Drahtwürmer wurden nach dem Wegfall der Neonicotinoid-Beizen zu einem Hauptschadensfaktor für die Etablierung von Maisbeständen. Auch im Kartoffelanbau bereiten Drahtwürmer, die Larven des Getreideschnellkäfers, große Probleme. Neben Wurzelfraß und zu erwartenden Ertragseinbußen leidet die Lager- und Vermarktungsfähigkeit angefressener Kartoffelknollen.
Der Besatz mit Schnellkäfern wird durch Zwischenfrucht-Anbau und Ganzjahresbedeckung gefördert. Angelockt werden sie von der CO2-Ausscheidung der Pflanzenwurzeln.
Nachweis von Drahtwürmern
Ob die für Mais oder Kartoffeln eingeplanten Flächen mit Drahtwürmern belastet sind, lässt sich mittels aufgeschnittener Kartoffelhälften feststellen. Diese werden im trockenem Boden an mehreren Stellen 10 cm tief in den Boden eingegraben und nach einer Woche auf die drahtigartigen Larven untersucht.
Bekämpfungsmöglichkeiten
Da aktuell kaum noch chemische Möglichkeiten zur Verfügung stehen, muss gegen Drahtwürmer vorbeugend über Fruchtfolge und Bodenbearbeitung gehandelt werden. Ganzjährig grüne Felder liefern den Drahtwürmern durchgängig Nahrung und sichern somit deren Überleben. Deshalb muss der Boden belasteter Schläge nach der Ernte mit einer zeitnahen Stoppelbearbeitung braun gehalten werden.
Mehrere Bearbeitungsgänge im wöchentlichen Abstand nach der Getreideernte im August bis Ende September bei hohen Temperaturen (ab 25 °C) und trockenen Bedingungen versprechen Erfolg, da auf diese Weise die Drahtwurmlarven und -eier vertrocknen können. Auch im Frühjahr werden die Larven durch eine intensive Bodenbearbeitung ab April vor der Maisaussaat dezimiert.
Die Bekämpfung der Drahtwürmer muss auf Problemflächen über die Fruchtfolge erfolgen. Dazu muss dem Schädling zwischen dem Anbau der Kulturen die Nahrungsgrundlage genommen und die Flächen durch mehrere Bearbeitungsgänge „schwarz“ gehalten werden (kein Ausfallgetreide, keine Zwischenfrucht).
Ein weiterer Baustein in der Bekämpfungsstrategie ist Kalkstickstoff. Kalkstickstoff, der in die oberste Bodenschicht eingearbeitet oder mit der Unterfußdüngung unterhalb der Saatreihe im Band abgelegt wird, kann die Drahtwurmpopulation eindämmen. Die Wirkung reicht aber bei großer Drahtwurmpopulation nicht aus. Die Wirkung des Kalkstickstoffs beruht darauf, dass Drahtwürmer Bereiche mit Cyanamid meiden und auf diese Weise von den Pflanzenwurzeln ferngehalten werden. Kalkstickstoff kann bereits im Herbst breitflächig auf die Stoppel ausgebracht und in die oberste Bodenschicht eingearbeitet werden. Mit 300 kg/ha Kalkstickstoff kann der spätere Besatz bzw. der Schaden an der Kulturpflanze um ca. 50 % eingedämmt werden.
Für Mais bietet sich im Frühjahr neben der breitflächigen Variante auch die Unterfußdüngung mit Kalkstickstoff an. Die konzentrierte Ausbringung von 100 kg/ha Kalkstickstoff im Düngerband brachte in Versuchen 50 % Wirkung. Ist für die Maisaussaat ohnehin eine Unterfußdüngung mit Diammonphosphat geplant, können DAP und Kalkstickstoff gemischt werden. Das Düngerband muss allerdings 5 cm vom Maiskorn entfernt platziert werden, um Schäden an der Kultur zu vermeiden.
Gibt es keine Möglichkeit, den Dünger unter Fuß abzulegen oder bereits vor der Saat einzuarbeiten, wird mit 8 kg/ha Kalkstickstoff in der Drillreihe ohne nachteilige Wirkung auf den Feldaufgang eine 30 %-ige Wirkung gegen Drahtwurm erzielt.
Saatgutbeizen
Spezielle Saatgutbeizen gegen Drahtwürmer sind in Deutschland grundsätzlich nicht zugelassen. Allerdings verfügen einige Fungizidbeizen über Nebenwirkungen, durch die eine wirksame Regulierung der Larven verschiedener Schnellkäferarten möglich wäre.
Diese verlieren jedoch nach und nach Ihre Zulassung: nachdem 2020 zunächst die Beize Mesurol mit dem Wirkstoff Methiocarb verboten wurde, steht seit 2021 auch die Neonicotinoid-Beize Sonido mit dem Wirkstoff Thiacloprid nicht mehr zur Verfügung.
Insektizide Beizen wie Force 20 CS (Tefluthrin) in Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln haben zwar eine Wirkung gegen Drahtwurm. Diese ist allerdings bei weitem nicht so wirksam. Das Tefluthrin entwickelt zwar eine Dampfphase, wirkt aber nicht systemisch, schützt also nicht die ganze Pflanze. Stattdessen bekämpft sie bodenbürtige Schädlinge innerhalb eines Radius von 3 cm um das Saatgut herum. Die kurze Dauerwirkung reicht aber bei Starkbefall für eine sichere Drahtwurm-Bekämpfung nicht aus. Dennoch bilden die Beizen einen Baustein bei der integrierten Bekämpfung des Drahtwurms. Im Getreide hat Signal 300 ES (Cypermethrin) eine Teilwirkung auf den Drahtwurm.
Granulate
Neben der Beizausstattung besteht über die Einarbeitung von insektiziden Granulaten in die Saatreihe eine weitere Möglichkeit Mais und Kartoffeln vor Drahtwurmbefall zu schützen. Neben dem Wirkstoff Tefluthrin (z.B. im Force Evo) ist bis einschließlich April 2024 das Produkt Spintor GR mit dem Wirkstoff Spinosad mit 12 kg/ha in Mais und Kartoffeln zur Saatrillenbehandlung zugelassen.
Zur Kartoffelaussaat stehen in diesem Jahr zwei weitere Produkte per Notfallzulassung gegen Drahtwürmer zur Verfügung:
Die Granulate Trika Expert (lambda-Cyhalothrin) und SoilGuard 0.5 GR (Tefluthrin) sind mit jeweils 15 kg/ha zugelassen und müssen in die obere Bodenschicht bzw. den Saathorizont eingearbeitet werden.
Mit Blick auf die Wirkung müssen die Granulate so wie die verbliebenen Tefluthrin-Beizen eingeschätzt werden. Die Ausbringung der Granulate ist komplizierter bzw. erfordert spezielle Technik.
Der Drahtwurm kann letztendlich nur reduziert werden, wenn sämtliche Bausteine zu Bekämpfung gesetzt werden, z.B.
- Schwarzhalten des Bodens
- 60 % WG 40 % Restbesatz
- Breitwürfige Kalkstickstoffausbringung:
- 50 % WG 20 % Restbesatz
- Unterfußdüngung: Kalkstickstoff im Düngerband
- 50 % WG 10 % Restbesatz
- Beidrillen von Kalkstickstoff
- 40 % WG 6 % Restbesatz
- Insektizidbeizung
- 60 % WG 2 % Restbesatz






