25 °C herrschen.
Ramularia trat zuletzt 2017 in der Gerste in ganz Deutschland in einem Ausmaß auf, das eine darauf abgestellte Fungizidstrategie erforderte. Die Ausbreitung des Pilzes wird begünstigt durch den aktuellen Witterungsverlauf mit dem Wechsel zwischen strahlungsarmer, kalter Witterung und kurzfristig intensiver Strahlung.
Ramularia hat eine Vielzahl an Wirtspflanzen: alle Getreidearten, außer Hafer, aber auch Mais, Ungräser wie Hühnerhirse, Trespen und Quecke. Angrenzend an Maisschlägen trat 2017 Ramularia verstärkt auf.
Der Erstbefall im Schlag geht von belastetem Saatgut, befallenen Ernterückständen oder benachbarten Wirtspflanzen aus.
Ramularia-Symptome
Blattflecken, die durch die Blattadern begrenzt werden und auf denen später ein weißer Pilzflaum zu erkennen ist, sind typisch für Ramularia. Innerhalb weniger Tage nekrotisieren die befallenen Blätter.
Aktuell steigt das Ramularia-Risiko
Das aktuell nass-kalte Wetter mit zwischenzeitlich sonnigen Abschnitten begünstigt die Ausbreitung von Ramularia. Eine Fungizidspritzung sollte gegen Ende der Schlechtwetter- bzw. zu Beginn der Schönwetterphase erfolgen. Spiroxamine in höheren Mengen gilt es zu vermeiden, um das Gewebe nicht anzugreifen. Auch Spritzungen mit aggressiv formulierten Wachstumsreglern sollten möglichst nicht am Morgen unmittelbar nach dem Tau erfolgen, sondern besser erst in den Nachmittagsstunden.
Bekämpfung von Ramularia
In Deutschland wurde zur Bekämpfung von Ramularia Folpan und Amistar Max mit dem Wirkstoff Folpet zugelassen. Folpan sollte immer zusammen mit einem anderen Mittel eingesetzt werden, dass entweder Prothioconazol oder Mefentrifluconazol enthält. Die Wirkung der Pyrazol-Carboxamide (Bixafen, Benzovindiflupyr = Solatenol, Fluxapyroxad) fällt aufgrund der Resistenzentwicklung bereits ab.
Mit höheren Aufwandmengen an Prothioconazol konnte Ramularia in den Vorjahren noch aufgehalten werden, wenn die Behandlung innerhalb von 3 bis 4 Tagen nach der Infektion erfolgte. Das Mefentrifluconazol (= Revysol im Revystar, Revytrex, Balaya) wirkt aufgrund der Formulierung kurativ etwas stärker. Die Wirkung hält zudem länger an. In unseren Versuchen hatte die Kombination von 50 % Mefentrifluconazol + 50 % Prothioconazol (Revytrex/Balaya + Ascra Xpro) eine stärkere Wirkung als die Einzelmittel (100 % Aufwand). Andere Azole haben keine Wirkung gegen Ramularia.







