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Drahtwürmer in Mais und Kartoffeln

März 30, 2023 | Beizung, Biogasmais, Drahtwürmer, Grünes Info 2023, Kartoffel, Körnermais, Silomais

Drahtwürmer wurden nach dem Wegfall der Neonicotinoid-Beizen zu einem Hauptschadensfaktor für die Etablierung von Maisbeständen. Auch im Kartoffelanbau bereiten Drahtwürmer, die Larven des Getreideschnellkäfers, große Probleme. Neben Wurzelfraß und zu erwartenden Ertragseinbußen leidet die Lager- und Vermarktungsfähigkeit angefressener Kartoffelknollen.

Der Besatz mit Schnellkäfern wird durch Zwischenfrucht-Anbau und Ganzjahresbedeckung gefördert. Angelockt werden sie von der CO2-Ausscheidung der Pflanzenwurzeln.

Nachweis von Drahtwürmern

Ob die für Mais oder Kartoffeln eingeplanten Flächen mit Drahtwürmern belastet sind, lässt sich mittels aufgeschnittener Kartoffelhälften feststellen. Diese werden im trockenem Boden an mehreren Stellen 10 cm tief in den Boden eingegraben und nach einer Woche auf die drahtigartigen Larven untersucht.

Bekämpfungsmöglichkeiten

Da aktuell kaum noch chemische Möglichkeiten zur Verfügung stehen, muss gegen Drahtwürmer vorbeugend über Fruchtfolge und Bodenbearbeitung gehandelt werden. Ganzjährig grüne Felder liefern den Drahtwürmern durchgängig Nahrung und sichern somit deren Überleben. Deshalb muss der Boden belasteter Schläge nach der Ernte mit einer zeitnahen Stoppelbearbeitung braun gehalten werden.

Mehrere Bearbeitungsgänge im wöchentlichen Abstand nach der Getreideernte im August bis Ende September bei hohen Temperaturen (ab 25 °C) und trockenen Bedingungen versprechen Erfolg, da auf diese Weise die Drahtwurmlarven und -eier vertrocknen können. Auch im Frühjahr werden die Larven durch eine intensive Bodenbearbeitung ab April vor der Maisaussaat dezimiert.

Die Bekämpfung der Drahtwürmer muss auf Problemflächen über die Fruchtfolge erfolgen. Dazu muss dem Schädling zwischen dem Anbau der Kulturen die Nahrungsgrundlage genommen und die Flächen durch mehrere Bearbeitungsgänge „schwarz“ gehalten werden (kein Ausfallgetreide, keine Zwischenfrucht).

Ein weiterer Baustein in der Bekämpfungsstrategie ist Kalkstickstoff. Kalkstickstoff, der in die oberste Bodenschicht eingearbeitet oder mit der Unterfußdüngung unterhalb der Saatreihe im Band abgelegt wird, kann die Drahtwurmpopulation eindämmen. Die Wirkung reicht aber bei großer Drahtwurmpopulation nicht aus. Die Wirkung des Kalkstickstoffs beruht darauf, dass Drahtwürmer Bereiche mit Cyanamid meiden und auf diese Weise von den Pflanzenwurzeln ferngehalten werden. Kalkstickstoff kann bereits im Herbst breitflächig auf die Stoppel ausgebracht und in die oberste Bodenschicht eingearbeitet werden. Mit 300 kg/ha Kalkstickstoff kann der spätere Besatz bzw. der Schaden an der Kulturpflanze um ca. 50 % eingedämmt werden.

Für Mais bietet sich im Frühjahr neben der breitflächigen Variante auch die Unterfußdüngung mit Kalkstickstoff an. Die konzentrierte Ausbringung von 100 kg/ha Kalkstickstoff im Düngerband brachte in Versuchen 50 % Wirkung. Ist für die Maisaussaat ohnehin eine Unterfußdüngung mit Diammonphosphat geplant, können DAP und Kalkstickstoff gemischt werden. Das Düngerband muss allerdings 5 cm vom Maiskorn entfernt platziert werden, um Schäden an der Kultur zu vermeiden.

Gibt es keine Möglichkeit, den Dünger unter Fuß abzulegen oder bereits vor der Saat einzuarbeiten, wird mit 8 kg/ha Kalkstickstoff in der Drillreihe ohne nachteilige Wirkung auf den Feldaufgang eine 30 %-ige Wirkung gegen Drahtwurm erzielt.

Saatgutbeizen

Spezielle Saatgutbeizen gegen Drahtwürmer sind in Deutschland grundsätzlich nicht zugelassen. Allerdings verfügen einige Fungizidbeizen über Nebenwirkungen, durch die eine wirksame Regulierung der Larven verschiedener Schnellkäferarten möglich wäre.

Diese verlieren jedoch nach und nach Ihre Zulassung: nachdem 2020 zunächst die Beize Mesurol mit dem Wirkstoff Methiocarb verboten wurde, steht seit 2021 auch die Neonicotinoid-Beize Sonido mit dem Wirkstoff Thiacloprid nicht mehr zur Verfügung.

Insektizide Beizen wie Force 20 CS (Tefluthrin) in Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln haben zwar eine Wirkung gegen Drahtwurm. Diese ist allerdings bei weitem nicht so wirksam. Das Tefluthrin entwickelt zwar eine Dampfphase, wirkt aber nicht systemisch, schützt also nicht die ganze Pflanze. Stattdessen bekämpft sie bodenbürtige Schädlinge innerhalb eines Radius von 3 cm um das Saatgut herum. Die kurze Dauerwirkung reicht aber bei Starkbefall für eine sichere Drahtwurm-Bekämpfung nicht aus. Dennoch bilden die Beizen einen Baustein bei der integrierten Bekämpfung des Drahtwurms. Im Getreide hat Signal 300 ES (Cypermethrin) eine Teilwirkung auf den Drahtwurm.

Granulate

Neben der Beizausstattung besteht über die Einarbeitung von insektiziden Granulaten in die Saatreihe eine weitere Möglichkeit Mais und Kartoffeln vor Drahtwurmbefall zu schützen. Neben dem Wirkstoff Tefluthrin (z.B. im Force Evo) ist bis einschließlich April 2024 das Produkt Spintor GR mit dem Wirkstoff Spinosad mit 12 kg/ha in Mais und Kartoffeln zur Saatrillenbehandlung zugelassen.

Zur Kartoffelaussaat stehen in diesem Jahr zwei weitere Produkte per Notfallzulassung gegen Drahtwürmer zur Verfügung:

Die Granulate Trika Expert (lambda-Cyhalothrin) und SoilGuard 0.5 GR (Tefluthrin) sind mit jeweils 15 kg/ha zugelassen und müssen in die obere Bodenschicht bzw. den Saathorizont eingearbeitet werden.

Mit Blick auf die Wirkung müssen die Granulate so wie die verbliebenen Tefluthrin-Beizen eingeschätzt werden. Die Ausbringung der Granulate ist komplizierter bzw. erfordert spezielle Technik.

Der Drahtwurm kann letztendlich nur reduziert werden, wenn sämtliche Bausteine zu Bekämpfung gesetzt werden, z.B.

  • Schwarzhalten des Bodens
    • 60 % WG 40 % Restbesatz
  • Breitwürfige Kalkstickstoffausbringung:
    • 50 % WG 20 % Restbesatz
  • Unterfußdüngung: Kalkstickstoff im Düngerband
    • 50 % WG 10 % Restbesatz
  • Beidrillen von Kalkstickstoff
    • 40 % WG 6 % Restbesatz
  • Insektizidbeizung
    • 60 % WG 2 % Restbesatz

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.