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Aktuelle Bodenverhältnisse bei der Düngerplanung für das Frühjahr berücksichtigen!

Nov. 17, 2023 | Grunddüngung, Grünes Info 2023, Herbst, Kalkung, Makronährstoffe, Standortwahl, Stickstoffdüngung, Wetter und Entwicklung

Die Böden im Nordwesten sind derzeit übernass. Die Landwirte an der Westküste haben vielfach noch kein Pfund Weizen gesät. Wenn nicht tiefgreifender, länger anhaltender Kahlfrost die Bodenstruktur aufbessert, müssen wir die Düngerplanung im Frühjahr 2024 auf die zu erwartenden schwierigen Bodenverhältnisse abstellen.

Nass-kalte Böden: verzögerte Bodenerwärmung im Frühjahr (vor allem im Unterboden, wenn die Böden nass bleiben)

  • Folge: Verspätete Aussaattermine von Frühjahrskulturen, verzögerte Mineralisation niedrige N- und S- Freisetzung, schlechte Phosphormobilisation.
  • Betroffen: Vor allem schwach wurzelnde Kulturen (Wintergerste, Sommergerste, Erbsen, u.U. auch Kartoffeln) ebenso wie spät und nass bestellte Wintergetreide- und Rapsbestände, Mais, wenn die Bearbeitung im nassen Boden erfolgt.
  • Weniger betroffen: Früh, noch unter guten Bedingungen bestellte Herbstaussaaten und Sommerungen, wenn die tiefe Bodenbearbeitung im Herbst noch unter günstigen Bedingungen erfolgte.

Eingeschränkte Zugänglichkeit des Unterbodens wegen Verdichtungen bzw. Schmierhorizonten bei der Bodenbearbeitung

  • Folge: Zeitweise Übernässe durch Wasserstau (Denitrifikation), Trockenschäden durch Behinderung von Wurzelwachstum und des kapillaren Aufstiegs, eingeschränkte Verfügbarkeit von P2O5, Mg, K und Bor im Unterboden.
  • Betroffen: Schlecht oder spät bestellter Raps und Wintergetreide, Zuckerrüben, Mais (ohne Unterfußdüngung), voraussichtlich auch Sommerweizen.
  • Weniger betroffen: Frühzeitig und gut bestellte Kulturen bzw. Flächen. Flachwurzelnde Kulturen, wie z.B. Kartoffeln, Sommergerste, Erbsen (bei guter Bodenbearbeitung).

Allgemein schlechte Verfügbarkeit von P2O5 und Mg wegen der Nässe und der schlechten Bodenstruktur im Oberboden

  • Folge: Schlechte Wurzelbildung und damit geringe Bestockungsleistung, eingeschränkter Energiehaushalt der Pflanzen. Hohes Nitrat-N-Angebot (Düngung) kann einen Nitrat-/Nitrit-Stau in den Pflanzen verursachen, wenn z.B. für die ATP- und Chlorophyllsynthese Phosphor bzw. Magnesium oder Cu + Mo für die Nitratreduzierung fehlen.
  • Betroffen: Kulturen mit schwacher Wurzelleistung, z.B. (zweizeilige) Wintergerste, Sommergerste, Erbsen, Kartoffeln, nass bestellte Wintergetreide- und Rapsschläge, vor allem Spätsaaten, Herbizid geschädigte Raps- und Wintergetreidebestände.
  • Weniger betroffen: Früh und noch trocken bestellte und zügig aufgelaufene Bestände (Raps, Wintergetreide), Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben mit Unterfußdüngung.

