Die Böden im Nordwesten sind derzeit übernass. Die Landwirte an der Westküste haben vielfach noch kein Pfund Weizen gesät. Wenn nicht tiefgreifender, länger anhaltender Kahlfrost die Bodenstruktur aufbessert, müssen wir die Düngerplanung im Frühjahr 2024 auf die zu erwartenden schwierigen Bodenverhältnisse abstellen.
Nass-kalte Böden: verzögerte Bodenerwärmung im Frühjahr (vor allem im Unterboden, wenn die Böden nass bleiben)
- Folge: Verspätete Aussaattermine von Frühjahrskulturen, verzögerte Mineralisation niedrige N- und S- Freisetzung, schlechte Phosphormobilisation.
- Betroffen: Vor allem schwach wurzelnde Kulturen (Wintergerste, Sommergerste, Erbsen, u.U. auch Kartoffeln) ebenso wie spät und nass bestellte Wintergetreide- und Rapsbestände, Mais, wenn die Bearbeitung im nassen Boden erfolgt.
- Weniger betroffen: Früh, noch unter guten Bedingungen bestellte Herbstaussaaten und Sommerungen, wenn die tiefe Bodenbearbeitung im Herbst noch unter günstigen Bedingungen erfolgte.
Eingeschränkte Zugänglichkeit des Unterbodens wegen Verdichtungen bzw. Schmierhorizonten bei der Bodenbearbeitung
- Folge: Zeitweise Übernässe durch Wasserstau (Denitrifikation), Trockenschäden durch Behinderung von Wurzelwachstum und des kapillaren Aufstiegs, eingeschränkte Verfügbarkeit von P2O5, Mg, K und Bor im Unterboden.
- Betroffen: Schlecht oder spät bestellter Raps und Wintergetreide, Zuckerrüben, Mais (ohne Unterfußdüngung), voraussichtlich auch Sommerweizen.
- Weniger betroffen: Frühzeitig und gut bestellte Kulturen bzw. Flächen. Flachwurzelnde Kulturen, wie z.B. Kartoffeln, Sommergerste, Erbsen (bei guter Bodenbearbeitung).
Allgemein schlechte Verfügbarkeit von P2O5 und Mg wegen der Nässe und der schlechten Bodenstruktur im Oberboden
- Folge: Schlechte Wurzelbildung und damit geringe Bestockungsleistung, eingeschränkter Energiehaushalt der Pflanzen. Hohes Nitrat-N-Angebot (Düngung) kann einen Nitrat-/Nitrit-Stau in den Pflanzen verursachen, wenn z.B. für die ATP- und Chlorophyllsynthese Phosphor bzw. Magnesium oder Cu + Mo für die Nitratreduzierung fehlen.
- Betroffen: Kulturen mit schwacher Wurzelleistung, z.B. (zweizeilige) Wintergerste, Sommergerste, Erbsen, Kartoffeln, nass bestellte Wintergetreide- und Rapsschläge, vor allem Spätsaaten, Herbizid geschädigte Raps- und Wintergetreidebestände.
- Weniger betroffen: Früh und noch trocken bestellte und zügig aufgelaufene Bestände (Raps, Wintergetreide), Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben mit Unterfußdüngung.
Ungünstige Mineralisationsbedingungen von N und S aus der organischen Substanz
- Folge: Geringe Mineralisation von N und S, wenn nicht anhaltender Kahlfrost oder Trockengare im Frühjahr bessere Voraussetzungen für erhöhte Freisetzung schaffen.
- Betroffen: Weizenspätsaat, schlecht entwickelte Gerste, generell Wintergetreide- und Rapsschläge, die schon Ende Oktober auf Fahrspuren oder Strohmatten stark zeichneten. Sommergetreidearten, wenn sich die Bodenstruktur bis zur Aussaat nicht bessert.
- Weniger betroffen: Gut entwickelte Wintergetreide- und Rapsbestände bzw. auch Bestände, die vor der Saat mit Gülle oder im September mineralisch gedüngt wurden. Hackfrüchte, wenn die tiefe Grundbodenbearbeitung noch frühzeitig zur Zwischenfrucht unter günstigen Verhältnissen erfolgte.
Was ist zu beachten?
- Zum Starten nitrathaltige N-Dünger (30 bis 50 kg/ha Nitrat-N reichen) einplanen, wenn die Bestände bis Anfang März nicht ausreichend entwickelt sind. Das Risiko von Denitrifikationsverlusten sinkt durch Ergänzung mit NH4– (z.B. SSA, DAP) bzw.amidhaltige (z.B. Piagran Pro) Dünger.
- Mit 200 kg/ha KAS werden 27 kg/ha Nitrat-N (+ 27 kg/ha Ammonium-N) und 13 kg/ha CaO + 8 kg/ha MgO ausgebracht. Die Mengen an Ca + Mg reichen, um den Ca- (+Mg-) Bedarf so weit zu decken, bis die späten Getreidebestände durch die Wurzelausscheidungen Kalzium und Magnesium aus dem Gestein lösen können.
- Vielfach ist zu den schwachen Beständen eine P-Düngung als Kopfdüngung zu Vegetationsbeginn (z.B. mit NP-Dünger, NP-Lösung, Gülle) angebracht, vor allem wenn die P-Gehalte auf Böden mit zudem niedrigen pH-Werten unter 7 mg P bzw. 14 mg P2O5 je 100 g Boden liegen sollten. Ausgenommen sind Raps- und Wintergetreidebestände, die unter günstigen Bedingungen früh gesät wurden bzw. Bestände, die schon z.B. über Gülle oder TSP mit Phosphor im Herbst gedüngt wurden. Sollten sich die Verhältnisse im Winter nicht spürbar verbessern, können wir auch bei den Sommerungen mit deutlichen Effekten einer P-Düngung rechnen (Vorteil der Unterfußdüngung!).
- Besteht die schlechte Bodenstruktur bis ins Frühjahr hinein, sollten schwach entwickelte Bestände mit Wintergerste, Winterweizen, auch mit Raps, wenn sie nass bestellt wurden, auf Böden mit niedrigen pH- Werten zum Starten nicht in höheren Mengen mit stark versauernd wirkenden N-Düngern (SSA, auch ASS, Piamon S) gedüngt werden (max. 200 kg/ha Dünger). Wenn im Boden freier Kalk vorliegt (i.d.R. pH > 7,0) oder wenigstens 300 kg/ha Branntkalk gedüngt wurden, gelten die Einschränkungen für die sauren Dünger nicht.
- Wo Magnesium aus der Krume gewaschen wurde, sollten Sie auf leichten Böden bzw. bei niedriger Mg-Versorgung (unter 5 auf leichten bzw. 7 – 12 mg MgO/100 g Boden auf schweren Böden) eine Mg- Düngung über den Boden mit 200 kg/ha Kieserit ins Kalkül ziehen oder z.B. Mg-haltige PK- oder Kali- Dünger wie das 40er Korn-Kali mit MgO. Die Mg-haltigen N-Dünger sind i.d.R. zu teuer oder das Mg liegt oft als schwerlösliches Mg-Carbonat vor.
- Ist für den kommenden Sommer sowieso eine Kalkung geplant, dann würden wir die Kalkung in die Wintermonate vorziehen und sie mit Mg-haltigen Kalken durchführen. Die Mg-Freisetzung des kohlensauren Mg-Kalk ist zu langsam, um daraus sofort nennenswerten Nutzen ziehen zu können.






