Früh, d.h. vor dem 20.09. aufgelaufene Getreidebestände, haben bereits zu schossen begonnen. Ursache ist der Langtag, der noch im Herbst auf die Pflanzen eingewirkt hat. Im Westen schossen zudem Kurztagstypen (z.B. Obiwan und Chevignon) die erst im Oktober gesät wurden. Der milde Winter mit Temperaturen bis zu 20 °C führte in tieferen Lagen zu einem stetigen Wachstum der Sorten, welches in den Kurztagstypen ein vorzeitige Streckungswachstum zur Folge hatte. Oft haben diese Sorten nur einen kräftigen und zwei mittlere Triebe ausgebildet.
In der generativen Entwicklung sind diese Pflanzen weiter als sonst. Weizensorten mit geringem Vernalisationsbedarf haben mit der Blütendifferenzierung begonnen. Allerdings wird die Ährenstreckung erst einsetzen, wenn die dafür notwendige Mindesttageslänge von 14 Stunden überschritten wird.
Um zu vermeiden, dass die Ährenanlagen „faul“ werden, aber auch um ein zu starkes Ausdünnen infolge der Triebreduktion zu vermeiden, ist es notwendig, trotz üppiger Entwicklung diese Bestände frühzeitig mit Stickstoff nachzudüngen, wenn Anzeichen für eklatanten N-Mangel bestehen: Viertes Blatt von oben beginnt von der Spitze her zu vergilben, kaum schwache Nebentriebe.
In diesem Fall ist es angebracht, nach einer verhaltenen Startgabe frühzeitig nachzudüngen bzw., wenn die Startgabe noch nicht erfolgt ist, mit der Startgabe den N-Bedarf bis zur „Großen Periode“ abzudecken, um dann gezielt in die Ährenstreckung (EC 32/37) zu düngen.
Wenn die kräftigen Triebe dagegen noch 5 intakte Blätter haben und das 4. Blatt von oben noch keinerlei Anzeichen einer Vergilbung erkennen lässt, die Einzelpflanze viele schwache Triebe aufweist, reicht eine reduzierte Startgabe, die den N-Bedarf bis zum Spitzenährchen abdeckt, um dann vor der „Großen Periode“ der Ähren zu düngen.
Die „Große Periode“ setzt in frühen Weizensorten ab dem 28. April ein. Die Düngung sollte im frühen Weizen mit KAS oder AHL dann 1 Woche bis 10 Tage (18.04.) vorher erfolgen. Harnstoff mit Urease-Hemmer muss 10 bis 14 Tage vorher (4. bis 8. April) gedüngt werden. Die „Große Periode“ der Gerste setzt ab dem 10.04. ein. Die Nachdüngung der Bestände ohne erkennbaren N-Mangel sollte mit KAS oder AHL nicht vor dem 4. April erfolgen. Harnstoff mit Urease-Hemmer oder Gülle kann ab dem 20. März gedüngt werden.
Anders als in üppigen Beständen, die sich noch in der Bestockung befinden und in denen ein Aufhellen der Bestände gegen Ende der Bestockung sogar erwünscht ist, darf der Stickstofffluss in den bereits schossenden Beständen nicht abreißen.