Ungünstige Mineralisationsbedingungen von N und S aus der organischen Substanz

  • Folge: Geringe Mineralisation von N und S, wenn nicht anhaltender Kahlfrost oder Trockengare im Frühjahr bessere Voraussetzungen für erhöhte Freisetzung schaffen.
  • Betroffen: Weizenspätsaat, schlecht entwickelte Gerste, generell Wintergetreide- und Rapsschläge, die schon Ende Oktober auf Fahrspuren oder Strohmatten stark zeichneten. Sommergetreidearten, wenn sich die Bodenstruktur bis zur Aussaat nicht bessert.
  • Weniger betroffen: Gut entwickelte Wintergetreide- und Rapsbestände bzw. auch Bestände, die vor der Saat mit Gülle oder im September mineralisch gedüngt wurden. Hackfrüchte, wenn die tiefe Grundbodenbearbeitung noch frühzeitig zur Zwischenfrucht unter günstigen Verhältnissen erfolgte.

Was ist zu beachten?

  1. Zum Starten nitrathaltige N-Dünger (30 bis 50 kg/ha Nitrat-N reichen) einplanen, wenn die Bestände bis Anfang März nicht ausreichend entwickelt sind. Das Risiko von Denitrifikationsverlusten sinkt durch Ergänzung mit NH4– (z.B. SSA, DAP) bzw.amidhaltige (z.B. Piagran Pro) Dünger.
  2. Mit 200 kg/ha KAS werden 27 kg/ha Nitrat-N (+ 27 kg/ha Ammonium-N) und 13 kg/ha CaO + 8 kg/ha MgO ausgebracht. Die Mengen an Ca + Mg reichen, um den Ca- (+Mg-) Bedarf so weit zu decken, bis die späten Getreidebestände durch die Wurzelausscheidungen Kalzium und Magnesium aus dem Gestein lösen können.
  3. Vielfach ist zu den schwachen Beständen eine P-Düngung als Kopfdüngung zu Vegetationsbeginn (z.B. mit NP-Dünger, NP-Lösung, Gülle) angebracht, vor allem wenn die P-Gehalte auf Böden mit zudem niedrigen pH-Werten unter 7 mg P bzw. 14 mg P2O5 je 100 g Boden liegen sollten. Ausgenommen sind Raps- und Wintergetreidebestände, die unter günstigen Bedingungen früh gesät wurden bzw. Bestände, die schon z.B. über Gülle oder TSP mit Phosphor im Herbst gedüngt wurden. Sollten sich die Verhältnisse im Winter nicht spürbar verbessern, können wir auch bei den Sommerungen mit deutlichen Effekten einer P-Düngung rechnen (Vorteil der Unterfußdüngung!).
  4. Besteht die schlechte Bodenstruktur bis ins Frühjahr hinein, sollten schwach entwickelte Bestände mit Wintergerste, Winterweizen, auch mit Raps, wenn sie nass bestellt wurden, auf Böden mit niedrigen pH- Werten zum Starten nicht in höheren Mengen mit stark versauernd wirkenden N-Düngern (SSA, auch ASS, Piamon S) gedüngt werden (max. 200 kg/ha Dünger). Wenn im Boden freier Kalk vorliegt (i.d.R. pH > 7,0) oder wenigstens 300 kg/ha Branntkalk gedüngt wurden, gelten die Einschränkungen für die sauren Dünger nicht.
  5. Wo Magnesium aus der Krume gewaschen wurde, sollten Sie auf leichten Böden bzw. bei niedriger Mg-Versorgung (unter 5 auf leichten bzw. 7 – 12 mg MgO/100 g Boden auf schweren Böden) eine Mg- Düngung über den Boden mit 200 kg/ha Kieserit ins Kalkül ziehen oder z.B. Mg-haltige PK- oder Kali- Dünger wie das 40er Korn-Kali mit MgO. Die Mg-haltigen N-Dünger sind i.d.R. zu teuer oder das Mg liegt oft als schwerlösliches Mg-Carbonat vor.
  6. Ist für den kommenden Sommer sowieso eine Kalkung geplant, dann würden wir die Kalkung in die Wintermonate vorziehen und sie mit Mg-haltigen Kalken durchführen. Die Mg-Freisetzung des kohlensauren Mg-Kalk ist zu langsam, um daraus sofort nennenswerten Nutzen ziehen zu können.

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Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Die Ausbreitung von Glasflügelzikaden und der von ihnen übertragenen Krankheitserreger stellt eine zunehmende Bedrohung für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau in Deutschland dar. Nachdem zunächst der Südwesten Deutschlands stark betroffen war, treten inzwischen auch in Bayern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erste Nachweise auf.
Zentrale Erreger sind das Stolbur-Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) sowie erstmals auch das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus in Kartoffeln. Diese verursachen die neu definierte Krankheit „Bakterielle Kartoffel-Knollenwelke“, die durch verstopfte Leitbahnen, verminderte Assimilatverlagerung, reduzierte Stärkeeinlagerung und erhöhte Zuckergehalte in den Knollen gekennzeichnet ist.

Stolbur in Kartoffeln ein zunehmend wachsendes Problem

Insektizidversuch in Kartoffeln – Regensburg

Im Landkreis Regensburg wurde im Jahr 2025 ein Streifen – Demonstrationsversuch zur Bekämpfung von Insekten – insbesondere zur Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade – in Kartoffeln durchgeführt.
Beim Versuchsstandort handelte es sich um einen Lösslehm mit 72 Bodenpunkten. Die Vorfrucht war Zuckerrübe. Die Zuckerrüben wurden unter guten, trockenen Bedingungen geerntet. Die Grundbodenbearbeitung erfolge durch 2 Grubberstriche auf maximal 30 cm Tiefe. Die sekundäre Bodenbearbeitung erfolge im April mit einem Feingrubber und einer Vollfeldfräse.
Der Versuchsschlag wurde am 9. April mit der Chipskartoffelsorte SHc1010 gepflanzt. Das Saatgut wurde bereits mit Diabolo behandelt. Bei der Pflanzung erfolge die Beizung mit Moncut.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben 2025

Abgesehen von den pflanzenbaulichen Herausforderungen im Rübenanbau wie SBR, Cercospora oder dem Wegfall von Wirkstoffen stimmt die aktuelle Zuckermarktlage wenig optimistisch. Die Zuckerfabriken versuchen deshalb die Anbaufläche für 2026 zu reduzieren. Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie der Zuckerrübenanbau unter diesen Voraussetzungen noch wirtschaftlich funktionieren kann. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist es dabei, neben dem Ertrag auch die Qualität intensiver zu berücksichtigen und pflanzenbauliche Stellschrauben gezielt zu nutzen. Aus dem vergangenen Rübenjahr 2025 können dazu wieder interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Im letzten Jahr berichteten wir von den gravierenden Ertragsunterschieden von Standort zu Standort in Abhängigkeit des SBR- und Stolbur-Befalls, aber auch kleinräumig von Landwirt zu Landwirt. Die Spanne reichte 2024 von 20 t/ha bis 130 t/ha. Die Ausreißer nach unten blieben dieses Jahr erfreulicherweise aus und in den letztjährigen SBR-/Stolbur-Hotspot-Regionen konnten zumindest wieder höhere Erträge erzielt werden. Aussaat und Auflaufbedingungen Die meist trockenen Bedingungen im zeitigen Frühjahr ermöglichten verbreitet eine frühe Rübenaussaat ab der zweiten Märzdekade, auch wenn die Bodentemperaturen zu diesem Zeitpunkt nur knapp die 6 °C erreicht hatten, was einen verhaltenen Auflauf der Zuckerrüben erwarten ließ. Während im Süden noch ausreichend Bodenfeuchte für einen homogenen Feldaufgang vorhanden war, war es im Osten und Nordosten schon sehr trocken.

Zuckerrüben 2025

Zuckerrüben – Sortenwahl 2026

Die Sortenwahl ist im Rübenanbau eine besonders wichtige Stellschraube, da je nach Standort z.B. bei Nematoden- oder Rhizoctoniabefall zur Absicherung des Ertrags Spezialsorten angebaut werden müssen. Auch SBR und Cercospora müssen bei der Wahl der möglichen Sorte besonders priorisiert werden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass besonders im Rübenanbau ein Risikosplitting durch den Anbau verschiedener Sorten wichtig ist.
Konventionelle Sorten

Standardsorten

Standorte ohne Nematoden-, Rhizoctonia- oder SBR-Befall erlauben bei der Sortenwahl maximale Flexibilität (Tab.175). Unter diesen Idealvoraussetzungen kann der Fokus auf das maximale genetisch vorgegebene Zuckerertragspotential gelegt werden. Der starke Cercospora-Druck der letzten Jahre hat aber dazu geführt, dass die Sorten mit der höchsten Ertragsstabilität über die verschiedenen Standorte in Deutschland auch in punkto Cercospora- Leistung ein gutes Niveau mitbringen. Zu nennen sind Sorten wie Ludovica, BTS 2030, Annedora und Habicht. Ebenso erreicht die St Rotterdam ein hohes Ertragsniveau.

Wird das Ertragspotential z.B. durch späte Trockenheit, Spätsaat oder Frührodung begrenzt,

Zuckerrüben 2025

Mais – Neue Sorten

Silomais:
DKC 2956 (S 190 / K 220)
frühe hartmais-ähnliche Doppelnutzungssorte
ausgeglichenes Verhältnis von Restpflanze zu Kolben
gute Kolbenleistung bei tiefem Kolbensitz, eher Fixkolben-Typ
Selektion für frühe, nördliche Lagen bzw. Höhenlagen, Grenzstandorte
top Jugend-Entwicklung und Kältetoleranz
KWS Aveso (S 200)
Dreinutzungssorte (Biogas, Fütterung, Körner- bzw. CCM-Mais)
gute Stärke- und Energieerträge bei guter Verdaulichkeit
ansprechende Körnermaisleistungen in Nordwestdeutschland
LG 32.216 (S 200 / K 220)
Doppelnutzungssorte
langer Typ mit sogenannter „open look“-Optik
standfest
sehr gute Jugendentwicklung
gute Blattgesundheit
geringe Bestockungsneigung bei gutem TKG
P78020 (S 210)
massebetonter früher Doppelnutzer
sehr gute Anpassung an Nordwest- und Nordostdeutschland in den Silomaisversuchen

Zuckerrüben 2025

Körnermais 2025 – Erträge zwischen Spitzenleistungen und totaler Enttäuschung

Das Maisjahr 2025 zeigte sich in Deutschland von zwei Seiten: Während in Süddeutschland, Nordwest und Nordost vielerorts befriedigende bis unerwartet hohe Erträge erzielt wurden, präsentierte sich die Lage in Teilen Mitteldeutschlands ganz anders: kalte Temperaturen während der Jugendentwicklung, Frühjahrstrockenheit und Trockenheit zur Blüte führten dort zu katastrophalen Ergebnissen.
Kaltes Frühjahr
Der Saisonstart verlief vielversprechend. Unter trockenen, günstigen Bedingungen konnten die Bestände ab Mitte April zügig und gleichmäßig auflaufen. Doch danach folgte eine ungewöhnlich kalte Witterungsphase mit sehr kalten Nächten. Diese Phase setzte den Maisbeständen massiv zu und warf die Entwicklung stark zurück. Die Kältebelastung beeinflusste auch das phytohormonelle Gleichgewicht der Pflanzen, insbesondere die Bildung und Steuerung der generativen Organe. Vielfach präsentierten sich Bestände mit Mehrkolbigkeit und kleinen, rudimentären Kolben an den Fahnenästen.
Einkörnung und Kornfüllung
Ab Mitte Juni verbesserten sich die Bedingungen für den Körnermais in den meisten Regionen. Während der Blüte fiel verbreitet ausreichend Regen, sodass eine sichere Befruchtung und Einkörnung gewährleistet war. Eine Ausnahme bildeten das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen u.a. Gebiete im Regenschatten der Mittelgebirge, wo nur zwei Drittel der normalen Niederschläge fielen.